Doncaster Works
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Die Doncaster Works, traditionell auch The Plant, sind ein bedeutendes britisches Eisenbahn‑Ausbesserungswerk in Doncaster, South Yorkshire. Die Anlage wurde 1853 von der Great Northern Railway (GNR) gegründet und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Lokomotiv‑ und Wagenbauzentren der späteren London and North Eastern Railway (LNER). Heute wird der verbliebene Teil des Werkes von Wabtec betrieben.
| Doncaster Works (The Plant) | |
|---|---|
| Eröffnung | 1853 |
| Schließung | teilweise 2007 Restbetrieb bis heute |
| Betreiber | GNR (1853–1922) LNER (1923–1947) BR (1948–1987) BREL (1987–1995) Wabtec (seit 2000) |
| Ort | Doncaster, South Yorkshire |
| Land | Vereinigtes Königreich |
| Region | Yorkshire and the Humber |
| Fläche | ca. 81 ha (Stand 1913) |
Über mehr als ein Jahrhundert hinweg prägten die Doncaster Works die Entwicklung des britischen Lokomotivbaus und stellten bis 1987 insgesamt 2228 Dampflokomotiven,[1] 252 Diesellokomotiven und 105 Elektrolokomotiven her.[2.1]
Geschichte
Die Doncaster Works entstanden 1853 als Ersatz für frühere Werkstätten in Boston und Peterborough. Zunächst wurden ausschließlich Reparaturen durchgeführt; erst ab 1867 begann der Neubau von Lokomotiven. Mit der Ernennung von Patrick Stirling zum Locomotive Superintendenten 1866 setzte eine Phase intensiver Entwicklung ein.
In den folgenden Jahrzehnten entstanden in Doncaster zahlreiche technische Innovationen: 1873 wurden die ersten britischen Schlafwagen gebaut, 1879 die ersten Speisewagen und 1882 die ersten Durchgangswagen des Landes. 1891 verließen 99 Lokomotiven, 181 Wagen und 1493 Güterwagen die Werkhallen.[3]
Bis 1913 wuchs das Werk auf rund 81 Hektar Fläche und beschäftigte etwa 4600 Mitarbeiter. Doncaster wurde zu einem zentralen Standort der LNER‑Fahrzeugproduktion.
Während des Zweiten Weltkriegs beteiligte sich das Werk an der Rüstungsproduktion und fertigte unter anderem Teile für die Horsa‑Lastensegler. 1940 zerstörte ein Großbrand die Wagenbauhalle.
Nach 1945 wurde das Werk modernisiert. 1949 entstanden neue Hallen für die Produktion der Ganzstahlwagen British Rail Mark 1. 1957 wurde mit der BR-Standardklasse 4 2-6-4T Nr. 76114 die letzte von insgesamt 2228 in Doncaster gebauten Dampflokomotiven fertiggestellt.
1963 wurde mit der Überholung der Pacific-Lokomotive Nr. 60009 Union of South Africa der LNER-Klasse A4 die letzte von schätzungsweise 10.000 Dampflokomotiven im Werk aufgearbeitet.
Mit dem Ende des Dampfbetriebs wurde Doncaster zu einem Zentrum für Diesel‑ und Elektrolokomotiven. Unter British Rail Engineering Limited (BREL) entstanden Großdiesellokomotiven wie beispielsweise die BR-Klasse 56 und 58 sowie Elektrolokomotiven.
1987 wurde der Wagenbereich im Rahmen eines Management‑Buyouts an RFS Industries verkauft, die 1998 von der Westinghouse Air Brake Company übernommen und 2000 in Wabtec umbenannt wurde. 2007 schloss Bombardier seinen Teil der Anlage. Heute konzentriert sich der Standort auf Instandhaltung und Modernisierung.
Schienenfahrzeugbau
Doncaster Works ist eng mit einigen der berühmtesten britischen Dampflokomotiven verbunden. Hier entstanden unter anderem:
- die Stirling Singles der GNR
- die Ivatt Atlantics der GNR-Klasse C1 (1902)
- die Gresley Pacifics der Klassen LNER-Klasse A1 und A3 einschließlich der weltbekannten Flying Scotsman und der LNER-Klasse A4 einschließlich der Mallard – bis heute die schnellste Dampflokomotive der Welt.
