Département des Bouches de l’Elbe

Ehemaliges Département in Frankreich (1811–1814) From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Département des Bouches de l’Elbe (dt.: Departement der Elbmündung, in historischen Quellen auch: der Elbmündungen) war das Departement Nr. 128 des ersten Französischen Kaiserreichs. Es entstand als eines der hanseatischen Departements am 1. Januar 1811 infolge der Annexion des Gebietes durch Frankreich[1] und wurde nach dem Sieg der Alliierten am 30. Mai 1814 aufgelöst.

Département des Bouches-de-l'Elbe (1812)
Charte des Départements der Elbmündungen, 1812

Lage

Die „Hanseatischen Departements“

Das Departement der Elbmündung lag zwischen dem Departement der Wesermündung, der Nordsee, der Elbe, der Ostsee und einer Linie, die zunächst im Senatsconsult vom 13. Dezember 1810[1] und sodann genauer in einem Dekret vom 4. Juli 1811 beschrieben wurde: genau den damaligen Grenzen Holsteins folgend, einschließlich Lauenburg und dem Gebiet von Lübeck, bis zur Mündung der Stecknitz (Delvenau) in die Elbe, und entlang der Grenze zum Departement der Aller im Königreich Westphalen bis Hillern.[2]

Das Gebiet umfasste die vormaligen Freien Reichsstädte Hamburg und Lübeck, das ehemalige Herzogtum Lauenburg, einen Teil des Herzogtums Bremen und das Fürstentum Lüneburg. Ein Großteil des Gebiets hatte zuvor für kurze Zeit zum Königreich Westphalen, Departement der Elbe- und Weser-Mündung, gehört.

Geschichte

Davouts Dekret vom 10. Februar 1811
Präfekt Patrice de Coninck
Präfekt Achille Le Tonnelier de Breteuil

In Lauenburg war am 5. Juli 1803 die Hannöversche Armee aufgelöst worden; Lauenburg wurde von Franzosen besetzt.

Seither standen die Hansestädte unter zunehmendem französischen Einfluss, der durch den Zusammenbruch Preußens nur noch spürbarer wurde. Im November 1806 wurden alle drei Hansestädte und das vormals hannöversche Gebiet französisch besetzt.

Stade als Hauptstadt des gesamten Herzogtums Bremen, das zum Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg gehörte, wurde 1810 westphälisch und zur Hauptstadt des Departements der Elbe- und Weser-Mündung bestimmt. Dieser kurzzeitige Übergang auch der Reste des früheren Kur-Hannover an das Königreich Westphalen führte aber nicht zu einer Beruhigung; schon einige Monate später beschloss Napoleon die Annexion der gesamten deutschen Nordseeküste samt einem etwa 150 km tiefen Landgebiet zwischen Rhein bzw. Ems und Elbe sowie der drei Hansestädte, des Herzogtums Oldenburg und eines großen Teils des gerade erst an das Königreich Westphalen übertragenen kur-hannoverschen Gebiets.

Die Ratsverfassungen der Hansestädte Hamburg, Lübeck und Bremen, mit anderen Worten: die Senate dieser Städte wurden durch Beschluss der durch Dekret vom 18. Dezember 1810 errichteten Regierungskommission unter Marschall Davout vom 10. Februar 1811 zum 13. (Hamburg) bzw. 16. Februar 1811 aufgehoben.[3] Hauptstadt des neu geschaffenen Departements war Hamburg (franz. Hambourg). Präfekt war bis 1813 der Niederländer Patrice de Coninck, dann bis 1814 Achille Le Tonnelier de Breteuil. Im Departement der Elbmündung kamen 373.285 Einwohner auf etwa 375,976 Hektar, also einer Fläche von etwa 3759,76 km². Die Stadt Hamburg hatte noch 106.920, Lüneburg 10.039 Einwohner.

Das Departement war in vier Arrondissements mit insgesamt 36 Kantonen unterteilt, die in der Regel in Mairien (Bürgermeistereien) untergliedert waren. Die Stadt Hamburg war in sechs Kantone gegliedert und die Stadt Lübeck in zwei Kantone.

