Eine kleine Freundin braucht ein jeder Mann
Film von Paul Heidemann (1927)
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Eine kleine Freundin braucht ein jeder Mann lautet der Titel eines stummen Lustspielfilms, den Paul Heidemann 1927 für seine Firma Heidemann Film Vertrieb GmbH Berlin nach eigenem Drehbuch inszenierte. Er geht auf die bekannte Liedeinlage zu der Operette Die blaue Mazur[1] von Franz Lehár zurück, die rasch zum Gassenhauer wurde.[2]
| Film | |
| Titel | Eine kleine Freundin braucht ein jeder Mann |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 1927 |
| Länge | 2090 Meter, bei 22 BpS 83 Minuten |
| Stab | |
| Regie | Paul Heidemann |
| Drehbuch | Paul Heidemann |
| Produktion | Paul Heidemann |
| Musik | Pasquale Perris |
| Kamera | Willy Winterstein |
| Besetzung | |
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Um Heidemann, der auch die Hauptrolle spielte, sah man Hans Albers als Boxer Otto-Otto und Paul Morgan als dessen Manager agieren, dazu die bewährten Komiker Julius Falkenstein und Siegfried Arno und die Damen Charlotte Ander, Carla Bartheel, Vera Schmiterlöw und Ruth Weyher.
Der Film gehört zu einer in der Übergangszeit vom stummen zum tönenden Film vermehrt auftretenden Spezies, die sich an den Erfolg eines vorausgegangenen Schlagerliedes anzuhängen suchte.
Handlung
Prof. Dr. Wilhelm Hellwig, Chemiker von Beruf, stellt in seinem Institut mehr komische als wissenschaftliche Verjüngungs-Versuche an, in deren Folge Erwachsene in Kinderkleidung auf einem Kostümfest erscheinen und ein Meisterboxer in Frauenkleidern auftritt.[3] Hellwig ist Frauen gegenüber sehr schüchtern. Um aus ihm einen flotten Junggesellen zu machen, führt sein Freund Bumberg, ein gewiefter Lebemann, ihn in das nächtliche Vergnügungsleben ein. Gelegentlich eines Balles hat Hellwig ein tragikomisches Beisammensein mit einer Tänzerin, deren Mann, ein Boxmeister, eine für ihn peinliche Situation heraufbeschwört. Nach ergötzlichen Episoden in der Villa von Hellwigs Onkel und nach dem Hellwig unbeabsichtigt mit Bumbergs Freundin in eine zweifelhafte Situation gerät, findet er den Weg zu seiner hübschen Assistentin, Käthe Schlicht, die ihn schon lange liebt.[4] In der Mitte der sehr lustigen Handlung steht der Böse-Buben-Ball, der, geschickt inszeniert und mit allerlei pikanten Reizen ausgestattet, eine gute Parodie auf die Verjüngungstheorie darstellt.[5]
Hintergrund
Die Filmbauten schuf der Architekt Willi A. Herrmann, Aufnahmeleiter war Fritz Grossmann, an der Kamera stand Willy Winterstein. Die Illustrationsmusik schrieb Pasquale Perris, der Hauskapellmeister am Tauentzien-Palast Berlin war.
Der Film lag der Berliner Filmprüfstelle am 17. November 1927 zur Zensur vor. Erst nach zwei weiteren Terminen am 28. November und am 2. Dezember durfte der Film, den man dabei von ursprünglich 2187 Metern über 2155 Meter schließlich auf 2090,8 Meter zusammengeschnitten hatte, passieren.[6] Die Uraufführung fand am 16. Dezember 1927 in Berlin im Tauentzien-Palast[7] statt. Der Film wurde vom Deutschen Lichtspiel-Syndikat DLS verliehen.
