Efeu (Gattung)
Gattung der Familie Araliengewächse (Araliaceae)
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Efeu (Hedera), älter auch Epheu (lateinisch auch Edera), ist eine Pflanzengattung in der Familie der Araliengewächse (Araliaceae). Die in Mitteleuropa mit Abstand bekannteste Art ist der Gewöhnliche Efeu (Hedera helix).
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Efeu (Hedera helix), Illustration | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
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Beschreibung
Vegetative Merkmale
Die Efeu-Arten sind immergrüne Kletterpflanzen, Lianen oder Bodendecker. Die Pflanzen sind kahl, behaart oder schuppig.
Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Efeu-Arten weisen ganz unterschiedlich geformte Blattspreiten auf. Nebenblätter sind vorhanden oder fehlen meist.
Alle Efeu-Arten können abrupt und ausgeprägt die Gestalt und Funktion ihrer Metamere (grundlegende Wachstumseinheiten bestehend aus Internodium, Sprossknoten, Blättern und Achselknospen) ändern (Heteroblastie)[1], indem sie frühestens in einem Alter von ca. 10 Jahren von der Jugendform in die Altersform übergehen[2]: Die Jugendform wächst kriechend und (mithilfe von Adventivwurzeln) kletternd und blüht und fruchtet nicht. Die Altersform ist in der Regel deutlich sonnenlichtverträglicher und schwachwüchsiger, wächst selbstständig (ohne Adventivwurzelbildung) aufrecht und blüht und fruchtet. Auch die Blattformen der beiden Stadien unterscheiden sich deutlich (Heterophyllie).
Generative Merkmale
Hedera-Arten sind zwittrig oder andromonözisch, also mit zwittrigen und männlichen Blüten auf einem Exemplar. Die traubigen Blütenstände sind aus doldigen Teilblütenständen zusammengesetzt. Die gestielten, radiärsymmetrischen Blüten sind fünfzählig. Der Kelch kann fehlen oder ist klein, dann verwachsen bis gezähnt. Die Kronblätter sind klappig. Es ist ein Diskus vorhanden. Es ist nur ein Kreis mit fünf fertilen Staubblättern vorhanden. Die fünf Fruchtblätter sind zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen. Die Griffel sind vereinigt. Es werden kugelige Früchte, Steinfrüchte, gebildet. Die Samen sind eiförmig.
Inhaltsstoffe
Alle Pflanzenteile sind aufgrund ihres Saponingehalts (v. a. Hederin) giftig. Die Aufnahme großer Mengen führt bei Kindern zu Brechdurchfällen und Krämpfen. Vergiftungen mit Todesfolge sind bekannt. Die Aufnahme kritischer Pflanzenmengen erfolgt aufgrund des bitteren Geschmacks der zudem harten Früchte jedoch nur sehr selten.
