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Eduard Möhrle

1889 bis 1956 Geburtsort Überlingen/Bodensee Sterbeort Duisburg Beruf/Funktion Industriechemiker Konfession katholisch Namensvarianten Moehrle, Eduard Möhrle, Eduard Moehrle, Eduard From Wikipedia, the free encyclopedia

Eduard Möhrle, auch Eduard Moehrle (* 30. Juli 1889 in Überlingen am Bodensee; † 11. Juni 1956 in Duisburg), war ein deutscher Chemiker, Erfinder und Generaldirektor der Gesellschaft für Teerverwertung in Duisburg-Meiderich. Seine Entwicklungen beeinflussten die Weiterentwicklung der Kohlechemie und der Mineralölproduktion in Deutschland, insbesondere in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Namensvarianten

Eduard Möhrle war im Laufe seiner Karriere an über 40 patentrechtlich geschützten Erfindungen beteiligt. In der Literatur finden sich für seinen Nachnamen die Varianten Möhrle und Moehrle. Beide Schreibweisen sind korrekt, wobei Eduard Möhrle die amtliche Namensform (mit Umlaut) und Eduard Moehrle die Transkription für internationale Dokumente oder Patente ist.[1]

Leben

Eduard Möhrle entstammte einer katholischen Familie. Sein Vater, Konrad Möhrle (1847–1919), war Schreinermeister in Überlingen; seine Mutter Maria, geb. Bauer, kam aus einer Landwirtsfamilie. Er studierte Chemie an den Universitäten Freiburg im Breisgau, Berlin und Heidelberg. Nach seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg promovierte er 1918 in Heidelberg bei Friedrich Krafft mit der Dissertation Über Reindarstellung leicht zersetzlicher Substanzen durch Vakuumdestillation zum Dr. phil. Das Thema der Arbeit wies bereits auf sein späteres wissenschaftliches und technisches Hauptarbeitsgebiet hin.

Nach Assistententätigkeiten an der Universität Heidelberg und an der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim trat Möhrle 1919 in die Gesellschaft für Teerverwertung (GfT) in Duisburg-Meiderich ein. Im wissenschaftlichen Laboratorium der Gesellschaft befasste er sich mit der Aufarbeitung von Urteer, der Untersuchung und Nutzung von Phenolen sowie mit Forschungsaspekten der Kohlehydrierung. Sein besonderes Interesse galt der Verfahrenstechnik. Im Laufe seiner beruflichen Tätigkeit war er an mehr als 40 patentierten Erfindungen beteiligt.

Im Oktober 1927 übernahm Möhrle die technische Leitung der AG für Steinkohleverflüssigung und Steinkohleveredelung in Duisburg-Meiderich, einer Tochtergesellschaft der GfT. Das Unternehmen sollte das von Friedrich Bergius entwickelte Hydrierverfahren zur großtechnischen Verflüssigung von Steinkohle und Steinkohlenteer industriell umsetzen. Im Rahmen orientierender Laborversuche erkannte Möhrle als Erster die Möglichkeit, durch Hydrierung von Steinkohlenteer hochklopffeste Kraftstoffe zu gewinnen. Die industrielle Umsetzung erwies sich jedoch als technisch und wirtschaftlich nicht erfolgreich, sodass er 1934 zur GfT zurückkehrte.

Möhrle wurde 1936 in die Geschäftsführung der Gesellschaft für Teerverwertung berufen. Ihm wird die Entwicklung und erstmalige Realisierung einer kontinuierlich arbeitenden, wirtschaftlichen Vakuumdestillation zur Rohteeraufarbeitung zugeschrieben. Diese grundlegende Neuerung der Rohteerdestillation schuf insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg die Voraussetzungen für zahlreiche neue Verfahren zur Weiterverarbeitung von Steinkohlenteer und förderte zugleich die intensive Erforschung seiner chemischen Inhaltsstoffe.

1943 übernahm Möhrle den Vorsitz der Geschäftsführung der GfT, den er bis 1955 innehielt. Darüber hinaus engagierte er sich in wissenschaftlichen Fachgesellschaften. Er war Vorsitzender der Fachgruppe Brennstoff- und Mineralölchemie im Verein Deutscher Chemiker sowie von 1948 bis 1953 Mitglied des Beirats und Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Mineralölwissenschaft und Kohlechemie (DGMK).[2]

Familie

Eduard Möhrle heiratete 1919 in Duisburg Elise Rieß (* 1889) aus Greiz (Thüringen), die Tochter eines in Freiburg (Breisgau) tätigen Fabrikdirektors. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor.

Auszeichnungen

Werke

  • Über Reindarstellung leicht zersetzlicher Substanzen durch Vakuumdestillation. Dissertation, Heidelberg, 1918.
  • Neuere Anschauungen und Arbeiten auf dem Gebiet d. Extraktion, Schwelung und Hydrierung der Steinkohle. in: Angewandte Chemie 48, 1935, S. 509–13, 591.
  • Öl- und Pechausbeute bei der Teerverarbeitung. Verlag Stahleisen, Düsseldorf, 1937.

Literatur

  • Deutsche Gesellschaft für Mineralölwissenschaft und Kohlechemie (Hrsg.): Eduard Moehrle zum Gedächtnis. in: Erdöl und Kohle 7 (1956), S. 480–484.
  • Manfred Rasch: Vom Laboratoriums-Chemiker zum Generaldirektor. in: Niederrhein-Kammer 42 (1986), S. 532.
  • Manfred Rasch: Möhrle, Eduard. in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 623.

Einzelnachweise

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