Franz Ludwig von Muralt
Berner Offizier in fremden Diensten und Politiker
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Franz Ludwig von Muralt (* 16. Dezember 1638 in Bern; † 2. November 1684 ebenda) war ein bernischer Offizier in fremden Diensten und Politiker.


Leben
Herkunft und Familie
Die Familie von Muralt stammte ursprünglich aus Locarno, war aber 1555 wegen ihrer Annahme des protestantischen Glaubens zunächst nach Zürich geflohen, bevor der Wundarzt Hans Ludwig von Muralt (1546–1606) 1570 als erstes Familienmitglied ins Berner Burgerrecht aufgenommen wurde.
Franz Ludwig von Muralt wurde als dritter Sohn des Grossrats und Landvogts Jost von Muralt (* 14. Juni 1601 in Bern; † 1676 in Königsfelden) und dessen Ehefrau Maria (geb. Schwytzerysen, auch Schweizereisen), geboren. Die Familie von Muralt gehörte zum bernischen Patriziat und stellte über Generationen hinweg Offiziere und Magistratspersonen.
Franz Ludwig war der Bruder von Johann Bernhard von Muralt. Er war der Enkel des Wundarztes Hans Ludwig von Muralt und von dessen Ehefrau Maria, der Tochter des Berner Schultheissen Beat Ludwig von Mülinen. Sein Urgrossvater war Martino de Muralto und sein Ahnherr Gaffo de Muralto.
Am 27. Juni 1662 vermählte sich Franz Ludwig in Bremgarten mit Salome († 1684)[1], der Tochter des bernischen Kleinrats und Zeugherrn[2] Beat Ludwig Stürler (1615–1680). Aus dieser Verbindung gingen sieben Kinder hervor; zu diesen gehörte unter anderem der Schriftsteller, Aufklärer und Religionsphilosoph Beat Ludwig von Muralt. Seine Tochter Salome von Muralt (* 21. Mai 1683 in Bern; † 16. März 1762 ebenda) war mit dem Brigadier in französischen Diensten Beat Ludwig May (1671–1739)[3] verheiratet.
Im Jahr 1676 erwarb Franz Ludwig von Muralt das sogenannte Schlössli Rüfenacht in der Gemeinde Worb.
Frühe militärische Laufbahn
Das Leben Franz Ludwigs von Muralt war von Beginn an der militärischen Laufbahn gewidmet. Seine erste Gelegenheit ergab sich im Februar 1658, als der Stand Bern durch einen erneuerten Vertrag die Republik Venedig ermächtigte, ein Regiment von 1200 Mann anzuwerben. Dieses Regiment stand unter dem Kommando des Obersten Gabriel Wyss (1613–1684)[4]; der erst zwanzigjährige Franz Ludwig von Muralt erhielt eine Hauptmannsstelle.
Allerdings bekleidete er diese Position nicht lange. Sein Dienst in Venedig dauerte nur von 1658 bis 1659, da das Regiment bereits 1659 wieder aufgelöst wurde, nachdem es zwischen Bern und Venedig wegen der Besoldung der Mannschaft zu erheblichen Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen gekommen war.
Dienst in französischen Freikompanien
Im Jahr 1665 erteilte Bern dem französischen Residenten Honoré Courtin (1626–1703)[5], Seigneur de Moulier, die Gründung einer Freikompanie von 200 Mann, die unter dem Hauptmann Niklaus von Graffenried (1634–1698)[6] dem Dauphin als Leibwache dienen sollte. Gleichzeitig wurden jedoch auch andere Kompanien frei angeworben, welche von der Regierung von Bern nicht offiziell anerkannt waren. Eine solche nicht autorisierte Freikompanie errichtete auch Franz Ludwig von Muralt. Von 1665 bis 1668 diente er als Hauptmann einer bernischen Freikompanie in französischen Diensten. Diese Freikompanien dienten um geringeren Sold als die regulär gebildeten Einheiten, was zu Spannungen führte, da dies den Interessen der offiziell anerkannten Truppen zuwiderlief.
Die bernische Obrigkeit begegnete dieser Entwicklung mit unmissverständlicher Härte: 1668 beorderte sie unter anderem Muralt unter Androhung schwerer Sanktionen aus französischen Diensten zurück. Diese Episode verdeutlicht das für jene Ära typische Spannungsfeld zwischen privatem Militärunternehmertum und dem staatlichen Anspruch auf das Monopol der Söldnerlenkung.