Systematik und Verbreitung
Die Gattung Hedera wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum, Band 1, Seite 202, erstveröffentlicht.[3] Synonyme für Hedera sind Psedera Neck. und Helix Mitch.[4]
Je nach taxonomischem Konzept werden bis zu 19 Efeu-Arten unterschieden[5][4], wobei die mit Abstand am weitesten in Europa verbreitete Art der Gewöhnliche Efeu (Hedera helix) ist:
- Hedera algeriensis Rantonnet ex C.Morren (Nordafrikanischer Efeu): Beheimatet im nordwestlichen Afrika, von Nordalgerien bis Tunesien.[4]
- Hedera azorica Carrière: Dieser Endemit kommt nur auf den Azoren vor.[4]
- Hedera canariensis Willd.: Sie kommt nur auf den Kanarischen Inseln vor.[4]
- Hedera caucasigena Pojark.: Sie wurde 1950 erstbeschrieben und kommt in der Türkei und vom Kaukasusraum bis Israel vor.[4]
- Hedera colchica (K.Koch) K.Koch (Kaukasischer Efeu): Er ist zwischen dem Schwarzen Meer und dem Kaspischen Meer sowie im Kaukasusraum verbreitet. Das Epitheton bezieht sich auf die historische Region Kolchis am Schwarzen Meer (im heutigen Georgien).[4]
- Hedera crebrescens M.Bényei-Himmer & M.Höhn: Die Art wurde 2017 als eigene evolutionäre Linie innerhalb der asiatisch-europäischen Efeu-Gruppe erstbeschrieben und ist in Mitteleuropa von Frankreich bis in die Ukraine heimisch. Da sie hinsichtlich Fortpflanzungskapazität und Wachstumsstärke anderen heimischen Efeu-Arten überlegen ist, wird sie als potenziell invasive Pflanze angesehen und erhielt das Epitheton crebrescens – abgeleitet vom lateinischen Verb crēbrēscere (übersetzt „zunehmen“, „sich verbreiten“).[6][7][4]
- Hedera cypria McAll.: Dieser Endemit wurde 1993 erstbeschrieben und kommt nur im Troodos-Gebirge auf Zypern vor.[4]
- Hedera helix L. (Gewöhnlicher Efeu oder Gemeiner Efeu): Er ist von Europa bis in die Türkei weitverbreitet. Das aus dem Altgriechischen entnommene Epitheton helix (übersetzt „Windung“, „Schraube“) ist irreführend, da der Gemeine Efeu wie alle Efeu-Arten keine Schlingpflanzen, sondern Haftwurzelkletterer sind.[4]
- Hedera hibernica Poit. (Irischer Efeu, auch Atlantischer Efeu): Er kommt an den Atlantikküsten von Westeuropa bis Spanien vor. Das Epitheton ist abgeleitet von der klassischen lateinischen Bezeichnung Hibernia für Irland.[4]
- Hedera iberica (McAll.) Ackerf. & J.Wen (Spanischer Efeu): Er hat seit 2002 den Rang einer Art und kommt in Portugal, im südlichen Spanien und nördlichen Marokko vor. Das Epitheton verweist auf die Iberische Halbinsel.[4]
- Hedera maderensis K.Koch ex A.Rutherf.: Diese endemisch auf Madeira vorkommende Art wurde 1993 erstbeschrieben.[4]
- Hedera maroccana McAll.: Sie wurde 1993 erstbeschrieben und kommt in Algerien und Marokko vor.[4]
- Hedera nepalensis K.Koch (Nepal-Efeu): Er ist in Afghanistan, Pakistan, im gesamten Himalaya-Gebiet, Nepal, Assam, Myanmar und Thailand verbreitet.[4]
- Hedera pastuchovii Woronow: Die Art wurde 1932 erstbeschrieben und kommt nur in sehr kleinen Arealen im Westkaukasus, im Irak und Iran vor.[4]
- Hedera rhizomatifera (McAll.) Jury: Sie wurde erst 2004 in den Rang einer Art erhoben und kommt nur in Südportugal, Südspanien und auf den Balearen vor. Das Epitheton weist auf das für die Gattung Efeu ungewöhnliche Wachstumsmerkmal unterirdischer Ausläufer (Rhizome) hin.[8][4]
- Hedera rhombea (Miq.) Paul (Japanischer Efeu): Er kommt in Japan mit den Riukiu-Inseln, Korea sowie Taiwan vor. Das Epitheton weist auf die rautenförmigen Blätter hin.[4]
- Hedera × sepulcralis R.H.Marshall & McAll.: Diese Kreuzung aus Hedera algeriensis und Hedera hibernica wurde 2017 erstbeschrieben. Das Epitheton ist vom lateinischen Ausdruck sepulcrum für „Grabstätte“ abgeleitet.[9][4]
- Hedera sinensis (Tobler) Hand.-Mazz.: Sie kommt von China bis Laos und Vietnam vor.[4]
- Hedera siyuanwukouensis S.S.Ying: Diese 2022 erstbeschriebene Art kommt nur in Taiwan vor. Das Epitheton verweist auf den Siyuan-Pass als Fundort des Holotypus.[4]
- Hedera × soroksarensis M.Bényei-Himmer & M.Höhn: Diese Kreuzung aus Hedera helix und Hedera hibernica wurde 2017 erstbeschrieben; sie kommt in Ungarn vor. Das Epitheton verweist auf den Holotypus-Standort im botanischen Garten im Budapester Stadtbezirk Soroksár.[6][4]
- Hedera taurica (Hibberd) Carrière: Dieser Endemit kommt nur vor auf der Halbinsel Krim, aus deren antiker Bezeichnung Tauris das Epitheton abgeleitet wurde.[4]
- Nordafrikanischer Efeu
- Kaukasischer Efeu
- H. crebrescens
- Irischer Efeu
- Spanischer Efeu
- H. pastuchovii
- Japanischer Efeu
Die Hedera-Arten sind ursprünglich von den makaronesischen Inseln über Europa und den Mittelmeerraum bis in das gemäßigte Asien verbreitet. Einbürgerungen gibt es in Mexiko, vielen US-Bundesstaaten inkl. Hawaii, Teilen von Kanada, Argentinien, Australien und Neuseeland[4]; vielfach sind sie dort als invasiv eingestuft.[10][11][12] Andererseits gelten die endemisch bzw. nur in sehr kleinen Arealen vorkommenden Arten nicht selten als potenziell gefährdet.
Sorten

Efeu hat eine für Zierpflanzen außergewöhnlich weit zurückreichende und intensive Züchtungsgeschichte. In einer 1872 in Großbritannien veröffentlichten Efeu-Monografie „The Ivy“[13] von Shirley Hibberd wurden bereits mehr als 200 Sorten aufgeführt. Die Gesamtanzahl der heute bekannten Sorten lässt sich nur grob schätzen, dürfte aber über 700 liegen, nachdem die nationale polnische Sammlung 660 Sorten[14] und auch die nationale französische Efeusammlung über 600 Sorten in ihren Beständen angeben.[15] Die Angaben zur Sortenanzahl in der Efeusammlung im Schlosspark Dennenlohe streuen zwischen 437 und 600.[16][17] Sehenswert ist auch die nationale britische Sammlung mit über 230 Sorten.[18]
Aktuell (Stand März 2026) sind insgesamt 23 Efeu-Sorten wegen ihres herausragenden dekorativen Wertes und ihrer Robustheit mit dem Award of Garden Merit der britischen Royal Horticultural Society ausgezeichnet.[19]
Strauch-Efeu-Sorten
Bei der Untermenge der Strauch-Efeu-Sorten werden gezielt die heteroblastischen Eigenschaften[1] des Efeus ausgenutzt, indem aus adulten Stecklingen zyklophysische Klone mit strauchförmigem Wuchs gezogen werden. Sie breiten sich nicht kletternd oder kriechend aus und blühen und fruchten schon als Jungpflanzen. Nach Artikel 2.7. des Internationalen Codes der Nomenklatur der Kulturpflanzen fallen sie damit unter die Definition eines Kultivars (Sorte).
