Fachinformationsdienste für die Wissenschaft

Förderprogramm für wissenschaftliche Bibliotheken From Wikipedia, the free encyclopedia

Das System Fachinformationsdienste für die Wissenschaft (FID) ist ein Förderprogramm für wissenschaftliche Bibliotheken der Deutschen Forschungsgemeinschaft, das Informationsinfrastrukturen für die Forschung stärken und verbessern soll. Es bildet die Weiterentwicklung der seit 1949 geförderten Sondersammelgebiete (SGG) an wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland.

Ziel

Das Ziel der Fachinformationsdienste ist es, Wissenschaftlern einen schnellen und direkten Zugriff auf Spezialliteratur und forschungsrelevante Informationen zu ermöglichen.

Fachinformationsdienste entwickeln dazu Angebote für die einzelnen Disziplinen. Je nach Ausrichtung und spezifischen Interessen eines Fachs können im Austausch mit der Fachcommunity somit verschiedene Services entwickelt werden, z. B. können Tools für den Zugriff auf digitale Ressourcen bereitgestellt werden, es kann aber auch der Bestandsaufbau konventioneller Veröffentlichungen vertieft werden. Durchschnittlich wird der Aufbau von Services mit ähnlich hohen finanziellen Mitteln gefördert wie Printliteraturerwerb.[1] Fachinformationsdienste bieten eine Informationsversorgung der Wissenschaft als Ergänzung zur Grundversorgung durch wissenschaftliche Bibliotheken.

Im Gegensatz zu den Sondersammelgebieten haben Fachinformationsdienste nicht mehr das Ziel eines möglichst umfassenden Sammelns und Archivierens von Veröffentlichungen.[2] Dies sei „vielmehr eine kooperativ wahrzunehmende Aufgabe der Nationalbibliotheken und -archive oder vergleichbarer Einrichtungen nationalen Rangs rund um den Globus“.[3]

Details

Als forschungsunterstützende Infrastrukturen bieten Fachinformationsdienste eine am Spezialbedarf der wissenschaftlichen Fächer orientierte, vorrangig digitale und standortunabhängige Informationsversorgung an, die die lokalen Angebote von Hochschulen und Forschungseinrichtungen ergänzen. Die Förderung der Fachinformationsdienste erfolgt mit dem Anspruch, sich an einem von der Wissenschaft formulierten Bedarf in der Informationsversorgung zu orientieren. Dabei stehen die Interessen der Forschung in den jeweiligen Fachbereichen im Mittelpunkt. Die Leistungen der FID sollen über die Grundaufgaben wissenschaftlicher Bibliotheken und Informationseinrichtungen hinausgehen und einen Mehrwert gegenüber lokalen Informationsangeboten bieten.[4] Um den spezifischen und durchaus heterogenen Bedürfnissen[5] der einzelnen Fachbereiche standortunabhängig gerecht werden zu können, greifen die Fachinformationsdienste auf webbasierte, wissenschaftliche Informations- und Kommunikationssysteme zurück, die sich in nahezu allen Fällen im Aufbau und der Betreibung von Webportalen widerspiegelt: Hierbei sind die Webpräsenzen der Fachinformationsdienste von klassischen Fachportalen abzugrenzen. Letztere sind integrierte Webangebote, die verschiedene Inhalte und Funktionen für spezifische Fachbereiche oder wissenschaftliche Gemeinschaften bereitstellen, die im Regelfall von Redaktionen ausgewählt, redigiert oder erstellt werden. Fachportale decken einen breiten Informationsbedarf ab, der von wissenschaftlichen Institutionen über Forschungsprojekte bis hin zu aktuellen Nachrichten und Veranstaltungen reicht, jedoch besteht ihr darin, den Alltagsbedarf an wissenschaftlichen Informationen zu decken. Die von den Fachinformationsdiensten etablierten Informations- und Kommunikationssysteme hingegen bieten zusätzlich einen schnellen Zugriff auf Spezialliteratur und andere relevante Informationen für die Forschung. Im Vergleich zu den klassischen Fachportalen konzentrieren sie sich also auf den Spitzenbedarf der Wissenschaftler und bieten Dienstleistungen wie Erwerbung, Lizenzierung und Bereitstellung von Publikationen sowie die Entwicklung von Recherchesystemen. Jedoch können beide Dienste in ihrem Merkmalen Überschneidungen aufweisen.[6]

Eine wesentliche Aufgabe der Fachinformationsdienste besteht darüber hinaus in der kooperativen Vernetzungsarbeit der einzelnen Fachinformationsdienste. Aus diesem Grund haben sich diverse Gesprächsformate etabliert: Neben einer, seit Herbst 2022, regelmäßig stattfinden Coffee Lecture, in der jeweils ein FID seine Entwicklungen in einem halbstündlichen Format, inklusive einer anschließenden Diskussion auf der Leitungsebene präsentiert, haben sich zudem Unterarbeitsgruppen zu den Themenfeldern Elektronisches Publizieren, Forschungsdaten, Lizenzierung, Öffentlichkeitsarbeit, Sacherschließung und Technische Infrastruktur sowie die Netzwerke Asien, Geschichte, Künste & Kultur, NordOst, Philologien, Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (REWISO+), Regionale Fachinformationsdienste, Semantische Technologien und „Vufind“ gegründet.

