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Duisburger Stadtbefestigung

Stadtbefestigung des nordrhein-westfälischen Duisburg in Mittelalter und Früher Neuzeit From Wikipedia, the free encyclopedia

Die ehemalige Duisburger Stadtbefestigung umgab die Altstadt des nordrhein-westfälischen Duisburg in Mittelalter und Früher Neuzeit. Von ihr sind vereinzelte Türme, Mauerabschnitte und Grabenreste erhalten. Die ältesten Teile der Befestigung entstanden bereits im 12. Jahrhundert, umfassten aber zunächst nur den nordöstlichen Teil der Duisburger Altstadt. Erst im Verlauf des 13. Jahrhunderts wurden auch die westlichen Areale mit in die Umwehrung einbezogen.

Abschnitt der Stadtbefestigung am Duisburger Innenhafen (2021)

Die Stadtbefestigung verschwand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Zuge der beginnenden Industrialisierung, wobei insbesondere die Mauern oftmals in Neubauten einbezogen wurden. Durch Freilegung der erhaltenen Abschnitte und Rekonstruktionen am Ausgang des 20. Jahrhunderts ist sie heute die letzte großflächig erhaltene Stadtbefestigung im Ruhrgebiet.

Geschichte

Pfalzmauer und erste Stadtbefestigung

Der eigentliche Siedlungskern der Stadt Duisburg ist um den heutigen Salvatorkirchhof zu vermuten. Bereits Heinrich Averdunk ging am Ausgang des 19. Jahrhunderts davon aus, dass die hier befindliche Pfalz im 10. Jahrhundert mit einer Befestigung umgeben wurde. Sie soll sich vom Burgplatz aus in Richtung des späteren Stapeltores nach Nordwesten erstreckt haben. Joseph Milz, der ehemalige Leiter des Duisburger Stadtarchivs, mutmaßte, dass es sich bei dieser Anlage um eine Wall-Graben-Befestigung handelte, die nur partiell mit Holzpalisaden verstärkt worden war. Lediglich am Salvatorkirchhof und zur späteren Brüderstraße hin, sollen auch Mauern zu finden gewesen sein. Die Pfalzmauer wurde am Springwall zur Fundamentierung der jüngeren Befestigung herangezogen.[1]

Abschnitt der ältesten Stadtmauer am Springwall (2015)

Erst in den 1970er Jahren stieß man auf eine urkundliche Ersterwähnung einer Duisburger Befestigung, die sich auch auf die neben der Pfalz befindliche Bürgersiedlung erstreckte und die aus der Chronik des Ambrosius Moer stammte, wo sie als Bauinschrift auftaucht. Diese kann auf die Zeit Kaiser Heinrich V. und damit zwischen 1111 und 1125 datiert werden und lautet: „Incole curtium et mansorum attinentium Husel non dant theoloneum Dispergii per anni circulum preter nundinas celebres, obsequuntur enim ad munimen civitatis in muro et vallo“ (lat. Die Bewohner der zu Hösel gehörenden Höfe und Hofstätten geben im Verlauf des Jahres keinen Zoll zu Duisburg, außer während der Jahrmärkte; sie sind nämlich zur Befestigung der Stadt mit Mauer und Wall verpflichtet.).[2]

Teile der ältesten Stadtmauer haben sich zwischen Stapeltor und Springwall erhalten, wie archäologische Ausgrabungen betonen. Sie besaß zunächst keine Türme und keinen gemauerten Wehrgang, stattdessen war ein hölzerner Wehrgang an die steinerne Mauer angelehnt. Die erste Duisburger Stadtbefestigung war schlecht fundamentiert, sodass sie vielfach ausgebessert werden musste, was auch Abstützungen umfasste. Sie bestand aus Tuffquadern und schloss mit Zinnen ab. Der Verlauf der ältesten Befestigung kann zwischen Koblenzer Turm und Stapeltor als gesichert gelten. Eventuell war der Abschnitt entlang des damaligen Rheinverlaufs unbefestigt. Daneben ist ein Verlauf im Westen des heutigen Alten Marktes zu vermuten. Die südlichen Abschnitte waren womöglich durch eine Wall-Grabenanlage und die hier verlaufenden Rheinzuflüsse Dickelsbach und Pootbach gesichert.

Minoriten, Johanniter und zweite Befestigung

Große Teile der heutigen Altstadt waren in diese erste Stadtbefestigung nicht einbezogen worden. Dabei ist von einiger Bedeutung, dass sich auf dem nördlich vom Alten Markt gelegenen Areal des ehemaligen Minoritenklosters eine separat zur Stadtbefestigung errichtete Burganlage befand, die wohl vom königlichen Vogt bewohnt war. Noch 1272 ist die Burganlage, die von Herzog Walram V. von Limburg an die Minoriten geschenkt wurde, als „bei“ (lat. apud) Duisburg bezeichnet worden und lag damit wahrscheinlich außerhalb der Ummauerung. Auch die Nachfolger des Herzogs mussten den Stadtbewohnern zusichern, kein befestigtes Haus in der Stadt zu errichten.

Die im westlichen Teil der späteren Altstadt gelegene Johanniterkommende wurde um 1150 besiedelt und erhielt 1154/1155 eine erste urkundliche Bestätigung. Die Johanniter umgaben ihren Besitz wohl bereits im 12. Jahrhundert mit einer, von der ersten Stadtbefestigung unabhängigen, Mauer. Hier entwickelte sich, wohl entlang der heutigen Beekstraße, eine Ansiedlung von Handwerkern und Fischern. Als die Johanniterkirche, die Marienkirche, im Jahr 1187 zur Pfarrkirche erhoben wurde, bezeichnete man dieses Gotteshaus als „extra muros“ (lat. außerhalb der Mauern).

Stadtbefestigung auf dem Corputius-Plan von 1566

Der Ausbau der Stadtmauer auf ihren bis zum 19. Jahrhundert maßgeblichen Umfang erfolgte in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Dabei bezog man die älteren Teile der Ringmauer, etwa am heutigen Springwall, in den Neubau mit ein. Joseph Milz geht davon aus, dass die zweite Stadtbefestigung im Laufe des 13. Jahrhunderts entstand. So wurden die im Jahr 1896 freigelegten, romanischen Fenster an einem Haus in der Schwanentorstraße wohl bei der Einbeziehung eines älteren Baus in die Stadtmauer zugemauert. Wohl zu dieser Zeit erfolgte auch die Ummauerung der weiter westlich gelegenen Vorstädte in der Nähe der Marienkirche. Die ehemalige Burganlage beim Minoritenkloster wurde wohl erst am Ausgang des 13. Jahrhunderts zu einem Teil der zweiten Stadtbefestigung umgewandelt, sodass nun auch die Rheinseite der Stadt eine durchgehende Ummauerung besaß.[3]

Die neue Befestigung wurde wiederum aus Tuffsteinen errichtet. Daneben spielte aber auch Basalt eine wachsende Rolle. Die Wehranlagen erfuhren auch in den folgenden Jahrhunderten immer wieder Veränderungen. So erhielt die Mauer im Bereich des heutigen Innenhafens im Verlauf des 14. Jahrhunderts Strebepfeiler. Ein Backsteinwehrgang wurde angebaut. Außerdem stattete man auch die älteren Bauteile im Zuge der Stadterweiterung mit Türmen aus, die in unregelmäßigen Abständen in die bestehenden Befestigungen eingefügt wurden.

Niedergang, Abriss und Rekonstruktion

Die Stadtbefestigung verlor ihre Bedeutung für die militärische Verteidigung Duisburgs bereits im 14. Jahrhundert, mit dem Aufkommen von Feuerwaffen. Die durchschnittlich zweieinhalb Steine dicken Mauern konnten den neuartigen Waffen keinen ausreichenden Widerstand entgegensetzen. Die Folge war, dass man die Mauern von nun an nicht mehr verstärkte oder ausbaute. Milz mutmaßt, dass sie fortan vor allem für die Abwehr von „marodierenden Scharen“ bestand. Viel bedeutsamer sollte allerdings ihre rechtliche Bedeutung als Zollstätte bis ins 19. Jahrhundert werden. Daneben spielte die Mauer als optische Abgrenzung der Stadt von ihrem ländlichen Umland eine große Rolle.

Besondere Bedeutung für die Rezeption der zweiten Stadtbefestigung hatte der im Jahr 1566 fertiggestellte Corputius-Plan des Ingenieurs und Kartographen Johannes Corputius. Seine Projektion bietet einen Überblick über die damals ausgeführten Anlagen der zweiten Stadtbefestigung. Die Mauern betrugen im 16. Jahrhundert eine durchschnittliche Höhe von ca. zehn Metern und wurden durch Pfeiler und Bögen gestützte Wehrgänge erschlossen. Auf dem Corputius-Plan sind die Leitern zu erkennen, mit denen die Wehrgänge erreicht wurden. Die starken Verteidigungsanlagen mussten regelmäßig gewartet werden, weshalb die Ausgaben für die Umwehrung oftmals einer der größten jährlichen Ausgabeposten darstellten.[4]

Rekonstruierter Abschnitt der Stadtmauer am Kuhlenwall (2015)

Während des Siebenjährigen Krieges debattierten verschiedene französische Ingenieure darüber, die Städte Duisburg und Ruhrort mit einer Festungsmauer zu umgeben. Insgesamt sieben Gutachten aus der zweiten Hälfte des Jahres 1758 haben sich erhalten. Nach Abwägung des Für und Wider wurde am 8. Oktober der Ingenieur Jean de Blacas mit der Anfertigung eines größeren Baugutachtens beauftragt. Es entstanden Karten und Pläne, die den Ausbauzustand der Befestigungen zeigten. Dabei wurde deutlich, dass große Teile der Anlage bereits in schlechtem baulichen Zustand waren. Wehrgänge waren entfernt, vielerorts waren kleine Häuser an die Stadtmauer angebaut. Am 1. November 1758 erteilte Marschall Louis-Georges-Erasme de Contades die Erlaubnis, die Pläne in die Tat umzusetzen. Es ist unklar, ob und in welchem Ausmaß der Ausbau anschließend tatsächlich erfolgte.[5]

Die Stadtmauer wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit erheblichem Aufwand noch einmal repariert. In den 1820er und 1830er Jahren entfernte man dann jedoch die Stadttore, die als Verkehrshindernisse galten. Um die Geschlossenheit der städtischen Siedlung dennoch zu bewahren, wurden sie durch eiserne Schranken ersetzt. Im Zuge des Aushubs des Innenhafens verschwanden dann in den 1840er Jahren große Abschnitte im Nordwesten der Anlage. Die Gräben wurden mit dem Aushub verfüllt. Mit dem rapiden Stadtwachstum Duisburgs im Zuge der Industrialisierung verschwand die Mauer aus dem Stadtbild. Allerdings blieben die baulichen Überreste durch ihre Einbeziehung als Häuserrückwände weiter unsichtbar bestehen. Zuletzt wurde 1940 der Aachener Turm eingelegt.

Der größte Eingriff in die historischen Strukturen der Stadt erfolgte nicht durch die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. Vielmehr fielen große Teile der Befestigungen der Umgestaltung Duisburgs zur autogerechten Stadt in den 1950er Jahren zum Opfer. Erst nach 1985 begann sich die Stadtpolitik zu verändern. Im Zuge der Stahlkrise rückte die städtische Geschichte als Zeichen von Kultur in den Mittelpunkt. Ein besonderer Fokus wurde dabei auf die eingebauten Teile der Stadtmauer gelegt. So legte man die Abschnitte entlang der Untermauerstraße frei und rekonstruierte den Verlauf. Entlang des Springwalls und am Innenhafen wurde ein Mauerabschnitt mit Türmen wiederhergestellt und in Zusammenhang mit neuen Wohngebieten gebracht.[6]

Tore

Stapeltor als Doppeltor auf dem Corputius-Plan

Schwanentor

Das Schwanentor gehörte zu einem der Haupttore innerhalb der Duisburger Stadtmauer. Es befand sich in der heutigen Schwanenstraße und führte auf den Rheinarm zu. Bereits auf dem Corputius-Plan wurde das Tor mit diesem Namen bezeichnet. Johannes Corputius leitet diesen „von den Schwänen – quasi a cygnis“ ab. Als ältere Namensformen tauchen aber auch die Namen „Svalvenport“ (porta Yrundinis) – Schwalbentor oder „Walenport“ auf. Der zweite Name leitet sich von den wallonischen Kaufleuten ab, die sich angesiedelt hatten.

