Eyvirat
ehemalige französische Gemeinde
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Eyvirat (Aussprache [eviˈʁa], okzitanisch Eivirac) ist ein Dorf mit 303 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) in der französischen Gemeinde Brantôme en Périgord im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Als bis 2018 selbstständige Gemeinde gehörte Eyvirat zum Arrondissement Nontron. Die Bewohner werden Eyviratois bzw. Eyviratoises genannt.
| Eyvirat | ||
|---|---|---|
| Staat | Frankreich | |
| Region | Nouvelle-Aquitaine | |
| Département | Dordogne | |
| Arrondissement | Nontron | |
| Gemeinde | Brantôme en Périgord | |
| Koordinaten | 45° 19′ N, 0° 45′ O | |
| Postleitzahl | 24460 | |
| Ehemaliger INSEE-Code | 24170 | |
| Eingemeindung | 1. Januar 2019 | |
| Status | Commune déléguée | |
Blick auf Eyvirat | ||
Der Erlass der Präfektin vom 31. Oktober 2018 legte mit Wirkung zum 1. Januar 2019 die Eingliederung von Eyvirat als Commune déléguée zusammen mit den früheren Gemeinden Brantôme en Périgord, Cantillac, La Gonterie-Boulouneix, Saint-Crépin-de-Richemont, Sencenac-Puy-de-Fourches und Valeuil zur Commune nouvelle Brantôme en Périgord fest.[1]
Geografie

Eyvirat liegt etwa 24 Kilometer südsüdöstlich von Nontron und etwa 16 Kilometer nordnordöstlich von Périgueux in der Landschaft des Périgord central, zwischen den touristisch benannten Landesteilen Périgord blanc und Périgord vert.
Eyvirat besteht neben dem Ortskern aus den Weilern und Gehöften Bigot, Chose, Fauquetie, La Jugie, La Brande, La Charmie, La Citadelle, La Gourdonnie, La Jugie, La Pouge, Lafareyrie Basse, Lafareyrie Haute, Lalande, Laloubarie, Lapomarède, Le Clou, Le Genèbre, Le Grand Claud, Le Grand Vignal, Le Prat, Le Queyrel, Le Tuquet, Lepinelie, Les Chapitels, Lescuras, Marsalou, Mayral, Méneyplé, Mitraud, Petit Garem, Petit Puyzaraux, Piras Bas, Piras Haut, Plantefève, Puybrandau, Puychautu, Puyjoly, Puylafaye, Puyzaraux und Tuquet de l'Olivarie.
Der topographisch niedrigste Punkt von Eyvirat liegt auf 134 m im Südwesten südlich vom Lieu-dit Méneyplé – hier verlässt der Maret, ein rechter Nebenfluss der Beauronne, den Ort in Richtung der Nachbargemeinde Agonac. Der höchste Punkt erreicht 230 m und befindet sich nordöstlich des Ortskerns am Wasserturm. Das Ortszentrum liegt auf etwa 185 m Höhe.
Umgeben wird Eyvirat von vier Nachbargemeinden und zwei Communes déléguées von Brantôme en Périgord:
| Condat-sur-Trincou | La Chapelle-Faucher | |
| Brantôme en Périgord (Brantôme en Périgord) |
Saint-Front-d’Alemps | |
| Sencenac-Puy-de-Fourches (Brantôme en Périgord) | Agonac |
Bodenbedeckung
Die Bodenbedeckung der delegierten Gemeinde Eyvirat schlüsselt sich im Jahr 2012 gemäß der europäischen Datenbank CORINE Land Cover (CLC) wie folgt auf:
- Wälder oder seminaturelle Ländereien – 35,9 %
- heterogene landwirtschaftliche Nutzung – 21,9 %
- Ackerland – 37,8 %
- Wiesen – 2,9 %
- Buschwerk – 1,6 %.
Die landwirtschaftliche Nutzung steht mit 62,6 % im Vordergrund.
