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Schwan (Symbol)

Christliches Symbol From Wikipedia, the free encyclopedia

Der weiße Schwan, seit der Antike ein Symbol für Licht und Reinheit, später auch für das Lebensende, steht im christlichen Kontext unter anderem als Symbol für den Reformator Martin Luther.

Schwan auf der Kirchturmspitze der Evangelischen Stadtkirche Monschau

Antike und außereuropäische Kulturen

Leda mit dem Schwan, antikes Fresko aus Pompeji

Im griechisch-römischen Altertum war der Schwan ein dem Apollon zugeordneter Begleiter und symbolisierte Reinheit und Licht. Männlich konnotiert war auch die Rolle des Schwans in dessen Gestalt sich Zeus der Leda näherte. Die Hieroglyphica des Horapollon deuten den Schwan als „musikalischen Greis“.[1]

Kelten und Anishinabe (eine indigene Ethnie Nordamerikas) sahen den Schwan als Sonnentier. Im Hinduismus wird der Schwan, häufiger aber Gans oder Ganter als Begleiter und Reittier (hamsa) Brahmas gezeigt. In archaische Zeiten zurück verweist auch die Verbindung mit dem Tod, wie der Schwan im Fernen Osten oder bei den Persern als Jenseitsgestalt auftritt. In China erscheint das Motiv der Schwanenjungfrau seit dem 2. Jahrhundert v. Chr., ebenso in orientalischen Märchen und im Wölundlied der Edda.[2]

Mitteleuropa

Der hl. Hugo von Lincoln mit Bischofsornat und Schwan (Francisco de Zurbarán, ca. 1637–1639)

In der Hochkultur der europäischen Frühzeit spielt der Schwan als Symbol kaum eine Rolle, im späteren Mittelalter ist er eher als literarisches Motiv greifbar, etwa in der Goldenen Schmiede des Konrad von Würzburg, wo der „Schwanengesang“ mit der Klage des sterbenden Christus am Kreuz in Beziehung gesetzt wird: „Man sagt, dass der Schwan singet, wenn er sterben soll, dem tut sein Sohn gleichen wohl“. Der Schwan als Heiligenattribut wurde bei Cuthbert von Lindisfarne, Hugo von Grenoble, Hugo von Lincoln und Liudger beobachtet, wobei aber die Darstellungen nicht immer von anderen Entenvögeln zu unterscheiden sind.[3] Das Emblemata-Handbuch hat zehn Beispiele dieser Kunstform aus dem 16.–17. Jahrhundert zusammengetragen.[4]

Im 19. Jahrhundert spielt der Schwan, etwa bei Charles Baudelaire oder Stéphane Mallarmé, als Bild für den Dichter eine literarische Rolle.

Luther-Schwan

Luther mit dem Schwan, Gemälde in der Kirche St. Jodokus in Strümpfelbach im Remstal[5]

Dass der Schwan zum Symbol für Luther wurde, geht auf einen dem böhmischen Vorreformator Jan Hus zugeschriebenen Ausspruch zurück: Hus wurde 1415 während des Konzils von Konstanz als Häretiker hingerichtet. Er soll, bevor er verbrannt wurde, gesagt haben: „Heute bratet ihr eine Gans, aber aus der Asche wird ein Schwan auferstehen“ (tschechisch „Hus“ bedeutet „Gans“). Martin Luther bezog diese Weissagung auf sich,[6] als er 1531 schrieb: „Sanct Johannes Hus hat von mir geweissagt, da er aus dem gefegnis jnn Behemerland schreib, Sie werden jtzt eine gans braten (denn Hus heisst eine gans), Aber uber hundert jaren werden sie einen schwanen singen hören, Den sollen sie leiden. Da sols auch bey bleiben, ob Gott will.“[7]

Nach dem Tode Luthers verbreitete sich das Bildmotiv von „Luther mit dem Schwan“. Erste Bilder stammen als Fresken aus Württemberg vom Ende des 16. Jahrhunderts (um 1590 Brettach). In den folgenden beiden Jahrhunderten spielte das Attribut in den unterschiedlichsten Varianten eine wesentliche Rolle in der künstlerischen Darstellung von Luthers Leben und Werk. Es fand in vielen Kirchen Einzug als Wand- und Emporenmalerei, auf Leinwand- und Tafelgemälden und vereinzelt als Skulpturenschmuck (Altar der Martinikirche Halberstadt). Außerdem wurden die Einbände von Bibeln und Gesangbüchern mit dem Symbol verziert und trugen so zur wesentlichen Verbreitung des Symbols bei. Der Schwan findet sich daher in zahlreichen lutherischen Gemeinden anstelle eines Wetterhahnes auf der Kirchturmspitze, besonders in Nordwestdeutschland und in den Niederlanden,[8] wo der sogenannte „Lutherschwan“ die konfessionelle Abgrenzung zu den reformierten Gemeinden deutlich machte. Eine Ausnahme in Ostfriesland ist die reformierte Kirche in Groothusen, die auf Betreiben von Katharina von Wasa einen Lutherschwan und zeitweise einen lutherischen Pastor bekam.[9]

Man findet den Lutherschwan aber auch an anderen Orten wie etwa in Monschau[10][6] in der Eifel, Wuppertal-Barmen auf der Alten Kirche Wupperfeld oder auf der ev. Kirche in Sprockhövel-Haßlinghausen.[11]

Kirchen, Kirchen- und Glockentürme mit dem „Lutherschwan“

Weitere Kirchen, Kirchen- und Glockentürme mit „Lutherschwänen“

Literatur

  • E. A. Armstrong: The symbolism of the swan and the goose., London 1945.
  • A.R. Wagner: The swan badge and the swan knight, in: Archäologia 97, 1959.
  • Bächthold-Stäubli: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Bd. 7, 1936, Sp. 1402–1406 (zu Mythologien, Märchen, Orakeln).

Lutherschwan

  • Wilhelm Rotscheidt: Kirchturmspitzen im Rheinland. In: Monatshefte für Rheinische Kirchengeschichte. Bd. 34, Evangelischer Pressverband für das Rheinland, Essen 1940, S. 33 f., Digitalisat (40,1 MB).
  • Friedrich Goethe: Der Schwan auf Kirchen Ostfrieslands und Oldenburgs. In: Ostfriesland – Zeitschrift für Kultur Wirtschaft und Verkehr 1971/4; Ostfriesische Landschaft (Hrsg.), Verlag Rautenberg, Leer 1971, S. 7–19.
  • J. K. Schendelaar: Luther, de Lutheranen en de Zwaan. Verlag Dabar/boekmakerij Luyten, Aalsmeer/Woerden 1993.
  • Lutherhalle Wittenberg in Verbindung mit Gerhard Seib (Hrsg.): Luther mit dem Schwan. Tod und Verklärung eines großen Mannes. Verlag Schelzky & Jeep, Berlin 1996, ISBN 3-89541-120-5, (Ausstellungskatalog).
  • Ummo Lübben: Wetterschwäne auf lutherischen Kirchen zwischen Ems und Jade. SKN Druck und Verlag, Norden 2010, ISBN 978-3-939870-35-7.
  • Brage Bei der Wieden: Luther und der Schwan. In: Brage Bei der Wieden: Mensch und Schwan – Kulturhistorische Perspektiven zur Wahrnehmung von Tieren. transcript Verlag, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-8376-2877-7, S. 180 ff.
Commons: „Lutherschwäne auf Kirchtürmen“ – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Fußnoten

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