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Ervin László

ungarischer Wissenschaftsphilosoph, Systemtheoretiker und Autor From Wikipedia, the free encyclopedia

Ervin László [ˈɛrvin ˈlaːsloː] (* 12. Juni 1932 in Budapest, Ungarn; † 29. Juni 2026 in Cecina, Italien) war ein ungarischer Wissenschaftsphilosoph, Systemtheoretiker und Autor. Er war Präsident des von ihm begründeten Club of Budapest und Mitglied der World Academy of Arts and Science.

Ervin László

László beschäftigte sich mit Fragen der Metaphysik und Ontologie und gilt als wichtiger Vertreter der Systemtheorie, der Allgemeinen Evolutionstheorie und der Integralen Theorie sowie der Philosophie, der Futurologie und der Ästhetik.

Obwohl er einen Teil seiner Thesen in den physikalischen Kontext einer „Großen vereinheitlichten Theorie“ stellte, wurden seine Schriften nicht im physikalischen Kontext zitiert. Seine Thesen können damit nicht als physikalisch-naturwissenschaftliche Standpunkte verstanden werden.

Musik

Ervin László begann als Pianist. Er nahm 1947 als Fünfzehnjähriger am Concours International de Musique in Genf teil und belegte einen der vorderen Plätze. Die amerikanische Plattenfirma RCA hatte mindestens ein Album mit ihm produziert, auf dem László Klavierwerke von Sibelius interpretierte. Beim NDR Hamburg hatte László in den sechziger Jahren Werke von Liszt für den Rundfunk aufgenommen.

Werk

László war Autor mehrerer Bücher und zahlreicher Publikationen in internationalen Zeitschriften und Magazinen. Er war Herausgeber der Vierteljahreszeitschrift World Futures - The Journal of General Evolution und der Buchreihe World Futures General Evolution Studies, sowie Mitherausgeber von Behavioral Science und der vierbändigen Friedensenzyklopädie World Encyclopedia of Peace. 1993 gründete László die Stiftung Club of Budapest, die sich als Zukunftswerkstatt für globale Fragestellungen begreift.

Seine Arbeit im Zusammenhang mit Geist und Bewusstsein sowie der Morphogenetik befasste sich auch mit einer „Großen vereinheitlichten Theorie“. Er berief sich dabei auch auf den Physiker Stephen W. Hawking, wobei Lászlós Theorien jedoch nur wenig Gemeinsamkeiten mit der Großen vereinheitlichten Theorie der Physik aufwiesen. Die in der Physik angestrebte Vereinheitlichung der vier bekannten Elementarkräfte erweiterte er um ein fünftes Feld, das er Psi-Feld oder A-Feld nennt.

In seinen Arbeiten zu einem holistischen Weltbild („Das fünfte Feld“, „Holos“, und „Zu Hause im Universum“) propagierte Ervin László die Idee dieses grundlegenden neuen Feldes, das sowohl quantenphysikalische als auch zahlreiche parapsychologische Phänomene erklären sollte. Dieses A-Feld sollte eine Art kosmisches Gedächtnis (Akasha-Chronik) darstellen, in dem zudem auf nichtlokale Weise durch Torsionsfelder und Skalarwellen überlichtschnelle Informationsübertragung im Quantenvakuum stattfinden sollte. Der deutsche Physiker Christian Sämann hielt Lászlós Argumentationen im Bereich der Naturwissenschaften, trotz einer positiven Grundhaltung gegenüber seinem Werk, für ungültig, schwach oder nicht zwingend.[1]

Ervin László kritisierte in seinen Büchern auch die darwinistische Evolutionstheorie als „unzureichende Erklärung“ und griff dabei intensiv auf die Argumentation der Intelligent-Design-Bewegung (z. B. Michael J. Behe) zurück.

Hinsichtlich der Erklärung des Phänomens des Bewusstseins vertrat Ervin László eine Variante des Panpsychismus und neutralem Monismus (Substanzmonismus mit Eigenschaftsdualismus), im Gegensatz zu rein physikalistischen Interpretationen wie beispielsweise von Daniel Dennett. Entgegen manch anderen Vertretern des Integralen Denkens, wie z. B. Ken Wilber, sprach sich Ervin László jedoch eindeutig gegen die Vorstellung einer unsterblichen Seele oder eines Lebens nach dem Tode aus.

Ervin László starb mit 94 Jahren Ende Juni 2026 in der toskanischen Gemeinde Cecina.[2]

Werke

  • Evolution and Revolution: Patterns of Development in Nature, Society, Culture and Man. Gemeinsam mit R. Gotesky, Gordon & Breach, New York und London 1971
  • Introduction to Systems Philosophy. (1973), ISBN 0-06-131762-4, Vorwort von Ludwig von Bertalanffy
  • Evolution: The Grand Synthesis. Boston und London: New Science Library, Shambhala Publications, 1987
    • Deutsche Ausgabe: Evolution - Die neue Synthese: Wege in die Zukunft. Europa, Wien 1987, ISBN 3-203-50968-7
  • Global Denken: Die Neu-Gestaltung der vernetzten Welt. Horizont, Rosenheim 1989, ISBN 3-442-12303-8
  • (Hrsg.): The New Evolutionary Paradigm: Transdisciplinary Studies. New York: Gordon & Breach, 1991.
  • The Age of Bifurcation: The Key to Understanding the Changing World. Gordon & Breach, New York 1991
  • The Evolution of Cognitive Maps: New Paradigms for the 21st Century. Gemeinsam mit I. Masulli. Gordon & Breach, New York 1992
  • Evolutionäres Management: Globale Handlungskonzepte. Fulda: Paidia-Verlag, 1992; englisch: Management by evolution.
  • Global denken. Die Neugestaltung der vernetzten Welt (1989); Goldmann Taschenbuch 12303, ISBN 3-442-12303-8
  • 1992: Der Laszlo-Report. Wege zum globalen Überleben. Verlag Moderne Industrie, 1992. Heyne-Sachbuch 1994, ISBN 3-453-07808-X.
  • Frieden durch Dialog (1995) ISBN 3-351-02434-7
  • Das dritte Jahrtausend (1998) ISBN 3-518-39471-1
  • Evolutionäres Management (1999) ISBN 3-89459-020-3
  • Wissenschaft und Wirklichkeit (1999) ISBN 3-458-33270-7
  • Systemtheorie als Weltanschauung (1998) ISBN 3-424-01387-0
  • Das fünfte Feld (2000) ISBN 3-404-60477-6
  • Kosmische Kreativität (2001) ISBN 3-458-33808-X
  • Holos - Die Welt der neuen Wissenschaften (2002) ISBN 3-928632-94-9
  • You Can Change the World - Wie kann ich die Welt verändern? (2003) ISBN 3-936486-23-9
  • Macroshift (2003) ISBN 3-458-17157-6
  • Zu Hause im Universum - Eine neue Vision der Wirklichkeit (2005) ISBN 3-7934-2002-7
  • The Chaos Point - The World at the Crossroads (2006) ISBN 0-7499-2716-X
  • Weltwende 2012 - Wie eine grüne Wirtschaft, neue Politik und ein höheres Bewusstsein zusammen wirken (2009) ISBN 3-9812442-5-7

Literatur

Einzelnachweise

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