Elbogen (Meteorit)

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Elbogen ist ein Eisenmeteorit, der vermutlich um das Jahr 1400 im Gebiet der Stadt Loket (deutsch: Elbogen) unweit von Karlsbad im damaligen Königreich Böhmen niederging. Die als pferdekopf-förmig beschriebene Metallmasse wurde über Jahrhunderte hinweg zunächst in der Burg Loket und später im Rathaus von Loket aufbewahrt, bevor sie im Jahr 1811 vom Prager Professor für Chemie Karl August Neumann als Meteorit erkannt wurde.

Aufnahme des Elbogen-Meteoriten von Alois von Widmanstätten aus dem Jahr 1908. Die mit Salpetersäure geätzte Oberfläche wurde eingefärbt und als Druckplatte verwendet, um die Struktur reliefartig darzustellen.

Wie allgemein üblich wurde der Meteorit nach der damals verbreiteten deutschsprachigen Bezeichnung seines Auffindungsorts benannt und ist alternativ auch unter den Namen Loket-Eisen oder Meteorit von Loket bekannt.

Der Eisenmeteorit vom Typ IID-Oktaedrite gehört mit einer ursprünglichen Masse von etwa 107 kg zu den größten und ältesten bekannten Meteoriten Europas. Anders als beim Meteoriten von Ensisheim, dessen Fall im Jahr 1492 beobachtet worden ist, gibt es für Elbogen heute keine bekannten Aufzeichnungen über die Beobachtung seines Falles. Weil solche zeitgenössische Beobachtung des Falles fehlen, wird Elbogen in der Meteoritical Bulletin Database heute nicht als gesicherter Fall, sondern als Fund geführt.[1]

Im Mittelalter war der Meteorit auch als „der verwünschte Burggraf“ von Elbogen bekannt, in Anlehnung an die Legende von einem verfluchten Grafen von der Burg Elbogen. Wahrer Kern der Legende könnte sein, dass Elbogen zwischen 1350 und 1430 einschlug und schon bald mit dem zeitnahen Tod eines der verhassten Burggrafen in Verbindung gebracht wurde.

Im Jahr 1812 wurde der Meteorit zerteilt und Teile der Meteoritenmasse wurden an Museen in aller Welt verteilt. Die Hauptmasse des Meteoriten gelangte im Jahr 1812 – auf Initiative von Karl Franz Anton von Schreibers – an das k. k. Hof-Naturaliencabinet von Wien[2] – dem Vorgänger des heutigen Naturhistorischen Museum Wien, wo der Meteorit Elbogen bis heute Teil der weltweit größten Meteoriten-Schausammlung ist.[3]

Weil schriftliche Aufzeichnungen durch Krieg und Feuer wiederholt zerstört wurden, gibt es in der bis heute überlieferten Literatur zu Elbogen keine konkreten Hinweise darauf, wann der Einschlag des Meteoriten erfolgte. Die Überlieferung, Elbogen sei der „verwünschte Burggraf“ gewesen, deutet auf einen Einschlag zwischen den Jahren 1350 bis 1430 hin, weil die Burg Ellbogen nur in diesem Zeitraum Sitz eines Burggrafen war. Es gibt jedoch keine Belege für das genaue Jahr 1400.

Zusammensetzung und Klassifizierung

Geätzte Scheibe des Meteoriten von Elbogen, Gewicht 8,9 g. Dieses historische IID-med-Oktaedrit-Eisen, wurde zwischenzeitlich auch in einem Brunnen der Burg Elbogen aufbewahrt.

Elbogen wird als Mitglied der IID-Gruppe der Eisenmeteoriten klassifiziert, einer relativ seltenen Gruppe mit (Stand 2025) 28 bekannten Mitgliedern. Chemisch setzt sich der Elbogen-Meteorit zusammen aus[1][4]:

Phosphor ist mit etwa 0,3 Gewichtsprozent vertreten, gebunden vor allem in Schreibersit; daneben treten Troilit (Eisensulfid), Chromit und Reste von Graphit auf.

Geschichte

Über die Jahrhunderte wurden zahlreiche Legenden rund um den Elbogen-Meteoriten überliefert. Einige gehen auf die Zeit von 1350 bis 1430 zurück, als Schloss Loket Sitz des kaiserlichen Burggrafen war. Es heißt, einer von ihnen, möglicherweise Puta von Illburk, sei von einer alten Frau verflucht, vom Blitz getroffen und in ein hartes Eisenstück verwandelt worden.[5]

Einer anderen Legende zufolge unterdrückte und misshandelte der verhasste Burggraf von Elbogen seine Untertanen so grausam, dass er nach seinem Tod zu einem Eisenblock wurde, der selbst im glühenden Feuer eines Ofens nicht hätte geschmolzen werden können. Dieses Eisenstück ist der Meteorit Elbogen, der seither auch „Der verhexte Burggraf“ genannt wird.

Die Masse wurde im Keller der Burg aufbewahrt, und es hielt sich die abergläubische Befürchtung, der Burggraf könnte zurückkehren, sollte die Eisenmasse durch ein Unglück bewegt werden.

Während des Dreißigjährigen Krieges beschloss der kaiserliche General Johann von Werth, dies zu testen und den Meteoriten in den Schlossbrunnen werfen zu lassen. Ende 1670 wurde das Wasser aus dem Brunnen abgelassen, der Stein geborgen und ins Schloss gebracht.

Auch die Soldaten der französischen Besatzungsarmee warfen die Eisenmasse 1742 in den 40 Meter tiefen Brunnen der Burg. Dort blieb sie mehr als 30 Jahre lang, bis 1776, als der Brunnen ausgetrocknet war und die Masse vergleichsweise leicht zu bergen war. Sie wurde dann ins Rathaus gebracht, wo Karl August Neumann, Professor für Chemie an der Universität Prag, sie 1811 im Keller neben anderen Antiquitäten fand. Neumann führte eine chemische Analyse an einem kleinen Stück der Eisenmasse durch und erkannte sie als Meteorit.[6] Diese Analyse wurde später vom deutschen Chemiker Martin Heinrich Klaproth and dem Physiker Ernst Florens Friedrich Chladni bestätigt.[6]

Sammlung

Der Meteorit wurde im Jahr 1812 zerteilt und an zahlreiche Museen und Institutionen weltweit verteilt. Ein 14,3 Kilo schweres Stück blieb im Rathaus der Stadt Loket. Das größte Teilstück des Meteoriten (mit einer Masse von 79 kg) befindet sich in der Meteoritensammlung des Naturhistorischen Museum in Wien.

Weitere Fragmente des Meteoriten befinden sich in den folgenden Sammlungen:

Einzelnachweise

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