Doris Kaplan
Schülerin und Opfer des Holocaust
From Wikipedia, the free encyclopedia
Doris Kaplan (* 5. September 1931 in Guben; † 1942 in Treblinka) war eine deutsche Schülerin und Opfer des Holocaust. Sie wurde bekannt durch ihre „Sonntagsbriefe“ und durch die Beschreibung ihrer Lebensgeschichte im Roman Heimsuchung von Jenny Erpenbeck.

Leben
Familie
Doris Kaplan wurde 1931 als Tochter des Arztes Ernst Kaplan und der Krankenschwester Elisabeth Kaplan (geb. Engel) in Guben (Brandenburg) geboren und evangelisch getauft. Ihr Vater war gläubiger Jude und dekorierter Veteran des Ersten Weltkriegs (Ehrenkreuz für Frontkämpfer).
Verfolgung und Trennung
Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten setzten die Repressalien gegen die Familie ein. Ernst Kaplan verlor sukzessive seine Approbation. Ab 1939 wurde ihm die Berufsausübung gänzlich untersagt. Während die Eltern in Guben unter zunehmendem Druck versuchten, die Emigration der Familie vorzubereiten, wurde die neunjährige Doris im März 1940 zu ihrem Schutz von ihren Eltern nach Berlin-Schöneberg geschickt. Dort lebte sie bei den befreundeten Familien Meissingers (Luitpoldstraße 5) und Schlomes (Luitpoldstraße 21) und besuchte die Schule der Jüdischen Reformgemeinde in der Joachimsthaler Straße.

Aus dieser Zeit sind ihre „Sonntagsbriefe“[1] erhalten. Um Portokosten zu sparen, schrieb Doris ihren Eltern und Großeltern zwei Jahre lang nur einmal wöchentlich (sonntags) – mal auf Kinderbriefpapier mit bunten Zeichnungen oder liebevoll verziert – nicht nur über ihren Alltag und die Hoffnung auf ein Wiedersehen, sondern auch über die Schrecken des Krieges in Berlin und wie immer mehr jüdische Kinder aus ihrer Schulklasse spurlos verschwinden (siehe Sonntagsbrief vom 22. November 1941 an ihre Mutter).[1]
Deportation und Tod
Die Ausreisebemühungen der Eltern scheiterten. Ihre Großeltern, Hermine und Arthur Engel, werden am 27. Oktober 1941 ins Vernichtungslager Kulmhof bei Lodsch (Łódź) deportiert wo sie 1942 in einem Gaswagen erstickt wurden. Ihr Vater, Ernst Kaplan, verstarb im Dezember 1941 an Fleckfieber. Er hatte sich während seiner Zwangsarbeit als „Krankenbehandler“ beim Autobahnbau nahe Guben infiziert. Doris darf als Jüdin nicht einmal zu seiner Beerdigung fahren. „Ich habe mir in meinem Kalender alle Sonntage mit einer Nummer verzeichnet, da weiß ich immer, vor wie viel Wochen Papi gestorben ist“ schreibt sie am 24. Januar 1942 in einem Sonntagsbrief an ihre Mutter.[1]
Direkt nach ihrem letzten Schultag, an Gründonnerstag den 2. April 1942, wurde Doris zusammen mit ihrer Mutter, Elisabeth Kaplan, von Berlin aus in das Warschauer Ghetto deportiert. Das letzte Lebenszeichen von Doris das ihre Verwandten noch aus dem Deportationszug nach Warschau erreicht ist „Liebes Tante Thechen! Hab recht herzlichen Dank, dass Du so sehr nett zu mir (uns) warst. Gruß u. Kuss, D“ (Brief von Doris an ihre Tante Therese vom 4. April 1942).[1]
Ab Herbst 1942 verliert sich ihre Spur. Es ist davon auszugehen, dass Doris Kaplan und ihre Mutter im Zuge der Auflösung des Ghettos in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt und dort ermordet wurden.[2]
Schriften
- Sonntagsbriefe (Dauerausstellung im Rathaus Schöneberg, John-F.-Kennedy-Platz 1, 10825 Berlin), 1940–1942.
Gedenken
- Der Roman Heimsuchung von Jenny Erpenbeck ist Doris Kaplan gewidmet[3].
- Seit 2011 liegt ein Stolperstein für Doris Kaplan in Guben in der Alten Poststraße 23.

Literatur
- Jenny Erpenbeck: Heimsuchung. Penguin-Verlag, München 2008, ISBN 978-3-328-10251-9.
- Jenny Erpenbeck: Über das 5. Kapitel des Romans Heimsuchung. In: Stephanie Catanie, Friedhelm Marx (Hrsg.): Über Grenzen: Texte und Lektüren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur (= Poiesis. Standpunkte zur Gegenwartsliteratur. Band 12). Wallstein-Verlag, 2015, ISBN 978-3-8353-1723-9, S. 13–30.
Weblinks
- Die Sonntagsbriefe der Doris Kaplan. Video (12:52 min) des Bildungswerks Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung.
- Wir waren Nachbarn. Biographien jüdischer Zeitzeugen. Dauerausstellung im Rathaus Berlin-Schöneberg.