Dürkheimer Haus
From Wikipedia, the free encyclopedia
Das Dürkheimer Haus ist ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude in Bad Dürkheim, das über 200 Jahre als Gasthaus in Betrieb war. Mittlerweile dient es als Bürgerhaus und Kulturzentrum mit partieller gastronomischer Nutzung und wird von der Stadt betrieben.[1][2]
| Dürkheimer Haus | ||
|---|---|---|
Dürkheimer Haus aus nordöstlicher Richtung, rechts das Tanzhaus und hinten links das Parkhaus | ||
| Daten | ||
| Ort | Bad Dürkheim | |
| Bauherr | Johann Balthasar Bergner | |
| Baustil | Klassizismus | |
| Baujahr | 1835–1836 | |
| Koordinaten | 49° 27′ 36,2″ N, 8° 9′ 54,6″ O | |
| Besonderheiten | ||
| * Gebäude war mehr als 100 Jahre lang Gasthaus * mittlerweile Café-Bar, Tanzhaus und Parkhaus | ||
Lage
Das Bauwerk steht vor dem mittlerweile abgerissenen Hardenburger Tor, außerhalb des damals befestigten Stadtkerns mit der Hausnummer 1 auf der Südseite der Kaiserslauterer Straße, die in östlicher Richtung von der Römerstraße fortgesetzt wird.[3] Unmittelbar östlich des Gebäudes verläuft die Gaustraße, die in erstere mündet. Südwestlich befindet sich der Standort der Winzergenossenschaft Vier Jahreszeiten Winzer.
Architektur

Das Dürkheimer Haus ist ein großvolumiger, L-förmiger Zweiflügelbau, der in den Jahren 1835 und 1836 entstand. Der Balkon kam um 1870 hinzu. Der rückwärtige Flügel wurde jeweils 1864 und 1875 erneuert. Der Südflügel wurde zum Parkhaus umfunktioniert.[4]
Geschichte
Vorgängerbau
Ursprünglich stand an der Stelle des Gebäudes das Gasthaus „Zum Schaaf“, das Johann Conrad Schaaf bis zu seinem Tod 1755 führte. Das Aussehen der Gaststätte ist unbekannt. Ihm folgten 1764 Johann Christoffel Haas und seine Ehefrau Anna Maria. Sie nannten ihre Gaststätte „Gastgeber zum Schaaf“. 1766 wurde ein Wilhelm Borner der neue Besitzer des Anwesens, dem 1776 Johann Wilhelm Ritter als Wirt „Zum Schaaf“ nachfolgte. 1787 werden sein Name und das Gebäude mit „Wirtschaft zum Schaf vor dem Hardenburger Tor“ im Lagerbuch benannt. Von 1817 bis 1832 war Martin Haas Besitzer des Anwesens, ihm folgte im nächsten Jahr Karl Becker. Für rund 12.000 Gulden erwarb Adam Zott am 20. September 1833 das Anwesen von den Eheleuten Becker. Zott benannte die Wirtschaft nach seiner Tätigkeit als Posthalter „Gasthaus zur Post“. Da die Postexpedition jedoch den Betrieb der Gaststätte störte, gab Zott im September 1840 Brief- und fahrende Post an das Gasthaus „Zum Ochsen“ weiter.
Es folgte eine Reihe weiterer Eigentümer. Durch Notariatsurkunde vom 29. März 1835 erwarb der Wirt Johann Balthasar Bergner die Gaststätte; Bergner war vorher Wirt in der Gaststätte „Ochsen“. Seine zweite Frau Anna geborene Marx aus Trier ging später in die Dürkheimer Geschichte ein.[5]
Weitere Entwicklung
Bergner ließ das Gebäude abreißen und anschließend neu aufbauen; fortan hieß die Gaststätte „Zu den vier Jahreszeiten“. Zu einem großen Festessen und Ball lud der Wirt am 4. September 1836 zur förmlichen Eröffnung des neu erbauten Gasthauses. In den Jahren 1847 und 1848 wurde der Saal gebaut, der um 1886 wieder abgerissen wurde.
