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Erin O’Toole

kanadischer Politiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Erin Michael O’Toole (* 22. Januar 1973 in Montreal, Québec) ist ein kanadischer Politiker, Anwalt und Militäroffizier. Von August 2020 bis Februar 2022 war er Vorsitzender der Konservativen Partei Kanadas. Zwischen 2012 und 2023 war er Abgeordneter des Unterhauses für den ehemaligen Bundeswahlkreis Durham, der zur Unterhauswahl 2025 in zwei anderen Wahlkreisen (Bowmanville – Oshawa North und York – Durham) aufging. Er war außerdem Hauptmann bei der Royal Canadian Air Force.

Erin O’Toole (2021)

Leben und Karriere

O’Toole wurde am 22. Januar 1973 in Montreal, Québec, geboren.[1] Sein Vater, John O’Toole, war von 1995 bis 2014 Abgeordneter der Legislativversammlung von Ontario für den Landeswahlkreis Durham.[2][3] Seine Mutter stammte aus London und wanderte nach dem Zweiten Weltkrieg nach Kanada aus.[4] Sie starb 1982, als er neun Jahre alt war. Danach zog er mit seiner Familie nach Port Perry, Ontario. Auch in seiner Kindheit lebte er in Bowmanville, Ontario.[5]

1991 trat O’Toole den Kanadischen Streitkräften bei. Er besuchte das Royal Military College of Canada, eine Militärakademie in Kingston. In 1995 erwarb er einen Bachelorabschluss in Geschichte und Politikwissenschaft an der Royal Military Academy. Anschließend wurde er Offizier in der Royal Canadian Air Force. Er war Hubschrauberpilot und auf den Militärstützpunkten CFB Trenton, CFB Winnipeg und CFB Halifax stationiert. Während seiner Zeit bei CFB Halifax erhielt er eine Auszeichnung für die Rettung eines Fischers aus dem Atlantischen Ozean. In 2000 wechselte O’Toole zur Militärreserve, wo er als Fluglehrer tätig war.[5] Im selben Jahr heiratete er Rebecca Grant in Halifax.[6]

2003 erwarb O’Toole einen Abschluss in Rechtswissenschaften an der Dalhousie University und arbeitete anschließend als Anwalt in der Anwaltskanzlei Stikeman Elliott in Toronto. Von 2006 bis 2011 war er als Anwalt für den US-amerikanischen Konsumgüter-Konzern Procter & Gamble in Kanada tätig,[5] später arbeitete er als Lobbyist für Facebook in Kanada.[7]

Politische Karriere

Im Mai 2012 kündigte O’Toole an, für die Konservative Partei Kanadas bei ein Nachwahl im Bundeswahlkreis Durham zu kandidieren. Die Nachwahl wurde durch den Rücktritt der amtierenden Abgeordneten und Kabinettsministerin Bev Oda notwendig. Am 26. November 2012 gewann O’Toole die Nachwahl mit 17.280 Stimmen (50,7 %) und wurde ins Unterhaus gewählt.[8] In 2014 arbeitete er mit Senator Roméo Dallaire zusammen, um sich für Soldaten mit posttraumatischer Belastungsstörung einzusetzen.[9] Am 5. Januar 2015 wurde O’Toole Minister für Veteranenangelegenheiten im Kabinett von Premierminister Stephen Harper und ersetzte Julian Fantino.[10] Bei der Kanadische Unterhauswahl 2015 wurde O’Toole mit 28.967 Stimmen (45,13 %) wiedergewählt.[11] Die Konservative Partei unterlag jedoch der Liberalen Partei und Justin Trudeau wurde Premierminister.[12] Nach der Wahl trat Stephen Harper im Oktober 2015 als Vorsitzender der Konservativen Partei zurück.[13] O’Toole kandidierte für Interimvorsitzender der Partei, aber die Abgeordnete der Partei wählte Rona Ambrose.[14]

Am 14. Oktober 2016 kündigte O’Toole an, dass er beim Parteitag 2017 für den Vorsitz der Partei kandidieren werde.[15] Während seines Wahlkampfes um den Parteivorsitz schlug O’Toole die Entkriminalisierung von Cannabis vor, lehnte aber die Legalisierung ab.[16] Er lehnte auch die Legalisierung der Aktiven Sterbehilfe ab.[17] Während seines Wahlkampfs um den Parteivorsitz wurde er von 31 Abgeordneten und zwölf ehemaligen Abgeordneten unterstützt, darunter Barbara McDougall, Bill McKnight, Ronald Atkey und Ted Opitz.[18] Bei der Wahl belegte O’Toole den dritten Platz hinter Maxime Bernier und dem Sieger Andrew Scheer.[19]

In 2018 war O’Toole ein potenzieller Kandidat für den Vorsitz der Progressive Conservative Party of Ontario.[20] Er entschied sich jedoch gegen eine Kandidatur und unterstützte stattdessen Christine Elliott.[21] Bei dieser Wahl zum Vorsitzenden belegte Elliot den zweiten Platz hinter Doug Ford.[22]

