Florentiner (Diamant)
Diamant
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Der „Florentiner“ (auch „Großherzog der Toskana“,[1] „Toskaner“,[2] „Österreicher“ und „Schicksalsstein“[3]) ist ein historischer Diamant von zuletzt 137,2 Karat (27,44 g), etwa der Größe einer Walnuss und gelber Farbe. Er ist von großer Klarheit und zeigt ein schönes Funkeln. Zuletzt befand er sich in der Form eines Briolettes mit neunfacher Anordnung der Facetten. Seine genaue Herkunft ist unbekannt. Seit den 1920er Jahren galt dieser Diamant als verschollen, ehe im Jahr 2025 publik wurde, dass er sich nach wie vor im Besitz der Familie Habsburg in Kanada befindet. Der „Florentiner“ galt zeitweise als der viertgrößte Diamant weltweit.

Geschichte des „Florentiner“
Die Geschichte des „Florentiner“ ist geprägt durch seine unbekannte Herkunft, dann durch eine gut belegte Zeit bis in die 1920er Jahre (in der er sich zumeist im Besitz der Habsburger befand), sowie zuletzt durch sein späteres Verschwinden und den Verbleib.
Herkunft des „Florentiner“
Die genaue Herkunft des Steines, der als „Florentiner“ bekannt wurde, ist nicht gesichert. Erzählungen gehen auf Herzog Karl den Kühnen von Burgund (1467–1477) zurück.
Karl der Kühne

Nach mehreren Quellen befand sich der später als „Florentiner“ bekannt gewordene Stein im Besitz Karls des Kühnen, der auch Flandern und damit die wichtigsten Umschlagsorte für Diamanten der damaligen Zeit (Brügge und Antwerpen) zu seinem Herrschaftsbereich zählte und sich so den Diamanten aus dem eigenen Machtbereich hätte besorgen können. Der Diamant soll vom flämischen Edelsteinschleifer Lodewyk van Bercken, dem Erfinder des Diamantschliffs, für Karl den Kühnen geschliffen worden sein.[Anm. 1][4][5]
Nach der Schlacht bei Nancy 1477[6] (in anderen Quellen auch Schlacht bei Murten (1476))[7] soll ein schweizerischer Landsknecht den Stein gefunden und aufgehoben haben, wobei er ihn für Glas hielt. Er soll ihn dann später an den Pfarrer von Montagny zum Preis von einem Gulden verkauft haben. Dieser veräußerte den Stein dann für drei Franken an die Stadt Bern. Diese soll dann versucht haben, den Diamanten in Lyon in Kommission zu geben, was allerdings misslang. Schließlich soll der Berner Bürger Bartholomäus May den Edelstein von der Stadt zum Preis von 5000 Gulden erworben und für 7000 Gulden nach Genua weiterverkauft haben. Dort soll ihn der Herzog von Mailand Ludovico Sforza, genannt „il Moro“ erworben haben.
Medici
Unter Pius V. kam der Stein unter Vermittlung der Fugger an die Medici, die zu diesem Zeitpunkt Großherzöge der Toskana waren. 1657 sah Jean-Baptiste Tavernier einen dem „Florentiner“ gleichenden Stein im Besitz der Medici und beschrieb ihn 1657.[8] Tavernier soll ihn erstmals benannt haben.
Habsburg
Nach dem Aussterben der Medici 1737 wurde Franz Stephan, der Ehemann Maria Theresias von Österreich, mit dem Vertrag von Wien im Tausch gegen Lothringen und Bar Großherzog der Toskana und soll so auch Eigentümer des Steines geworden sein, der zu diesem Zeitpunkt den Titel „Großherzog der Toskana“ trug. Er überführte ihn in das Eigentum der Habsburger und verwendete ihn in seiner Krone. Maria Theresia soll seinen Namen auf „Florentiner“ verkürzt haben.
Geschichte des „Florentiner“ bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges


In Wien war der „Florentiner“ zusammen mit anderen Teilen des Kronschatzes im Gewölbesaal der Hofburg der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der „Florentiner“ ruhte hierbei in der Vitrine XIII. Am 18. April 1865 wurde das Gewicht des „Florentiner“ durch eine Kommission gemessen, der auch Moriz Hörnes angehörte.[10] Der Diamant wurde dafür aus seiner Fassung gelöst. Im Rahmen dieser Examination wurde auch ein Gipsabdruck genommen, auf dessen Basis im Anschluss eine Replika aus Strass gefertigt wurde.[11][12]

