Felix Clausen
Schweizer Richter und Politiker
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Felix Clausen (* 20. März 1834 in Saint-Maurice; † 4. September 1916 in Brig) war ein Schweizer Jurist und Politiker (Katholisch-Konservativer). Er wirkte als Ständerat und amtierte von 1891 bis zu seinem Tod als Richter am Schweizerischen Bundesgericht.
Herkunft und familiäres Umfeld
Felix Clausen wurde in Saint-Maurice geboren und war heimatberechtigt in Mühlebach (heute Gemeinde Ernen) im Kanton Wallis.[1] Er entstammte einer Familie, die fest in der militärischen und politischen Elite des Kantons verankert war. Sein Vater, Ignaz Josef Clausen, diente als Militär in französischen Diensten, während seine Mutter Katharina eine geborene Schiner war.[1]
Clausen heiratete Maria Cathrein, die Tochter des Briger Regierungsstatthalters Andreas Cathrein. Durch diese familiären Bande war er eng mit bedeutenden Persönlichkeiten der Zeit vernetzt; so war er der Onkel des Hotelpioniers Alexander Seiler und der Grossvater des Chemikers Placidus Andreas Plattner.[1]
Ausbildung und juristische Tätigkeit
Seine schulische Laufbahn begann Clausen am Jesuitenkolleg in Brig, gefolgt vom Besuch der Rechtsschule in Sitten.[1] Seine akademischen Studien führten ihn ins Ausland, wo er von 1852 bis 1854 an der Universität München und von 1855 bis 1856 an der Universität Wien Rechtswissenschaften studierte.[1] Er schloss das Studium mit dem Doktor der Rechte (Dr. iur.) ab und erwarb 1861 das Anwalts- und Notariatspatent.[1][2] In der Folge führte er von 1864 bis 1891 eine eigene Anwaltskanzlei in Brig.[1]
Politische Karriere
Politisch positionierte sich Clausen im konservativen Lager und beschrieb seine Grundhaltung selbst mit den Schlagworten „Föderalist, Demokrat und Katholik“.[1] Diese Selbstverortung war typisch für die katholisch-konservativen Eliten im Wallis während der Zeit des Kulturkampfes und der Formierung des Bundesstaates.
Auf kantonaler Ebene gehörte er von 1865 bis 1891 dem Walliser Grossen Rat an.[1] Parallel dazu vertrat er seinen Kanton in der Bundesversammlung. Er war in zwei Perioden, von 1871 bis 1873 sowie von 1878 bis 1885, Mitglied des Ständerats.[1][2]
Richterliche Laufbahn
Neben seiner politischen und anwaltlichen Tätigkeit übernahm Clausen früh richterliche Funktionen. Von 1883 bis 1885 wirkte er als Richter am Appellations- und Kassationsgerichtshof des Kantons Wallis.[1]
Seine Laufbahn am Schweizerischen Bundesgericht zeichnet sich durch eine aussergewöhnlich lange Zeit als Ersatzrichter aus. Bereits 1872 (bzw. 1873 gemäss HLS) wurde er zum Suppleanten (Ersatzrichter) gewählt und übte diese Funktion bis 1891 aus.[1][2] Erst im Jahr 1891, im Alter von 57 Jahren, wählte ihn die Bundesversammlung zum vollamtlichen Bundesrichter. Er gehörte der staatsrechtlichen (öffentlich-rechtlichen) Abteilung an.[1][2]
Felix Clausen verstarb am 4. September 1916 im Amt.[1] Aufgrund seiner langen Dienstzeit und seines hohen Alters wurde er in einem Nachruf der Tageszeitung Der Bund als „Nestor des Bundesgerichts“ gewürdigt, der stets den Ruf einer „vornehmen Herzensgesinnung und Loyalität“ genossen habe.[2]
Literatur
- La Patrie suisse, Nr. 595, 1916, S. 157 f.
- Erich Gruner: Die Schweizerische Bundesversammlung 1848–1920. Band 1, Bern 1966, S. 860.
- Jean-Marc Biner: Walliser Behörden 1848–1977/79: Kanton und Bund. Jahrbuch der Walliser Kantonsbibliothek, Sitten 1982, S. 273 f.