Ernst Storch
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Ernst Ferdinand Storch (* 3. April 1865 in Bielenz, Kaisertum Österreich; † 23. Mai 1938 in Komotau, Tschechoslowakei) war ein deutschböhmischer Politiker in Österreich-Ungarn und der Tschechoslowakei. Er war langjähriger Bürgermeister der Stadt Komotau (1910–1933) sowie von der Gründung 1919 bis 1921 erster Parteiobmann der Deutschen Nationalpartei.
Leben und Wirken
Er war der Sohn des Gutsverwalters Franz Storch (1820–1892) und dessen Ehefrau Anna geborene Seidlerová aus Bielenz (Bezirk Komotau) am Fuß des Erzgebirges im damals mehrheitlich deutschsprachigen Norden Böhmens. Schon bald zogen seine Eltern in die Bezirksstadt Komotau, wo sein Vater den Direktorenposten einer Dampfmühle übernahm. In Komotau besuchte Storch die Volksschule und das k. k. Staats-Gymnasium, wo er 1884 die Matura ablegte. Nach seinem einjährigen Wehrdienst beim k.u.k. 11. Infanterieregiment in Prag studierte er Rechtswissenschaften an der dortigen Karl-Ferdinands-Universität. Dort promovierte er 1889 zum Juristen (JUDr.) und arbeitete danach zunächst am Kreisgericht Brüx, später beim Bezirksgericht Komotau, bevor er nach Wien in eine private Anwaltskanzlei wechselte.
1897 kehrte er aus Wien nach Komotau zurück, um hier in der Herrengasse 18 eine eigene Kanzlei als Advokat und Verteidiger in Strafsachen zu eröffnen.[1] Schon bald wurde er auf kommunaler Ebene aktiv, wurde Mitglied des Verwaltungsrates der Stadtsparkasse und aktiver Schütze. Im März 1910 stellte er sich erfolgreich zur Wahl zum Bürgermeister von Komotau. Als solcher machte er sich einen bleibenden Namen durch die maßgebliche Beteiligung an der Organisation der Deutschbömischen Landesschau 1913. In seiner Zeit als Bürgermeister wurde in Komotau erfolgreich das Wohnungsproblem gelöst, das Stadtmuseum, die Hutbergwarte und mehrere andere öffentliche Gebäude errichtet und Oberdorf (Horní Ves) eingemeindet.
Nach Gründung der Ersten Tschechoslowakischen Republik, der durch den Vertrag von Saint-Germain auch die mehrheitlich deutschsprachigen Gebiete Böhmens und Mährens zugeordnet wurden, war Storch 1919 Gründungsmitglied und erster Parteiobmann der Deutschen Nationalpartei in der Tschechoslowakei. 1921 gab er dieses Parteiamt an Gustav Doberauer ab.[2]
Im Zuge der Auflösung der Deutschen Nationalpartei wurde er im Dezember 1933 von den tschechoslowakischen Behörden seines Bürgermeisteramtes enthoben.
Literatur
- Petr Rak: Chomutovský starosta dr. Ernst Storch. In: Památky, příroda, život. 1996, 28/2 S. 39 ff. (tschechisch)
- V čele radnice Ernst Storch vydržel nejdéle ze všech starostů 20. století. In: Chomutovské noviny. Heft 7 vom 3. Juli 2019, S. 14 (tschechisch).