Hydrografie
Die Wasserscheide zwischen den Flüssen Côle im Norden und Beauronne im Südosten durchtrennt den Ort Eyvirat in ostnordöstlicher Richtung. Côle und Beauronne gehören beide zum Flusssystem Isle-Dronne.
Einziger Flusslauf in Eyvirat ist der Maret oder auch Ruisseau l’Alemps, der etwa 500 Meter nordwestlich des Ortskerns entspringt, sich zeitweise trockenfallend gen Süden wendet und als rechter Seitenarm der Beauronne beim Lieu-dit La Barrière der Nachbargemeinde Agonac mündet. Er besitzt einen kleinen rechten Seitenarm bei Lieu-dit Lepinelie an der Westgrenze, welcher in ein Trockentalsystem übergeht. Ein weiteres Trockental entsteht nördlich vom Weiler Puychautu im Nordwesten. Es zieht nach Norden in Richtung Côle.
Geologie

Eyvirat liegt vollständig auf flachliegenden Sedimenten des nördlichen Aquitanischen Beckens. Die anstehende Schichtenfolge stammt aus der Oberkreide und reicht vom Oberturon über Coniacium und Santonium zum Untercampan. Überdeckt werden die Sedimente an zahlreichen Stellen von Kolluvialen Lockersedimenten.
Die gesamte Sedimentbedeckung über dem Grundgebirge (Jura und Oberkreide) beträgt durchschnittlich 500 Meter. Ihre Mächtigkeit wächst in Richtung Südwesten an.
Geomorphologie
Das Ortsgebiet von Eyvirat zeigt geomorphologisch bereits sehr große Anklänge an die Landschaft des Périgord blanc – ein flachliegendes Oberkreideplateau, das insbesondere im Quartär durch kontinentale Erosion in eine monotone, flach gewellte Hügellandschaft verwandelt wurde. Dennoch konnte sich auf den tonig-sandigen, kolluvialen Bedeckungen des Tertiärs ein bedeutender Waldbewuchs etablieren.
Schichtenfolge
Die Schichtenfolge in Eyvirat besteht aus Sedimenten der Oberkreide und reicht vom oberen Angoumien bis zum Campanium 1. Das zuunterst liegende obere Angoumien oder Angoulême-Formation (Formation c3c) besteht aus kryptokristallinen, kiesartigen Kalken und kreidigen, rudistenführenden Kalken des Turoniums. Sie erscheinen gerade noch an der Nordgrenze nördlich von Puyzaraux. Darüber legt sich Coniacium (Formation c4) – harte, kristalline Fossilkalke, die auch sandige Lagen aufweisen. Das Coniacium konzentriert sich im Norden und im Südwesten. Sodann erscheint Untersanton (Formation c5a) – graue, glaukonithaltige, plattige Kalke – zu sehen entlang der Westgrenze. Es wird von Mittel- und Obersanton (Formation c5b-c) abgedeckt. Hierbei handelt es sich um mergelige Kalke mit Austernschill, siltige Mergel und graue, kreidige, glaukonithaltige Kalke mit schwarzem Silex. Mittel- und Obersanton werden auf der geologischen Karte für Eyvirat aber nicht extra ausgeschieden. Das abschließende Campanium 1 mit den Biozonen c I und c II wird von weichen, mergeligen, weißlichen Kreidekalken aufgebaut, welche grauen Silex enthalten. Es steht in zwei kleinen Vorkommen an – bei Le Prat und bei Puybrandau.
Lockersedimente
Kolluviale Lockersedimente der Formation C und CF bedecken die Oberkreide. Sie stammen aus dem Pleistozän und finden sich im Süden von Marsalou, südlich und südwestlich des Ortskerns, in Hochlage um den Wasserturm, an der Ostgrenze bei Chose und bei Piras Bas, nördlich von La Citadelle und westlich von La Brande. Die Formation CF mit fluviatilen Kieseln steht südwestlich von Fauquetie an.
