Ferdulf
Statthalter im Friaul
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Ferdulf, auch Ferdulfo (* in Ligurien; † um 703), war etwa von 701 oder Anfang 702 bis zu seinem Tod dux des langobardischen Herzogtums Friaul. Unter seiner Führung wurde in einer Schlacht gegen slawische Gruppen, in der er selbst ums Leben kam, der Adel des Herzogtums ausgelöscht. Einzige Quelle zu Ferdulf und diesem gravierenden Ereignis ist die Historia Langobardorum des Paulus Diaconus, der Ferdulf ungewöhnlich negativ charakterisiert. Den Hintergrund stellen einerseits die Grenzkämpfe gegen die erst recht neu in Erscheinung getretene Gruppe der Slawen (wohl im Gefolge der Awaren) dar, andererseits die Auseinandersetzungen gegen Ende der Regierungszeit König Cunincperts (688–700) mit den Herzögen des Friaul. Bei denen ging es möglicherweise dem seinerzeitigen Herzug Ansfrit um einen vergeblichen letzten Versuch, die vorchristliche Religion wiederherzustellen und selbst die Königsherrschaft zu gewinnen, und vor allem um die Nachfolgekämpfe nach Cunincperts Tod.[1]
Leben
Ado, königlicher Statthalter, Kampf des Bruders im Erbfolgestreit
Ferdulfs Vorgänger war ein Ado, der das Land als „lociservator“, als eine Art Statthalter für König Cunincpert führte, nachdem der König den dortigen Herzog Ansfrit kurz vor 700 besiegt hatte. Der rechtmäßige Herzog von Friaul, Ados Bruder Rodoald, residierte in Pavia, der Hauptstadt der Langobarden Norditaliens. Diese Hauptstadt konnte er nicht verlassen, da er nach dem Tod König Cunincperts im Jahr 700 in die Erbfolgekämpfe verwickelt war. Er war in seiner Abwesenheit von Ansfrit gestürzt worden, nach Istrien geflohen, um von dort über Ravenna an den Königshof nach Pavia zu gelangen.[2]
Einsetzung Ferdulfs durch König Aripert II., Schlachtentod gegen Slawen
Nachdem König Aripert II. viele seiner Gegner besiegt oder vertrieben hatte, setzte er mit Ferdulf einen landesfremden Herzog ein. Paulus Diaconus charakterisiert Ferdulf als „lubricus et elatus“ (sinngemäß: aalglatt und überheblich, aber auch unzuverlässig). Darüber hinaus hätte, so Paulus, sein Leichtsinn das Herzogtum in eine Katastrophe geführt.
Um sich eines Sieges über die Slawen rühmen zu können, soll Ferdulf seine slawischen Nachbarn mit Geld dazu gebracht haben, ins Friaul einzufallen. Die Slawen errichteten ihr befestigtes Lager auf einem steilen, schwer zugänglichen Hügel. In dieser Situation forderte Argait, ein langobardischer „Sculdahis“, den Ferdulf mit einem bösartigen Wortspiel ungerechtfertigt beleidigt hatte, indem er ihn in Anspielung auf seinen Namen als „arga“, also ‚feige‘, bezeichnet hatte, weil er die Raubzüge der slawischen Viehdiebe nicht verhindern konnte, den Herzog auf, die Slawen in ihrer Festung anzugreifen. So sollte sich zeigen, wer von beiden wirklich ein Feigling war. Der Herzog nahm die Herausforderung an und führte seine Armee in den Untergang, da die Slawen von der Höhe des Hügels aus die Angreifer vernichten konnten, indem sie große Steine hinabrollen ließen. Paulus behauptet, dass in dieser Schlacht, in der auch Ferdulf sein Leben verlor, der gesamte Adel Friauls getötet wurde. Ob diese Geschichte mit den Gegnern Ariperts zusammenhängt, die nach Bayern geflohen waren, oder ob Paulus selbst, bzw. seine Familie, mit den Friulaner Herzögen verfeindet war, bleibt unklar.
Nachfolger
Auf Ferdulf folgte ein Corvolus im Amt, der gleichfalls nur für kurze Zeit Herzog war. Diese extrem unruhigen Jahre endeten jedoch auch mit ihm nicht, denn Corvolus wurde als Rebell von dem neuen König der Langobarden Aripert II. besiegt, der Corvolus blenden ließ, um ihn regierungsunfähig zu machen.
Quellen
- Paulus Diaconus: Historia Langobardorum, in: Ludwig Bethmann, Georg Waitz (Hrsg.): Scriptores rerum Langobardicarum et Italicarum saec. VI–IX. Hannover 1878, S. 12–219 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat).
Literatur
- Jörg Jarnut: Ferdulfo, in: Dizionario Biografico degli Italiani, Bd. 46, 1996.
- Jörg Jarnut: Prosopographische und sozialgeschichtliche Studien zum Langobardenreich in Italien (568-774), Bonn 1972, S. 351.