Elise Fincke
deutsche Politikerin (DDP)
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Leben
Elise Fincke war die Tochter des damaligen Organisten an der Georgenkirche Fritz Fincke (1836–1900) und dessen Frau Elise, geb. Fischer (1843–1922). Ihr älterer Bruder Fritz H. Fincke (* 1869) wurde Arzt und starb schon 1899 in Chicago nach einer Blinddarm-Operation.[1]
1879 wanderte sie mit ihren Eltern in die USA aus. Ihr Vater, inzwischen großherzoglicher Musikdirektor, war zum Professor am Peabody-Musik-Institut in Baltimore berufen worden. In Baltimore hat er mehrere Chöre aufgebaut und geleitet. Elise besuchte die Western Female High School in Baltimore, wo sie 1890 als Jahrgangsbeste die Abschlussrede als Valedictorian hielt.[2] 1894 kehrte Elise Fincke nach Schwerin zurück. Sie besuchte ein Lehrerinnenseminar und unterrichtete anschließend vier Jahre lang an der Henseschen Schule, einer privaten höheren Mädchenschule, aus dem das Lyzeum Schwerin hervorging.

1919 zog sie als einzige Frau in den Verfassunggebenden Landtag von Mecklenburg-Schwerin ein. In ihren Landtagsreden als Abgeordnete der liberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) engagierte sie sich für Frauen-Themen: Zum Beispiel gegen die hohe Säuglingssterblichkeit und für das Recht von Lehrerinnen, auch an Knabenschulen unterrichten zu dürfen. 1920 wurde Elise Fincke auch in den ersten ordentlichen Landtag von Mecklenburg-Schwerin gewählt. In beiden Parlamenten war sie stellvertretende Schriftführerin.
Nach ihrer politischen Aktivität vermietete sie Wohnungen in der „Villa Fincke“ in der Lutherstraße 17 in Schwerin-Ostorf, die ihr Vater hatte errichten lassen. Zu ihren Mietern gehörte unter anderem Ministerpräsident Johannes Stelling. Das Gebäude wurde nach 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht requiriert. Es steht heute als Teil des Denkmalbezirks Lutherstraße unter Denkmalschutz.[3]
Literatur
- Andreas Frost: Aufbruch in die Demokratie. Landtage und Abgeordnete in Mecklenburg-Strelitz und Mecklenburg-Schwerin zwischen 1918 und 1920. Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin 2019, ISBN 978-3-9816439-7-8, S. 89.
- Grete Grewolls: Wer war wer in Mecklenburg und Vorpommern. Das Personenlexikon. Hinstorff Verlag, Rostock 2011, ISBN 978-3-356-01301-6, S. 2732.