Wikiwand AI

Evangelische Kirche Brettach

Kirchengebäude in Brettach, Langenbrettach, Landkreis Heilbronn, Baden-Württemberg From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Evangelische Kirche Brettach (auch Ägidiuskirche oder Kirche St. Peter und Paul genannt) ist eine ehemalige Wehrkirche in Brettach, einem Ortsteil von Langenbrettach im Landkreis Heilbronn im nördlichen Baden-Württemberg. Sie gehört zur evangelischen Gesamtkirchengemeinde Brettach-Cleversulzbach-Langenbeutingen[1] im Kirchenbezirk Weinsberg-Neuenstadt[2] der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Die Evangelische Kirche Brettach, links im Vordergrund der verbliebene Gaden
Blick durchs Langhaus zum Altar

Name

1471 wurde die Brettacher Kirche erstmals mit ihrem Patronatsnamen Sankt Peter und Paul erwähnt. Vereinzelt wird die Kirche auch Ägidiuskirche genannt, der Ursprung dieser Zuordnung ist aber unklar. In historischen Quellen wird eine Verbindung zum Heiligen Ägidius erst ab dem Anfang des 19. Jahrhunderts hergestellt.[3.1] Heute ist sie unter dem Namen Evangelische Kirche Brettach bekannt.[4]

Geschichte

Die 1264 erstmals erwähnte Kirche[5.1][6] geht auf einen sehr alten, vermutlich alemannischen Kultplatz an einer Quelle zurück. Wohl im späten 10. Jahrhundert wurde die Kirche zu einer von Mauern umgebenen Wehrkirche mit Wehrgraben ausgebaut. Die Anlage umfasste einst neben der Kirche noch 23 so genannte Gaden, die als Fruchtlagerschuppen mit Gewölbekellern, aber auch als Zufluchtsstätten der Bevölkerung innerhalb der Wehranlage genutzt wurden. Das Patrozinium der Heiligen Petrus und Paulus ist seit 1471 bezeugt.

Die bestehende Kirche entstand zwischen 1514 und 1578. Von den Erweiterungen der Kirche im 16. Jahrhundert künden das 1578 an die neue Westwand versetzte Portal von 1514 und eine Inschrift am Langhaus, die für dieses Jahr den Baumeister Clemens Vock nennt. Vor allem ging es damals um die beträchtliche Erweiterung (Flächen-Vervierfachung) des Kirchenschiffs nach Norden und Westen im Sinn einer Querkirche mit Einbau zunächst der West-, 1681 auch der Nordempore (einschließlich östlichem Schenkel an der Stirnwand bis über den Chorbogen) und Ausrichtung des Kirchengestühls zur Kanzel vor der Südwand (1955 als niedriger Ambo an die Chorbogenwand versetzt).[7] Um 1570 wurde auch der Wehrgraben zugeschüttet und die zum Kirchbrunnen gefasste Quelle mit einem Gewölbe überdacht, wodurch der Lindenplatz vor der Kirche entstand. Die ohnehin damals schon baufälligen Gaden wurden ab 1578 abgerissen. Heute ist nur noch ein Gaden erhalten, der noch im 19. Jahrhundert als Gemeindegefängnis diente.

Die Kirche wurde vielfach umgebaut. 1663 zerstörte ein Blitzeinschlag den oberen Teil des Turms. 1681 wurde eine Empore eingebaut. Der Westeingang deutet auf eine Renovierung zur Zeit des Barocks hin. 1886 renovierte Heinrich Dolmetsch die Kirche,[8] nochmals innenerneuert wurde sie 1955 durch Hannes Mayer, wobei der jeweilige Charakter des frühromanischen Chorraum und des Renaissance-Schiffs wieder hergestellt wurde.

Im 18. Jahrhundert war Philipp Friedrich Hiller als Pfarrgehilfe an der Kirche tätig, von 1928 bis 1935 war Julius von Jan Pfarrer in Brettach.

Ausstattung

Luther mit Schwan

Im Inneren der Kirche haben sich renaissancezeitliche Wandmalereien erhalten:[9] von David Ebermann aus Heilbronn 1591 das Nordwandgemälde, welches Luther mit dem Schwan darstellt, wohl das älteste derartige Luthergemälde in Württemberg[10], und von Hans Veit Becker aus Heilbronn 1681 die Wandgemälde von Isaaks Opferung bis zum neuen Jerusalem.

Emporengemälde

Zur historischen Ausstattung zählen außerdem die über 20 Gemälde in den Brüstungsfelder der Emporen mit Darstellungen aus Altem und Neuem Testament, der hochbarocke Apostelalter von 1681 einschließlich Kruzifix mit Evangelisten-Medaillons an den vier Kreuz-Armen, die Renaissancekanzel, der historische Orgelprospekt von 1762, zwei Engelsfiguren im Turmsockel sowie ein Epitaphbild mit knienden Stiftern vor dem Auferstandenen an der Chorwand.

