Erna Kopriva
österreichische Kunstgewerblerin, Keramikerin und Hochschullehrerin
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Erna Kopriva (geb. Ernestine Kopriva; * 9. November 1894 in Wien; † 17. Juli 1984 ebenda) war eine österreichische Kunsthandwerkerin, Keramikerin und Hochschulprofessorin. Für die Wiener Werkstätte entwarf sie Gebrauchskeramik, Stoff- und Tapetenmuster. Seit 1928 arbeitete sie als Assistentin von Josef Hoffmann an der Kunstgewerbeschule in Wien. 1939 wurde sie von den Nationalsozialisten zwangspensioniert. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm sie ihre Lehrtätigkeit an der Kunstgewerbeschule in Wien wieder auf und unterrichtete dort bis zu ihrer Pensionierung Meisterklassen für Stoffdruck und Tapetendesign.
Leben und Werk
Ernestine Kopriva wurde als Tochter des Generalstabsarztes Ignaz Kopriva und seiner Frau Ernestine in Wien geboren. Nach ihrem Schulabschluss begann sie eine zweijährige Ausbildung an der Kunstschule für Frauen und Mädchen in Wien. 1913/1914 war sie als Gasthörerin im Fach Kunstgeschichte an der Kunstgewerbeschule in Wien eingeschrieben. Von 1914 bis 1919 studierte sie Architektur bei Josef Hoffmann und Oskar Strnad sowie Bildhauerei bei Anton Hanak an der Kunstgewerbeschule in Wien.
Nach ihrem Studienabschluss arbeitete Erna Kopriva im 1917 gegründeten Keramikatelier der Künstlervereinigung Wiener Werkstätte. In den 1920er Jahren schuf sie hier, gemeinsam mit Vally Wieselthier, Kitty Rix, Susi Singer, Lotta Calm und Hilda Jesser, eine große Anzahl von avantgardistischen und expressionistischen Keramikobjekten, die sowohl als Einzelstücke als auch in Serie hergestellt wurden.[1] Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1926 bewohnte Erna Kopriva mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Olga, einer promovierten Pädagogin, ein Appartement im Rochushof, Hintzerstraße 9, im 3. Wiener Bezirk.
Seit dem 1. Oktober 1928 war sie zunächst als Assistentin von Josef Hoffmann in der Abteilung Kunstgewerbe, ab 1936 als widerrufliche Lehrerin an der Kunstgewerbeschule Wien tätig. Von 1937 bis 1939 leitete sie mit Oswald Haerdtl die kunstgewerbliche Abteilung der Fachklasse für Architektur.[2] Am 30. Juni 1939 wurde Erna Kopriva von den Nationalsozialisten aus rassischen Gründen zwangspensioniert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm sie ihre Lehrtätigkeit wieder auf und übernahm als wirkliche Lehrerin die Leitung einer Werkstätte für Stoffdruck und Tapete.[3] Eine langjährige Freundschaft verband sie mit Mathilde Flögl. Sie lebten ab Mitte der 1940er-Jahre gemeinsam bis zu Flögls Tod 1958 in Koprivas Wohnung in der Hintzerstraße 9/15.[4] 1953 wurde Erna Kopriva der Professorentitel verliehen. Seit 1960 arbeitete sie auch als freischaffende Künstlerin.[5]
Erna Kopriva starb am 17. Juli 1984 in Wien und wurde im Familiengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 66, Reihe 8, Nummer 60) am 4. Dezember 1984 bestattet.[6]
Erna Kopriva nahm mit ihren Entwürfen für Textil- und Tapetenmuster sowie mit ihren Keramikobjekten an zahlreichen Kunstgewerbeschauen unter anderem in Wien, München und Paris teil. Gemeinsam mit Hertha Bucher, Lotte Calm, Mathilde Flögl, Hilda Jesser, Dina Kuhn, Maria Likarz, Grete Neuwalder, Susi Singer und Vally Wieselthier gestaltete sie unter anderem 1922 die keramischen Wände im Österreichischen Edelraum auf der Deutschen Gewerbeschau in München.[7]
Insbesondere die Keramiken, die für die Wiener Werkstätte entworfen wurden, sind in der Gegenwart gesuchte Objekte auf Kunstauktionen und erzielen Preise von mehreren tausend Euro.[8] Zu den bekanntesten Figuren gehören die Schalenträgerinnen (Originaltitel Salzfässer), Modellnummer der Wiener Werkstatt 213-214[9] sowie die farbig staffierte Jardiniere mit der Modellnummer 274. Keramiken sowie Stoff- und Tapetenmuster sind in zahlreichen Kunst- und Designmuseen zu finden, u. a. im Museum für Angewandte Kunst Wien,[10] Bröhan-Museum in Berlin sowie im Metropolitan Museum of Art.[11]
Wie viele andere Künstlerinnen der Wiener Werkstätte war Erna Kopriva Mitglied der Wiener Frauenkunst.[5] 1930 gehört sie zu den Gründungsmitgliedern des ersten ZONTA-Clubs in Europa.[2]
Ausstellungen (Auswahl)
- Kunstschau, Wien (1920)
- Kunstgewerbeschau, München (1922)
- Weltausstellung, Paris (1925)
- Ausstellung für Deutsche Frauenkunst, Wien (1925)
- Ausstellung für Europäisches Kunstgewerbe, Leipzig (1927)
- Ausstellung Wiener Raumkünstler, Wien (1929 und 1930)
- Werkbundausstellung, Wien (1930)
- Das befreite Handwerk im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie, Wien (1934)[12]
- Weltfachausstellung, Paris (1937)