Erasmus von Teufel
österreichischer Offizier, Befehlshaber im Türkenkrieg
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Erasmus von Teu(f)fel († 1554 in Konstantinopel) war ein Offizier in Habsburger Diensten. Er war zuletzt Befehlshaber im Türkenkrieg von 1552.
Familie

Erasmus Teufel wurde vermutlich zwischen 1500 und 1520 geboren; ein gesichertes Geburtsjahr ist nicht überliefert. Er war (vermutlich) der älteste Sohn des Matthäus Teufel und der Apollonia Mallinger.[1] Die Familie Teufel gehörte dem niederösterreichischen Uradel an und führte ein Jagdhorn im Wappen, das sich noch heute in den Gemeindewappen von Winzendorf-Muthmannsdorf und Lackenbach findet. Sein Vater Matthäus Teufel († 1552) saß auf Krottendorf (später Froschdorf, heute Frohsdorf), Enzersdorf an der Fischa, Walzenbach und Wilfersdorf und gehörte dem Ritterstands-Ausschuss zu Wien an. Seine Mutter Apollonia war eine Tochter des Fabian Mallinger und der Christina von Wackerzil. Seine Brüder waren Christof, Andreas und Georg der Ältere. Seine Schwestern waren Ursula († 1575 im 75. Lebensjahr), Anastasia, Juliana († 1556) und Barbara († 5. Oktober 1589 im Alter von 63 Jahren). Die Erhebung dieser Linie in den Freiherrenstand erfolgte erst nach Erasmus’ Tod: Andreas wurde 1563 Freiherr auf Bockfließ, 1566 wurden die drei überlebenden Brüder in den niederösterreichischen Herrenstand aufgenommen. Erasmus’ Urgroßvater Wolfgang Teufel saß 1476 auf Neunkirchen, Schrattenbach und St. Valentin und war mit Dorothea von Ludmannsdorf verheiratet.
Ämter und militärische Laufbahn
Er stand seit frühen Jahren im militärischen Dienst der Habsburger. Während der ersten Belagerung Wiens im Jahr 1529 war er Obrist in der belagerten Stadt. Im Zuge dieses Krieges brannte auch sein Elternhaus, der Krottenhof in Frohsdorf südlich von Wiener Neustadt fast vollständig ab und wurde von seinem Vater Matthias Teufel 1547–1550 als bewehrtes Renaissanceschloss mit Wassergraben (heute Schloss Frohsdorf) wieder aufgebaut.[2] Später war er eine Zeit lang Kommandant in Győr. Im Jahr 1552 ernannte ihn Ferdinand I. im neu ausgebrochenen Türkenkrieg zum Befehlshaber. Nach einigen Angaben stand er dabei im Rang eines Generalfeldmarschall.
Im Sommer 1552 unterstützten die niederungarischen Bergstädte das Heer Teufels; die Stadt Schemnitz stellte ihm Soldaten. Teufel, ungarischen Namen Ördög Mátyás war, schlug dem Stadtrat vor, die Bergwerke unter Wasser zu setzen und die Bevölkerung aus der Stadt zu evakuieren.[3] Ede Richter, der den Vorgang aus dem Schemnitzer Stadtarchiv wiedergibt, bezeichnet diesen Vorschlag als „ördögi tanács“ (teuflischer Rat) und spielt damit wertend auf den ungarischen Namen Teufels an. Richter und Rat lehnten den Vorschlag ab, da die Flutung der Grubenbaue einen dauerhaft nicht wiedergutzumachenden Schaden nicht nur für die Stadt, sondern auch für den König und das gesamte Land bedeutet hätte. Stattdessen beschlossen sie, Söldner gegen die Streifzüge der Martalosen (besoldete osmanische Sicherheits- und Grenztruppen) anzuwerben und die Stadt zur weiteren Verteidigung mit einer Ringmauer zu umgeben und zu befestigen.
Im August 1552 befahl Teufel seinen 10.000 Mann den Angriff auf die Osmanen, ohne auf die Ankunft von 7.000 Mann Verstärkung zu warten. Bei Plášťovce (ungarisch Palást) in der Südslowakei wurden sie vernichtend geschlagen. Mit 4.000 anderen Soldaten geriet er in Gefangenschaft. Während andere hochrangige Gefangene gegen hohes Lösegeld ausgetauscht wurden, brachte man von Teufel nach Konstantinopel. Er wurde 1554 auf Befehl von Sultan Süleyman I. aus Glaubensgründen von Janitscharen hingerichtet.[4] Nach andere Quellen hatte er sich geweigert, Informationen preiszugeben. Er soll in einem Sack gebunden ins Schwarze Meer geworfen worden sein.[5]
Seine Brüder Georg, Christoph und Andreas errichteten 1561 ein Epitaph in der Kirche von Winzendorf. Er war das erste von mehreren außergewöhnlichen protestantischen Grabdenkmälern im Zuge der Etablierung eines Erbbegräbnisses der Herren von Teufel. Aus der sehr detailreichen Inschrift geht hervor, dass es hier seit 300 Jahren ein bestehendes Stift und Begräbnis der Teufel gibt. Heldenmut und kriegerische Leistung werden erwähnt sowie die Vorbildhaftigkeit in der Verteidigung des wahren Glaubens.[4] Die Inschrift lautet:[5]
Ano dni 1552 den 9. Augusti ist des Römischen auch zu Hungarn
und Bohem etz. König etz. Ferdinando etz. Khriegsvolk in Hungarn zu
Pallascht durich den Erbfeind den Thurgkhen aufs Haupt geschlagen,
darunter ist der Edl und Gestreng Ritter Herr ehrsam Teüffel auf
Lansee Hochernenter irer rö. Kay. mt. etz. Rat. Spann und Hauptmann
zu Odenburg auch der geringen Pferdt in Hungarn Obrister
Veldhauptmann gefangen nach Volg und gefengklichen gen Constantinopel
gefürt und durich den Türonen Soldon Solimon derzeit türgkhischen
Kaiser von unsers cristlichen Glaube weg, erpamblich niderzuhauen
verordnet, und durich die Janitscharen volzogen worden, des Seelen
und uns allen Got gnedig und barmhertzig sein well anen dem nach das
Geschlecht der Hern Teüffeln ber 300 Jahr alhie iere Stift und
Begrebnus haben, so ist ime darüber dises Epitavien zu seliger
erlicher Gedachtnus durich seine Gepprüder die Edlen Gestrengen Hern
Georgen Cristofen und andreen die Teüffel auf Gericht und alher
verordnet worden. Beschehen nach Cristi Gepurt in 1561. Jar.
Literatur
- Johann Friedrich Gauben: Historisches Helden- und Heldinnen-Lexicon. Leipzig 1716, Sp. 1571.
- Teuffel von Gundersdorf. In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 42, Leipzig 1744, Sp. 1627–1629.