Faustkeilblatt

beidseitig bearbeitetes Steingerät From Wikipedia, the free encyclopedia

Ein Faustkeilblatt (englisch foliated hand axe, französisch biface foliacé) ist ein relativ flaches, beidflächig bearbeitetes Steingerät, das dem Faustkeil ähnelt, im Vergleich aber flacher ist. Faustkeilblätter wurden während des Micoquien vom Neandertaler hergestellt.[1]

Faustkeilblatt aus den Weinberghöhlen bei Mauern

Die typologische Unterscheidung vom klassischen Faustkeil geht auf Pater Hugo Obermaier zurück, der diese Geräte bei Ausgrabungen im oberbayrischen Altmühltal fand. Dieser Fundort legt eine mögliche Erklärung für diese flach gestaltete Faustkeilvariante nahe. In den dortigen Kalksteinablagerungen, welche während des Jura sedimentiert wurden (z. B. der Solnhofener Plattenkalk), kommen silikatische Ausfällungshorizonte von wenigen Zentimetern Mächtigkeiten vor. Dieses Material wird Plattenhornstein genannt. Viele der gefundenen Faustkeilblätter bestehen aus diesem Plattenhornstein. Möglicherweise versuchten die Erzeuger der Faustkeilblätter Faustkeile mit dem lokalen Material herzustellen. Der Plattenhornstein war jedoch nicht mächtig genug, dass das Endprodukt unserer heutigen Definition eines Faustkeils entsprechen könnte.

Die Formen variieren zwischen großen, breiten, länglichen, sowie schmalen Faustkeilblättern. Daneben kommen noch kleine breitdreieckige Formen vor. Faustkeilblätter ähneln den Blattspitzen des Jungpaläolithikums. Im Gegensatz zu diesen ist das proximale Ende nicht zugespitzt, sondern wurde dick belassen.

Literatur

  • François Bordes: Pièces foliacées Moustériennes In: Typologie du paléolithique ancien et moyen. CNRS Editions, Paris 2000, ISBN 2-271-05837-6, S. 63.
  • Gerhard Bosinski: Die mittelpaläolithischen Funde im westlichen Mitteleuropa (= Fundamenta. Reihe A: Archäologische Beiträge. 4, ZDB-ID 518965-2). Böhlau, Köln u. a. 1967.
Commons: Faustkeilblätter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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