Ernst Zumstein
Schweizer Philatelist, Briefmarkenhändler, Verleger und Katalogautor in Bern
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Ernst Zumstein (* 1880; † 9. Juli 1918) war ein Schweizer Philatelist, Briefmarkenhändler, Verleger und Katalogautor in Bern. Er gründete 1905 die Firma Zumstein & Cie., aus der sich innerhalb weniger Jahre die bekannteste Briefmarkenhandlung der Schweiz entwickelte. Besondere Bedeutung erlangte Zumstein durch den Aufbau eines philatelistischen Verlags, aus dem der Zumstein-Katalog und die Berner Briefmarken-Zeitung hervorgingen.[1]
Leben und Wirken
Zumstein gründete 1905 in Bern eine Briefmarkenhandlung. Das Unternehmen entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zur bekanntesten Briefmarkenhandlung der Schweiz. Den internationalen Ruf der Firma begründete Zumstein vor allem mit dem eigenen philatelistischen Verlag.[1] In einer philateliegeschichtlichen Darstellung erscheint der frühe Firmenname als „Briefmarkenbörse Bern Ernst Zumstein“.[2]
1907 gab Zumstein die Philatelistischen Börsen-Nachrichten heraus. Von 1909 bis 1914 erschienen die Schweizerischen philatelistischen Nachrichten, die seit 1915 unter dem Titel Berner Briefmarken-Zeitung fortgeführt wurden.[1] Die Zeitschrift blieb eng mit dem Verlag und den späteren Zumstein-Katalogen verbunden.
1909 erschien der erste Zumstein-Katalog zu den Briefmarken der Schweiz; 1910 folgte ein Europa-Katalog.[1] Damit begründete Zumstein eines der wichtigsten Katalogwerke der Schweizer Philatelie. Ein Spezial-Katalog und Handbuch über die Briefmarken der schweizerischen Eidgenossenschaft erschien 1914 in Bern.[3]
1910 organisierte Zumstein in Bern die erste internationale Postwertzeichenausstellung der Schweiz.[1] Die Ausstellung trug zur Sichtbarkeit der Schweizer Philatelie und des jungen Zumstein-Verlags bei.
Zumstein starb am 9. Juli 1918 im Alter von 38 Jahren.[4] Eine philateliegeschichtliche Darstellung nennt als Todesursache die zeitgenössisch so bezeichnete „spanische Krankheit“, also die Spanische Grippe.[2] Nach seinem Tod geriet die Firma in eine schwierige Phase; 1920 übernahm der in Sachsen geborene Arthur Hertsch das Unternehmen und dessen Leitung.[1]
Katalogarbeit

Zumsteins Katalogarbeit war nicht nur für den Handel, sondern auch für die Spezialforschung bedeutsam. Sein erster Spezialkatalog von 1909 behandelte die Briefmarken der Schweiz; eine zweite Ausgabe erschien 1914. In einem Beitrag zur Erforschung der Stehenden Helvetia wird hervorgehoben, dass Zumstein darin Zähnungen, Druckprozess, Abarten, Plattenfehler und Retuschen ungewöhnlich detailliert beschrieb. Auch Plattenpositionen wurden bereits katalogisiert.[5]
Zumstein kündigte nach dieser Darstellung eine eigene Spezialstudie zur Ausgabe der Stehenden Helvetia von 1882 bis 1907 an. Diese erschien wegen seines Todes 1918 nicht mehr. Die dritte Ausgabe des Handbuchs von 1924 enthielt später einen deutlich erweiterten Abschnitt zu dieser Dauerserie.[5]
Bedeutung
Zumstein gehört zu den prägenden Persönlichkeiten der frühen Schweizer Philatelie des 20. Jahrhunderts. Seine Bedeutung liegt weniger in einer einzelnen Sammlung als im Aufbau dauerhafter philatelistischer Infrastruktur: Briefmarkenhandel, Fachverlag, Briefmarkenkatalog, Fachzeitschrift und Ausstellungstätigkeit. Der von ihm begründete Zumstein-Katalog blieb eines der wichtigsten Referenzwerke für Schweizer Briefmarken; die aus seinen Verlagszeitschriften hervorgegangene Berner Briefmarken-Zeitung erscheint weiterhin als philatelistische Fachzeitschrift.
Sein früher Tod verhinderte eine weitere eigene Spezialforschung, besonders zur Stehenden Helvetia. Dennoch wirkten seine Kataloge und der Verlag über die Firma Zumstein & Cie. fort. Nach der Übernahme durch Arthur Hertsch wurde das Unternehmen weitergeführt; der Name Zumstein blieb als Katalog- und Verlagsmarke der Schweizer Philatelie erhalten.[1]
Werke
- Spezial-Katalog und Handbuch über die Briefmarken der schweizerischen Eidgenossenschaft. Bern 1909.
- Spezial-Katalog und Handbuch über die Briefmarken der schweizerischen Eidgenossenschaft. 2. Ausgabe, Bern 1914.
- Zumstein-Katalog der Briefmarken Europas. Bern 1910.
Literatur
- Zumstein & Cie.: Zumstein & Cie. Propr. Hertsch & Co. Bern 2005.
- C. Hertsch: 100 Jahre Briefmarkenzeitung. In: Berner Briefmarken-Zeitung. Nr. 9, 2008, S. 75–78.
- Wolfgang Maassen: Wer ist wer in der Philatelie?, Band 6, T–Z, Phil Creativ, Schwalmtal, 3. Auflage, 2023, ISBN 978-3-949591-03-7, S. 226–227