Auch zahlreiche Wagen für prestigeträchtige Schnellzüge wie Silver Jubilee, The Coronation und The Elizabethan wurden in Doncaster gefertigt.
Die folgende Übersicht listet alle bekannten Lokomotivbaureihen auf, die in den Doncaster Works („The Plant“) neu gebaut oder in größerem Umfang rekonstruiert wurden.
Great Northern Railway (GNR)
- Patrick Stirling (1866–1895)
- GNR-Klasse A1 Stirling Single
- GNR-Klasse D2, GNR-Klasse D3 (4-4-0)
- GNR-Klasse J5, GNR-Klasse J6 (0-6-0)
- Henry Ivatt (1896–1911)
- GNR-Klasse C1 (Atlantic)
- GNR-Klasse C1 (Atlantic, Version mit größerem Kessel)
- GNR‑Klasse C2/C2X
- GNR-Klasse D1, GNR-Klasse D2
- GNR-Klasse J3, GNR-Klasse J4, GNR-Klasse J5
- GNR-Klasse J13
- GNR-Klasse N1 (0-6-2T)
- GNR-Klasse N2 (0-6-2T)
- Nigel Gresley (1911–1922)
- Prototypen und Vorserien für spätere LNER‑Baureihen
- GER-Klasse L77 (32 Neubau)
- GNR-Klasse H4 (30 Neubau)
London and North Eastern Railway (LNER)
- Nigel Gresley (1923–1941)
- LNER‑Klasse A1 (32 Neubau inkl. Flying Scotsman)
- LNER‑Klasse A3 (51 Umbauten inkl. Flying Scotsman + 27 Neubau)
- LNER-Klasse A4 (inkl. Mallard)
- LNER-Klasse V2 (Green Arrows)
- LNER-Klasse B17 (Sandringhams)
- LNER-Klasse K3 (2-6-0)
- LNER-Klasse K4 (2-6-0)
- LNER-Klasse J50 (0-6-0T)
- LNER-Klasse J52 (0-6-0T)
- LNER-Klasse N2 (späte Serien)
- LNER-Klasse O2 (2-8-0)
- LNER-Klasse P1 (2-8-2)
- LNER-Klasse P2 (Umbauten)
- LNER-Klasse V4
- LNER-Klasse W1 Hush-Hush (Umbauten)
- Edward Thompson (1941–1946)
- LNER-Klasse A1/1 (Neubau)
- LNER-Klasse A2/2 (6 Umbauten)
- LNER-Klasse A2/3 (15 Neubauten)
- LNER-Klasse B1 (4-6-0)
- LNER‑Klasse K1/1 (Umbau)
- LNER-Klasse O1 (Umbauten)
- LNER-Klasse L1 (2-6-4T)
- LNER‑Klasse J50/J52 (späte Serien)
- Arthur Peppercorn (1946–1948)
- LNER-Klasse A1 (Neubau, 23 Stück)
- LNER-Klasse A2 (Neubau, 15 Stück)
British Railways (BR)
- Dampflokomotiven
- BR-Standardklasse 4 (70 Stück 2-6-0 und 10 Stück 2-6-4T) inklusive der letzten in Doncaster gebauten Dampflokomotive Nr. 76114 im Jahr 1957
- BR-Standardklasse 5 (42 Stück)
- BR-Standardklasse 7 (Umbauten)
- BR-Standardklasse 8P (Reparaturen)
Diesel- und Elektrolokomotiven (BREL / BR / Wabtec)
- BR-Klasse 08 (Rangierlok)
- BR-Klasse 20 (teilweise)
- BR-Klasse 37 (Reparaturen)
- BR-Klasse 56 (Neubau)
- BR-Klasse 58 (Neubau)
- BR-Klasse 60 (Komponenten)
- BR-Klasse 71 (Neubau)
- BR-Klasse 91 (InterCity 225 – Komponenten & Endmontage)
- diverse Triebwagen (Modernisierung und Umbauten)
Weblinks
- Doncaster Works. In: Graces Guide. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 6. November 2024; abgerufen am 31. Dezember 2025 (englisch).
- Works: Doncaster Works. In: BR Database. Abgerufen am 31. Dezember 2025.