In einer Fotoaufnahme, die vor 1918 entstand, war der „Florentiner“ Teil einer Hut-Agraffe. Bereits bei der Überstellung des Steins in die Schatzkammer durch Maria Theresia nach dem Tode ihres Gemahls 1765 war der Diamant „als Hutspange barocker Form gefaßt“.[13]
Der „Florentiner“ seit dem Ende der Monarchie
Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges kam es auch in Österreich zu Unruhen und zur Ausrufung der Republik. In der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November 1918 begab sich Oberstkämmerer Leopold Berchtold im Auftrag des österreichischen Kaisers Karl I. in die Schatzkammer und entnahm dort aus der Vitrine XIII den Familienschmuck der Habsburger, der bereits zu Zeiten Maria Theresias rechtlich vom reinen Staatseigentum getrennt war. Er fuhr nach Zürich und hinterlegte die Wertsachen bei der Schweizerischen Nationalbank.

Als kurz darauf der Transport der Schmuckstücke bekannt wurde, begann die Diskussion um die Verstaatlichung des habsburgischen Besitzes. Die Ausfuhr der Wertgegenstände wurde damit zum Politikum. Es kam in der Folge dieser Diskussion zu den Habsburgergesetzen von 1919 und 1921 mit der Verstaatlichung des Eigentums der Familie Habsburg und der Abschaffung der Adelstitel in Österreich. Karl verzichtete auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften und verließ Österreich mit seiner Frau Zita. Außerhalb Österreichs verfügten sie über keinerlei Vermögen, da sie das habsburgische Privatvermögen nicht außer Landes geschafft hatten. Lediglich der Schmuck war ihnen verblieben.
Um die geretteten Wertsachen zu Geld machen zu können, wandten sie sich in ihrem schweizerischen Exil an einen ehemaligen Finanzberater des 1914 ermordeten Thronfolgers Franz Ferdinand, einen gewissen Bruno Steiner.
Steiner nahm 1919 Kontakt zu dem Edelsteinhändler Alphonse de Sondheimer[14] auf. Dieser gehörte nicht zur ersten Garnitur der Edelsteinhändler und konnte auch selbst nicht die notwendigen Mittel für die vollständige Verwertung der Wertgegenstände aufbringen. Aber durch ihn konnte der in Frankreich ansässige Jacques Bienenfeld als Finanzier hinzugewonnen werden. Die Vereinbarung zwischen Sondheimer und Steiner sah so aus, dass Sondheimer nur die Edelsteine selbst erwerben wollte, diese also aus den jeweiligen Fassungen gebrochen wurden. Er zahlte zudem an Steiner eine zehnprozentige Provision, von der der ehemalige Kaiser nichts erfahren sollte. Insgeheim behielt Steiner auch noch das Edelmetall der Fassungen.
Seitens der ehemals kaiserlichen Familie wurde zwischen solchen Wertgegenständen unterschieden, die verkauft werden konnten und solchen, die für die Familie wichtig waren und die auf keinen Fall verkauft werden sollten. Zu Letzteren zählte auch der „Florentiner“. 1921 benötigte Karl von Habsburg dringend eine größere Geldsumme für die Durchführung des zweiten Restaurationsversuchs in Ungarn. Steiner vereinbarte daraufhin die Hinterlegung auch als nicht verkäuflich angesehener Wertgegenstände als Pfand für einen Kredit in Höhe von 1,6 Millionen Schweizer Franken. Durch den guten Verdienst aus den Geschäften mit Steiner konnte Sondheimer diese Summe diesmal ohne Hilfe Bienenfelds aufbringen. Karl von Habsburg nahm an, dass er nach der Restauration als König von Ungarn die Wertsachen wieder einlösen könne. Sondheimer ging davon aus, dass ihm dies nicht möglich sein würde. Im Oktober 1921 brach die ehemals kaiserliche Familie nach Ungarn auf, um dort den Thron zu besteigen. Am 23. Oktober 1921 scheiterte dieser Restaurationsversuch. Karl musste sich mit seiner Familie in das von britischer Seite als Exil bestimmte Madeira begeben.
