Environmental Footprint

Ansatz zur Untersuchung und Berechnung von potentiellen Umweltwirkungen im Rahmen einer Ökobilanz gemäß ISO 14040 From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Environmental Footprint (EF) ist ein harmonisierter methodischer Ansatz zur Untersuchung und quantitativen Berechnung von potentiellen Umweltwirkungen im Rahmen einer Ökobilanz (engl. Life Cycle Assessment, LCA) gemäß ISO 14040. Das Ziel des EF ist ein europaweit harmonisiertes Berechnungs- und Kommunikationsverfahren bezüglich ökologischer Kennwerte zu Produkten und Organisationen und damit verbunden höheres Vertrauen und geringere Aufwände und Kosten für Unternehmen.[1][2][3]

Dieser Artikel wurde am 18. März 2026 auf den Seiten der Qualitätssicherung eingetragen. Bitte hilf mit, ihn zu verbessern, und beteilige dich bitte an der Diskussion!
Folgendes muss noch verbessert werden: Sehe insb. Probleme zur Abgrenzung vom respektive Verwechslungsgefahr mit dem ökologischen Fußabdruck, der ja vielen ein Begriff ist und hier entsprechenden Nachschärfungsbedarf. --Mediatrotter (Diskussion) 17:49, 18. Mär. 2026 (CET)

Abgrenzung

Im Gegensatz zum Begriff des ökologischen Fußabdruck als Maß für die biologisch produktive Fläche auf der Erde, die notwendig ist, um Lebensstil und Lebensstandard eines Menschen dauerhaft zu ermöglichen, handelt es sich beim EF um eine Methoden zur Wirkungsabschätzung in Lebenszyklusanalysen für LCA-Experten. Der EF richtet sich insbesondere an Ersteller und Verifizierer von Lebenszyklusanalysen und ist aufgrund der zugrundeliegenden Komplexität nicht für Laien ausgelegt. Zudem handelt es sich beim EF um eine Zusammenstellung mehrerer individueller Umweltwirkungsindikatoren, die somit eine Ebene über ökologischem Fußabdruck, CO2-Fußabdruck oder Wasserfußabdruck als einzelne quantitative Kenngrößen angesiedelt ist.

Historie und Entwicklung

Bereits 2011 wurden mit einer Analyse bestehender Methoden zur Ermittlung des ökologischen Fußabdrucks für Produkte und Organisationen wegweisende Vorarbeiten für die Entwicklung des EF erarbeitet. Schon in diesem Stadium wurde die höhere Komplexität von Untersuchungen auf Unternehmensebene identifiziert, da der Fokus bisher hauptsächlich in der Untersuchungen auf Produktebene lag.[4]

Basierend auf den Vorarbeiten wurde der EF 2013 initial von der Europäischen Kommission veröffentlicht (Commission Recommendation 2013/179EU).[2]

Zwischen 2013 und 2018 fand anschließend die sogenannte EF Pilot Phase statt. Diese umfasste drei Ziele: Den Test eines Prozesses zur Erarbeitung Produkt- und Sektorspezifischer Regelungen; den Test verschiedener Verifizierungsansätze; und den Test verschiedener Kommunikationswege von Ergebnissen im unternehmerischen Kontext. Die EF Pilot Phase wurde abgeschlossen mit einer Aktualisierung der veröffentlichten Rahmenwerke.[1][4]

Seit 2019 befindet sich der EF in der noch laufenden EF Transition Phase. Im Fokus stehen jetzt neben der Entwicklung neuer Produkt- und Sektorspezifischer Regelungen die Bereitstellung eines Monitorings zu deren Umsetzung und neue methodische Entwicklungen. Die Transition Phase dauert aktuell an.[1][4]

Am 16. Dezember 2021 wurde der EF mit der Verabschiedung einer weiteren Empfehlung der Europäischen Kommission aktualisiert (Commission Recommendation 2021/2279).[1][3]

Berücksichtigte Wirkungskategorien

Der EF ist der Versuch, die drängendsten Herausforderungen im Kontext ökologischer Nachhaltigkeit auf quantifizierbare und vergleichbare Größen herunterzubrechen, in der Ökobilanz sogenannte Wirkungskategorien. Die im EF enthaltenen Wirkungskategorien haben sich im Laufe der Zeit entsprechend verändert.

Die aktuellste Version des Environmental Footprint (EF3.1) inklusive der zugrundeliegenden Methoden zur Wirkungsabschätzung wurde am 6. Februar 2023 veröffentlicht[5]. Seitdem umfasst der Environmental Footprint 16 Umweltwirkungskategorien. Diese werden in regelmäßigen Intervallen aktualisiert, um den Stand der Wissenschaft widerzuspiegeln[6]. Ein Beispiel für diese Änderungen ist die Anpassung des Charakterisierungsfaktors von Methanemissionen in Luft für die Wirkungskategorie Klimawandel von 34 kg CO2 Äq./kg im EF3.0 zu 27 kg CO2 Äq./kg EF3.1[5].