Erstmals erwähnt wurde das Schwanentor im Jahr 1349 als „porta Gallici“. Daneben kursierte aber auch der Name „Swaelenport“ – Schwalentor, die sich über den hier fließenden Rhein und sein schwallendes Wasser erklärte. Auf dem Corputius-Plan erscheint das Schwanentor als mächtiges Doppeltor mit einem ebenfalls zweitürmigen Vorwerk. Das Schwanentor wurde im Jahr 1815 als erstes der vier Stadttore abgerissen.[7] 51° 26′ 7,4″ N, 6° 45′ 30,5″ O

Stapeltor

Das östliche Tor der Stadt war mit einem Vorwerk gesichert, das von zwei Rundtürmen flankiert wurde. Die Anlage gehörte zu den bedeutendsten Zollstationen Duisburgs, weil hier der Verkehr von Duissern und Mülheim aus die Stadt erreichte. Der Name leitet sich dementsprechend auch vom Warenstapel ab, der eng mit dem hier verorteten Fernhandelsmarkt in Verbindung steht. 1820 ersetzte man das Stapeltor durch ein schlichtes Metallgatter. Heute greift das seit 2019 hier verortete soziokulturelle Zentrum Stapeltor und die gleichnamige Straße den Namen des Tores auf. 51° 26′ 13,9″ N, 6° 45′ 59,5″ O

Kuhtor

Das Kuhtor in Duisburg war eines der Haupttore der mittelalterlichen Befestigung der Stadt. Seine historische Bezeichnung lautete auch „Koeport“ – Kuhtor. Es bestand wahrscheinlich mit dem Mauerbau seit dem 12. Jahrhundert, gesichert mit der Mauer des späten 13. Jahrhunderts. Noch vor dem Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde es um eine Bastion erweitert. Seinen Namen erhielt der Bau vom Austreiben der Kühe, die von hier aus in Richtung Buchenbaum und in die Wedau getrieben wurden, wo sie den Tag über weideten. Im Jahr 1820 wurde das erste Haus vor der Stadt beim Kuhtor errichtet. 1833 wurde das Kuhtor als letztes Duisburger Stadttor abgerissen. 51° 26′ 1,1″ N, 6° 45′ 52,6″ O

Marientor

Das Marientor wurde im Zuge der Stadterweiterung im 13. Jahrhundert angelegt. Es erhielt seinen Namen von der hier verorteten Marienkirche, der zweiten Pfarrkirche Duisburgs. Auf dem Corputius-Plan wird das Marientor als schiefergedeckte Anlage dargestellt, die um ein kleines Vorwerk ergänzt wird. Eine breite Brücke führt über den davor laufenden Dickelsbach, der für die Stadtbefestigung an diesem Abschnitt von großer Bedeutung ist. Das Tor wurde im Jahr 1820 zusammen mit dem Stapeltor abgerissen. 51° 25′ 54″ N, 6° 45′ 22,5″ O

Liefkentor

Das Liefkentor war Teil der älteren Ummauerung der Stadt. Es bildete ab dem ausgehenden 13. Jahrhundert den einzigen Durchgang, um vom äußeren, westlichen Stadtteil in den inneren, östlichen Teil zu gelangen und wurde auch nach der Stadterweiterung bewacht. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Tor im Jahr 1280. Damit ist das Liefkentor der älteste, urkundlich erwähnte Torbau der Stadt. Damals diente es als Lagebezeichnung für ein Haus und einen Garten in der Beekstraße, weshalb Milz davon ausgeht, dass es hier lag.

Bereits Heinrich Averdunk deutete den Namen des Tores als „Tor zu unserer lieben Frau“, was auf die Verbindung mit der damals noch vor den Toren der Stadt gelegenen Marienkirche verweist. Das Tor präsentierte sich als großer gedeckter Bau. Trotz seiner Lage in der Stadt wurde es noch im 14. Jahrhundert ausgebessert. Auf dem Corputius-Plan tauchen das Tor und auch die innere Stadtmauer nicht mehr auf. 51° 26′ 3,7″ N, 6° 45′ 36,9″ O

