Drehli Robnik

österreichischer Film- und Kulturwissenschaftler, Essayist, Filmkritiker, Theoretiker, Edutainer, DJ und Musikveranstalter From Wikipedia, the free encyclopedia

Drehli Robnik (* 1967 in Wien) ist ein österreichischer Film- und Kulturwissenschaftler, Essayist, Filmkritiker, Theoretiker, Edutainer, DJ und Musikveranstalter. Er arbeitet zu den Themen Film, Politik und Geschichte, insbesondere zu populärem Kino, Horrorfilm, Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg im Film sowie zu Siegfried Kracauer und Jacques Rancière.[1][2]

Leben und Arbeit

Robnik studierte Filmwissenschaft an der Universität Wien und promovierte in Medienwissenschaft und Kulturwissenschaft an der Universität von Amsterdam.[1] Von 1993 bis 2012 war er als externer Lektor unter anderem an der Universität Wien, der Universität für angewandte Kunst Wien, der Masaryk-Universität Brünn und der Goethe-Universität Frankfurt am Main tätig.[1]

Zwischen 2001 und 2015 arbeitete Robnik in mehreren Forschungszusammenhängen, insbesondere in Projekten am Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Gesellschaft beziehungsweise am späteren Ludwig Boltzmann Institute for Digital History. Von 2012 bis 2015 leitete er das vom FWF geförderte Projekt Politische Ästhetik gegenwärtigen europäischen Horrorfilms.[1]

Seit 1991 schreibt Robnik Filmkritiken, unter anderem für die Wiener Wochenzeitung Falter.[2] Außerdem organisiert er die Vortrags- und Mikro-Tagungs-Reihe Politik-Projektionen im Wiener Depot.[2]

Kulturelle Praxis und Veranstaltungsarbeit

Neben seiner wissenschaftlichen und essayistischen Arbeit ist Robnik als Edutainer, DJ und Musikveranstalter tätig. In den späten 1990er Jahren veranstaltete er im Wiener Flex das Soft Egg Café; ab 2000 betrieb er gemeinsam mit Peter Hörmanseder im Wiener B72 die Reihe Hot Lotion.[3][4]

Das Soft Egg Café war ein früher Auftrittsort der Gruppe maschek, die dort von März 1999 bis Mai 2000 regelmäßig als Mitternachtseinlage auftrat und im Rahmen eines Abends zur Nationalratswahl 1999 mit TV-Live-Synchronisationen experimentierte.[5][6]

Robnik war zudem in Projekten der Wiener Kunst- und Medienszene präsent. Im Kontext von we are mötley diskurs and you are not wurde er neben Beteiligten aus dem Umfeld von monochrom und maschek angekündigt; 2001 war er an Wolfühlwelt beteiligt, einem Projekt über die Poesie des Tourismus mit maschek, monochrom und weiteren Beteiligten im FUNDERwerk2 in St. Veit an der Glan.[3][7]

Themen

Robniks Arbeiten verbinden Filmtheorie, Politische Theorie, Geschichtskultur und Popkultur. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem Verhältnis von Film, Geschichte und Politik. Wiederkehrende Themen sind die Darstellung von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg im Film, Geschichts- und Erinnerungspolitik, populäres Kino, Horrorfilm sowie die politische Lesbarkeit von Mainstream- und Genrefilmen.[1][2]

Besondere Aufmerksamkeit widmet Robnik dem populären Kino und dessen Verhältnis zu Politik. Cinepoetics nennt als Arbeitsfelder Robniks unter anderem Siegfried Kracauer, Jacques Rancière, populäres Kino und Horrorfilm; das Ludwig Boltzmann Institute for Digital History beschreibt Mainstreamfilm als einen Ort gesellschaftlicher Erkenntnis. Robniks von Alexander Horwath herausgegebener Sammelband Ansichten und Absichten. Texte über populäres Kino und Politik versammelt Texte aus mehreren Jahrzehnten zu diesem Themenfeld.[2][1][8]

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Auseinandersetzung mit Siegfried Kracauer und Jacques Rancière. In Film ohne Grund behandelt Robnik Filmtheorie, Postpolitik und Dissens bei Rancière; in Das Streit-Bild war er Mitherausgeber eines Bandes zu Film, Geschichte und Politik bei Rancière. Mit Kracauer befasst er sich unter anderem in Flexibler Faschismus. Siegfried Kracauers Analysen rechter Mobilisierungen damals und heute, in dem er Kracauers Schriften der 1930er und 1940er Jahre auf historische und gegenwärtige Formen rechter und faschistischer Mobilisierung bezieht.[9]

Ein wiederkehrendes Arbeitsfeld Robniks ist der Horrorfilm. In Kontrollhorrorkino. Gegenwartsfilme zum prekären Regieren untersucht er gegenwärtige Horrorfilme im Zusammenhang mit Formen kontrollgesellschaftlicher Macht. Von 2012 bis 2015 leitete er außerdem das vom FWF geförderte Projekt Politische Ästhetik gegenwärtigen europäischen Horrorfilms.[1]

In Ansteckkino. Eine politische Philosophie und Geschichte des Pandemie-Spielfilms von 1919 bis Covid-19 befasst sich Robnik mit dem Pandemie-, Ansteckungs- und Seuchenfilm im Zusammenhang von Kino, Politik und Gesellschaft. Der Band behandelt den Pandemie-Spielfilm von frühen Beispielen des 20. Jahrhunderts bis zur Covid-19-Zeit.[10]

