Wikiwand AI

Drohne-Anti-Radar

Entwicklungsprojekt der Dornier GmbH für ein unbemanntes Fluggerät zum Aufspüren und Bekämpfen feindlicher Radaranlagen From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Drohne-Anti-Radar (DAR) war ein Entwicklungsprojekt der Dornier GmbH für ein unbemanntes Fluggerät zum Aufspüren und Bekämpfen feindlicher Radaranlagen, insbesondere solcher zur Flugabwehr, in einem vorgegebenen Zielgebiet. Das Entwicklungsprojekt wurde 1994 beendet und kam als System in Deutschland nicht zur Einführung.

Schnelle Fakten Allgemeine Angaben, Technische Daten ...
Drohne-Anti-Radar (DAR)
Allgemeine Angaben
Typ Loitering Weapon
Herkunftsland Deutschland Deutschland
Hersteller Dornier GmbH
Entwicklung ca. 1985
Technische Daten
Länge 2,3 m
Gefechtsgewicht 142,5 kg
Spannweite 2,0 m
Antrieb Fichtel & Sachs SF2-360
Zweizylinder-Zweitakt-Boxermotor
mit Zweistufenvergaser
Geschwindigkeit 250 km/h
Ausstattung
Zielortung Passiver Breitbandsuchkopf
Waffenplattformen LKW mit Startcontainer
Listen zum Thema
Schließen

Geschichte

Anfang der 1980er Jahre begannen die USA und Westdeutschland mit der Entwicklung eines Einweg-UAV, das gegnerische Radaranlagen aufspüren und bekämpfen sollte. Ebenso sollte das Fluggerät größere Luftfahrzeuge vortäuschen und damit von eigenen Flugzeugen ablenken. Auf deutscher Seite war Dornier bzw. das Nachfolgeunternehmen Deutsche Aerospace im Auftrag der Luftwaffe der Bundeswehr tätig. Im Rahmen der Projektentwicklung konnte kein brauchbarer Suchkopf entwickelt werden, so dass die Eignung für den vorgesehenen Zweck nur eingeschränkt gegeben war. Dieses und das Ende des Kalten Krieges mit Wegfall der Bedrohung führten zu einer qualifizierten Beendigung des Projekts.
Nach Projektabbruch wurden die Entwicklungsunterlagen des UAV an Israel veräußert. Dieses entwickelte ein eigenes System, IAI Harpy.[1][2][3]

Mutmaßungen, dass die Erkenntnisse über die DAR in die Konstruktion der IAI Harpy einflossen bzw. später die DAR Vorbild für die iranische Shahed-136/131 Drohne bzw. deren russische Version Geran 2 wurde, können nicht nachgewiesen werden. Sie scheinen sich auf äußerlich erkennbare Konstruktionsmerkmale zu beschränken. Während DAR seine Ziele selbst suchen sollte, fliegt Shahed lediglich vorprogrammierte Ziele an.[4][5]

Aufgaben

SEAD (Suppression of Enemy Air Defences/Unterdrückung der feindlichen Flugabwehr) durch

  • Zerstörung feindlicher Feuerleit- und Suchradaranlagen
  • Zwang zur Abschaltung der feindlichen Radargeräte
  • Sättigung der feindlichen Flugabwehr
  • Ablenkung der feindlichen Flugabwehr von anderen Zielen
  • Verbrauch feindlicher Flugabwehrlenkkörper und Munition[6]