Die Talungen der Trockentäler sind von würmzeitlichem, gemischtem Kolluvium aus tonigen Sanden und Kalkbruchstücken (Formation CF-c) ausgekleidet.
Etymologie und Geschichte
Der Chor der Kirche aus dem 12. Jahrhundert belegt das Siedlungsalter des Dorfes Eyvirat, dessen Namen erst im 13. Jahrhundert in der latinisierten Form Eyviracum in den Schriften erscheint. In der Folge sind Ebiracam (1281) und Esviracam (1460) zu finden. Die zweite Schreibweise führt zu einem Personennamen gallischen Ursprungs, Eburius, dem das Suffix -acum als Eignertitel angehängt wurde (somit Eburiacum, Landgut des Eburius) und auf die Spuren des gallorömischen Lebens an diesem Standort verweist. Der Übergang von -b- nach -v- ist üblich. Die Endung -ac (die Gemeinde wurde bei der Gründung während der Französischen Revolution noch Eyvirac geschrieben[2]) wechselte wie bei anderen Toponymen zu -at, und das -c wird nicht mehr ausgesprochen.[3]
Mehrere gallorömische Mosaiken wurden in einem Feld beim Lieu-dit Lapomarède im südwestlichen Ortsgebiet gefunden, Sie sind jetzt im Musée Vesunna in Périgueux ausgestellt.[4] Ältestes Bauwerk in Eyvirat ist die romanische Ortskirche Saint-Pierre-ès-Liens aus dem 12. Jahrhundert. Das Herrenhaus von Méneyplé stammt aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Im 13. Jahrhundert war Eyvirat eine der 27 Pfarreien des Erzpriesters von Condat, der in Champagnac residierte.[5]
Bevölkerungsentwicklung
| Eyvirat: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1793 | 613 | |||
| 1800 | 614 | |||
| 1806 | 611 | |||
| 1821 | 557 | |||
| 1831 | 629 | |||
| 1836 | 642 | |||
| 1841 | 576 | |||
| 1846 | 625 | |||
| 1851 | 614 | |||
| 1856 | 667 | |||
| 1861 | 621 | |||
| 1866 | 617 | |||
| 1872 | 612 | |||
| 1876 | 651 | |||
| 1881 | 603 | |||
| 1886 | 580 | |||
| 1891 | 560 | |||
| 1896 | 525 | |||
| 1901 | 515 | |||
| 1906 | 556 | |||
| 1911 | 525 | |||
| 1921 | 418 | |||
| 1926 | 417 | |||
| 1931 | 368 | |||
| 1936 | 366 | |||
| 1946 | 368 | |||
| 1954 | 340 | |||
| 1962 | 317 | |||
| 1968 | 265 | |||
| 1975 | 234 | |||
| 1982 | 239 | |||
| 1990 | 250 | |||
| 1999 | 252 | |||
| 2006 | 267 | |||
| 2013 | 281 | |||
| 2020 | 298 | |||
| Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[2] INSEE ab 2006[6][7][8] Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz | ||||
Sehenswürdigkeiten
- Kirche Saint-Pierre-ès-Liens (Petri-Ketten-Kirche) mit romanischer Apsis aus dem 12. Jahrhundert, im 19. Jahrhundert restauriert.[9]
- Wasserturm auf dem mit 230 m höchsten Punkt von Eyvirat
- Herrenhaus Meneyplé aus dem 15./16. Jahrhundert
- Herrenhaus La Gourdonnie aus dem 18. Jahrhundert
- Kirche Saint-Pierre-ès-Liens
- Apsis der Kirche
- Innenansicht der Kirche
- Ehemaliges Bürgermeisteramt von Eyvirat
- Herrenhaus Meneyplé
- Gefallenendenkmal
Literatur
- J. P. Platel und J. P. Paris: Périgueux (Ouest). In: Carte géologique de la France à 1/50 000. BRGM, Orléans 1988.
- Gilbert Le Pochat u. a.: Périgueux (Est). In: Carte géologique de la France à 1/50 000. BRGM, Orléans 1979.
- Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
