Felix I. von Metamaucum

Bischof von Metamaucum From Wikipedia, the free encyclopedia

Felix I. war um 876/877 Bischof von Metamaucum, einer Stadt am Ostrand der Lagune von Venedig (nicht zu verwechseln mit Malamocco). Er ist der erste namentlich überlieferte Inhaber dieses Amtes in Metamaucum, und er ist nur durch einen Streit zwischen Papst, Doge und dem Patriarchen von Grado bekannt, in dem es um die Frage ging, ob der Patriarch die vom Dogen vorgeschlagenen Kandidaten für die Bischofsämter in seinen sechs Suffraganbistümern akzeptieren musste.

Metamaucum, am Ostrand der Lagune von Venedig gelegen, war bis etwa 810 Hauptstadt des Dukats und damit des Gebiets rund um die Lagune, bevor diese Rolle Rialto übernahm. Dort residierte von 864 bis 881 der Doge Ursus I., der in seinem Machtbereich sechs Bischöfe gegen den Willen ihres geistlichen Oberherrn, des Patriarchen von Grado, durchsetzen wollte. Darin sah nicht nur der Patriarch, sondern auch Papst Johannes VIII. einen Eingriff in ihre Rechte, daher akzeptierte der Papst die Einsetzung der sechs Suffraganbischöfe durch den Dogen nicht. Stattdessen forderte er alle vom Dogen bestimmten Bischöfe, darunter Felix von Metamaucum, für das Jahr 876 und erneut 877 zu Synoden nach Rom. Als sie dieser Forderung nicht nachkamen, drohte er ihnen mit der Exkommunikation, die schließlich auch kurzzeitig erfolgte, da sich die am Ende doch noch angereisten Bischöfe verspätet hatten.

Die Lebens- und Amtsdaten des Bischofs Felix sind genauso wenig bekannt, wie seine Herkunft und seine sonstigen Amtstätigkeiten. Felix hatte sich beim Papst dafür entschuldigt, dass er nicht zur Synode hatte kommen können, da er krank war. Pietro Balan vermutete, dass er Ende Dezember 876 oder Anfang Januar 877 an dieser Krankheit gestorben sei.[1] Sein Nachfolger war Leon I., der bald gleichfalls nach Rom zitiert wurde.

Rolle im Streit zwischen Patriarch und Doge

Vorschlagsrecht des Dogen für Suffraganbischöfe

Zwischen dem von 874 bis 878 amtierenden Patriarchen Petrus I. von Grado und dem Dogen, Ursus, kam es zu einem scharfen Konflikt, als der Doge den Kleriker dazu zwingen wollte, sein Vorschlagsrecht für die sechs zu seinem Machtbereich gehörenden Bistümer, die zugleich Suffraganbistümer des Patriarchen waren, für zukünftige Bischöfe zu akzeptieren. Neben den Rechten des Papstes, der den Patriarchen unterstützt hatte, überging der Doge damit auch die Ortskirchen, sowie den immer noch vorhandenen Einfluss des Patriarchen von Aquileia, aus dessen Amtsbezirk im 5. Jahrhundert das Patriarchat von Grado hervorgegangen war.

Istoria Veneticorum: Ausgangspunkt des Streites

Wichtigste Quelle zu dem Patriarchen, aber auch die einzige erzählende zu Bischof Felix von Metamaucum, ist die Istoria Veneticorum, die um 1000 entstand. Petrus, der sich für unwürdig für das Patriarchenamt fühlte, floh „ad Italiam“, also auf das italienische Festland, wohl ins Regnum Italiae, kehrte aber bald zurück.

Der Konflikt zwischen dem Dogen und dem Patriarchen zeigte sich schon kurz nach der Wahl des Petrus. Als Dominicus, Abt des Klosters von Altinum, zum Bischof von Altinum-Torcello wurde, von dem die Istoria Veneticorum behauptet, er habe sich selbst entmannt, berief sich Petrus auf die Vorgaben des kanonischen Rechts, als er den Neugewählten wegen dieses körperlichen Defektes exkommunizierte. Damit allerdings ging er zugleich gegen das „ducis decretum“ an,[2] womit er den Rückhalt des Dogen Ursus verlor. Er musste infolgedessen nach Istrien fliehen, ging aber bald nach Venedig.

