Dogaletto
Siedlung in Italien
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Dogaletto ist eine der mehr als zwanzig località,[1] also Ansiedlungen, der Kommune Mira fast unmittelbar am Westrand der Lagune von Venedig. Das kleine oberitalienische Straßendorf mit seinen rund 500 Einwohnern liegt südlich der località Malcontenta und östlich einer der sechs frazioni Miras, nämlich Gambarare. Die nächstgelegene größere Stadt ist Mestre, knapp 10 km nördlich von Dogaletto. Von West nach Ost durchzieht die Via Bastie den Ort.

Eine gewisse historische Bedeutung hat Dogaletto, weil wenig östlich, an der Verlängerung der Via Bastie, nämlich der Via Foscara, im Frühmittelalter das Kloster Santi Ilario e Benedetto entstand, ein bedeutendes Benediktinerkloster mit einer weitläufigen Grundherrschaft, das zur Republik Venedig gehörte. Sein Gebiet entsprach in etwa dem der Kommune Mira. Dabei wurde die Landschaft vollständig durch Menschen umgewandelt, es wurden Flüsse umgeleitet, Meliorationen durchgeführt, die Nähe der Industrieanlagen von Mestre hatte ebenso massive Auswirkungen wie Trockenlegungen und Kanalbauten, aber auch jüngst die Versalzung des Bodens und die Häufung der Hochwasser.
Geschichte
Die Lagune von Venedig entstand vor mehr als 5.000 Jahren, wobei der Brenta lange Zeit Sedimente ablagerte, ähnlich wie die anderen Flüsse, die in die Lagune mündeten. Seine ältesten Ablagerungen entstanden bereits vor 14.000 bis 15.000 Jahren. Die Gegend um Dogaletto und das Kloster befand sich an der Grenze zwischen den Sedimenten des Flusses Brenta und denjenigen der Lagune mit ihren Gezeitenströmen. Das Festland dehnte sich auf diese Weise lange Zeit ostwärts aus, bis es gegen Ende des 3. und zu Anfang des 4. Jahrhunderts bis zu den heutigen Motte di Volpego reichte,[2] also weit in die Lagune hinein.
Kleinere Flussläufe verlegten auch in den folgenden Jahrhunderten immer wieder ihren Lauf. Auch entstand im 5. bis 9. Jahrhundert ein ausgedehnter Wald im Gebiet des Lago dei Teneri, des Lago degli Stradoni sowie um die Insel Torson di Sopra, dessen Überreste sich datieren ließen. Der in dieser Zeit bestehende Flussarm war wohl derjenige, der von Noventa nach Saonara bis nach Bebbe und zum Hafen von Brondolo floss (der Medoacus minor). Aus dieser Zeit stammt wohl die älteste Kirche, die bei den Ausgrabungen am Kloster nachgewiesen wurde. Bei der Flucht des Dogen Pietro Candiano aus Venedig gelangte dieser noch per Boot zum Kloster, während der heutige archäologische Fundplatz auf dem Festland liegt. Wiesen gestatteten es dem Abt später, in „Ortulis“, Pferde zu halten, die Wasserläufe dürften verschwunden sein.
Die Abwesenheit des Brenta-Flusses sorgte mehrere Jahrhunderte lang für das Bestehen des besagten Waldes, der jedoch mit dem Ansteigen des Wasserspiegels der Lagune zwischen dem 9. und dem 12. Jahrhundert unterging. Eine der zahlreichen Umleitungen des Flusses durch Menschenhand, wohl um 1000, beschleunigte diese Entwicklung. So rückte die Lagune wieder näher an Dogaletto heran.
Padua ließ zwischen 1143 und 1146 den Fluss umleiten. Die Folgen betrafen nicht nur das Kloster und die Bauern der Umgebung, sondern auch Oriago und Fusina. Um den letzteren Ort ließ sich ein Flusslauf der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts belegen.[3] Die Sedimentmassen des Flusses ließen die Lagune erneut schrumpfen, bis es durch Venedigs Behörden im 16. Jahrhundert zu weiteren Umleitungen kam, um dies zu verhindern.
Die Bewohner der Gegend um Dogaletto waren also jedes Mal gezwungen, ihre Lebensweise zu ändern oder den Sedimentmassen im Abstand weniger Jahrzehnte zu folgen, da die Anlegestellen schnell versandeten, oder Hochwässer die lokalen Äcker und Weiden überfluteten. Den Zustand um 1540 gibt die Mappa Valier wieder, die Valier-Karte, die Nicolò Dal Cortivo erstellte. Sie sollte der Klärung eines Rechtsstreits zwischen dem Abt und der adligen Familie Valier dienen. Die Karte stellte, wohl anhand einer nicht überlieferten Vorgängerkarte, den Zustand im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts dar.
