Edmund Troost
Offizier der Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika sowie Unternehmer, Erfinder und Autor
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Friedrich Edmund Troost (* 20. Mai 1867 in Bonn; † 21. Dezember 1910 in Halensee bei Berlin) war ein Offizier der Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika sowie ein Unternehmer, Erfinder und Autor über deutsche Kolonien. Bekannt wurde er durch die Einführung eines Dampftraktors, der Dampflokomobile Martin Luther („Dampfochse“), nach Deutsch-Südwestafrika.
Leben
Edmund Troost wurde als zweiter Sohn sowie drittes und jüngstes Kind des rheinischen Investors und Rentiers Albrecht Troost und dessen Ehefrau Jane Alicia Louisa „Jenny“ Giesler (* 17. November 1839 in Brühl; † 14. November 1867 in Bonn), einer Tochter des Brühler Kaufmanns Friedrich Giesler, in eine Familie des Bonner Großbürgertums geboren.[1] Seine Familie wohnte in der heutigen Villa Hammerschmidt am Rhein, und Edmund war noch ein Säugling, als sich eine Familientragödie ereignete. Im Großen Bassin von Schloss Augustusburg ertrank sein dreijähriger Bruder Artur. Daraufhin wurde seine Mutter so schwermütig, dass sie sich drei Monate später im Rhein ertränkte. Um an die schlimmen Ereignisse nicht länger erinnert zu werden, verkaufte sein Vater die Villa am Rhein.
Edmund Troost wuchs bei seinem Vater und bei Verwandten auf, auch im Haushalt seiner Tante Elise, der Ehefrau des Landschaftsmalers Wilhelm von Mörner, und besuchte das Königliche Gymnasium in Bonn[2] und das Königliche Gymnasium in Wesel,[3] ehe er ein Studium der Rechtswissenschaft an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg begann.[4]
Troost beschritt eine Offizierskarriere. Am 13. August 1888 wurde er Leutnant. 1894 kam er nach Deutsch-Südwestafrika.[5] Dort trat er am 11. Juni 1894 in das unter dem Kommando von Curt von François stehende Offizierskorps der Schutztruppe ein.[6] Im gleichen Jahr nahm er an den Operationen gegen den Witbooi-Stammesführer Hendrik Witbooi in den Naukluftbergen teil.[7][8] Auch gegen den Herero-Stammesführer Samuel Maharero war er im Einsatz.[9] Bald wurde er à la suite gestellt, 1903 quittierte er den Dienst in der Schutztruppe. Als Reserveoffizier wurde er zuletzt im Range eines Oberleutnants bei der Landwehr-Kavallerie 2. Aufgebots (IV Berlin) des III. Armee-Korps geführt.[10]
Mitte der 1890er Jahre bis zum Jahr 1900 war Troost in der Reederei tätig. Als Teil einer Schiffsverbindung zwischen Deutsch-Südwestafrika und Europa betrieb er mit dem Küstendampfer Leutwein, den er 1895 aus Belgien angeschafft hatte, die einzige regelmäßige Verkehrslinie zwischen Swakopmund, Walfischbai, Lüderitzbucht und Kapstadt.[11][12] Der Linienverkehr zwischen Deutsch-Südwestafrika und Europa lief indirekt über Kapstadt. Mit dem Reichspostamt schloss er am 1. April 1897 einen Vertrag über die Beförderung von Post auf dieser Linie. Anfang 1900 übernahm die Woermann-Linie den Dampfer, seine Linie und den Postvertrag.[13]

1896 führte er über den Hafen von Walfischbai die Dampflokomobile Martin Luther nach Deutsch-Südwestafrika ein, um durch dieses Transportmittel den beschwerlichen, durch die Küstenwüste Namib führenden Ochsenverkehr zwischen Swakopmund und Heigamgab, einem historischen Zwischenstopp östlich von Swakopmund und Goanikontes, zu ersetzen. Im September des Jahres informierte er seine Freunde und Geschäftspartner in der Deutschen Kolonialzeitung, dass er bei diesem Projekt „langsam aber sicher alle Schwierigkeiten überwunden“ habe.[14] Das Fahrzeug fuhr sich aber bei ersten Einsätzen fest, auch gab es Probleme bei der Ersatzteilbeschaffung. Daraufhin erhielt Troost von Theodor Leutwein, dem Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika, den Auftrag, den Bau einer Schmalspurbahn, die von der Schutztruppe verlegt werden sollte, zu überwachen.[15] Allerdings gelangte er bis 1902 zu der Erkenntnis, dass dem Bau einer Bahnlinie von Lüderitzbucht ins Hinterland nach Keetmanshoop durch die Geländeverhältnisse, insbesondere durch Wanderdünen, bis auf Weiteres unüberwindliche Hindernisse entgegenstünden, so dass eine Güterbeförderung mittels verbesserter Straßenfahrzeuge angeraten sei.[16]
