EU-Zivilschutz-Mechanismus

Abkommen der Europäischen Union für verstärkte Zusammenarbeit im Falle von Katastrophen From Wikipedia, the free encyclopedia

Als EU-Katastrophenschutzverfahren (bzw. Katastrophenschutzverfahren der Union; englisch Union Civil Protection Mechanism, UCPM) werden die Abkommen der Europäischen Union bezeichnet, die eine verstärkte Zusammenarbeit im Falle von Katastrophen regeln. Dies betrifft nicht nur die Reaktion auf Katastrophen innerhalb und außerhalb der EU, sondern auch die Prävention und Vorsorge.[1] Funktionaler Kern des Mechanismus ist das Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen.[2]

Entstehung

Karte der Mitgliedstaaten

Erste Versuche solcher Konzepte führen in die 1980er Jahre zurück, als man nach größeren Umweltkatastrophen begann, die Zusammenarbeit zu intensivieren und zwischenstaatliche Zusammenarbeit zu regeln.[3]

Als Folge dieser Bemühungen entstand das erste Abkommen im Oktober 2001, in dem die Innenminister der EU das „Gemeinschaftsverfahren zur Förderung einer verstärkten Zusammenarbeit bei Katastrophenschutzeinsätzen“, welches auch als „Mechanismus“ bezeichnet wird, festlegten. Eine weitere Verbesserung erfuhr der Mechanismus im Jahr 2007, als er als „Gemeinschaftsverfahren für den Katastrophenschutz (Neufassung)“ neu formuliert wurde.[3]

Teilnehmer an diesem Verfahren sind zurzeit die 27 Mitgliedstaaten der EU sowie die Staaten Albanien, Bosnien und Herzegowina, Moldau, Montenegro, Nordmazedonien, Norwegen, Island, Serbien, Ukraine sowie die Türkei.[4] Angewendet wird es auf Ersuchen eines dieser Staaten für gemeinschaftliche Hilfsmaßnahmen bei Natur- oder vom Menschen verursachten Katastrophen. Auch Hilfeansuchen außerhalb der EU werden so koordiniert.

Katastrophen

Insgesamt wurde von 2019 bis 2023 der EU-Mechanismus mehr als 660-mal in Anspruch genommen,[5] darunter und zusätzlich unter anderem bei folgenden Katastrophen (Auszug):

Module

Der Mechanismus unterhält europaweit standardisierte Module mit Material und Fachpersonal, die verschiedene Schwerpunkte bei der Bekämpfung von Katastrophen haben.

Hochleistungspumpe des Landesfeuerwehrverbandes Salzburg (Österreich) während Überschwemmungen auf dem Balkan 2014
Truck mit einer schwimmenden Hochleistungspumpe der tschechischen Feuerwehr
Truck mit Ausrüstung des Urban Search and Rescue Team Niederlande

Die Module sind:[15]

  • Aerial forest fire fighting module using helicopters module (FFFH)
  • Aerial forest fire fighting module using airplanes module (FFFP)
  • Advanced Medical Post (AMP)
  • Advanced medical post with surgery module (AMPS)
  • Chemical, biological, radiological and nuclear detection and sampling (CBRN) module (CBRNDET)
  • Emergency temporary shelters module (ETS)
  • Field hospital module (FHOS)
  • Flood Containment (FC)
  • Flood rescue using boats (FRB)
  • Heavy Urban Search and Rescue (HUSAR)
  • High capacity pumping module (HCP)
  • Medical aerial evacuation of disaster victims module (MEVAC)
  • Medium Urban Search and Rescue (MUSAR)
  • RescEU CBRN-Dekontaminationskapazität
  • Search and rescue in CBRN conditions module (CBRNUSAR)
  • Water purification module (WP)
  • Ground forest fire fighting (GFFF)
  • Ground forest fire fighting using vehicles (GFFF-V)

Zusätzlich wird als Unterstützungseinheit für Module und Experten Technical Assistance Support Teams (TAST) bereitgestellt.

Kontaktstellen

Deutschland

Als sogenannte Nationale Kontaktstelle (engl. National Contact Point, NCP) der EU für Hilfeansuchen an die Bundesrepublik Deutschland dient das permanent besetzte Gemeinsame Melde- und Lagezentrum (GMLZ) von Bund und Ländern. Das GMLZ ist Teil der Abteilung I des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), welches eine Behörde des Bundesministeriums des Innern und dem Referat 2 der Abteilung KM zugeordnet ist.

Österreich

Kontaktstelle der EU für Hilfeansuchen an Österreich ist die permanent besetzte Bundeswarnzentrale.

Commons: EU-Zivilschutz-Mechanismus – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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