FID-Netzwerk

Das Netzwerk der Fachinformationsdienste (FID-Netzwerk) ist die kooperative (Gesamt-)Struktur der im DFG-Förderprogramm „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft (FID)“ engagierten wissenschaftlichen Bibliotheken und Informationseinrichtungen. Es umfasst sowohl die direkt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten FID als auch die nicht unmittelbar über die Programmlinie geförderten Zentralen Fachbibliotheken. Die Grundlage des gemeinsamen Handelns ist ein Aktionsplan, den das FID-Lenkungsgremium (FID-LG)[7] zusammen mit der AG FID[8] jeweils für drei Jahre erarbeitet.[9] Der Aktionsplan des FID-Netzwerks 2026–2028 betrifft auch die Einführung von FIDplus und bildet eine Grundlage für die von der DFG vorgesehenen Evaluierung der Förderlinie. Querschnittsprojekte übernehmen darüber hinaus fachübergreifende Aufgaben, die für mehrere FID oder das gesamte Netzwerk relevant sind. Dazu gehören das an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen und der BSB München angesiedelte Kompetenzzentrum für Lizenzierungen (KfL), das von der SUB Hamburg, der UB J.C.S. Frankfurt a.M. und der SB Berlin durchgeführte FID-Netzwerk-Projekt und das FID-Office, ebenfalls an der SUB Hamburg angesiedelt.

FIDplus

Die im September 2024 vom Hauptausschuss der DFG beschlossene Förderlinie FIDplus ermöglicht es, dass FID nach positiver Begutachtung ohne zeitliche Begrenzung fortgeführt werden können.[10] Eine Antragstellung für FIDplus ist erst nach abgeschlossener zwölfjähriger Förderung in der regulären Förderung möglich. Damit soll sichergestellt werden, dass ein ausreichend hoher Konsolidierungsgrad und fundierte Erfahrungen im Betrieb der Dienste vorhanden sind (DFG). Für eine Förderung in FIDplus müssen differenziert formulierte Qualitätskriterien erfüllt werden.[11] So soll gewährleistet werden, dass nur diejenigen FID weiter durch die DFG gefördert werden, die für die angesprochenen wissenschaftlichen Communities zu einem unverzichtbaren Dienst geworden sind und sich bedarfsorientiert weiterentwickeln. Die Qualitätskriterien sind in einer mehrdimensionalen Indikatorik abgebildet.[12]

Geförderte Fachinformationsdienste

Förderung seit 2014 (soweit nicht anders angegeben: 2. Förderphase 2017–2019)[13]

Förderung seit 2015 (soweit nicht anders angegeben: 2. Förderphase 2018–2020)[13]

Förderung seit 2016 (soweit nicht anders angegeben: 2. Förderphase 2019–2021)[13]

Förderung seit 2017[13]

Förderung seit 2018[13]

Förderung eingestellt seit 2022.[15]

Förderung seit 2019[13]

Förderung seit 2021

Förderung seit 2022[17]

Kritik

Die Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek, die das Sondersammelgebiet Psychologie etwa 50 Jahre lang betreut hatte, hat davon abgesehen, ihre Aktivitäten auf einen Fachinformationsdienst umzustellen und sich um entsprechende Mittel zu bewerben, weil sie die Ausrichtung der FIDs nicht für zielführend hielt. Das Konzept der Fachinformationsdienste in Verbindung mit einer Bevorzugung digitaler Medien bedeute „vor allem eine Abkehr von der antizipativen und somit vollständigen Erwerbung, d. h. die Erwerbungen werden auf den aktuellen Forschungsbedarf ausgerichtet, so dass aus unserer Sicht Lücken im zukünftigen Bedarf, der sich eben nicht planen lässt, vorprogrammiert sind. Da wir der Meinung sind, dass dieses Konzept nicht zukunftsfähig ist, haben wir von einer Bewerbung abgesehen“, erklärte die Bibliothek auf ihrer Website.[18][19]

Evaluierung 2019

Die DFG beauftragte 2019 das Beratungsunternehmen Prognos AG mit der Evaluation des FID-Systems.[20] Dazu wurden mittels qualitativer und quantitativer Methoden der empirischen Sozialforschung Meinungen und Erfahrungen von Bibliotheksleitungen, FID-Verantwortlichen, Fachreferenten sowie (potentiellen) Nutzern eingeholt. Insgesamt wird dem FID-System ein positives Zeugnis ausgestellt. Im Rahmen der FIDs würden innovative Dienstleistungen entwickelt und Nutzer seien zufrieden. Als verbesserungswürdig wurde beispielsweise festgehalten:

  • Eine klarere Trennung zwischen projektbasierter Förderung innovativer neuer Services und nachhaltigem dauerhaft finanziell gesichertem Bestandsaufbau wird gewünscht.
  • Redundante Parallelstrukturen bei sich inhaltlich überlappenden FIDs sollen vermieden werden.

Einzelnachweise

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