1898/1899 ließ Troost sich eine Transportvorrichtung patentieren,[17] 1899 ein Verfahren zum Aufstellen von Brückenpfeilern von Landungsbrücken.[18] 1903 präsentierte er im Rahmen der Deutschen Automobil-Ausstellung auf dem Platz vor der Flora in Charlottenburg[19] und auf dem Tempelhofer Feld bei Berlin den in seinem Auftrag in Werkstätten der AEG von Joseph Vollmer entwickelten, von einem Verbrennungsmotor angetriebenen Traktor Durch.[20] Bis Mitte 1904 ließ Troost drei Motorwagen mit Anhängern in der Schwartzkopff’schen Lokomotivfabrik herstellen und nach Swakopmund verschiffen.[21] 1906 folgte das Patent eines Kühlers für Motorwagen.[22] Auch experimentierte er in diesem Jahr mit einem Dampflastwagen nach einem System von Robert Goldschmidt, der als Vorspann für Lastzüge eingesetzt werden konnte.[23] Zwei dieser Maschinen, die in der Fahrzeugfabrik Eisenach hergestellt wurden, ließ er nach Südwestafrika bringen. Dort ergänzten sie den Verkehr gewöhnlicher Ochsenkarren bei der damals im Bau befindlichen Sackbahn Lüderitzbucht–Kubub. 1907 konstruierte und baute Troost den Prototyp einer dreirädrigen Lastzugmaschine, die er in den Rauhen Bergen von Steglitz bei Berlin erprobte. Im selben Jahr ließ er das Fahrzeug auf der Deutschen Armee-, Marine- und Kolonial-Ausstellung Berlin zeigen, ehe es nach Afrika verschickt wurde.[24]
Am 30. Oktober 1909, gut ein Jahr vor dem Tod im Alter von 43 Jahren, gründete er mit seinem Cousin Hjalmar von Mörner und drei weiteren Partnern eine Aktiengesellschaft zum Bau und zur Vermarktung von touristischen Immobilien in Rimini.[25]
Noch nach seinem Tod führte ihn das Deutsche Kolonial-Handbuch als Inhaber eines Kaufladens in Aus sowie eines Kaufladens, einer Baumaterialienhandlung und eines Möbelgeschäftes in Lüderitz.[26][27] In Lüderitz besaß er ein heute unter Denkmalschutz stehendes Doppelhaus, das der Bauunternehmer Hermann Metje nach Plänen des Architekten Heinrich Ziegler 1909 für ihn gebaut hatte.[28]
Troost war Mitglied der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin und der Schiffbautechnischen Gesellschaft. Dem Berliner Museum für Völkerkunde stiftete er 1901 ein Maori-Haus.[29]
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Erlebnisse einer Straßen-Lokomotive. Richter, Hamburg 1898.
- Erlebnisse einer Straßen-Lokomotive. In: Deutsches Kolonialblatt. 1899.
- Deutschlands Kolonien. Unser Kolonialwesen. Südwestafrika. Ostafrika. Kamerun, Togo. Neuguinea, Bismarck-Archipel etc., Samoa. Kiautschou–Brasilien. Ausblick in die Zukunft. Verlag von A. W. Hayn’s Erben, Berlin [um 1900].
- Koloniale Propaganda. Vorschläge zur Belebung des Massen-Interesses für die deutschen Kolonien. Verlag von A. W. Hayn’s Erben, Berlin 1900.
- Samoanische Eindrücke und Betrachtungen. Skizzen aus unserer jüngsten deutschen Kolonie. Verlag von A. W. Hayn’s Erben, Berlin 1901 (Digitalisat).
- Durch. Zeitgemäße Verkehrsvorschläge für Neu-Deutschland. Verlag von A. W. Hayn’s Erben, Berlin 1902.
Literatur
- Oberleutnant Troost †. Nekrolog in: Deutsche Kolonialzeitung. Organ der Deutschen Kolonialgesellschaft. 27. Jahrgang, Nr. 53 (31. Dezember 1910), S. 898 f. (Google Books).