Technik

Einsatz der Drohne-Anti-Radar

Das unbemannte Luftfahrzeug (UAV) ist als Deltaflügler in Kunststoff-Verbundbauweise hergestellt. Beiderseits des Rumpfes sind in die Tragflächen je zwei ausklappbare Seitenkraftflächen eingelassen, die vor dem Endanflug auf das Ziel in Position gebracht werden. Die Tanks sind als Einschubtanks ausgelegt. Der Motor mit angeflanschtem Generator ist am Heck in der Zelle eingebaut. Er wird bereits im Startrohr angelassen. Der Zweiblatt-Druckpropeller ist über eine Kupplung mit dem Motor verbunden, die erst nach Verlassen des Startbehälters den Propeller mit dem Motor starr verriegelt. Unter dem Motor ist eine Startrakete angeordnet, die den notwendigen Schub liefert, um das UAV aus dem Startbehälter auf die erforderliche Fluggeschwindigkeit zu beschleunigen. Der Splittergefechtskopf neuester Technologie sollte im Rumpf unmittelbar hinter dem Suchkopf angebracht werden. Er war in der Lage, alle in Frage kommenden Ziele wirksam zu bekämpfen.
Zur Flugregelung erhält der Rechner Daten von einem dreiachsigen Faserkreiselpaket, den Luftdatensensoren, dem GPS-Navstar-Empfänger und einem Magnetometer. Der passive Breitbandsuchkopf sollte alle Radargeräte des Zielkatalogs abdecken. Die benötigten Zielparameter sollten vor dem Start der Drohne geladen werden und der Suchkopf während des Fluges die Frequenzbänder absuchen. Nach Erkennen eines Zieles sollten die im Suchkopf ermittelten Daten zur Führung der Drohne hin zum Ziel dienen.[7]

Technische Daten

  • max. Horizontalgeschwindigkeit: 250 km/h
  • max. Flughöhe: 3000 m
  • max. Flugzeit: 3 Stunden
  • Steiggeschwindigkeit: 6 m/s
  • Spannweite: 2 m
  • Rumpflänge: 2,3 m
  • Rumpfhöhe: 36 cm
  • Kraftstoffkapazität: 18 kg
  • Abflugmasse: 110 kg
  • Antrieb: Fichtel & Sachs SF2-360 Zweizylinder-Zweitakt-Boxermotor mit Zweistufenvergaser
  • Leistung: 20,5 kW bei 7000 min−1
  • Durchmesser des Propellers: 67 cm
  • Navigation: GPS-Navstar-Empfänger
  • Suchkopf: Passiver Breitbandsuchkopf
  • Gefechtskopf: Splittergefechtskopf
  • Missionsrechner, Bildschirm und Dateneingabegerät: DAR-spezifisch[7]

Fahrzeugausstattung

Launcher Drone-Anti-Radar in Wehrtechnische Studiensammlung

Zu dem System DAR gehörten ein Startfahrzeug und ein Transport- und Nachladefahrzeug. Dazu wurden LKW 6×6 10 t IVECO 260AH mit verlängertem Fahrgestell verwendet. Eine ursprünglich vorgesehene Montage auf dem LKW 6×4 10 t tmil MAN 260AH, eingeführtes Fahrzeug der Bundeswehr, wurde nach anfänglicher Erprobung nicht mehr weiter verfolgt. Auf dem Fahrgestell des Startfahrzeuges sind die Bodenkontrollstation in einer Kabine II FmB mit Funkanbindung, eine Kippvorrichtung für den Startcontainer, eine Stromversorgungsanlage sowie die Verteilerboxen aufgebaut. Bis zu 18 Stück DAR konnten so mitgeführt werden. Das Transport- und Nachladefahrzeug war mit einem Ladekran ausgestattet. Nach Projektende verblieben die beiden Fahrzeuge noch in der Bundeswehr, bis sie 2009 über die VEBEG veräußert wurden.[8]

Mögliche missionsspezifische Nutzlasten

Daimler-Benz Aerospace als Nachfolger von Dornier gab für das System weitere Verwendungsmöglichkeiten an:

  • Anti-Radar-Sensor/-Suchkopf, passiv
  • mmW-Sensor/Suchkopf, aktiv
  • VHF-Störsysteme
  • Radar-Störsysteme
  • Laser und IR-Sensoren
  • ELINT-Systeme
  • Verschiedene Gefechtsköpfe[9]

Museale Rezeption

Dornier 2 Drohnen DAR im Dornier-Museum in Friedrichshafen

Drohnen-Anti-Radar sind in der Wehrtechnischen Studiensammlung in Koblenz und waren in der Vergangenheit im Dornier Museum Friedrichshafen ausgestellt.

Siehe auch

Literatur

Commons: Dornier DAR – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Timelines

Top Qs

Fact Checks