Robniks essayistische und publizistische Arbeit bewegt sich zwischen akademischer Filmtheorie, politischer Analyse und öffentlicher Vermittlung. Neben wissenschaftlichen Publikationen schreibt er Filmkritiken, hält Vorträge und organisiert mit Politik-Projektionen eine lose Vortrags- und Mikro-Tagungs-Reihe im Wiener Depot.[2]

Rezeption

Robniks Arbeiten wurden in wissenschaftlichen Rezensionsorganen, Feuilletons und politischen Kulturzeitschriften besprochen. In seiner H-Soz-Kult-Rezension zu Geschichtsästhetik und Affektpolitik sah Peter I. Trummer die Stärken des Buches in Robniks „besonderem Blick“, in der breiten und detailreichen Sichtung der Filme zu Stauffenberg und dem 20. Juli sowie in der Einbettung der Analyse in die Filmphilosophie von Gilles Deleuze. Zugleich merkte er kritisch an, dass einzelne Deutungen spekulative Züge hätten.[11]

Ansteckkino wurde unter anderem in rezens.tfm, H-Soz-Kult und im Falter besprochen. Deniss Boldavesko beschrieb das Buch in rezens.tfm als im österreichischen Lockdown entstandene Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Kino, Pandemie und Gesellschaft. Hervorgehoben wurde dabei Robniks Zugriff auf den Pandemie-Spielfilm nicht nur als Genregeschichte, sondern als politische und gesellschaftstheoretische Lektüre von Ansteckung, Angst, Kontrolle und Gemeinschaft.[12] Auch die H-Soz-Kult-Rezension ordnete den Band als Beitrag zur Analyse der gesellschaftlichen Implikationen von Ansteckungs- und Seuchenfilmen ein.[13] Michael Omasta besprach den Band im Falter.[14]

Robniks Auseinandersetzung mit Kracauer und Faschismus wurde ebenfalls in mehreren Medien rezipiert. Dennis Göttel schrieb in der Jungle World, Robnik betrachte den Faschismusbegriff in Flexibler Faschismus als „höchst mobiles Phänomen“ und arbeite an Kracauers Texten heraus, wie rechte und faschistische Mobilisierung nicht nur über autoritäre Ordnung, sondern auch über Bewegung, Enthemmung und affektive Dynamisierung funktioniere.[15] Jens Kastner besprach das Buch in analyse & kritik unter dem Titel Rechter Durchmarsch und hob Robniks Versuch hervor, Kracauers Analysen rechter Mobilisierung für gegenwärtige Erscheinungsformen des Rechtsextremismus und autoritärer Politik produktiv zu machen.[16] Berthold Molden rezensierte den Band im österreichischen Magazin Tagebuch und stellte dabei Robniks Betonung der Anpassungsfähigkeit faschistischer Politik in den Vordergrund.[17]

Der von Robnik herausgegebene Band Klassen sehen. Soziale Konflikte und ihre Szenarien wurde 2022 in der Zeitschrift MEDIENwissenschaft: Rezensionen | Reviews in einer Bereichsrezension zu Medien und Klassenfragen besprochen. Die Rezension verortete den Band im Zusammenhang neuerer medien- und kulturwissenschaftlicher Auseinandersetzungen mit Klasse, sozialem Konflikt und deren audiovisuellen Darstellungsformen.[18]

Publikationen

Monografien

  • Geschichtsästhetik und Affektpolitik. Stauffenberg und der 20. Juli im Film 1948–2008. Turia + Kant, Wien/Berlin 2009.[11]
  • Film ohne Grund. Filmtheorie, Postpolitik und Dissens bei Jacques Rancière. Turia + Kant, Wien/Berlin 2010.
  • Kontrollhorrorkino. Gegenwartsfilme zum prekären Regieren. Turia + Kant, Wien/Berlin 2015.
  • Ansteckkino. Eine politische Philosophie und Geschichte des Pandemie-Spielfilms von 1919 bis Covid-19. Neofelis, Berlin 2020.[10][12][13]
  • Flexibler Faschismus. Siegfried Kracauers Analysen rechter Mobilisierungen damals und heute. transcript, Bielefeld 2024.[9][15][16][17]

Herausgeberschaften

  • mit Siegfried Mattl und Thomas Hübel: Das Streit-Bild. Film, Geschichte und Politik bei Jacques Rancière. Turia + Kant, Wien/Berlin 2010.
  • als Herausgeber: Put the X in PolitiX. Machtkritik und Allianzdenken mit den X-Men-Filmen. Neofelis, Berlin 2019.[10]
  • als Herausgeber: Klassen sehen. Soziale Konflikte und ihre Szenarien. Unrast, Münster 2021.[18]
  • mit Joachim Schätz: Gewohnte Gewalt. Häusliche Brutalität und heimliche Bedrohung im Spannungskino. Sonderzahl, Wien 2022.

Sammelbände mit Texten Robniks

  • Drehli Robnik. In: Ludwig Boltzmann Institute for Digital History. Abgerufen am 26. Mai 2026.
  • Drehli Robnik. In: Cinepoetics – Center for Advanced Film Studies. Abgerufen am 26. Mai 2026.
  • Drehli Robnik. In: Neofelis Verlag. Abgerufen am 26. Mai 2026.

Einzelnachweise

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