Ferdinand Heller
tschechischer Komponist, Chorleiter und Musikpädagoge
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Ferdinand Heller (* 21. Juni 1824 in Wlaschim, Bezirk Beneschau, Königreich Böhmen; † 9. Juni 1912 in Mscheno, Bezirk Leitmeritz (Königreich Böhmen)) war ein tschechischer Komponist, Chorleiter und Musikpädagoge. Er war Mitbegründer und Leiter des Chors Hlahol und komponierte gemeinsam mit Karel Link den Salon-Tanz Česká beseda. Heller trat besonders als Förderer des tschechischen Chorgesangs sowie der national geprägten Vokalmusik hervor, seine Kompositionen beziehen sich stark auf tschechische Volkslieder.

Leben
Ferdinand Heller entstammte einer musikalisch gebildeten Familie und erhielt bereits in seiner Kindheit Unterricht in Violine, Klavier und Gesang von seinem Vater. 1841 zog er nach Prag, absolvierte dort die Orgelschule und erhielt eine pädagogische Ausbildung. Anschließend nahm er eine Stelle als Hilfslehrer in Iglau an, wo er sich intensiv um die Verbreitung tschechischer Musik und die Pflege des Gesangs bemühte. Während der Revolution von 1848 war er politisch aktiv und agitierte gegen die Wahlen zur Frankfurter Nationalversammlung. Damit geriet er in Konflikt mit den Behörden und wurde unter polizeiliche Überwachung gestellt.[1][2]
Aufgrund der politischen Spannungen zog er nach Wien, studierte zuerst Mathematik und Physik, wandte sich aber bald wieder der Musik zu. Er studierte Geige bei Josef Hellmesberger am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde und verdiente seinen Lebensunterhalt als Gesangslehrer am Akademischen Gymnasium und an der Erziehungsanstalt von Peter Bílka. In Wien engagierte er sich in der slawischen Minderheit und gründete einen etwa hundert Mitglieder starken Chor, der bei slawischen Konzerten und Veranstaltungen mit großem Erfolg auftrat. Daneben begann er zu komponieren und verfasste Quadrillen auf tschechische und mährische Lieder sowie Chorwerke zu Texten von Vítězslav Hálek.[1][3]
Von Wien aus ging er nach Ungarn, wo er als Privatlehrer in der Familie des Grafen Vaye tätig war. Im Jahr 1860 kehrte er nach Prag zurück. Kurz darauf drohte ihm die Ausweisung, als er bei der Ankunft des Statthalters Forgács die versammelte Menge zum Singen aufforderte. Dank der Intervention des Grafen Vaye wurde die Strafverfolgung jedoch eingestellt.[4]
Im Jahr 1861 war Ferdinand Heller Mitglied des Vorbereitungskomitees des Chores Hlahol. Nach dessen Gründung wirkte er bis 1865 zusammen mit Jan Ludvík Lukes als Chorleiter. Durch seine Aufführungen tschechischer Vokalmusik wurde Hlahol bald in ganz Böhmen bekannt und inspirierte die Gründung weiterer Chöre in Böhmen und Mähren.[5] Heller war auch für zahlreiche weitere Chöre als Chorleiter tätig, darunter der Gesangsverein der Prager Typografen und der gemischte Chor des Musikvereins am Veitsdom. Gleichzeitig unterrichtete er Gesang am Akademischen Gymnasium, an der Höheren Mädchenschule und an der Lehrerbildungsanstalt. Zusammen mit Bedřich Smetana gründete er in Prag ein Musikinstitut und übernahm dessen Leitung, nachdem Smetana die Stelle des Kapellmeisters am Interimstheater angetreten hatte.[1]
Ferdinand Heller starb im Alter von 88 Jahren während eines Kuraufenthalts in Mšené-lázně.[1]
Werk
Hellers Musik ist von Volksliedern inspiriert, viele seiner Kompositionen greifen böhmische und mährische Tänze und Lieder auf. Für den Unterricht im Chorgesang und in der Theorie des Musikinstrumentenspiels (Viola, Violoncello) verfasste er mehrere Lehrbücher.[2]
Auf Anregung von Jan Neruda schrieb er sein bekanntestes Werk, den Salontanz Česká beseda, eine Reihe traditioneller tschechischer Tänze. Das Werk enthält auch Beschreibungen der Choreografie, die er in Zusammenarbeit mit dem Tanzmeister Karel Link erstellte. Česká beseda wurde am 13. November 1862 in Prag uraufgeführt und erschien seitdem in zahlreichen Bearbeitungen und Instrumentierungen.
Außerdem veröffentlichte er unter anderem:[2]
- Kadrila dle národních písní (1854) – Quadrille nach Volksliedern
- Kadrila z moravských písní (1861) – Quadrille aus mährischen Liedern
- Praktická cvičení ve zpěvu (1881) – Praktische Übungen im Gesang
- Sbírka písní k potřebám ve vyšších ústavech školních… – Liedersammlung für den Bedarf an höheren Schulen
- Praktická škola pro violoncello (1888) – Praktische Schule für das Violoncello