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Marienkirche (Duisburg)

Evangelische Marienkirche in Duisburg-Altstadt From Wikipedia, the free encyclopedia

Die evangelische Marienkirche (Adresse Marientor 1) ist das zweitälteste Gotteshaus in der Altstadt des nordrhein-westfälischen Duisburg. Die Kirche geht auf die Gebetsstätte einer Johanniterkommende aus dem 12. Jahrhundert zurück.

Marienkirche von Nordwesten

Geschichte

Die Geschichte der Kirche ist eng mit der Duisburger Johanniterkommende verbunden, die als erste ihrer Art auf dem Gebiet des heutigen Deutschland gilt. Die Kommende befand sich an der Stelle einer bereits im 10. Jahrhundert entstandenen, adeligen Burg im Südwesten Duisburgs und wurde um 1150 besiedelt. Erstmals urkundlich bestätigt wurde die Kommende in den Jahren 1154/1155. Die Johanniter umgaben ihren Besitz wohl bereits im 12. Jahrhundert mit einer Mauer. Als eines der ersten Bauten wurde damals eine Kirche durch den Bischof von Münster der Muttergottes Maria geweiht.

Die Johanniterkirche stieg im Jahr 1187 zur zweiten Duisburger Pfarrkirche neben St. Salvator auf. Damals hatte sich vor der Niederlassung eine Handwerkersiedlung gegründet. Im 13. Jahrhundert wurde die Kirche in den Ring der Duisburger Stadtbefestigung mit einbezogen. Erst im Jahr 1380 erhielt die Stadt Zugang zu dem immer noch bestehenden, separaten Mauerring um die Johanniterkirche. Die Kirche erlebte mehrere Bauphasen: Beim ältesten Bau handelte es sich um eine romanische Kirche, die zwei Chorflankentürme mit einem dazwischen gemauerten Glockenstuhl besaß.[1]

Das älteste Langhaus wurde im Laufe des Hoch- bzw. Spätmittelalters durch einen gotischen Bau ersetzt. Dieses besaß zwei Kirchenschiffe und schloss mit einem hölzernen Tonnengewölbe ab, wie Grabungen nachweisen konnten. Der gotische Neubau wurde im Jahr 1475 mit der Errichtung eines Chores abgeschlossen, 1500 stiftete Joris Tack eine Kreuzigungsgruppe neben der Kirche. In dieser Form tauchte die Kirche im Jahr 1566 auf dem Corputius-Plan des Johannes Corputius auf. Die beiden Türme waren bis zum obersten Geschoss aufgemauert und miteinander verbunden. Um 1585 wurde das Johanniterkloster um die Kirche im Zuge der Reformation aufgehoben. Bereits 1543 fand in den Räumlichkeiten der erste lutherische Gottesdienst durch Johannes Rithlinger statt.

Das Erscheinungsbild der Kirche änderte sich im Verlauf der Frühen Neuzeit kaum. Die charakteristische Doppelturmfassade tauchte auch auf Zeichnungen Arnold Mercators und Hendrik Feltmann auf. Erst 1789 begannen Planungen, die als „ganz altfränkisch“ bezeichnete Kirche umzubauen. In der Folge wurden Fassade und der Chor 1797 abgebrochen, die Steine wurden für den Neubau wiederverwendet. 1800 war der Turm fertiggestellt. Im Jahr 1802 wurde die Marienkirche mit einer kleineren Grundfläche neu geweiht. In den folgenden Jahrzehnten erlebte die Kirche Erweiterungen, so kam 1895 eine Sakristei und ein Konfirmandensaal hinzu.[2]

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Kirche nur wenig zerstört. Bereits 1945 konnten wieder Gottesdienste in den Räumlichkeiten stattfinden. Da viele andere Gotteshäuser auf dem Stadtgebiet unbenutzbar waren, wurde St. Marien von einer Vielzahl von Gläubigen aufgesucht. Zwischen 1953 und 1955 erneuerte man die reparaturbedürftige Kirchendecke. In den 1980er Jahren wurde das Dach neu gedeckt, die Kirche erhielt ihren heute noch vorhandenen weißen Anstrich.[3] Die Marienkirche wurde im Jahr 1985 unter der Nummer 64 in die Denkmalliste der Stadt Duisburg aufgenommen, 1991 wurden die Fundamentreste der Vorgängerbauten als Bodendenkmal erfasst.

Architektur

Turm von St. Marien

Die Kirche präsentiert sich als schlichter Saalbau mit Westturm. Das heutige Gotteshaus wurde in den Jahren 1797 bis 1802 im Stil des Klassizismus errichtet. Es entstand in Backsteinbauweise. Den heute vorhandenen weißen Anstrich erhielt die Marienkirche erst in den 1980er Jahren. In den 1890er Jahren wurde die zweigeschossige Sakristei mit dem sogenannten Konfirmandensaal an die Kirche angebaut. Dieser präsentiert sich als schlichter Satteldachbau mit Schweifgiebel. Einziges Gliederungselement bilden die halbrunden Fenster des Obergeschosses.

Der Westturm der Kirche wurde fünfgeschossig errichtet. Er besitzt ein eingefasstes Portal, das von reich gegliederten Blendsäulen umgeben wurde und mit einem diamantierten Schlussstein abschließt. Darüber befindet sich ein Ochsenauge, während die anderen Fenster als Rundbogenfenster entstanden. Der Turm schließt mit einer Welschen Haube ab, die eine Laterne aufweist. Oberhalb des Turmknopfs wurde ein schlichtes Kreuz angebracht.

Ausstattung

Von der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Ausstattung haben sich nur noch wenige Stücke erhalten. Der Grund dafür waren die Bilderstürme des Jahres 1613. Die gotische Kirche wies noch 13 Altäre in ihrem Inneren auf. Aus dem Jahr 1665 stammt allerdings die silberne Taufschale der Regina Degheners, die mit einem der Figur eines Lamms auf dem Deckel verziert wurde. Die Stifterin verewigte sich unterhalb des Sinnspruchs: „MEIN VERTRAWEN STEHET IN CHRISTVM ALLEIN“.[4]

Die heutigen Abendmahlsgeräte wurden im Jahr 1895 im Zuge des Sakristeianbaus angeschafft. Die teilweise aus der frühen Neuzeit stammenden Glocken der Kirche wurden während des Ersten Weltkriegs eingeschmolzen. Im Jahr 1924 wurden drei neue Stahlglocken geweiht, die dem „Glauben“, der „Liebe“ und der „Hoffnung“ gewidmet sind. Daneben befindet sich eine Holzkanzel aus dem 19. Jahrhundert im Inneren. Die Orgel besitzt einen neobarockes Prospekt und wurde zwischen 1867 und 1869 von der Firma Leichel aus Emmerich am Rhein gebaut.

Literatur

  • Evangelische Kirchengemeinde Duisburg-Innenstadt: Marienkirche. 800 Jahre Pfarrgemeinde 1187–1987. Duisburg 1987.
  • Joseph Milz: Untersuchungen zur Baugeschichte der Marienkirche in Duisburg. In: Duisburger Forschungen 21. Bd. (1979). S. 21–28.
Commons: Marienkirche (Duisburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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