Weitere Informationen Arrondissement, Einwohner (1811) ...
ArrondissementEinwohner
(1811)
KantonMairien (Bürgermeistereien)
Hamburg137.5401. KantonHamburg (innerhalb des Wallrings zzgl. Vorstadt St. Georg und St. Pauli)
2. Kanton
3. Kanton
4. Kanton
5. Kanton
6. Kanton
BergedorfBergedorf, Altengamme, Kirchwerder, Neuengamme
HammHamm, Barmbek, Billwerder, Billwerder-Ausschlag, Eimsbüttel, Eppendorf, Langenhorn, Wohldorf
WilhelmsburgWilhelmsburg, Altenwerder, Ochsenwerder
Lübeck74.3221. KantonLübeck
2. Kanton
Lübeck-LandMoisling, Niendorf, Schlutup, Travemünde
LauenburgLauenburg, Gülzow
MöllnMölln, Gudow
NeuhausNeuhaus, Tripkau
RatzeburgRatzeburg, Kulpin, St. Georgsberg
SchwarzenbekSchwarzenbek, Escheburg, Wotersen
SteinhorstSteinhorst, Kastorf, Linau, Rondeshagen, Schönberg
Lüneburg65.981BardowickBardowick, Artlenburg, Brietlingen, Obermarschacht, Scharnebeck
BuxtehudeBuxtehude, Estebrügge, Hasselwerder, Moisburg
GarlstorfGarlstorf, Behringen, Kirchgellersen
HarburgHarburg, Moorburg
HittfeldHittfeld, Meckelfeld, Jesteburg
LüneburgLüneburg
TostedtTostedt, Hollenstedt, Lauenbrück
WinsenWinsen, Fliegenberg, Pattensen
Stade95.442BremervördeBremervörde, Lamstedt, Mulsum
FreiburgFreiburg, Balje, Drochtersen, Hammelwörden, Oederquart
HimmelpfortenHimmelpforten, Hechthausen, Oldendorf, Osten
HorneburgHorneburg, Ahlerstedt, Harsefeld
JorkJork, Mittelnkirchen, Steinkirchen, Hollern-Twielenfleth
NeuhausNeuhaus, Bülkau, Geversdorf, Oberndorf, Voigtding
OtterndorfOtterndorf, Ihlienworth, Neuenkirchen
RitzebüttelRitzebüttel, Altenbruch, Lüdingworth, Nordleda
StadeStade, Assel, Bützfleth
ZevenZeven, Bevern, Selsingen, Sittensen
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Nach dem Sieg der Alliierten über Napoléon I. 1814 wurde das Departement wieder aufgelöst. Hamburg und Lübeck wurden jeweils wieder Freie und Hansestadt, die Gebiete südlich der Elbe wurden Teil des Königreiches Hannover, die Gebiete nördlich der Elbe fielen durch Tausch an Dänemark.

Heute gehört das Gebiet zu den Bundesländern Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Siehe auch

Literatur

  • Angelika Ernst: Die Einführung des napoleonischen Steuer- und Verwaltungssystems in Lüneburg 1810/1811 unter Ablösung der alten Rechtsnormen, Seeth 2004.
  • Jan Jelle Kähler: Französisches Zivilrecht und französische Justizverfassung in den Hansestädten Hamburg, Lübeck und Bremen (1806–1815), Peter Lang, Frankfurt a. M. 2007, ISBN 3-631-55876-7.
  • Albrecht Friedrich Ludolph Lasius: Der Französische Kayser-Staat unter der Regierung des Kaysers Napoleon des Grossen im Jahre 1812. Kißling, Osnabrück 1813, S. 37 ff. (google.de).
  • Burghart Schmidt: Hamburg im Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons 1789–1813. 1. Teil: Darstellung. 2. Teil: Kommentierte Übersicht über Literatur und Quellen, Hamburg 1998, ISBN 3-923-35687-0.
  • Helmut Stubbe da Luz: „Franzosenzeit“ in Norddeutschland (1803–1814). Napoleons Hanseatische Departements. Bremen 2003, ISBN 3-861-08384-1.
Commons: Bouches-de-l'Elbe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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