Eulenspiegler Teich
Stausee bei Clausthal
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Der Eulenspiegler Teich ist eine historische Stauanlage am Rand des Stadtgebietes von Clausthal-Zellerfeld. Er wurde im Zusammenhang mit dem Oberharzer Wasserregal von Oberharzer Bergleuten im 16. Jahrhundert angelegt. Wie alle Oberharzer Teiche ist auch der Eulenspiegler Teich seit dem Jahr 2010 Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft.
| Eulenspiegler Teich | |||
|---|---|---|---|
| Lage | Clausthal-Zellerfeld, Landkreis Goslar, Niedersachsen, Deutschland | ||
| Zuflüsse | Zellbach (im Nebenschluss) | ||
| Abfluss | Zellbach → Innerste → Leine → Aller → Weser → Nordsee | ||
| Größere Städte in der Nähe | Clausthal-Zellerfeld | ||
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| Koordinaten | 51° 48′ 53″ N, 10° 19′ 47″ O | ||
| Daten zum Bauwerk | |||
| Sperrentyp | Staudamm | ||
| Bauzeit | vor 1551[1] | ||
| Höhe über Talsohle | 3,43 m[1] | ||
| Höhe über Gewässersohle | 2,75 m | ||
| Höhe der Bauwerkskrone | 529,29 m+NN[1] | ||
| Kronenlänge | 87,5 m | ||
| Betreiber | Harzwasserwerke GmbH | ||
| Daten zum Stausee | |||
| Höhenlage (bei Stauziel) | 528,58 m+NN[1] | ||
| Gesamtstauraum | 61.000 m³[1] | ||
| Einzugsgebiet | 0,23 km²[1] | ||
| Bemessungshochwasser | 1,73 | ||
| Besonderheiten |
Überlaufteich | ||



Lage
Der Teich liegt auf etwa 529 m ü. NHN im Ortsteil Zellerfeld an dessen südwestlichem Rand in unmittelbarer Nähe zur Grenze des Ortsteils Clausthal. Seine lange Achse verläuft in Nordwest-Südost-Richtung und misst knapp 300 Meter; die Breite beträgt maximal etwa 90 Meter.[2] Er kann vom Zellbach gespeist werden. Sein Ablauf führt wieder in den Zellbach, der einige Kilometer weiter in die Innerste mündet. Nach weiteren etwa 15 Kilometern fließt das Wasser in die Innerstetalsperre.
Namensgebung
Der Name Eulenspiegler Teich könnte ein Hinweis auf eine Eulenspiegelei sein. Der Teich lag dicht an der Grenze zwischen Zellerfeld und Clausthal, also dem Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel und dem Fürstentum Grubenhagen. Der Zellbach bildete hier die Grenze. Da sein Wasser als Aufschlagwasser für den Betrieb der Bergwerke benötigt wurde, die in diesem Bereich beiderseits des Baches dicht gesät waren, gab es um das Wasser bereits im 16. Jahrhundert Streit. Der Eulenspiegler Teich auf Zellerfelder Gebiet nah an der Grenze spielte in diesem Streit auch eine wichtige Rolle. Angeblich stauten die Zellerfelder den Teich auf, um die Clausthaler (Grubenhagenschen) Bergwerke zu „ersäufen“.[3]
Beschreibung
Der Eulenspiegler Teich ist die einzige Stauanlage im Oberharzer Wasserregal, die im Nebenschluss betrieben wird: Der Zellbach fließt an der Anlage quasi ungestört vorbei; es können aber über ein Wehr Teilmengen oder auch der gesamte Abfluss dem Stauraum des Eulenspiegler Teiches zugeführt werden. Der Ablauf des Teiches führt dann über die Hochwasserentlastungsanlage (Ausflut) wieder in den Zellbach.
Der Staudamm wurde als Erdbauwerk, das heißt mit einer Erd- und Felsschüttung, erstellt. Dieses Dammschüttmaterial wurde örtlich gewonnen und ist von überwiegend steiniger Substanz. Die Dammdichtung wurde aus Rasensoden hergestellt und verläuft entlang der wasserseitigen Böschung. Es handelt sich um einen Teich der „Alten Bauart“.[4]
Die Hochwasserentlastungsanlage befindet sich recht mittig auf dem südlichen Dammflügel und ist auf dem Dammkörper gegründet. Sie besteht aus einem kleinen Betonwehr, einer Betonsohle und seitlich aus Grauwacke-Bruchsteinmauerwerk.
Einen funktionsfähigen Grundablass gibt es nicht mehr.
Einzugsgebiet, Wasserwirtschaft
Das Einzugsgebiet des Eulenspiegler Teiches ist mit 0,23 km²[5] (andere Quellen sprechen von 0,51 km²[6]) extrem klein; der Stauraum ist aber mit 61.000 m³ aufgrund der großen Oberfläche beachtlich. Das Einzugsgebiet besteht fast ausschließlich aus dem Siedlungsgebiet des Stadtteils Zellerfeld. Da der Zellbach mit seinem Einzugsgebiet von etwa 7 km² südlich der Anlage vorbeifließt und von diesem Wasser in den Eulenspiegler Teich abgeschlagen werden kann, ist eine kontinuierliche Wasserversorgung der Anlage möglich. Vor großen Hochwässern kann er über eine Drossel geschützt werden.