1949 schuf der Glasmaler Adolf Valentin Saile für das Chorfenster Darstellungen von Petrus, Paulus und Christus als Weltenherrscher. 1963 Im romanischen Chorraum befindet sich – für die Gottesdienstbesucher unsichtbar – das Jerusalemfenster, das Adolf Saile 1963 schuf und das das Neue Jerusalem zum Thema hat.[11]

Außen an der Kirche befinden sich zwei Kriegerdenkmale für die örtlichen Gefallenen beider Weltkriege (das zweite (1953) stammt von Helmuth Uhrig), im umliegenden Friedhof steht die große, um 1840 angepflanzte Blutbuche.

Orgel

Orgel

1654 wurde von einem Präzeptor in Neuenstadt ein Positiv mit vier Registern erstellt für den Preis von 50 fl. 1681 errichtete der Orgelbauer Johann Karl Hammer aus Pfedelbach eine Orgel mit 10 Registern. Nachdem das Instrument mehrere Male renoviert und gereinigt worden war, u. a. durch einen Orgelmeister von Steinbach und Schwäbisch Hall sowie durch Johann Georg Prüss, Hoforgelmacher von Hohenlohe-Neuenstein, wurde es 1844 von Orgelbauer Andreas Laukhuff aus Pfedelbach erweitert und auf der neu erbauten Ostempore aufgestellt. Bis dahin stand die Orgel unter einem Vordach außerhalb des Kirchenschiffes über einem Teil der jetzigen Sakristei. 1922 errichtete die Orgelbaufirma Walcker als opus 1908 eine neue Orgel mit 15 Registern auf der Westempore.[12]

Das heutige Instrument wurde 1976 im historischen Gehäuse durch die Orgelbaufirma Vier erbaut und umfasst 15 Register mit 1161 Pfeifen auf zwei Manualen und Pedal.[3.2]

Glocken

Im Turm der Kirche befinden sich vier Glocken, die alle von der Glockengießerei Bachert gegossen wurden, die kleinste in Kochendorf, die drei anderen in Heilbronn:[13]

Weitere Informationen Glocke, Name ...
Glocke Name Gussjahr Durchmesser Gewicht Schlagton Inschrift
I Betglocke 1959 1260 mm 1185 kg e' EHRE SEI GOTT IN DER HOEHE
II Kreuz- und Dankglocke 1950 1120 mm 813 kg fis' GELOBT SEI, DER DA KOMMT IN DEM NAMEN DES HERRN. HOSIANNA IN DER HOEHE!
III Bittglocke 937 mm 439 kg a' DIE GNADE UNSERES HERRN JESU CHRISTI UND DIE LIEBE GOTTES UND DIE GEMEINSCHAFT DES HEILIGEN GEISTES SEI MIT EUCH ALLEN! AMEN.
IV Taufglocke 1926 730 mm 237 kg cis" DIE CHRISTEN RUF ICH ZUHAUF DEN KINDLEIN LAEUT ICH ZUR TAUF DIE VERIRRTEN GELEIT ICH HEIM DAZU ERSCHALLT DIE STIMME MEIN / GEGOSSEN VON GEBR. BACHERT IN KOCHENDORF FUER DIE EV. KIRCHE IN BRETTACH
Schließen

Literatur

  • Brettach. In: Julius Hartmann, Eduard Paulus (Hrsg.): Beschreibung des Oberamts Neckarsulm (= Die Württembergischen Oberamtsbeschreibungen 1824–1886. Band 61). W. Kohlhammer, Stuttgart 1881, S. 301 ff. (Volltext [Wikisource]).
  • Artur Georg Klein: Geschichte der Brettacher Kirche; Brettach 1959
  • Julius Fekete (Text), Rose Hajdu (Fotos): Kunst- und Kulturdenkmale in Stadt- und Landkreis Heilbronn. Theiss, Stuttgart 1991, ISBN 3-8062-0556-6, S. 211–213.
  • Evangelische Kirchengemeinde Brettach (Hrsg.): Evangelische Kirche Brettach – Entdeckungen im Jahr des 500. Reformationsjubiläums. Brettach 2017 (kirche-brettach-cleversulzbach-langenbeutingen.de [PDF]).
  • Adolf Graf: Die Kirche St. Peter und Paul oder die Ägidiuskirche in Brettach; in: Ev. Mesnerblatt, 68. Jg. Nr. 3/2017, Seite 525–532.
  • Günther Kempka: Ein neues Dach für Gottes Haus. Renovierung der Brettacher Kirche St. Peter und Paul 2023. Langenbrettach 2023.

Einzelnachweise

Related Articles

Timelines

Top Qs

Fact Checks