Weitere Informationen EF Wirkungskategorie, EF Wirkungskategorie-Indikator ...
EF Wirkungskategorie EF Wirkungskategorie-Indikator
Klimaänderung Kilogramm Kohlenstoffdioxid-Äquivalente kg CO2 Äq.
Abbau der Ozonschicht Kilogramm Trichlorfluormethan-Äquivalente kg CFC-11 Äq.
Humantoxizität (kanzerogene Folgen) Vergleichseinheit "Comparative Toxic Unit for humans"

nach dem USEtox Modell.

CTUh
Humantoxizität (nicht-kanzerogene Folgen) Vergleichseinheit "Comparative Toxic Unit for humans"

nach dem USEtox Modell.

CTUh
Feinstaub kg PM2.5
Ionisierende Strahlung Kilogramm Uran-235-Äquivalente kg U235 Äq.
Fotochemische Bildung von Ozon Kilogramm flüchtiger organischer Verbindungen kg NMVOC Äq.
Versauerung Mol Wasserstoffionen mol H+ Äq.
Eutrophierung, terrestrisch mol Stickstoff-Äquivalente mol N Äq.
Eutrophierung, Süßwasser mol Phosphor-Äquivalente mol P Äq.
Eutrophierung, Meer mol Stickstoff-Äquivalente kg N Äq.
Ökotoxizität, Süßwasser Vergleichseinheit "Comparative Toxic Unit for ecosystems"

nach dem USEtox Modell.

CTUe
Landnutzung Zusammengesetzter Indikator von vier Bodeneigenschaften

(biologische Produktion, Erosionsbeständigkeit, Grundwasserneubildung und mechanische Filterung) in Punkten

Pts
Wassernutzung Kubikmeter Wasserverbrauch m3
Ressourcenerschöpfung, fossil Megajoule MJ
Ressourcenerschöpfung, Mineralien und Metale Kilogramm Antimon-Äquivalente kg Sb Äq.
Schließen

Der Environmental Footprint sieht auch eine "Verrechnung" verschiedener potenzieller Umweltwirkungen im Rahmen einer Normierung und Gewichtung vor[7]. Hierdurch lassen sich Wirkungskategorien besser miteinander vergleichen und die Verschiebung von Umweltlasten (sogenanntes Burden Shifting) quantitativ untersuchen. Die dadurch mögliche Umrechnung auf einen Gesamtwert (Single-Score) ist möglich, ihr Nutzen und Mehrwert in der LCA-Praxis sind allerdings umstritten.

Methodischer Ansatz und Berechnungsvorschriften

Der EF umfasst je nach Untersuchungsgegenstand zwei methodisch weiter ausdifferenzierte Untersuchungsrahmen, den Product Environmental Footprint (PEF) und den Organisation Environmental Footprint (OEF). Zu diesen existieren wiederum detaillierte Beschreibungen von Zielsetzung und methodischem Rahmen.[1]

Product Environmental Footprint (PEF)

Der PEF zielt auf die quantitative Untersuchung von Produkten, Gütern und Dienstleistungen basierend auf den methodischen Grundlagen einer LCA nach ISO 14040, sowie die Kommunikation der Ergebnisse. Der Untersuchungsrahmen soll die gesamte Wertschöpfungskette inklusive Rohstoffabbau und die Behandlung und Beseitigung von Abfällen umfassen. Für verschiedene Produktgruppen werden spezifische Berechnungsvorgaben veröffentlicht (Product Environmental Footprint Category Rules, PEFCRS). Diese dienen der Reproduzierbarkeit, Vergleichbarkeit und Verifizierbarkeit von Ergebnissen und werden laufend an Marktentwicklungen, neue Datenverfügbarkeit und methodische Entwicklungen angepasst.[8]

Liste der bisher veröffentlichten PEFCRS (Stand: März 2026)

  • Bekleidung und Schuhe (Apparel and Footwear)
  • Schnittblumen und Topfpflanzen (Cut Flowers & Potted Plants)
  • Kunstrasen (Synthetic Turf)
  • Luftfahrt, Drohnen und eVTOLs (Aviation, Drones & eVTOLs)
  • Futtermittel für zur Lebensmittelproduktion gehaltene Tiere (Feed for Food-Producing Animals)
  • Batterien und Akkus (Batteries and Accumulators)
  • Bier (Beer)
  • Pasta (Pasta)
  • Tiernahrung (Pet Food)
  • Milchprodukte (Dairy Products)

Organisation Environmental Footprint (OEF)

Der OEF nutzt ähnlich dem PEF die methodischen Grundlagen einer LCA nach ISO 14040, überträgt diese allerdings auf Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Der Betrachtungsrahmen ist dabei ganzheitlich ausgerichtet, umfasst also auch Aspekte außerhalb der unmittelbaren Unternehmensgrenzen. Hierzu gehören vorgelagert sogenannte Upstream Activities und nachgelagerte Downstream Activities. Der OEF bezieht sich regelmäßig auf die Bereitstellung eines klar definierten Portfolios von Produkten oder Aktivitäten der untersuchten Organisation. Für verschiedene Sektoren werden sektorspezifische Berechnungsvorgaben veröffentlicht (Organisation Environmental Footprint Sector Rules, OEFSR).[9]

Liste der bisher veröffentlichten OEFSR (Stand: März 2026)

  • Kupferproduktion (OEFSR Copper Production[10]) Online-Volltext der Version 4.0 vom 12. April 2024, gültig bis 31. Dezember 2025

Siehe auch

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI