Ernest-Eugène Hiolle
französischer Bildhauer
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Ernest-Eugène Hiolle (* 5. Mai 1834 in Paris; † 5. Oktober 1886 in Bois-le-Roi, Département Seine-et-Marne) war ein französischer Bildhauer. Er zählt zu den bedeutendsten Vertretern der akademischen Skulptur in Frankreich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.[2][3]

Familie
Hiolle entstammte einer mehrere Generationen umfassenden nordfranzösischen Familie von Holzbildhauern und Kunsttischlern aus Valenciennes. Hiolles Ururgroßvater Hippolyte Joseph Hiolle (* 11. Dezember 1750 in Valenciennes; † 9. Juni 1818 ebenda) war Bildhauer und Schlosser. Er absolvierte von 1760 bis 1761 eine Ausbildung beim Bildhauer Pierre Joseph Gillet. Dessen Sohn Alexandre Charles Hiolle (* 29. Dezember 1789 in Valenciennes; † 15. April 1858 ebenda) war Kunsttischler und Schüler von Jacques François Momal an der Académie de Valenciennes. Er spezialisierte sich auf die Anfertigung von phantasievollem Mobiliar. Hiolles Vater, Hippolyte Hiolle (* 23. Mai 1810 in Valenciennes; † 2. Oktober 1868 ebenda), war ebenfalls Kunsttischler. Er ließ sich 1834 aus beruflichen Gründen vorübergehend in Paris nieder, wo sein Sohn Ernest Eugène geboren wurde. Hiolles Bruder Henri Hippolyte Hiolle (* 8. November 1828 in Paris; † 5. Juli 1884 ebenda) war Bildhauer und spezialisierte sich vermutlich auf Möbelschnitzereien. Er besuchte von 1844 bis 1846 die Académie de Valenciennes unter Laurent-Séverin Grandfils. Zu Hiolles Kindern zählen die Malerin und Zeichnerin Louise Antoinette Yvonne Hiolle (* 13. September 1870 in Saint-Servan, Ille-et-Vilaine), die als Zeichenlehrerin bei der Stadt Paris angestellt war und 1890 auf der Ausstellung der Société valenciennoise des Arts ein Porträt ihres Vaters zeigte, sowie Auguste Alexandre Hiolle, der von 1889 bis 1907 im Salon der Société des artistes français ausstellte.[3]
Leben

Ernest-Eugène Hiolle wuchs in Valenciennes auf. Ab 1847 besuchte er die dortige Akademie unter Grandfils und wurde für hervorragende Leistungen mehrfach ausgezeichnet. Im Jahr 1852 lobte der Akademierat eine von ihm angefertigte verkleinerte Kopie einer antiken Merkurfigur (Valenciennes, Musée des Beaux-Arts), zwei Büsten, sowie verschiedene Studien. Im Jahr 1853 wurde er mit einem bis 1859 bewilligten Stipendium der Stadt Valenciennes als Schüler von François Jouffroy an der École impériale des Beaux-Arts in Paris aufgenommen. 1856 errang er die erste Medaille im Figurenmodellieren sowie den zweiten Grand Prix de Rome für sein Werk Romulus, der Sieger über Acron, der den Göttern die Kleider seiner Feinde opfert. 1860 folgte die Grande Médaille d'Émulation. 1862 gewann er den Premier Grand Prix de Rome mit der Gipsstatue Aristaios, seine Bienen beweinend (Paris, École nationale supérieure des Beaux-Arts).[2]
Von 1863 bis 1867 hielt er sich an der Villa Medici in Rom auf. Im ersten Jahr sandte er das großformatige Basrelief Satan führt Jesus auf die Spitze eines Berges nach Paris (ein Geschenk an das Musée des Beaux-Arts in Valenciennes, das nicht erhalten ist) und im zweiten Jahr eine Marmorkopie des jungen Tiberius (Paris, École nationale supérieure des Beaux-Arts). Zu seinen bekanntesten in Rom entstandenen Werken zählen die Statuen Arion (Marmorfassung im Musée d’Orsay, Paris) und Narzissus (Valenciennes, Musée des Beaux-Arts).[2]
Am 10. Oktober 1865 heiratete er in Anticoli Corrado bei Rom Bernardine Projetti Meddi (* 1847; † 1897). Das Paar hatte sieben Kinder. 1867 kehrte er nach Paris zurück. 1873 wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. 1881 war er Mitbegründer der Société des artistes français und engagierte sich für die Gründung der Union valenciennoise in Paris, deren Präsident er zweimal war. 1882 vertrat er Jouffroy und 1884 kurzzeitig Augustin Alexandre Dumont als Professor für Bildhauerei an der École des Beaux-Arts in Paris. Im selben Jahr wurde er zum Professor für Modellieren ernannt.[2]
Er starb unerwartet in seinem Urlaubsort Bois-le-Roi, kurz nachdem er die Modelle zweier für den Garten des Schlosses Vaux-le-Vicomte in Maincy bestimmter Gruppen (Entführung der Europa und Entführung der Deïaneira) fertiggestellt hatte. Nach einer vorübergehenden Bestattung in Paris wurde der Leichnam am 8. November 1886 nach Valenciennes überführt. Der Architekt Constant Moyaux errichtete ein Grabdenkmal mit einer von Hiolles Bruder Henri ausgeführten Bronzebüste des Verstorbenen.[2]
Werk
Porträtbüsten
Ernest-Eugène Hiolle schuf eine große Zahl von Porträtbüsten bedeutender Zeitgenossen, darunter: Joseph Nicolas Robert-Fleury, Mitglied des Institut de France (1868), Charles Lenepveu, Komponist, Docteur Dereins (1871), Mademoiselle Ballu, Tochter des Architekten Théodore Ballu (1872), Eugène Viollet-le-Duc, Architekt (1874), Paul-Marc-Joseph Chenavard (Lyon, Musée des Beaux-Arts de Lyon, 1874), die Architekten Jules-Louis Batigny und Émile Louis Dusart (1876), Éleuthère Mascart, Professor am Collège de France (1879), Mademoiselle Rousseil in der Rolle der Phädra (1881) und Henri Joseph Harpignies, Maler (1885). Besondere Anerkennung fand die Büste von François Jouffroy (Bronzeabgüsse befinden sich in der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris sowie in der Villa Medici in Rom). Ebenfalls erwähnenswert sind eine 1868 in Rom entstandene Büste des Malers Fortuné Layraud und die von den Gesichtszügen seiner Ehefrau inspirierte Sabine (beide im Musée des Beaux-Arts in Valenciennes). Eine weitere Büste Carpeaux' befindet sich auf dessen Grabmal auf dem Friedhof Saint-Roch in Valenciennes.[3]
Bauplastik und öffentliche Aufträge in Paris

1867 schuf Ernest-Eugène Hiolle eine Statue des Comte de Rambuteau für eine Figurennische im Pariser Rathaus. Im großen Treppenhaus des Pavillon de Flore der Tuilerien wurde eine vergoldete Bronzestatue der Flora aufgestellt. Für die Pariser Oper entstanden zwei Hochrelieffiguren der Fama aus vergoldetem Gips. 1878 folgten eine Marmorstatue des heiligen Johannes von Matha für die Fassade des Panthéons sowie allegorische Darstellungen für den Temple de la Visitation. Im Jahr 1879 fertigte er für den Giebel des Pavillon de Flore die allegorischen Steinfiguren der Flüsse Seine und Marne an. Weitere Werke für Pariser Bauten umfassen Reliefs für den Pavillon Mollien des Louvre, Hochreliefs für die Fassade des Zeitungsgebäudes La France (rue Montmartre) sowie Gruppen und Statuen für das Rathaus (1881/82).[3]
Denkmäler und Bauplastik außerhalb von Paris
In Cambrai gestaltete Ernest-Eugène Hiolle 1874 gemeinsam mit dem Architekten Edmond Guillaume das Hauptmotiv La Renommée déposant une couronne de Gloire für das Denkmal zur Erinnerung an die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71.[3]
1875 schuf er das fünffigurige Giebeldreieck am neuen Rathaus. Für die Stadt Ham (Somme) schuf er 1878/79 eine Bronzestatue des Generals Foy und 1883 eine weitere Bronzestatue, die den General de La Fayette darstellt, für Le Puy-en-Velay. In Valenciennes beteiligte er sich zusammen mit Dusart – entsprechend einem Wunsch Carpeauxs – an der plastischen Gestaltung des Watteau-Brunnens, der 1884 nahe der Kirche Saint-Géry eingeweiht wurde. Der Brunnen wird von Maskaronen, Schwänen und Figuren der Commedia dell’arte geziert. Im Ehrenhof des Conservatoire national des arts et métiers in Paris steht eine Bronzestatue des Chemikers Nicolas Leblanc (eine Replik befindet sich in Saint-Denis). Für das Schloss Neudeck in Schlesien wurde eine mehrfarbige Marmorstatue der Diana angefertigt.[3]
Literatur
- Stanislas Lami: Dictionnaire des sculpteurs de l'École française au dix-neuvième siècle. Tome III (G–M). Honoré Champion, Paris 1919.
- Émile Bellier de la Chavignerie, Louis Auvray: Dictionnaire général des artistes de l'École française depuis l'origine des arts du dessin jusqu'à nos jours. 2 Bände. Renouard, Paris 1882–1885; Supplément. Renouard, Paris 1887.
- Jean-René Gaborit (Hrsg.): Sculptures françaises II. Renaissance et Temps modernes. Réunion des Musées Nationaux, Paris 1998.
- Pierre Kjellberg: Les Bronzes du XIXe siècle. Dictionnaire des sculpteurs. Les Éditions de l'Amateur, Paris 2005.
- A. Carpené: L'œuvre d'Ernest Hiolle. Mémoire de maîtrise, Université Charles-de-Gaulle Lille III, 2 Bände, 2005.
- De Carpeaux à Matisse. La sculpture française de 1850 à 1914 dans les musées et les collections publiques du Nord de la France. Ausstellungskatalog, Musée des Beaux-Arts de Valenciennes, Valenciennes 1982.
- Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 7: Herring – Koornstra. Paris, 2006.
- Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009.
- O. Ferrier: Aufsatz zu Ernest Hiolle. In: Revue du Musée d'Orsay. Nr. 27, 2008.