Fischerpforte

Die Fischerpforte (auch Fischertor) tauchte erstmals im Jahr 1327 im Zusammenhang mit gewissen Reichszinszahlungen aus einem Haus auf. In der älteren Literatur wird es in der Rheinstraße lokalisiert. Milz geht dagegen davon aus, dass sich das Tor im Bereich des Marktes befunden hat. Es war Teil der älteren Stadtmauer und namentlich mit den hier befindlichen Fischbänken verbunden. Bei den Vermessungsarbeiten des Johannes Corputius tauchte ein „oude port“ (ndl. altes Tor) an dieser Stelle auf. 51° 26′ 11,7″ N, 6° 45′ 35,4″ O

Türme

Überreste des Schäferturms am Kuhlenwall (2015)

Während die erste Stadtbefestigung noch ganz ohne Türme auskam, wurde die zweite Befestigung im 13. Jahrhundert an vielen Stellen von Türmen überragt, die einen Überblick ermöglichten. Auf dem Corputius-Plan aus dem Jahr 1566 können insgesamt 20 solcher Türme ausgemacht werden. Es handelte sich um Volltürme und zur Stadtseite hin geöffnete Halbtürme. Bei der Bauweise kann zwischen Viereckstürmen und Rundtürmen unterschieden werden. Erhalten haben sich heute noch einige wenige dieser Türme, so der Koblenzer Turm, der Schäferturm oder der Aachener Turm. Neben den Türmen erfüllten auch die Kirchtürme von St. Salvator und St. Marien die Funktionen eines Ausgucks.

Der Koblenzer Turm entstand als Eckturm und ist am heutigen Garten der Erinnerung nahe des Innenhafens zu finden. Er verweist auf die engen Beziehungen der Stadt Duisburg zum rheinaufwärts gelegenen Koblenz. Erstmals betont eine Quelle von 1220 die Verbindungen der beiden Siedlungen. Im Mittelalter erhielten Koblenzer und Duisburger automatisch eine Art „Doppelbürgerrecht“. In Koblenz befindet sich heute noch der von Duisburgern errichtete Ochsenturm. Der Koblenzer Turm lag bei seiner Errichtung noch direkt am Rhein. Deshalb machten die Schiffe am Turmsockel fest. Der Turm besaß einen Umfang von 21 Metern und war ca. 20 Meter hoch. Ab dem 18. Jahrhundert wurden die Steine des Turms immer wieder für Neubauvorhaben herangezogen, sodass sich seine Größe drastisch verringerte. 51° 26′ 17,6″ N, 6° 45′ 52,6″ O

Turmreste am Calaisplatz (2007)

Der Hugenturm im äußersten Nordwesten der Duisburger Befestigung übernahm an dieser Stelle eine ähnliche Funktion wie der Koblenzer Turm weiter nordöstlich. Erstmals erwähnt wurde er im Jahr 1365 als „turris Hermannis Hugonis“. Die Benennung nach einer Person verweist auf die Nutzung als Wohnturm eines Adelssitzes, bevor der Turm im 13. Jahrhundert in die Stadtbefestigung mit einbezogen wurde. Vom damaligen Turm, der an der heutigen Marientorstraße verortet war, haben sich keine Überreste mehr erhalten.[8] 51° 25′ 59,8″ N, 6° 45′ 16,6″ O

Dagegen haben sich Überreste des Schäferturms im Bereich der heutigen Straße Kuhlenwall noch erhalten. Er erhielt seinen Namen in der Zeit, nachdem die Stadtbefestigung ihre Bedeutung als militärische Verteidigungsanlage eingebüßt hatte. Damals bezogen verschiedene Bevölkerungsgruppen die einzelnen Türme und wandelten sie so zu Wohntürmen um. Im Schäferturm wurde der städtische Schafhirte untergebracht. In den 1950er Jahren wurde der Turm zu einer romantisierenden Ruine umgestaltet, die sich kontextlos am Kuhlenwall erhebt.[9] 51° 26′ 5,9″ N, 6° 45′ 55,2″ O

