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Eisenerzer Höhe

Gebirgsübergang in der Hochschwabgruppe in der Steiermark From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Eisenerzer Höhe ist ein 1549 m ü. A. hoher Gebirgsübergang in der Steiermark, der Hinterwildalpen mit Eisenerz verbindet. Über sie führt eine aufwändig angelegte Altstraße, die nachweislich aus dem 16. Jahrhundert stammt. Dennoch wird sie umgangssprachlich und auch in Karten als Römerweg bezeichnet. Über die Eisenerzer Höhe wurden aus dem Salzatal und Niederösterreich Holzkohle, Lebensmittel und weitere Güter zur Versorgung des frühindustriellen Zentrums in Eisenerz transportiert, umgekehrt wurde ein Schmelzofen bei Wildalpen mit Erz aus Eisenerz versorgt. Seit dem mittleren 19. Jahrhundert wird die Eisenerzer Höhe nur mehr von Viehtreibern, Pilgern und Wanderern frequentiert.

Geschichte

Der Ursprung des Namens „Römerweg“ ist nicht geklärt. Er könnte aus der Vermutung, dass bereits die Römer Erz am Erzberg abgebaut hätten, herrühren, oder sich dadurch ergeben haben, dass Straßen mit deutlichen Spurrillen häufig pauschal so bezeichnet werden. Auch eine spontane Benennung durch einen einzelnen Geometer im Zuge einer Kartierung ist nicht ausgeschlossen. Der Name scheint als Römerweg bzw. Römer Straße jedenfalls bereits im Franziszeischen Kataster aus dem 1820er-Jahren auf, dort wird konkret der aufwändig gebaute Abschnitt entlang der Rohrmauer (s. u.) so bezeichnet. Die Eisenerzer Höhe ist in diesem Plan als Eisenärtzerhöhe verzeichnet.[1] Eine Nutzung der Eisenerzer Höhe per se (über Saumpfade) schon zur Römerzeit ist möglich, die in den Karten so benannte Straße ist aber keinesfalls römischen Ursprungs.[2] Auch die Breite der Spurrillen (s. u.) entspricht nicht dem römischen Standard von 110 bis 114 cm.[3]

Das Gebiet, durch das die Straße lief, gehörte zur Herrschaft Gallenstein, welche im Besitz von Stift Admont war. Holz (und somit Kohle) aus den Wäldern des Stifts wurden 1499 von Maximilian I. dem Erzberg zugewiesen. Die Straße über die Eisenerzer Höhe stammt nachweislich aus den 1550er-Jahren. Die erste Besichtigung der zukünftigen Trasse durch eine Kommission fand 1552 statt (der Bericht dazu ist leider nicht erhalten). Der Bauauftrag durch Ferdinand I. erfolgte am 20. Jänner 1553, zur Finanzierung waren 4500 Gulden veranschlagt worden. Im Abschnitt Rohrmauer gibt es an der Straße zwei in den Fels gemeißelte Inschriften mit einzelnen Buchstaben und den Jahreszahlen 1554 und 1566, letzteres eventuell ein Hinweis auf zusätzliche Bauarbeiten in diesem Jahr. Links der Zahl 1566 befindet sich ein M, rechts ein Z oder die Zahl 2 – eventuell ein Hinweis auf Kaiser Maximilian II.[3] In einem Bericht aus dem Jahr 1556 ist bereits von Instandhaltungskosten zu Lasten der Radmeister, die den Weg zum Holzkohletransport nutzten, die Rede. Durchgängig von Wildalpen bis Eisenerz befahrbar war die Straße jedenfalls 1557, dann ist von einem „Neugemachten Weeg von Innereysenärzt aus, über das Hochgepürg die Wildalpen und gar hinaus in den Seÿssenforst“ (letzteres bezeichnet eine Gegend im Talboden der Salza) die Rede, der Sommer wie Winter(!) befahrbar war.[1]