Während eines ganzen Jahres hielt er sich in San Zulian auf, das zum Patrimonium seiner Familie gehörte. Der Patriarch floh von dort erneut, diesmal nach Rom, und wurde von Papst Johannes VIII. angehört. Während Petrus nun die päpstliche Rückendeckung erhielt, gelang es dem Dogen, die Loyalität der Lagune von Grado und der in diesem Gebiet dem Patriarchen untergebenen Bischöfe zu gewinnen. Die Ursache dafür dürfte in der prekären Lage Grados gelegen haben, denn die Flotte des Dogen war die einzige Macht, die 875 Grado gegen die Sarazenen, die die Stadt zwei Tage lang belagerten, verteidigen konnte, genauso wie gegen die Slawen, die 876 die Stadt bedrohten.[3]

Papstbriefe

Die Briefe, die der Papst in den Jahren 876 und 877 abfasste, sind die einzige Quelle zum Bischof von Metamaucum, der einer der sechs Suffraganbischöfe Grados war. Der Papst bestellte sie nach Rom ein. Diese Einladung zu einer Kirchenversammlung erfolgte durch einen Brief vom 24. November 876, der sich unmittelbar an den Dogen richtete.[4] Die Einberufung wurde jedoch ignoriert, obwohl sie wiederholt wurde, wie der Papst in einem Brief vom 1. Dezember beklagt. Dieser Brief richtete sich nun an Dominicus, den Bischof von Olivolo, und an Bischof Leo von Caorle.

In diesem Brief droht Johannes dem Bischof Felix von Metamaucum mit der Exkommunikation (ebenso wie den Bischöfen Petrus von Equilium und Dominicus von Altinum-Torcello), für den Fall, dass er der Einladung nicht Folge leisten würden.[5] In zwei weiteren Briefen, diesmal direkt an die Bischöfe von Metamaucum und Equilium, bzw. an Dominicus gerichtet, wiederholte er diese Drohung.[6]

Die vier Briefe vom Dezember 876 wurden Delto, dem Bischof von Rimini überantwortet, dem er den Konflikt mit den Suffraganen erläutert – der sich sonst nur aus der Istoria Veneticorum erschließen ließe –, indem er Petrus als „reverentissimus Venetiarum metropoleus antistes, multis suffraganeorum suorum gravatus molestiis et canonice constitutioni in repugnantibus malis oppressus“ erklärt.[7] Er unterscheidet also klar zwischen der positiv zu bewertenden Rolle als Doge und der unterdrückerischen und belästigenden gegenüber den Suffraganen, zwischen seiner weltlichen Rolle und seinem Verhalten gegenüber den obersten Klerikern seines Dukats, darunter Felix.

Synode, Einigung auf die Position des Dogen

Johannes VIII. berief eine Synode nach Ravenna für den Sommer 877 ein. Da dort die anstehenden Konflikte gelöst werden sollten, wiederholte der Papst in den drei Briefen, die der Synode vorangingen, nämlich zwischen Mai und Juli 877, nicht mehr die besagten Drohungen. Er schlug einen versöhnlicheren Ton an und schlug vor, die „altercatio“ zu lösen, aber auch, um „illius statum reformare provincie“.[8] Johannes Diaconus bestätigt in seiner Istoria Veneticorum, dass zu dieser Synode die Bischöfe von Equilium und Caorle, aber auch diejenigen eingeladen wurden, die in Abwesenheit des Patriarchen gewählt worden waren und damit ohne Konsekration waren. Diese waren die Bischöfe von Olivolo, Cittanova und Felix von Metamaucum.[9] Die Bischöfe aus Venetia kamen erst verspätet in Ravenna an, was zur Folge hatte, dass sie nunmehr exkommuniziert wurden. Doch nun griff der Doge Ursus ein und verhinderte so, dass diese Abtrennung von der Kirche zur Ausführung kam.

Am Ende wurde die Position des Dogen weitgehend anerkannt. Der Patriarch kehrte nach Grado zurück und er weihte nunmehr die in seiner Abwesenheit eingesetzten Bischöfe.[10]

Literatur

  • Antonio Carile: Chronica Gradensia nella storiografia veneziana, in: Grado nella storia e nell’arte. Atti della 10 Settimana di studi aquileiesi, 28 aprile – 4 maggio 1979, Udine 1980, S. 111–138, hier: S. 124. (online)

Quellen

Literatur

  • Girolamo Vianelli: Nuova serie de'vescovi di Malamocco e di Chioggia accresciuta e con documenti in gran parte ora sol pubblicati, Teil 1, Baglioni, Venedig 1790, S. 21–26. (Digitalisat)

Siehe auch

Anmerkungen

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