Francisque Millet
französischer Maler
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Francisque Millet (eigentlich Jean François Millet, auch Jean François Melé, Francesco Milé, Jean François Milet, Francisco Millé oder Jean François Mylée; * 27. April 1642 in Antwerpen; † 3. Juni 1679 in Paris) war ein flämisch-französischer Maler, der vornehmlich klassische Landschaften im Stil von Nicolas Poussin und Gaspard Dughet schuf. Um ihn von seinem gleichnamigen Sohn zu unterscheiden, wird er als Jean François Millet I bezeichnet.[1]
Leben
Francisque Millet wurde 1642 in Antwerpen als Sohn eines Elfenbeinschnitzers aus Dijon getauft, der unter der Patronage von Louis II. de Bourbon, Prince de Condé, in die Spanischen Niederlande gegangen war. Seine künstlerische Ausbildung absolvierte er in Antwerpen bei dem Maler Laureys Franck. Ende 1659 oder Anfang 1660 folgte er seinem Lehrmeister nach Paris, wo er um 1662 dessen Tochter Anne Perette heiratete. Mit Francks Cousin, dem Maler Abraham Genoels (1640–1723), verband ihn offenbar eine Freundschaft.[2]
Am 23. Juni 1673 stellte Francisque Millet eines seiner Gemälde in der Académie Royale de Peinture et de Sculpture aus und zeigte im selben Jahr zwei Werke im Pariser Salon. Ihm werden Reisen nach Holland und England zugeschrieben, wenngleich er Italien, dessen Landschaft und Antike er in seinen Werken intensiv rezipierte, nach allem Anschein niemals bereiste. Er starb 1679 in Paris und wurde auf dem Friedhof Saint-Nicolas-des-Champs beigesetzt. Francisque Millet hinterließ zwei Nachkommen, die ebenfalls als Maler tätig waren: seinen Sohn Jean François Millet (um 1666–1723) und seinen Enkel Joseph-François Millet (um 1688–1777). Die Verwechslungsgefahr zwischen den Werken dieser drei Generationen ist groß und erschwert die Zuschreibungsforschung erheblich.[3]
Werk

Francisque Millet war maßgeblich von Nicolas Poussin und Gaspard Dughet geprägt. Er kopierte Werke Poussins und übernahm von ihm die Motivik der idealisierten italienischen Landschaft sowie die Rezeption der Antike. Sein Œuvre umfasst religiöse und mythologische Historienbilder ebenso wie pastorale und arkadische Landschaftsdarstellungen, bei denen die Figuren stets gegenüber der Landschaft zurückgenommen sind. Charakteristisch für seine Kompositionen ist die Einbindung antiker Versatzstücke in südeuropäische Landschaftskulissen. Figuren in antiker Gewandung treten vor verwilderten Ruinen und verfallenen Architekturen auf, während Sarkophage und andere Zeugnisse der Vergänglichkeit dem Bild einen melancholischen Grundton verleihen. Ein Beispiel hierfür ist das Werk Classical Landscape with Figures near a Fountain (London, Chiswick House), auf dem vor einer italienischen Stadtkulisse Figuren zwischen Ruinen versammelt sind. Ein weiteres Beispiel ist das Werk Classical Landscape with a City by a River (Liverpool, Walker Art Gallery). Auch das religiöse Historienbild Landschaft mit Christus und seinen Jüngern (Ermitage, Sankt Petersburg) greift denselben Formenschatz auf.[3]
Francisque Millets Gemälde sind weder datiert noch signiert. Die Zuschreibung erfolgt daher vorwiegend auf Basis von gesicherten und bezeichneten grafischen Reproduktionen seiner Bilder, wie etwa dem Paysage au voyageur von Léopold Flameng nach einem Original Millets (Nancy, Musée des Beaux-Arts), sowie insbesondere einer Serie von 28 Stichen nach Millet aus der Hand eines gewissen Théodore, die sich im British Museum in London befinden. Francisque Millet arbeitete für den bedeutenden Pariser Sammler Everhard Jabach. Für ihn fertigte er neben eigenen Kompositionen zahlreiche Kopien nach Poussin, Guido Reni, Tizian und Giulio Romano an, wie das Inventar der Sammlung vom 17. Juli 1696 belegt. Zu den wenigen gesicherten Auftragswerken zählen die Gemälde für den Palais des Tuileries in Paris (1666–1668), die beim Brand des Palasts im Mai 1871 zerstört wurden.[3]

Seine Gemälde waren in zahlreichen Pariser Sammlungen des 18. Jahrhunderts vertreten, darunter in jener von Charles Le Brun. Besondere Wertschätzung genoss er bei englischen Sammlern wie Arthur Chichester, 1. Marquess of Donegall. Allein auf dem englischen Kunstmarkt waren im frühen 19. Jahrhundert rund achtzig Werke erhältlich, die Francisque Millet zugeschrieben wurden. Millets wichtigster Biograf war Arnold Houbraken, der ihn in seinem Standardwerk De groote schouburgh der Nederlantsche konstschilders en schilderessen (1718–1719) behandelte.
Werke Millets befinden sich unter anderem in folgenden Sammlungen: Musée Granet, Aix-en-Provence, Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique, Brüssel, Musée d'Art Thomas Henry, Cherbourg-Octeville, Musée Magnin, Dijon, National Gallery, London, Alte Pinakothek, München, Metropolitan Museum of Art, New York, Musée des Beaux-Arts, Orléans, Petit Palais, Paris, Musée Carnavalet, Paris, Louvre (Département des Arts graphiques sowie Département des Peintures), Paris, Petworth House, Petworth, sowie im Toledo Museum of Art, Ohio.[3]
Literatur
- Arnold Houbraken: De groote schouburgh der Nederlantsche konstschilders en schilderessen. 3 Bde., Amsterdam 1718–1721.
- Bénédicte Biard: Francisque Millet, le paysage au XVIIe siècle. Droz, Genf 2010.
- La peinture française du XVIIe siècle dans les collections américaines. Ausstellungskatalog, Paris 1982.
- Sabine Kollmann: Niederländische Kunst und Künstler im London des 17. Jahrhunderts. Georg Olms Verlag, Hildesheim 2000.
- Vicomte de Grouchy: Inventaire de la collection d'Everhard Jabach. In: Mémoires de la Société de l'histoire de Paris et de l'Île-de-France. Bd. 21, Paris 1894, S. 217–293.
- Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 9: Maele – Müller. Paris, 2006.
- Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. Herausgegeben von De Gruyter, 2009.