Die Straße bedurfte (und bedarf als Wanderweg bis heute) ständiger Wartung, an besonders exponierten Stellen (insbesondere an der Rohrmauer) sind vermutlich Teile der talseitigen Trasse weggebrochen. Das übliche Transportmittel waren sogenannte Anzen- oder Gabelwägen – zweirädrige Pferdewägen mit einer gabelförmigen Deichsel, die 100 bis 150 kg Ladegut transportieren konnten. Das wichtigste Transportgut war Holzkohle, die aus den Wäldern im Salzatal gewonnen wurde. Auch landwirtschaftliche Produkte, Stoffe, Leder und Wein aus Niederösterreich werden als Transportgut Richtung Eisenerz vermutet. Es existierten Bestimmungen darüber, was auf der Straße transportiert werden durfte, für die Überwachung solcher Bestimmungen waren sogenannte „Überreiter“ verantwortlich. Ab dem 17. Jahrhundert wurde in der Gegenrichtung auch Eisenerz vom Tulleck zu einem Schmelzofen in Wildalpen (Tulleck’sches Hammerwerk) transportiert.[4][5] Die Erzverarbeitung in Wildalpen endete nach einigen Krisen 1837 endgültig, schon davor hatten die Koalitionskriege zu Krisen der Eisenindustrie allgemein und zu stockenden Warenlieferungen aus Niederösterreich (und somit über die Eisenerzer Höhe) geführt. Auch der Ausbau angenehmerer Verkehrswege in den Tallagen trug dazu bei, dass im Lauf des 19. Jahrhunderts der Viehtrieb Hauptnutzen der Straße über die Eisenerzer Höhe wurde. Für die Arzerbödenalmen ist belegt, dass sie ab 1835 zu Eisenerz gehörig waren. Erst für den Viehtrieb wurde um die Mitte des 19. Jahrhunderts ein Geländer an der Rohrmauer errichtet (das seit dem frühen 20. Jahrhundert nicht mehr existiert). Das um 1820 von Matthäus Loder geschaffene Aquarell eines Säumers auf der Eisenerzer Höhe zeigt noch die ursprüngliche Situation und Nutzung der Straße für dem Warentransport.[6]

Nur auf ganz lokaler Ebene diente die Straße noch zur Güterversorgung: Aus den 1850er-Jahren ist überliefert, dass es in Wildalpen nur einen einzigen, äußerst schlecht ausgestatteten Krämer gab. Daher habe der Pfarrer Wilhelm Aichinger etwa einmal monatlich von der Kanzel verkündet, dass er wieder zum Einkaufen nach Eisenerz wandern werde. Schon seit 1745 nutzen Pilger aus Eisenerz aufgrund eines Gelöbnisses nach einem Stadtbrand den Weg über die Eisenerzer Höhe für eine Pilgerfahrt nach Mariazell. Mehrere Wegkreuze und ein Marienbild auf der Passhöhe sind in diesem Kontext zu sehen.[7]

Verlauf der Altstraße

Von Eisenerz aus führte die Straße über den Geländerücken Prossen in die Seeau östlich des Leopoldsteiner Sees. In diesem Abschnitt sind mehrere Altwege im Gelände zu erkennen, sie werden teilweise von modernen Forststraßen überlagert – es ist nicht festzustellen, welcher dieser Wege Teil des sogenannten „Römerwegs“ ist. Von der Seeau führte die Straße nordnordöstlich durch den Karlgraben zwischen den Kuppen Raucheck und Bucheck. In diesem Bereich sind zwei Abschnitte der mindestens zwei Meter breiten Straße erhalten, der Großteil wurde jedoch von einer modernen Forststraße überbaut. Bald nach der Jagdhütte Rohrhütte befindet sich die Ruine eines kleinen Gebäudes, das wohl in irgendeinem Bezug zur Straße stand. Im weiteren Verlauf führt die Straße rund 500 m entlang einer steilen Felswand (Rohrmauer), wobei die beachtliche Höhendifferenz von 73 m überwunden wird. Das ergibt eine durchschnittlichen Gradiente von 14,6 %. Im gesamten Abschnitt musste die Felswand mehr oder weniger stark abgearbeitet werden, die Schrämspuren reichen bis zu 5,5 m den Felsen hinauf. Zur Führung der Karren wurden Trittstufen und Spurrillen in die zwischen 2,70 und 1,57 m breite Fahrbahn gearbeitet. Diese auch bei römischen Straßen auftretenden Spurrillen führten vermutlich zur Bezeichnung Römerweg. An der unteren Arzerbödenalm flacht das Gelände ab, im folgenden Teilstück ist die Straße nicht mehr auszumachen. Erst kurz vor der Passhöhe wird sie wieder im Gelände sichtbar. Die Höhendifferenz von Eisenerz bis zur Passhöhe beträgt 890 m, die Spurweite der Rillen auf dieser Seite 93 bis 94 cm.[8]

Auf der Passhöhe befindet sich eine ebene, annähernd rechteckige Fläche von 9,70 × 6,70 m, die ebenfalls teilweise aus dem anstehenden Felsen herausgearbeitet wurde. Sie war eventuell (teilweise) überdacht, dies konnte bei der maßgeblichen modernen Untersuchung (eine Begehung unter Leitung der Archäologin Susanne Klemm im Jahr 2008) jedoch nicht sicher erwiesen werden. Da die Spurrillen auf der Eisenerzer Seite der Straße andere Spurweiten aufweisen als jene auf der Wildalpener Seite, wurden die transportierten Waren offenbar auf der Passhöhe umgeladen.[9] In der älteren Literatur werden Unterkunft und Lager im Bereich der Passhöhe bzw. der nahen Arzerbödemalm als sicher gesehen. Auch eine Art Köhlerei („Kohlstätten“) soll sich dort befunden haben.[10]