Während der Abwesenheit der Habsburger erschien Steiner in Begleitung Bienenfelds bei Sondheimer und behauptete, dass er ermächtigt sei, die Preziosen auszulösen. Die nötige Summe wurde Sondheimer ausgehändigt. Hernach verschwand Steiner in Richtung Wiesbaden. Als die Ehefrau Karls, Zita von Bourbon-Parma, mithilfe eines portugiesischen Passes am 12. Januar 1922 in die Schweiz zurückkehrte, musste sie feststellen, dass Steiner mit den Wertsachen verschwunden war. Es wurde angenommen, dass hierzu auch der „Florentiner“ gehörte. 1923 veranlasste Maximilian Eugen Habsburg-Lothringen eine Verhaftung Steiners wegen Veruntreuung.[15] Zita Habsburg verklagte Steiner 1926.[16]
1923 erhob Benito Mussolini im Namen von Italien unter Berufung auf den Vertrag von Saint-Germain Anspruch auf den Stein. Die Forderungen traten 1926 außer Kraft.[17][18]
Zita von Habsburg-Lothringen siedelte mit ihren Kindern in der Folge 1929 nach Belgien und 1940 nach Kanada über. 1938 wurde der Diamant ohne Erfolg an der Amsterdamer Diamantenbörse zum Kauf angeboten.[19][20]
Der „Florentiner“ und Teile der Habsburgersammlung in Kanada
Im November 2025 gab Karl Habsburg-Lothringen gegenüber Medien bekannt, dass ein Teil des Kaiserlichen Diamantschatzes der Habsburger, darunter auch der „Florentiner“, in einem Bankschließfach in Kanada verwahrt wird. Seine Großmutter Zita habe die Juwelen dort mit der Verfügung einlagern lassen, dass sie mindestens bis zum 100. Todestag von Kaiser Karl I. (dem 1. April 2022) geheim gehalten werden müssen.[3][21] Der Juwelier Christoph Köchert bestätigte in einem Gutachten am 21. Oktober 2025 die Echtheit.[22]
Die Erben entschieden, dass die kulturhistorisch bedeutende Sammlung der Familie vorerst in Kanada verbleiben und dort der Weltöffentlichkeit so bald wie möglich zugänglich gemacht werden soll. Auch wenn sich die Juwelen den Habsburgern zufolge außerhalb Österreichs befanden, als das Habsburgergesetz in Kraft trat, stehen etwaige Eigentumsfragen bzw. Besitzansprüche der Republik Österreich im Raum.[23] Nach dem Ende des Kaiserreichs in Österreich befindliches Eigentum der Habsburger wurde darin zu Staatseigentum erklärt.[3] Vizekanzler Andreas Babler kündigte eine Prüfung an.[24]
Seit 3. September 2026 werden die Juwelen in Quebec ausgestellt.[25]
Der „Florentiner“ in Kunst und Literatur
In seinem erstmals 1988 erschienenen Roman Vastas emoções e pensamentos imperfeitos (dt. Grenzenlose Gefühle, unvollendete Gedanken, 2003)[26] verwendet der brasilianische Krimiautor Rubem Fonseca den „Florentiner“ als MacGuffin. In der deutschen Übersetzung wird die portugiesische Bezeichnung für den Diamanten (Florentino) beibehalten.
Rolf Ackermann griff in seinem 2006 erschienenen Buch Der Fluch des Florentiners[27] den „Florentiner“ als Thema auf.
2013 entstand der französisch-belgisch-luxemburgische Spielfilm 137 Karat – Ein fast perfekter Coup (Le dernier diamant), der den Diebstahl des wieder aufgetauchten Edelsteins zum Thema hat.
In Der rote Diamant[28] verfolgt Thomas Hürlimann in einer irrwitzigen Geschichte die Spur des „Florentiner“ bis in ein Kloster als letztem Hort der Habsburger zur Zeit der Jugendunruhen von 1968.
Siehe auch
Literatur
- Wolfgang Meyer-Hentrich: Des Kaisers Diamant. In: Wolfgang Ebert (Hrsg.): Jäger verlorener Schätze. Abenteuerliche Expeditionen. Piper, München 2002, ISBN 3-492-23662-6.
- Günter Wermusch: Adamas. Diamanten in Geschichte und Geschichten. 2. Auflage. Verlag Die Wirtschaft, Berlin 1985, DNB 880988886; 3., überarb. Auflage. Ebenda, 1987, ISBN 3-349-00224-2.
Weblinks
- Habsburg Heritage – Seite zu den Schmuckstücken
- Der Florentiner. In: diamantwissen.de
- Les grands et célebres diamants (2éme partie). ( vom 27. Januar 2018 im Internet Archive) In: minelinks.com, März 2011 (französisch; Aufzählung berühmter Diamanten)
- Les diamants / diamonds. ( vom 17. Juni 2024 im Internet Archive) In: chez.com, 9. Oktober 2005 (französisch; Beschreibung berühmter Diamanten mit Abbildungen)
Anmerkungen
- Lodewyk van Bercken gilt als der Erfinder des Diamantschliffs, bei dem auf einer stählernen Polierscheibe (der "skeif" ; engl. scaif), eine Paste aus Diamantstaub und Olivenöl aufgetragen wird. Die Existenz eines Edelsteinschleifers namens Lodewyk van Bercken wird aber infrage gestellt.