- Tondokumente
- Eine kleine Freundin hat doch jeder Mann. Step aus Die blaue Mazur (Franz Lehár, Text von Artur Rebner) „Beka“-Orchester mit Chorgesang, Beka Nr. 31 009, aufgen. 7. Mai 1921[8]
- Eine kleine Freundin hat doch jeder Mann. Fox-trot aus Die blaue Mazur von Franz Lehár. Tanz-Orchester „Metropol“. Polyphon 30 723 (Matr. 2-27 379)[9]
- Eine kleine Freundin hat doch jeder Mann, aus Die blaue Mazur von Franz Lehár. Marek Weber mit seiner Künstlerkapelle vom „Esplanade“ Berlin, auf Parlophon P.1186-I (Matr. 2-2897), aufgen. 21. Mai 1921[10]
Der Schlager war auch in Amerika erhältlich:
- Eine kleine Freundin hat doch jeder Mann (Franz Lehár, Artur Rebner) Deutsches Tanz-Orchester [i. e., Victor Orchestra] Victor 73 203 (Matr. B-26 039-3, rec. 1/18/1922)[11]
Vielleicht durch die Figur des von Hans Albers verkörperten Boxmeisters Otto-Otto inspiriert[12] schrieben Fritz Rotter und Dr. Bronisław Kaper das Foxtrott-Lied Ach Otto-Otto, das einen „schönen Mann“ besingt, hinter dem alle Frauen her sind:
- Ach Otto-Otto...! Foxtrot (Dr. Bronislaw Kaper, Text: Fritz Rotter) Marek Weber und sein Orchester. Refrain: Siegfried Arno. Electrola E.G.2135 (60-1308) – 1930[13]
Rezeption
In dem Film wurde auf zwei Erscheinungen der 1920er Jahre Bezug genommen, die damals die Öffentlichkeit bewegten: das waren zum einen die zahlreichen Versuche von Medizinern, Menschen künstlich zu verjüngen, zum anderen der aufkommende und populär werdende Boxsport[14] und seine Repräsentanten. Verjüngungsmittel und -operationen[15] hatten schon den Coupletsängern und Varietékomikern[16] Nahrung gegeben, berühmte Boxstars der Zeit wie Hans Breitensträter oder Paul Samson-Körner lieferten ebenso Stoff für Couplets und Szenen[17] – nun hob auch der Film darauf ab.
Lied- wie Filmtitel regten auch den Berliner Zeichner Heinrich Zille zu einem Bilde an, auf dem in einem Berliner Hinterhof sichtlich Minderjährige zur Musik eines Orgelmannes tanzen und „knutschen“.[18]
Literatur
- Herbert Birett: Stummfilmmusik. Eine Materialsammlung. Deutsche Kinemathek Berlin 1970.
- Jeanpaul Goergen: Als das Kino noch Amor hieß. In: Die Welt, 10. Juni 1999.
- Stephanie Haerdle: Darstellung von Boxsport und Boxsportlern in der Literatur der Weimarer Republik (Magisterarbeit, HU Berlin), Berlin 2003.
- Gerhard Lamprecht (Hrsg.): Deutsche Stummfilme: 1927–1931. Band 9 von Deutsche Stummfilme. Deutsche Kinemathek Berlin 1970.
- Karin Ploog: Als die Noten laufen lernten...Teil 2: Geschichte und Geschichten der U-Musik bis 1945 – Komponisten – Librettisten – Texter. Verlag BoD 2015, ISBN 978-3-7386-7287-9.
- Karin Rase: Kunst und Sport. Der Boxsport als Spiegelbild gesellschaftlicher Verhältnisse. Mit einem Geleitwort von Jan Hoet (Europäische Hochschulschriften, Reihe XXVIII, 396). Peter Lang, Frankfurt a. M. [u. a.] 2003.
- Lukas Richter: Der Berliner Gassenhauer. Darstellung – Dokumente – Sammlung. Mit einem Register neu herausgegeben vom Deutschen Volksliedarchiv (= Volksliedstudien, Band 4). Waxman Verlag 2004, ISBN 978-3-8309-1350-4.
- Dirk Rupnow: Pseudowissenschaft: Konzeptionen von Nichtwissenschaftlichkeit in der Wissenschaftsgeschichte. Verlag Suhrkamp, 2008, ISBN 978-3-518-29497-0
- Ulrike Schaper: Boxen und Männlichkeit in der Weimarer Republik (Magisterarbeit, HU Berlin), Berlin 2004.
- Ulrike Schaper: „Man sagt zu Recht: Boxsport – Männersport.“ Männlichkeitsbilder im Boxdiskurs der Weimarer Republik. In: Berliner Debatte Initial 17 (2006), H. 3, S. 92–102.
- Eberhard Spiess: Hans Albers. Eine Filmographie. Herausgegeben von Hilmar Hoffmann und Walter Schobert, Kommunales Kino Frankfurt/Main in Zusammenarbeit mit Deutsches Institut für Filmkunde, Wiesbaden. Frankfurt/Main 1977.
- Heiko Stoff: Ewige Jugend. Konzepte der Verjüngung vom späten 19. Jahrhundert bis ins Dritte Reich. Böhlau Verlag, Köln Weimar 2004, ISBN 978-3-412-11103-8.
Weblinks
- Eine kleine Freundin braucht ein jeder Mann bei IMDb
- Eine kleine Freundin braucht ein jeder Mann bei filmportal.de
Abbildungen
- Paul Heidemann fotografiert von Nicola Perscheid, Berlin W 6.
- Illustrierter Film-Kurier von 1927