Besondere Bedeutung für das Erscheinungsbild der Stadt hatte der sogenannte Mühlenturm in der Nähe der heutigen Straßen Sonnenwall/Steinsche Gasse. Er trug auf dem Corputius-Plan eine Windmühle. Als einer der letzten Türme der Duisburger Stadtbefestigung wurde er im Jahr 1439 errichtet. Die Mühle wurde namentlich auch mit dem Marientor in Verbindung gebracht. Sie brannte im Jahr 1868 ab. Der Turm stand noch bis zum Jahr 1875, er verschwand beim Ausbau der Steinschen Gasse. 51° 25′ 52,3″ N, 6° 45′ 29″ O

Weitere erhaltene Reste

Die erhaltenen Überreste der Duisburger Stadtbefestigung werden in der Denkmalliste der Stadt Duisburg geführt. Erstmals wurde am 19. März 1985 die Stadtbefestigung als Ensembledenkmal behandelt. Unter Schutz steht der Mauerabschnitt zwischen dem erhaltenen Turmstumpf des Aachener Turms und den Überresten des Koblenzer Turmes am Innenhafen. Ein ähnlicher Abschnitt, mit rekonstruiertem Wehrgang, ist entlang der Straße Kuhlenwall und Rabbiner-Neumark-Weg zu finden. Als einzelner Turm hat sich daneben der Schäferturm zwischen Obermauerstraße und Kuhlenwall erhalten.[10]

Daneben wurden Überreste der Ummauerung in die Fundamente öffentlicher Gebäude abgesenkt, wo sie betrachtet werden können. Ein solcher Abschnitt ist heute in der Königsgalerie an der Untermauerstraße zu finden. Überirdische Stadtmauerreste sind außerdem an der Ecke Steinsche Gasse/Josef-Kiefer-Straße in der Nähe der Marienkirche zu sehen. Besonders auffällig erscheint ein Turmstumpf am Calaisplatz. Vielerorts wurde der Verlauf der Stadtbefestigung durch Markierungen im Boden rekonstruiert.

Literatur

  • Tilmann Bechert: Bemerkungen zur Duisburger Stadtmauer. In: Germania. Anzeiger der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts, Bd. 76, 1998, Nr. 1, S. 323–328.
  • Günter Krause: Archäologisch-bauhistorische Beobachtungen zur frühen Duisburger Stadtbefestigung. In: Manfred Gläser (Hrsg.): Archäologie des Mittelalters und Bauforschung im Hanseraum. Festschrift für Günther P. Fehring (= Schriften des Kulturhistorischen Museums Rostock. Bd. 1). Rostock 1993, ISBN 3-861-67058-5, S. 193–199.
  • Günter Krause: Die Duisburger Stadtbefestigung von ihren Anfängen bis heute. In: Gabriele Isenberg, Barbara Scholkmann (Hrsg.): Die Befestigung der mittelalterlichen Stadt (= Städteforschungen. Bd. 45). Böhlau-Verlag, Köln, Weimar, Wien 1997, ISBN 978-3-41206-797-7, S. 249–262.
  • Joseph Milz: Die Duisburger Stadtbefestigungen. In: Duisburger Forschungen 55. Bd., 2008, S. 79–98.
  • Joseph Milz: Untersuchungen zur mittelalterlichen Stadtmauer von Duisburg mit einem Beitrag über die archäologischen Funde von Günter Krause. In: Günter Krause (Hrsg.): Vor- und Frühgeschichte des unteren Niederrheins. Rudolf Stampfuß zum Gedächtnis (= Quellenschriften zur westdeutschen Vor- und Frühgeschichte. Bd. 10). Bonn 1982, S. 135–171.
  • Joachim Müller: Die Duisburger Stadtmauer des 12. Jahrhunderts. In: Gabriele Isenberg, Barbara Scholkmann (Hrsg.): Die Befestigung der mittelalterlichen Stadt (= Städteforschungen. Bd. 45). Böhlau-Verlag, Köln, Weimar, Wien 1997, ISBN 978-3-41206-797-7, S. 263–269.
  • Joachim Müller: Zur Baugeschichte der Duisburger Stadtmauer am Innenhafen und am Springwall. In: Duisburger Forschungen 38. Bd., 1992, S. 463–519.
  • Angela Pfotenhauer, Joachim Müller: Die Duisburger Stadtmauer – Rekonstruierte Geschichte als Denkmal der Gegenwart. In: Duisburger Forschungen 38. Bd., 1992, S. 520–537.
Commons: Duisburger Stadtbefestigung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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