Ferrari (Motorradmarke)
Kleiner italienischer Hersteller von Motorrädern in den 1950er Jahren
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Ferrari war eine italienische Motorradmarke der 1950er Jahre. Es war ein kleines Unternehmen, das in keiner Verbindung zum bekannten, gleichnamigen Automobilhersteller beziehungsweise Rennstall stand. Der volle Firmenname lautete Moto Ferrari, La Meccanica Italiana SrL, Milano.[1]


Das Unternehmen wurde von den Brüdern Amos und Luigi Ferrari 1951 gegründet und produzierte bis 1953 unter diesem Namen Ferrari in Mailand einige Modelle mit Hubräumen von 123 cm³ bis 248 m³, Zwei- und Viertaktmotoren, in Zwei- und Einzylinderbauweise.[1] Ab 1953 wurden die Motorräder unter dem Namen Fratelli Ferrari angeboten.[2] 1956 verschwanden die Maschinen vom Markt.
Geschichte
Amos Ferrari arbeitete zunächst für Giovanni Parrilla in dessen Produktion im Motorenbereich und erwarb sich dabei beachtliche Fachkenntnisse. Mit Unterstützung eines wohlhabenden Mailänder Geschäftsmanns gründeten Amos und sein Bruder Luigi daraufhin Anfang 1952 ihr eigenes Unternehmen[3] in der Via Bessarione 15 in Mailand, nur wenige hundert Meter von Parillas Hauptsitz entfernt.
Das erste Motorrad war eine 125-cm³-Zweitaktmaschine, bei der sowohl das Fahrwerk als auch der Motor deutlich von Parilla inspiriert waren. Einige Bauteile waren sogar vollständig mit Teilen an deren Motorrädern austauschbar. Es gab jedoch wichtige Unterschiede. Ferrari stattete seine Motorräder mit einem Vierganggetriebe aus (im Gegensatz zum Dreiganggetriebe der 125er Parilla) und positionierte den Schalthebel – nach deutscher Bauweise – ungewöhnlicherweise links. In Italien hatten in den 1950er-Jahren alle Motorräder den Schalthebel auf der rechten Seite, mit Ausnahme von Ferrari, AeroCaproni und allen Maschinen, die mit deutschen Motoren ausgestattet waren.[3]
Das Modell hatte auch eine ungewöhnliche Hinterradaufhängung. Parallel über der Schwinge liegt links und rechts ein Rohr mit einer durch einen Hebel mit ihr verbundenen Schraubenfeder und ähnelte in ihrer Konstruktion einem zuvor von Gilera patentierten Modell.[3]
Auf dem Mailänder Motorradsalon 1952 wurden die Modelle Ferrari 150 Lusso Sport (Lusso = Luxus) und Super Sport präsentiert, letztere mit einem 160-cm³-Motor. Im folgenden Jahr wurde die Produktion der 125er-Reihe eingestellt, und die Produktion konzentrierte sich fortan auf 150-cm³-Modelle.
Nach einer Klage des weitaus bekannteren gleichnamigen Sportwagenherstellers musste der Name geändert werden. Fortan firmierte das Unternehmen unter der Bezeichnung Fratelli Ferrari, und die Motorräder wurden unter dem Namen Moto Ferrari vermarktet.
Auf dem Salon 1954 zeigte Ferrari in der Modellreihe Turismo Lusso einen interessanten Zweizylinder-SOHC-Motor mit 175 cm³ und kettengetriebener Nockenwelle, neben den Zweitaktmodellen Gran Turismo (150 cm³ und 175 cm³). Im Katalog fand sich auch ein Moto furgoncino (dreirädriger Motorradtransporter) mit einem 175-cm³-Zweitaktmotor und Kardanantrieb.
Die Entscheidung für den Viertaktmotor war aus wirtschaftlicher Sicht mutig und riskant, da die Produktionskosten, insbesondere für den Zweizylinder, hoch waren. Das kleine Unternehmen konnte sich trotz guter Technik auf Dauer nicht am Markt behaupten, geriet in eine finanzielle Krise, die nicht überwunden werden konnte, und schloss am 15. November 1955.[2]
- Eine Ferrari 175 Sport, Baujahr 1953
- Eine Ferrari 150 (historischer Rennsport)
Rezeption
Da die Ferrari-Motorräder selbst zu ihrer Zeit selten waren, wurde damals wenig über sie veröffentlicht, und so sind heute nur noch wenige Informationen erhalten.
Der italienische Motorradmarkt war in den 1950er-Jahren extrem wettbewerbsintensiv. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden zahlreiche Unternehmen, die alle versuchten, vom wachsenden Bedürfnis der Bevölkerung nach Motorisierung zu profitieren. Hohe Fertigungskosten, ein begrenztes Sortiment, der Streit mit Enzo Ferrari um den Firmennamen und die starke Konkurrenz durch die zahlreichen Mitbewerber führten zusammen mit der beginnenden „Automobilisierung“ (wie zum Beispiel durch FIAT mit dem Modell Seicento) dazu, dass das Unternehmen nicht rentabel genug war, um auf Dauer weiterzubestehen.
Heute sind die Maschinen sehr selten und erzielen auf dem Markt oder bei Versteigerungen mitunter sehr hohe Preise.[4]
Sonstiges
Im Jahr 1903 baute ein Hersteller mit Namen A. Ferraris in Mailand Motorräder mit verstärktem Fahrradrahmen, die mit Peugeot-Einbaumotoren und Kettenantrieb ausgestattet waren. Dieses Unternehmen hat weder mit dem hier beschriebenen noch der Firma von Enzo Ferrari eine Verbindung.[5][6]
Literatur
- Erwin Tragatsch: Alle Motorräder 1894–1981: Eine Typengeschichte. 2500 Marken aus 30 Ländern' Stuttgart 1997, ISBN 3-87943-410-7
- Erwin Tragatsch: The Illustrated Encyclopedia of Motorcycles', Secaucus 1985. ISBN 0-89009-868-9
- S. Ewald/G. Murrer: Enzyklopädie des Motorrads, Marken – Modelle – Technik, Bechtermünz Verlag 1999, ISBN 3-8289-5364-6
Weblinks
- motodilombardia.it Historie des Herstellers (englisch)
- ZeitFakt Fratelli Ferrari: Videoreportage über den Hersteller. Auf YouTube. (deutsch)
- bwgarage.com Artikel über die 1954er Ferrari 150 Lusso Sport. Mit zahlreichen Bildern u. technischen Infos u. einigen allgemeinen Infos zum Hersteller (englisch)