Franz Karsch
sudetendeutscher Unternehmer
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Franz Karsch (* 1866; † 8. August 1934 in Böhmisch-Kamnitz, Tschechoslowakei) war ein sudetendeutscher Unternehmer, der zu den größten Industriellen Nordböhmens zählte. Er besaß auch die Burg Hasištejn. Über viele Jahre war er Bürgermeister von Böhmisch-Kamnitz.
Leben und Wirken



Er war der Sohn des Großindustriellen Emanuel Karsch sowie Großneffe des in den Adelsstand erhobenen Großindustriellen und Großgrundbesitzers Franz Preidl von Hassenbrunn (1810–1889).[1] Der Onkel seines Vaters hatte in Böhmisch-Kamnitz und Umgebung mehrere Webereien und Spinnereien errichtet und kontinuierlich erweitert und durch Ankäufe von Niederlassungen erweitert. Diese Textilfirma fiel nach Preidls Tod größtenteils an Emanuel Karsch. Franz Karsch war zunächst Prokurist der fünf Baumwollspinnereien und -zwirnereien in Böhmisch-Kamnitz, Rabstein, Kamnitz-Neudörfel, Johnsbach, in denen auch Strickwolle erzeugt wurde. Daneben gab es Bleichen und Färbereien.[2] Außerdem gehörte zum Erbe die Burg Hassenstein, die Emanuel und danach sein Sohn Franz Karsch renovierten, und der Besitz von Ländereien um Brunnersdorf sowie die Grabkapelle auf dem Friedhof in Česká Kamenice.
Am 14. Oktober 1910 übertrug ihm sein Vater den gesamten Firmenbesitz und die alleinige Leitung der Spinnereifirma „Franz Preidl“ und trat aus der Firma aus.[3] Nach dem Tod des Vaters und Seniorchefs am 16. Mai 1911 fiel auch das restliche Erbe mit dem Grundbesitz an Franz Karsch.[4]
Vater und Sohn betätigten sich häufig als Mäzene und Stifter. Sie förderten auch das Feuerlöschwesen und waren u. a. Mitorganisatoren der Internationalen Schlauchkupplungs-Ausstellung in Böhmisch-Kamnitz im Februar 1901.[5] Daneben engagierte sich Franz Karsch auch in der Lokalpolitik und war mehrere Jahre Bürgermeister von Böhmisch-Kamnitz. Als Wohltäter der Stadt finanzierte er u. a. aus eigenen finanziellen Mitteln die Errichtung eines Schwimmbades.
In der Weltwirtschaftskrise kam die Firma, in die der Sohn Franz Karsch jun. eingestiegen war, zum Erliegen.
Heute noch erinnert die 1895 errichtete Villa Karsch als Baudenkmal an Franz Karsch. Das Gebäude wird heute als Kinder- und Jugendhaus genutzt. Daneben kaufte er zwischen 1909 und 1911 mehrere Bauernwirtschaften auf dem Huttenberg bei Johnsbach an, vereinte diese auf einer Grundfläche von 150 ha und ließ dort den Huttenhof errichten.[6]
Literatur
- Die Toten der Jahre 1934 1935. In: Wilfried Brosche und Eduard Kaiser (Hrsg.): Sudetendeutsches Jahrbuch 1936. 3. Folge, 3. Band, Ed. Kaiser Verlag, Großschönau Sa. 1936, S. 167.
- Heribert Sturm, Miroslav Kunštát, Ralph Melville: Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder. 1979.