Der Teich muss über Jahrhunderte durch häusliches Abwasser belastet worden sein. Er ist für Oberharzer Verhältnisse stark eutroph; es kam in Sommermonaten gelegentlich zu Geruchsbelästigungen. Ferner gilt der Teich aus ähnlichen Gründen als stark verschlammt. Es wurde angenommen, dass der Teich verlandet, jedoch konnte dies für die letzten 50 Jahre nicht bestätigt werden. Obwohl die Abwasserzuflüsse seit den 1980er Jahren endgültig abgestellt sind, ist das Wasser im Eulenspiegler Teich noch immer recht nährstoffreich und sauerstoffzehrend. Dies zeigt sich auch an einem ganz anderen Pflanzenaufkommen im und am Wasser.[7] Im Gegensatz dazu handelt es sich bei den meisten anderen Oberharzer Teichen um nährstoffarme Stillgewässer.[7]
Gelegentlich lösen sich vom östlichen flachen Ufer schwimmende Inseln, die ausschließlich aus Pflanzenmaterial bestehen und entfernt werden müssen. Seitens eines Talsperrenbetreibers besteht immer die Sorge, dass Treibgut sich vor den Ablauf setzen und diesen blockieren könnte, was zu einem unkontrollierbaren Überstau führen würde.[8]
Bauwerkshistorie
Das Bauwerk muss vor 1551 errichtet worden sein.[1][9] Die Anlage gehört damit zu den ältesten Teichen im Oberharzer Wasserregal.[10] Der Teich diente vorrangig der Versorgung der Bergwerke „Weißer Schwan“ und „Rheinischer Wein“.[11] Nach Stilllegung dieser Bergwerksanlagen konnte sein Wasser über die Einersberger Zentrale dem Wasserkraftwerk im Ottiliaeschacht zugeführt werden.[11] Die Eulenspiegler Mühle, deren Gebäude heute noch am nördlichen Dammende steht, wurde nicht aus dem Teich, sondern aus einem separaten, vom Zellbach gespeisten und 850 m langen „Klosterhofer Mühlengraben“, versorgt.[12][1]
Bis in die 1960er Jahre gab es im Bereich des nördlichen Dammendes einen funktionsfähigen Grundablass.[5] Hier steht heute nur noch ein Striegelhaus ohne Funktion.
In den 1980er Jahren beabsichtigte die Stadt Clausthal-Zellerfeld, eine Freizeitanlage am Eulenspiegler Teich zu errichten. Es wurde ein Programm zur Verbesserung der Wasserqualität aufgelegt. Hierzu wurden eventuelle Abwasserzuflüsse (auch die Regenwasserkanalisation) abgeklemmt. Eine Entschlammung wurde genehmigt, aber nicht durchgeführt. Zur Sicherstellung eines ständigen Frischwasserzulaufes wurde die Ableitungsmöglichkeit im Zellbach wieder hergestellt. Die Geruchsbelästigungen gingen daraufhin stark zurück. Die Ausführung erfolgte durch die Bergstadt Clausthal-Zellerfeld, die den Eulenspiegler Teich für dieses Projekt langfristig angepachtet hatte. 1991 wurde dieses Projekt allerdings aufgegeben.[13] Badebetrieb kann an dem Teich nicht beobachtet werden.
1995 erfolgte eine Grundsanierung der Hochwasserentlastungsanlage durch die Harzwasserwerke. Die Dammkrone wurde im westlichen Teil um bis zu 25 cm aufgehöht.[14]
Fischerei
Das Recht auf die Fischerei lag im Harz seit der Besiedelung bis auf wenige Ausnahmen beim Landesherrn. Nach der Bergfreiheit des Herzogs Ernst war es in Clausthal den Ansiedlern ab 1554 gestattet, den Zellbach bis zu seinem Zusammenfluss mit der Innerste „mit Fischen zu gebrauchen, sonsten sind aber alle andere Wasser, Fischereien und Waidwerk“ bei schwerer Strafe verboten. Zu den untersagten Gewässern gehörte auch der neu angelegte Eulenspiegler Teich. Die Bevölkerung betrachtete diesen jedoch als eine Erweiterung des Zellbachs und war der Ansicht, dort weiter fischen zu dürfen, was wiederholt zu Bestrafungen führte. Zu Zeiten der Revolutionen 1848/1849 kamen die Einwohner auf ihr vermeintliches Recht zurück und befischten „in großer Menschenmenge“ den Eulenspiegler Teich. Sie drohten sogar, die herbeigeeilten Vertreter der Obrigkeit in den Teich zu werfen. Daraufhin sah man vorübergehend von einer Bestrafung ab, bis sich die „communistischen Ideen“ verflüchtigt hatten.[15]
Eine fischereiliche Nutzung des Gewässers erfolgt heute nicht mehr.[16]
Literatur
- Martin Schmidt: Die Wasserwirtschaft des Oberharzer Bergbaus (= Schriftenreihe der Frontinus-Gesellschaft e. V. Heft 13). 3., ergänzte Auflage. Harzwasserwerke, Hildesheim 2002, ISBN 3-00-009609-4.
- Walter Knissel, Gerhard Fleisch: Kulturdenkmal „Oberharzer Wasserregal“. Eine epochale Leistung. 2. Auflage. Papierflieger, Clausthal-Zellerfeld 2005, ISBN 3-89720-725-7.
- Martin Schmidt: WasserWanderWege. Ein Führer durch das Oberharzer Wasserregal – Weltkulturerbe. Hrsg.: Harzwasserwerke GmbH. 4. Auflage. Papierflieger Verlag, Clausthal-Zellerfeld 2012, ISBN 978-3-86948-200-2.