Bei der Kanadische Unterhauswahl 2019 wurde O’Toole mit 30.752 Stimmen (42,1 %) wiedergewählt.[23] Obwohl die Konservative Partei im Vergleich zu 2015 mehr Sitze und Stimmen hinzugewonnen hat, wurden die Liberale Partei und Premierminister Justin Trudeau wiedergewählt.[24] Im Dezember 2019 wurde der Vorsitzende der Konservativen Partei, Andrew Scheer, wegen Korruptionsvorwürfen zurückgetreten.[25][26] Im Januar 2020 kündigte O’Toole an, dass er beim Parteitag 2020 für den Parteivorsitz kandidieren würde.[27] Seine Gegenkandidaten waren der ehemalige Abgeordnete Peter MacKay, die Anwältin Leslyn Lewis und der Abgeordnete Derek Sloan.[28][29] Während des Wahlkampfes um den Parteivorsitz beschuldigte O’Toole das Wahlkampfteam von Peter MacKay, Daten und Videos von ihm gestohlen zu haben, indem es seinen Zoom-Konto gehackt habe.[30][31] Während des Wahlkampfs präsentierte sich O’Toole als Gesellschaftspolitischer Konservatismus und konservativer als MacKay.[32] Der Volkspartei-Führer Maxime Bernier bezeichnete ihn jedoch als falschen Konservativen.[33] Der Parteitag wurde aufgrund der COVID-19-Pandemie vom 27. Juni 2020 auf den 24. August 2020 verschoben. Auf dem Parteitag wurde O’Toole im dritten Wahlgang zum Vorsitzenden gewählt.[34][35]

Nachdem er Vorsitzender der Konservativen Partei geworden war, sagte O’Toole, er werde kein Misstrauensvotum in der Minderheitsregierung der Liberalen Partei fordern.[36][37] Stattdessen wollte er sich auf die COVID-19-Pandemie und die Arbeitslosigkeit konzentrieren.[37] Er erklärte, er wolle keine Unterhauswahl, bis die Pandemie vorbei sei.[38] Am 2. September 2020 ernannte O’Toole Candice Bergen zur stellvertretenden Vorsitzenden der Partei.[39] O’Toole bemühte sich auch um eine Verbesserung des Verhältnisses zwischen der Konservativen Partei und Gewerkschaften.[40] Historisch gesehen hatte die Partei Gewerkschaften bekämpft, und die Gewerkschaften hatten größtenteils die Neue Demokratische Partei unterstützt.[40] Er kritisierte außerdem die Liberale Partei wegen eines Korruptionsskandals um WE Charity.[41][42] Im September 2020 erkrankte er an COVID-19, erholte sich aber schnell.[43][44] Auf dem Parteitag der Konservativen Partei 2021 bat O’Toole die Parteimitglieder um Unterstützung für einen Vorschlag, der mehr Umweltschutzmaßnahmen der Partei vorsah. Dieser Vorschlag wurde von den Parteimitgliedern abgelehnt.[40]

O’Toole führte die Konservative Partei bei der Kanadischen Unterhauswahl 2021 an. Während des Wahlkampfes konzentrierte er sich auf die Erholung von der COVID-19-Pandemie und einen Vorschlag zur Ersetzung der CO2-Steuer durch einen CO2-Preis. O’Toole versprach außerdem, die neue, strengere Waffenkontrolle der Liberalen Regierung nicht aufzuheben.[45] Er kritisierte außerdem die Liberale Partei für ihre zu freundliche Haltung gegenüber China, da die Kanadier Michael Spavor und Michael Kovrig während des Wahlkampfes in China inhaftiert wurden.[46] Er lehnte außerdem Zuschüsse zur Kinderbetreuung und die Deklaration der Rechte indigener Völker ab.[47][48] Gegen Ende des Wahlkampfes versuchte O’Toole auch, die Anhänger der rechtsextreme Volkspartei davon zu überzeugen, für die Konservative Partei zu stimmen.[49][50] Bei der Wahl erhielt die Konservative Partei 5.747.410 Stimmen (33,7 %) und 119 Sitze in Unterhaus. O’Toole wurde in seinem Wahlkreis mit 31.423 Stimmen wiedergewählt (46,4 %). Obwohl die Konservative Partei fast 200.000 Stimmen mehr als die Liberale Partei erhielt, errang sie 40 Sitze weniger. In 2022 sagte O’Toole, dass die von der Kommunistischen Partei Chinas während der Wahl verbreiteten Desinformationen zum Verlust der Konservativen Partei beigetragen hätten.[51]

Kurz nach der Wahl spaltete sich die Konservative Partei in der Frage, ob O’Toole Vorsitzender bleiben sollte.[52][53] Er wurde von Parteimitgliedern für seine Politik in Bezug auf CO2-Steuer, Waffenkontrolle und Schwangerschaftsabbruch kritisiert.[54] Am 31. Januar 2022 veröffentlichte der konservative Abgeordnete des Unterhauses, Bob Benzen, einen von 35 Abgeordneten unterzeichneten Brief, in dem er O’Toole zum Rücktritt als Parteivorsitzender aufforderte. Am 2. Februar 2022 stimmten die Abgeordneten der Partei mit 73 zu 45 Stimmen für die Absetzung von O’Toole als Vorsitzender.[55][56] Anschließend wurde Candice Bergen als Interimvorsitzende gewählt.[57] O’Toole blieb zwar Abgeordneter, kündigte aber an, am 1. August 2023 zurückzutreten.[58] Bei der Nachwahl für seinen Wahlkreis Durham wurde Parteikollege Jamil Jivani gewählt.[59] In 2023 wurde O’Toole Präsident der nordamerikanischen Niederlassung des Aktuariatsunternehmens ADIT.[60]

  • Jonathan van Bilsen: The Story Behind the Person - Erin O’Toole. In: The Standard. 18. Mai 2016, archiviert vom Original am 3. November 2018; abgerufen am 17. März 2026 (kanadisches Englisch).

Einzelnachweise

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