Sortenvielfalt, Klassifizierung, Registrierung
Die Vielzahl von Efeu-Sorten ist nicht nur für Laien schwer überschaubar. In der Fachwelt wird allgemein bedauert, dass heute kein Standardwerk erhältlich ist, das umfassend den Efeu mit all seinen Arten und Sorten behandelt, nachdem „Hedera: The complete guide“ von McAllister/Marshall vergriffen ist. Die Monografie „The Ivy“[13] von Shirley Hibberd aus dem Jahr 1872 ist mit ihren eleganten Beschreibungen und zahlreichen Abbildungen nach wie vor eine wertvolle Informationsquelle zu den älteren Sorten. Andererseits hat Hibberd damit auch vermeidbare Verwirrung gestiftet, indem er nach eigenem Gutdünken zahlreiche, insbesondere panaschierte Sorten umbenannte.[20]
Eine nicht unwesentliche Rolle im internationalen Sortenwesen des Efeus spielt die 1973 gegründete „American Ivy Society“ (AIS): Sie wurde 1977 von der „International Society for Horticultural Science“ (ISHS) zur „International Cultivar Registration Authority“ (ICRA) für die Gattung Hedera ernannt.[21][22] Um den Umgang mit der Vielzahl der Efeusorten u. a. in Sortenwesen, Handel und gärtnerischer Nutzung zu erleichtern, wurde in den frühen 1970er-Jahren von Suzanne Warner Pierot, der Gründerin und ersten Präsidentin der AIS, ein Klassifizierungssystem für Efeu entwickelt, das hauptsächlich auf der Form der Blätter beruht. Das so genannte Pierot-System besteht aus 9 Kategorien:
- Adults (A): Efeus in blühender und fruchtender Altersform
- Bird's Foot Ivies (BF): Sorten mit vogelfußähnlichen Blättern
- Curly Ivies (C): Sorten mit gelockten Blättern
- Fan Ivies (F): Sorten mit fächerförmigen Blättern
- Heart-shaped Ivies (H): Sorten mit herzförmigen Blättern
- Ivy-Ivies (I): Sorten mit 3- bis 5-lappigen Blättern wie bei der Wildform
- Miniature-Ivies (M): kleinblättrige Sorten
- Oddities (O): Sorten mit ungewöhnlichen Blattformen
- Variegated Ivies (V): Buntlaubige Sorten
Die nationale französische Efeusammlung nutzt in ihrer Sortendatenbank das Pierot-System und ermöglicht damit entsprechende Filterungen. Sie schlägt außerdem die Einführung einer zehnten Kategorie besonders reich verzweigter Efeusorten vor, die weitgehend aus der Sorte 'Pittsburgh' hervorgegangen sind.[22]
Kunst und Kultur
Efeu wurde in der antiken Mythologie verehrt und spielte als symbolträchtige Pflanze in den verschiedensten Epochen eine weitreichende Rolle als Stilelement in der Kunst.
| Detaillierter Artikel → | Friderike Klauner: Epheu. In: RDK Labor. Zentralinstitut für Kunstgeschichte, 1962. |
Siehe auch
- Gundermann (Erd-Efeu)
Literatur
- Qibai Xiang, Porter P. Lowry: Araliaceae. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Clusiaceae through Araliaceae (= Flora of China). Band 13. Science Press u. a., Beijing u. a., ISBN 978-1-930723-80-1, Hedera L., S. 441 (online – textgleich mit gedrucktem Werk).
- Joachim W. Kadereit, Volker Bittrich: The Families and Genera of Vascular Plants. Vol. XV: Flowering Plants Eudicots, Springer, 2018, ISBN 978-3-319-93604-8, S. 441.
- Hugh McAllister, Rosalyn Marshall: Hedera: The complete guide. Hrsg.: Royal Horticultural Society. 2017, ISBN 978-1-907057-73-1 (englisch, vergriffen).
Weblinks
- M. J. Henwood, R. O. Makinson: Genus Hedera. In: New South Wales Flora Online. PlantNet – The Plant Information Network System of The Royal Botanic Gardens and Domain Trust, abgerufen am 5. März 2012 (englisch).
- Friderike Klauner: Epheu. In: RDK Labor. Zentralinstitut für Kunstgeschichte, 1962.
- Deutsche Efeugesellschaft – gemeinnützige Vereinigung für Efeu-Liebhaber seit 1993. Deutsche Efeugesellschaft e. V. (relevanter Herausgeber, Content teilweise nicht aktuell, keine Sorteninformationen).
- The American Ivy Society. The American Ivy Society, Inc. (englisch, relevanter Herausgeber, Content teilweise nicht aktuell).
- Hedera (ivy). Royal Horticultural Society (englisch).
- Nationale polnische Sammlung: Selected collection: Ivy (156 obiektów). Wroclaw University Library (englisch).
- Nationale französische Sammlung: 544 Résultats de recherche pour “hedera”. Les Amis des Jardins du Gué (französisch).