Karel Link
tschechischer Komponist, Pädagoge und Tänzer
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Karel Link (* 4. August 1832 in Prag; † 4. Mai 1911 in Prag) war ein tschechischer Tanzmeister und Komponist. Viele Jahre leitete er die Königliche Tschechische Landestanzschule und prägte maßgeblich die Tanzausbildung in Prag. Er komponierte Tanzmusik und schuf gemeinsam mit Ferdinand Heller im Jahr 1862 den Gesellschaftstanz Česká beseda. Er verfasste auch Fachschriften zum Tanzunterricht.

Leben
Sein Vater, Hynek Link, war ebenfalls Tanzmeister und gründete 1828 eine eigene Tanzschule. Karel Link besuchte von 1840 bis 1841 die Prager Ballettschule und trat bereits im zweiten Jahr als Solist im Theater auf. Anschließend schrieb er sich am Neustädter Gymnasium ein, brach sein Studium jedoch 1848 vorzeitig ab, um in der Tanzschule seines Vaters mitzuarbeiten. Danach widmete er sich ganz dem Tanzunterricht und erlangte raschen Ruhm als Tanzlehrer.[1][2]
Im Jahr 1855 wurde er Adjunkt (Assistent) des Standes-Landestanzlehrers. Nach dem Tod seines Vaters 1870 übernahm er dessen Stellvertretung und wurde kurze Zeit später zum königlichen tschechischen Landestanzlehrer ernannt. Nach 25 Jahren wurde er zum Direktor der Königlich Tschechischen Landestanzschule berufen. Während seiner 50-jährigen Tätigkeit als Tanzlehrer unterrichtete er in vielen renommierten Erziehungsanstalten in Prag, sowohl Mädchen als auch Jungen, unter anderem an der k. k. Kadettenschule in Prag (1884–1892), am Ordensinstitut der Congregatio Jesu, am Mädcheninstitut Sacré Coeur, an der Städtischen Mädchenschule (zehn Jahre), an der Straka-Akademie und auch als Privatlehrer in wohlhabenden Familien.[1][2]

Karel Link wird als strenger und gewissenhafter Tanzlehrer beschrieben, der die traditionelle, solide Schule vertrat und keinen Schüler entließ, bevor dieser alles gründlich beherrschte. Generationen von Tänzern durchliefen seine Schule.[3] Für seine Tanzschule ließ er vom renommierten tschechischen Architekten Antonín Wiehl in den Jahren 1875–1876 ein Haus im Neorenaissance-Stil errichten, das Haus mit der Tanzschule von Karel Link in der Krocínova ulice 1050 in der Prager Altstadt.[4]
Karel Link starb im Alter von 79 Jahren und wurde auf dem Friedhof Olšany in Prag beigesetzt. Seine Tanzschule übernahm sein Sohn Karel Jan Link, der dort bereits vorher als Assistent seines Vaters tätig war.[2][1]
Werke
Karel Link verfasste mehrere Fachschriften zum Tanzunterricht und komponierte Tanzmusik. Im Herbst 1862 schuf er zusammen mit dem Komponisten Ferdinand Heller den von Volkstänzen inspirierten Gesellschaftstanz Česká beseda, sein bekanntestes Werk. Der Tanz wurde rasch in ganz Böhmen beliebt und auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Bereits im Jahr 1863 veröffentlichte Link das Handbuch Beseda, český salonní tanec mit genauen Beschreibungen der Tanzchoreografie. Das Buch erschien sowohl auf Tschechisch als auch auf Französisch.[5]
Auswahl seiner gedruckten Werke:[6][7]
- Beseda, český salonní tanec (1863) – Beseda, tschechischer Salontanz
- La Beseda, danse de salon Bohême (avec quatre planches) (1863)
- Tanec se stanoviska theoretického a aesthetického. Stručný návod co proprava k praktickému vyučování (1872, 1874) – Tanz aus theoretischer und ästhetischer Sicht. Kurze Anleitung zur Vorbereitung auf den praktischen Unterricht
- Redova, Salon-Quadrille in fünf Figuren (1880)
- Čtverylka (quadrille française) a dvořanka (quadrille à la cour). Snadno pochopitelné vysvětlení těchto moderních společenských tanců (1884) – Čtverylka und Dvořanka. Leicht verständliche Erklärungen dieser modernen Gesellschaftstänze
- Kotillon, stručný návod ku porozumění a pořádání (1886) – Kotillon, knappe Anleitung zum Verstehen und zur Ausführung
- Salonní čtverylka, nový společenský tanec o pěti odděleních (1890) – Salon-Quadrille, neuer Gesellschaftstanz in fünf Abschnitten