Ferdinand Decker

deutscher Ingenieur From Wikipedia, the free encyclopedia

Ferdinand Decker (* 6. April 1835 in Stuttgart; † 15. Juli 1884 in Nürnberg) war ein deutscher Fabrikant und Ingenieur.

Leben

Decker besuchte von 1851 bis 1855 das Polytechnikum in Stuttgart. Seine praktische Ausbildung erhielt er von 1855 bis 1857 in der Maschinenfabrik Krauss in Obertürkheim und war dann von 1857 bis 1863 als Ingenieur in der Maschinenfabrik von Daniel Straub in Geislingen an der Steige tätig.[1] Dessen Sohn Heinrich Straub hatte von 1854 bis 1859 auf dem Polytechnikum in Stuttgart studiert und den Vater zur Beschäftigung dort ausgebildeter Ingenieure motiviert.[2]

Gebrüder Decker & Co. Holzzeugmaschine nach Patent Heinrich Voelter, Hangar auf der Weltausstellung Paris 1867
Gebrüder Decker & Co., Cannstatt, Fabrikansicht 1875, Titelseite einer Zeitungsbeilage mit 32 Seiten Umfang
Bayerische Staatsbibliothek

1863 gründete er zusammen mit seinem Bruder Ch. Fr. Decker die „Gebrüder Decker & Co., Maschinenfabrik, Eisengießerei, Kesselschmiede, Brückenbau“ am Cannstatter Seelberg (heute ein Stadtteil von Stuttgart). Stiller Teilhaber war der Heidenheimer Erfinder und Papierfabrikant Heinrich Voelter. Die Fabrik wurde am 1. Juli 1864 in Betrieb genommen und beschäftigte 50 Leute. Neben Holzschleifanlagen wurden auch Wasserturbinen[3] und Dampfmaschinen gebaut.[4] 1865 begann Decker mit dem Bau von Tenbrinkkesseln[5] und zeigte durch Versuche deren Vorteile auf. Über den Bau von Dampfpumpen nach amerikanischem Patent informierte 1871 eine umfangreiche Annonce.[6] Ein entsprechender Patentantrag war 1869 eingereicht worden.[7] Ein deutsches Reichspatent wurde 1877 unter der Nr. 926 für eine „Direct und doppelt wirkende Dampfpumpe ohne Schwungrad“ bewilligt.[8]

Beim 1871 begonnenen Bau der Gotthardbahn lieferte die Firma 22 eiserne Brücken für die Strecke zwischen Lugano und Chiasso und 29 weitere für die Strecke zwischen Locarno und Bellinzona.[9] Die Firma machte seit „1864 im Brückenbau der Maschinenfabrik Esslingen heftige und bis 1881 auch erfolgreiche Konkurrenz“.[10] Es wird auf ein entsprechendes Verzeichnis verwiesen.[11] Für die aufblühende Möbelindustrie wurden Holzbearbeitungsmaschinen gefertigt.[12]

Decker produzierte die ersten Holzschleifmaschinen, die 1867 auf der Weltausstellung in Paris ausgezeichnet wurden.[13] Der württembergische Hangar, eine in vollem Umfang funktionsfähige Produktionsanlage mit Holzaufbereitung, Schleifer, Raffineur und Entwässerungsmaschine, hatte 36.000 Gulden gekostet, aber nicht einen Geschäftsabschluss gebracht.

Die Ventilsteuerung der Dampfmaschine führte Decker als Erster in Württemberg ein. Auf der Weltausstellung 1873 in Wien präsentierte sich die Firma Gebrüder Decker in mehrfacher Weise. Von ihr stammten die Wasserpumpen für die acht Springbrunnen vor dem Südportal der Rotunde.[14] Sie zeigte eine „50pferdige liegende Condensations-Dampfmaschine mit Bajonnetbalken und vom Regulator beherrschter Expansion“, die im Polytechnischen Journal als eine „der schönsten Maschinen der ganzen Ausstellung“ bezeichnet wurde.[15][16]

1880 führte er mithilfe zweier Dynamos der Unternehmen Gramme und Siemens die elektrische Beleuchtung in seiner Fabrik ein.[17]

1882 verkaufte Decker die Cannstatter Fabrik an die Maschinenfabrik Esslingen und verließ 1882/83 das Unternehmen. Der Ingenieur Ludwig Beckh notierte hierzu in seinem Tagebuch folgende Zusammenhänge: „Gebr. Decker hatten in der Gründungsperiode nach dem 70er Krieg sehr teuer gebaut und konnten nur unter weitgehender Unterstützung der Vereinsbank, welche auch an der Maschinenfabrik Esslingen beteiligt war, sich aufrecht erhalten. Die Interessen der Vereinsbank forderten daher, dass beide Fabriken zusammen arbeiten mussten.“[18]

1883 trat er bei Schuckert (ab 1901: Siemens-Schuckertwerke) in Nürnberg die Stelle als Direktor an und verstarb ein Jahr später. Carl Teichmann hob in seinem Nachruf den streng soliden Charakter, die unermüdliche Arbeitskraft und Ausdauer sowie Deckers wissenschaftlichen Ernst in Erledigung technischer Fragen hervor.[19]

Ferdinand Decker war Mitglied des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und Gründungsmitglied des Württembergischen Bezirksvereins des VDI.[20] Sein Bruder war noch 1885 beim Württembergischen Bezirksverein des VDI als „Decker, Ch. Fr. Kaufm., vorm. i. F. Gebr. Decker & Co., Maschfabr., Cannstatt“[21] aufgeführt.

Ehrungen

  • Gewerbliche Fortschritts-Medaille, Württemberg 1864
  • Goldene und bronzene Medaille, Paris 1867[22]
  • Große goldene Medaille Ulm 1871
  • Große silberne Medaille Moskau 1872
  • Erste Medaille für Fortschritt Wien 1873

Bereits 1869 wurde in Cannstatt die Deckerstraße nach ihm benannt.[23]

Archivalien

  • Wirtschaftsarchiv Baden-Württember, B 251[24]

Einzelnachweise

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