Anna Bergner überlebte ihren Mann um annähernd 28 Jahre. In Werken wie „Träume und Schäume vom Rhein“, 1838 von Georg Friedrich Blaul, oder „Aus der Jugendzeit – Eine Plauderei von einem alten Derkemer“ von Esslinger wurde die „Schöne Anna“ erwähnt. Nach einem Ausspruch des „Wochenblatts“ von 1843 habe sie „unser Badestädtchen zu einem Rendezvous der gebildeten Welt“ gemacht. Zu den Gästen in den „Vier Jahreszeiten“ zählten Könige und Fürsten, beispielsweise die Bayernkönige Ludwig I., Maximilian II. und die spätere Kaiserin Augusta sowie der Autor des „Struwwelpeter“, Heinrich Hoffmann. In der Gaststätte wurde am 6. Oktober 1840 die Pollichia gegründet, ein bis in die Gegenwart bestehender Verein für Naturforschung, Naturschutz und Umweltbildung.
Die „Vier Jahreszeiten“ wurden 1855 versteigert; der neue Eigentümer hieß Friedrich Arnz. Von 1857 bis 1873 folgte Karl Philipp Seel als Besitzer und von 1873 bis 1883 der Rentner und Gastwirt Albert Graf. Er kaufte das Gasthaus für rund 47.000 Gulden von den Erben Seels. Für etwa 75.000 Mark erwarb der Hotelier Karl Cron im Jahr 1883 von Grafs Witwe die „Vier Jahreszeiten“. Er konnte sie nur zwei Jahre halten; nach der Zwangsversteigerung vom 20. Juli 1885 ging sie an die Witwe Graf zurück. 1886 erwarb der Mannheimer Fabrikant Werner für 55.000 Mark das Anwesen. Er wiederum verkaufte die „Vier Jahreszeiten“ laut Akt vom 16. Februar 1891 für etwa 50.000 Mark an die AG „Gasthof zu den vier Jahreszeiten“. Der Gasthof wurde von der AG von Grund auf renoviert und einer erfolgreichen Zeit entgegengeführt.
20. und 21. Jahrhundert
Mit Urkunde vom 15. März 1902 übernahm nach elf Jahren die Winzergenossenschaft die Grundstücke von der AG Vier Jahreszeiten für 75.000 Mark. Gegründet wurde die Genossenschaft am 10. Januar 1902 und nannte sich „Haardtwein-Genossenschaft“. Ab 1903 nannte sie sich „Winzergenossenschaft Vier Jahreszeiten“.[6] Im Jahr 1902 wurden im rückwärtigen Garten- und Wingertgelände die Bauarbeiten für eine Kellerei mit Kelterhaus begonnen. Am 22. Mai 1903 wurde die Gartenwirtschaft in den „Vier Jahreszeiten“ eröffnet. Die eigentliche Gaststätte, so heißt es, bestand aus einem sehr großen und zwei mittleren Zimmern; der Saal hatte 500 Sitzplätze. Als erster Genossenschaftswirt wurde auf der Bekanntmachung vom 8. November 1902 Jakob Haaß benannt. Um 1938 wurde die Gaststätte ein weiteres Mal ausgebaut. Ab 1977 wurden die Gaststätte und das Hotel etwa 20 Jahre von Helmut Herold geführt, der sie 1987 renovierte und neu gestaltete.
Von 1997 an stand das Gebäude etwa zehn Jahre lang leer, bis es 2006 von Grund auf saniert wurde. Seit April 2007 gibt es in dem nun „Dürkheimer Haus“ genannten Gebäude unter anderem eine Café-Bar, ein Tanzhaus und ein Parkhaus.[7][8] Die im Dürkheimer Haus ebenfalls 2007 eröffnete Wellness-Einrichtung City Spa zog 2009 nach Deidesheim um.[9]
Literatur
- Georg Peter Karn, Rolf Mertzenich: Kreis Bad Dürkheim. Stadt Bad Dürkheim, Gemeinde Haßloch, Verbandsgemeinden Deidesheim, Lambrecht, Wachenheim (= Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Band 13.1). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1995, ISBN 3-88462-119-X.
- Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler Kreis Bad Dürkheim (PDF; 5,1 MB). Mainz 2024.