Von Hinterwildalpen aus verlief die Straße entlang des Eisenerzer Bachs und über die Flur Lichtenegg (dort heute durch moderne Forststraße überprägt). Nach dem Lichtenegg führte sie im Zickzack einen Steilhang an der Nordwestseite des Grasbergs hinauf. Auch in diesem Bereich sind an einigen Stellen Schrämspuren, Trittstufen und Spurrillen zu erkennen. Letztere weisen eine Spurweite von nur 80 cm auf. Am 20. April 1977 ereignete sich in diesem Hang ein Felssturz, der die alte Straße an mehreren Stellen verschüttete bzw. zerstörte, der heutige Wanderweg folgt ihrem Verlauf daher nur teilweise. Westlich des Grasbergs verlief die Straße einige hundert Meter parallel zum Eisenerzer Bach, auch von diesem dürften Teile der Straße zerstört worden sein. Am sogenannten Jungfernsprung muss eine Brücke den Eisenerzer Bach gequert haben, die heute dort bestehende Brücke liegt aber nicht genau im Verlauf der Altstraße. In einer Beschreibung aus dem Jahr 1556 ist von einer „schiech in die Lufft hinaus an die Stainwanndt hinan gemacht Pruckhen, die wildalben Pruckhen genannt“ die Rede. Dadurch wird die Lokalisation in der Nähe der heutigen Brücke unterstützt, die aufgrund unterschiedlicher Höhe der Felsen auf beiden Seiten der Klamm mit einer auffälligen Steigung gebaut wurde. Nach der Brücke verlief die Straße im Hang westlich oberhalb des Baches, auch an diesem letzten Teilstück bis zur Eisenerzer Höhe sind immer wieder Abschnitte aus dem Felsen herausgearbeitet, die Spurrillen weisen wiederum die für die Wildalpener Seite standardmäßige Weite von 80 cm auf.[11] Auf diesem obersten Kilometer zweigen Steige zu den großen Almengebiet an der West- und Südseite des Grasbergs ab. Auch ein teilweise in den Fels gehauener Saumpfad aus dem Becken des Teufelssees, wo ebenfalls Holzkohle hergestellt wurde, trifft in diesem Bereich auf die Altstraße.[10]

Wo nicht moderne Forststraßen, der Felssturz bei Hinterwildalpen oder sonstige Entwicklungen die Altstraße zerstört haben, nützt heute der Wanderweg 828 die alte Trasse.

Sagen

Der Eisenerzer Jungfernsprung

Seinen Namen hat der Jungfernsprung der Sage nach deswegen, weil eine schöne Sennerin auf der Arzerbödenalm von einem vorbeireitenden Adeligen bedrängt wurde. Sie flüchtete Richtung Wildalpen hinab, bis sie an den Bereich kam, wo heute eine Brücke über die enge Klamm des Eisenerzer Baches führt. Der Reiter glaubte schon, die Sennerin in der Falle zu haben, doch sie überwand die Klamm mit einem gewagten Sprung. Als der Reiter dasselbe versuchte, stürzte er in die Schlucht und fand dort den Tod.[12]

Ein Knappe tötet beim Roten Kreuz irrtümlich sein Mädchen

Beim Roten Kreuz auf der Passhöhe soll sich folgendes zugetragen haben: Die junge Schwaigerin von einer der umliegenden Almen hatte einen jungen Knappen vom Erzberg zum Geliebten, der wöchentlich über den Pass zog, um sie zu besuchen. Als sie ihn fragte, ob er sich auf dem langen Weg, den er oft nachts zurücklegte, nicht fürchte, verwies er lächelnd auf das große Messer an seinem Gürtel. Als er wieder einmal nachts die Passhöhe überschritt, kam ihm beim dortigen Marienkreuz eine weiße Gestalt entgegen. Er überwand seinen Schrecken, stach zu und rannte zum Haus seiner Geliebten. Als er sie dort nicht antraf, schwante ihm Schlimmes – er eilte zurück und fand sie sterbend beim Kreuz vor. Am nächsten Tag lieferte er sich freiwillig dem Gericht aus, das ihn freisprach, doch folgte er bald darauf aus Schmerz seiner Geliebten in den Tod.[12]

Literatur

  • Susanne Klemm: Straßen für den Steirischen Erzberg. Archäologisch-historische Altstraßenforschung in der Steiermark, 16.–18. Jahrhundert. In: Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark. Band 51. LIT Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-643-50202-5, S. 139–156 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Hans Zacherl: Der Saumweg über die Eisenerzer Höhe. In: Blätter für Heimatkunde. Band 58. Historischer Verein für Steiermark, Graz 1984, S. 109–119 (historischerverein-stmk.at).
Commons: Eisenerzer Höhe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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