Edgar Maiß

deutscher Biologe, Phytopathologe und Hochschullehrer From Wikipedia, the free encyclopedia

Edgar Maiß (* 22. Juni 1955 in Liekwegen; † 17. August 2024) war ein Biologe, Phytopathologe insbesondere der Pflanzenvirus-Forschung und Hochschullehrer an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover. Er gilt als Pionier der Pflanzenvirusforschung, hat in seinen Arbeitsgruppen zahlreiche neue Virenstämme beschrieben und war darüber hinaus Sachverständiger der Virologie sowie Spezialist der Risikobewertungen von phytopathogenen Erregern.[1][2]

Leben und Wirken

Edgar Maiß besuchte die Grundschule Liekwegen und das Ratsgymnasium in Stadthagen, wo er sein Abitur ablegte. Nach einer 15-monatigen Wehrdienstzeit in Northeim konnte er zum Wintersemester 1975 an der Leibniz Universität Hannover sein Biologiestudium aufnehmen, das er als Diplombiologe im Sommersemester 1981 abschloss. Sein Promotionsstudium führte mit Spezialisierung in der Phytopathologie im Fachbereich Gartenbau der Universität Hannover bei Fritz Schönbeck zum Dr. rer. hort. Das Thema der Dissertation: Zur Resistenzinduktion in Pflanzen gegenüber Viren durch Kulturfiltrate von Stachybotrys chartarum (Ehrenb. ex. Link) Hughes.

Bereits während der Promotionszeit trat Maiß als wissenschaftlicher Mitarbeiter in den Bereich Pflanzenvirologie bei Rudolf Casper am Institut für Viruskrankheiten der Pflanzen in der früheren Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) in Braunschweig ein. Das Ziel der Forschungsarbeiten lag in die Bereitstellung neuer molekularer Methoden die Kenntnisse zur Diagnostik, der Schadwirkung und der Charakterisierung von Pflanzenviren auf ein neues Niveau zu heben. Das gelang der Arbeitsgruppe unter Leitung von Edgar Maiß insbesondere in der Grundlagenforschung zum Erreger der Scharka-Krankheit, dem Plum Pox Virus. Eine zu ihrer Zeit herausragende Publikation mit dem Titel The Complete NucleotideSequence of Plum Pox VirusRNA mit Edgar Maiß als Erstautor wurde 1989 im Journal of General Virology veröffentlicht.

Die Forschungsleistungen in der BBA ab 1991 im neu strukturierten Institut für Biochemie und Pflanzenvirologie fanden für Edgar Maiß im Jahre 1992 ihren Höhepunkt in der Verleihung des Julius Kühn-Preises der Deutschen Phytomedizinischen Gesellschaft, in Anerkennung seiner grundlegenden Forschungsarbeiten zur Bekämpfung pflanzlicher Virosen unter Einbeziehung molekularbiologischer Erkenntnisse.

Im Jahr 1994 habilitierte sich Edgar Maiß im Fach Phytomedizin zum Thema Das Scharka-Virus der Pflaume (PPV) – Ein Beispiel für die Nutzung der molekularbiologischen Charakterisierung von Pflanzenviren. Bereits ein Jahr später wurde er zum Professor für Molekulare Phytopathologie am Institut für Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Leibniz Universität Hannover berufen, wo er bis zu seinem Ruhestand im Jahre 2021 forschte und lehrte.

Die wissenschaftliche Arbeit von Edgar Maiß zeichnete sich durch eine ungewöhnliche Bandbreite aus. Neben dem Scharka-Virus galt sein Interesse der funktionellen Charakterisierung weiterer Potyviren. Zu den wissenschaftlichen Kernthemen gehörten verschiedene Gräser infizierende Viren, Obstviren, Zuckerrüben- und Möhrenviren, die von ihm in Zusammenarbeit mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bearbeitet und charakterisiert wurden. Erwähnt werden sollen auch die Arbeiten an Geminiviren, Poleroviren, Nanoviren und Partitiviren. Letztere erfuhren beispielsweise eine taxonomische Reorganisation, nachdem zahlreiche neue Vertreter dieser Gruppe identifiziert sowie Proteininteraktionsstudien durchgeführt werden konnten.

Er zählte zu den Pionieren in Deutschland, die die Kontrolle von Pflanzenviren mit transgenen Virusresistenten Pflanzen beforschten und die vorbehaltlose Diskussion von möglichen Risiken über intensive Sicherheitsforschung vorangebracht haben. Eine seiner zentralen Leidenschaften, mit der er herausragende Expertise erwarb, lag in der Optimierung der Herstellung infektiöser Klone von Pflanzenviren. Sie stellen als reverse genetische Systeme die Grundlage für die Charakterisierung biologischer Eigenschaften, wie z. B. Ausbreitung, Vektorübertragung, Schadwirkung und Wirtsinteraktion, dar. Im Laufe seiner Karriere wurden mehr als 40 von ihnen hergestellt, darunter zahlreiche Vertreter der Potyviridae.

Ein besonders praktischer Bezug seiner molekularen Grundlagenarbeiten an der großen Bandbreite von Viren lag in der Weiterentwicklung von Nachweisverfahren. Eine hohe Anzahl von Studierenden für sein Fachgebiet zu interessieren, lag in der Eigenschaft von Edgar Maiß begründet, seiner Lehre mit großer Leidenschaft nachzugehen. Auf diese Weise kamen im Lauf der Jahre eine dreistellige Anzahl von Diplom, Bachelor und Masterabschlussarbeiten zustande. Viele motivierte Studierende konnten nach Abschluss ihres Studiums in Doktorandenprojekten weitere Schritte ihrer wissenschaftlichen Laufbahn unter Edgar Maiß‘ Anleitung und Betreuung gehen. Über den Zeitraum seiner gesamten wissenschaftlichen Laufbahn betreute Edgar mehr als 50 Doktoranden bei ihrem erfolgreichen Abschluss von Dissertationen zum Dr. rer. nat. bzw. Dr. rer. hort.

Edgar Maiß engagierte sich bereits zu Beginn der Risikobewertung von Pflanzenviren und zugehörigen gentechnischen Arbeiten zu Beginn der 1990er Jahre gemeinsam mit Virologen der BBA und von Hochschulen. Von 2001 bis 2023 übte er offiziell die Funktion als stellvertretender Sachverständiger im Bereich Virologie und Mitglied der Zentralen Kommission für die Biologische Sicherheit (ZKBS) aus. Sein Aufgabenbereich umfasste Risikobewertungen von phytopathogenen Erregern und zugehörigen gentechnischen Arbeiten.

Einzelnachweise

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