Dogaletto lag während dieser Zeit auf einem Brenta-Sedimentrücken, an einem Flussufer, das bereits im 12. Jahrhundert entstanden war. Nördlich davon floss der „Clarino“, ein Fluss, der mitsamt dem Flussnamen später wieder aus den Quellen verschwand. Da in dieser Gegend die Grenze zwischen Padua und Venedig verlief, wurden immer wieder Fachmänner dorthin entsandt, um die lokalen Zustände zu erfassen. In ihren Berichten erscheint auch eine „Brentasecha“, also ein trockengefallenes, ehemaliges Flussbett. Dieses Gewässer floss zuvor nach Mira Vecchia, wie die Vorgängersiedlung des heutigen Mira genannt wird, und Richtung Torre di Curano, der nicht mehr existiert. Die Valierkarte zeigt, dass dieser Flusslauf bereits Mitte des 15. Jahrhunderts nicht mehr bestand (er dürfte zwischen 1084 und dem Ende des 14. Jahrhunderts existiert haben). Ein weiterer Flusslauf passierte wohl schon um 1117 das Kloster (bis zum 14. Jahrhundert).
Für Venedig war der Grenzraum der Lagune nicht nur agrar- und fischwirtschaftlich von Bedeutung, sondern auch als Wegenetz und sogar für die Trinkwasserversorgung. Dabei spielte der Brenta-Fluss mit seinem Kanalsystem eine wesentliche Rolle. So sollte 1609 einer der Kanäle verbreitert und vertieft werden, und bis Mira verlängert werden. 1611 wurde diese Verlängerung bis „Dogaleto“ beschlossen.[4]
Bis 1797 beanspruchte die Republik Venedig das Gebiet. Noch 1791 wurde südöstlich der Gemeinde ein Grenzstein der Lagune errichtet, um diesen Anspruch sichtbar zu machen (Cippo di conterminazione lagunare, n. 91).
Bis 1866 war Venetien österreichisch. 1851 wurde „Dogaleto“ als Dorf der Kommune Gambarare im Distrikt Dolo in der Provinz Venedig beschrieben. Demnach lag es am rechten Ufer des Bondante, in einem Gebiet mit Weiden und Getreideanbau.[5]
Als sich die Industriestadt Mestre nach Süden ausdehnte, dazu ein breiterer Kanal durch die Lagune ausgehoben wurde, sollte der gesamte dabei anfallende Aushub an zwanzig verschiedenen Stellen oberirdisch deponiert werden. Dies geschah auch im Gebiet von Dogaletto, wo in den 1960er Jahren einer der höchsten Hügel von rotem Schlamm aufgehäuft wurde, obwohl diese Schlämme giftige Substanzen enthielten.[6] Die kontaminierten Flächen sollten u. a. mittels biologischer Methoden gereinigt werden.[7] Ab 2009 sollte am Rand der Lagune ein „Logistic Hub“ entstehen, der jedoch auf so starken Widerstand stieß, dass dieser Plan wieder aufgegeben wurde.[8]
Bedrohlicher für die Existenz des Dorfes in unmittelbarer Nachbarschaft zur Lagune ist jedoch der Anstieg des Wasserspiegels. Als Schutzmaßnahmen schälte 2023 eine Studie heraus, dass die Erhaltung der Sandbänke in den flussaufwärts gelegenen Gebieten, der Rückbau der am stärksten betroffenen Bereiche des Dorfes und die Wiederverwendung der Materialien in den höher gelegenen Bereichen einen Ansatz bieten könnten; gleichzeitig führt das vordringende Salzwasser zu einer Umwidmung der Flächen.[9]
Verkehr
Die Ansiedlung ist über die Strada statale 309 zu erreichen, dann über die Via Bastiette Richtung Südosten. Sie führt bis an die Lagune. Die Westostverbindung innerhalb von Dogaletto bildet die Via Bastie.
Per Wasserfahrzeug gelangt man in den Canale di Canaletto und damit in den zentralen Teil der Lagune.
Literatur
- Chiara Lombardi Dellamonica: De la résistance à la résilience: Dogaletto, un cas d’étude de l’adaptation des territoires lagunaires face à la montée des eaux, Masterthesis, Universität Lausanne 2023.
- Art. Dogaleto, in: Guglielmo Stefani: Dizionario Corografico del Veneto, Civelli, Mailand 1854, S. 245. (Digitalisat)
- Myriam Pilutti Namer, Chiara Tomaini: Un frammento di sarcofago attico in marmo pentelico da Dogaletto di Mira (VE), in: Marmora 21 (2025) 147–155 (Marmorfragment aus dem 3. Jahrhundert).
- Daniele Rampazzo: Una nuova chiesa alto-medievale ai margini della Laguna. Le ultime scoperte dagli scavi a Dogaletto di Mira, in: La pagina di Campalto 225 (2023) 12–14.
- Elisa Corrò, Cecilia Moine, Sandra Primon: Reazioni uguali e contrarie. Evoluzione paleoambientale e trasformazioni storiche intorno al monastero di Sant’Ilario e Benedetto (Dogaletto di Mira), in: Reti Medievali Rivista, 16 (2015) 103–150. (online)
Weblinks
- La Venezia delle origini si svela a Dogaletto di Mira, metropolitano.it, 28. September 2023