Das erste Schweizer Linienregiment in französischen Diensten
Drei Jahre später, 1671, erschien der französische Brigadier Johann Peter Stuppa mit einer Vollmacht von König Ludwig XIV., um ein Linienregiment von 2400 Mann anzuwerben. Dieses sollte das erste Regiment Schweizer (siehe Schweizer Truppen in französischen Diensten für das Königshaus der Bourbonen 1589–1792) ausser der Garde in französischen Diensten werden. In dem Bestreben, nach dem Frieden von Baden im Jahr 1656 (siehe Erster Villmergerkrieg)[7] wieder einen Kern kriegserprobter Offiziere heranzubilden, zeigte sich die Berner Regierung bereitwillig, dieses neue Abkommen mit Ludwig XIV. zu schliessen.[8]
Franz Ludwig von Muralt hatte zur Annahme dieses Abkommens erheblich beigetragen und wurde für seine Vermittlungsdienste belohnt. Am 18. August 1671 erhielt er bei der Errichtung des Regiments, dessen Kommandant Johann Jakob von Erlach (1628–1694)[9] wurde, die Oberstleutnantsstelle. Ausserdem behielt er seine Freikompanie, welche in diesem Jahr vom Stand Bern förmlich anerkannt wurde.
Politische Ämter und Konflikt mit der Obrigkeit
Im März 1673 wurde Franz Ludwig von Muralt in den Grossen Rat von Bern berufen. Doch diese Ehre währte nur kurz. Am 16. März des folgenden Jahres wurde er dieses Ehrenamtes entbunden und ausserdem zu einer Busse von 200 Dublonen verurteilt. Der Oberst von Erlach erhielt eine noch höhere Strafe von 300 Dublonen, während die Hauptleute zu 100 Dublonen Strafe verurteilt wurden.
Der Grund für diese drastischen Massnahmen lag darin, dass sie den Vertragsbedingungen und dem ausdrücklichen Befehl der Obrigkeit zuwider unter dem Prinzen Louis II. de Bourbon, prince de Condé gegen die Niederlande (siehe Holländischer Krieg) marschiert waren. Besonders schwer wog, dass sie sechs Soldaten, die sich diesem Marsch widersetzt hatten, durch den Strang hatten hinrichten lassen und einen gewissen Hans Schmutz aus Murten wegen geringfügiger Ursache erschiessen liessen. Diese Vorfälle zeigen die Disziplinierungsmethoden der damaligen Militärpraxis und die Konflikte zwischen den Befehlen verschiedener Autoritäten, denen Söldneroffiziere ausgesetzt waren.
Militärische Bewährung und Auszeichnungen
Trotz der Bestrafung durch die bernische Obrigkeit nahm das Regiment von Erlach weiterhin am Krieg teil. Franz Ludwig von Muralt nahm mit demselben am 14. August 1674 an der Schlacht bei Seneffe unweit Brüssel teil, wo er sich, trotz einer Verletzung, besonders hervortat. Anschliessend kam das Regiment auf den spanischen Kriegsschauplatz. Hier zeichnete sich der Oberstleutnant von Muralt in einem Gefecht in Épinoye bei Cambrai am 4. Juli 1677 derart aus, dass er am 25. August von Ludwig XIV. zum Brigadier ernannt wurde. Bereits am 30. April 1677 hatte Franz Ludwig von Muralt auf Fürbitte seines Schwiegervaters, des Zeugherrn Beat Ludwig Stürler, seinen Sitz im Grossen Rat wieder erhalten. Die familiären Verbindungen erwiesen sich somit als entscheidend für seine politische Rehabilitation, während seine militärischen Verdienste seine Stellung im französischen Dienst festigten. Von 1677 bis 1678 diente er als Brigadier für Frankreich im Krieg gegen Spanien (siehe Devolutionskrieg).
Verwundung und Ruhestand
Im folgenden Jahr 1678 war Brigadier von Muralt bei der Belagerung von Puigcerdà in Katalonien eingesetzt. Am 13. Mai wurde er hier beim Zurückschlagen eines feindlichen Ausfalls so schwer verwundet, dass er nach Beendigung des Feldzuges im September 1678 seinen Abschied nehmen musste. Die Art und Schwere seiner Verwundung machten eine Fortsetzung der aktiven militärischen Laufbahn unmöglich.
Ludwig XIV. liess ihm in Anerkennung seiner ausgezeichneten Dienste seine Freikompanie und gab ihm überdies eine Pension von 3000 Pfund.
Diplomatische Mission
Als im März 1679 dem Regiment von Erlach vertragswidrig der Sold geschmälert wurde, beauftragte die Regierung von Bern den Brigadier von Muralt, trotz seines Sträubens, persönlich bei dem französischen Hof gegen diesen Schritt zu protestieren.
Seine Sendung hatte allerdings keinen Erfolg. Der König weigerte sich, seine Verfügung zurückzunehmen, und drohte mit drastischen Konsequenzen. Er kündigte an, die Offiziere zu entlassen, die Mannschaften dagegen zu behalten, ja sogar die Soldbündnisse und Salzverträge zu Vorzugspreisen mit dem Stand Bern aufzuheben und seinen Untertanen jeden Verkehr mit den Bernern zu verbieten. Eingeschüchtert durch diese massiven Drohungen unterliess die Regierung jeden weiteren offiziellen Schritt.
Ehrungen und Auszeichnungen
Als Namenspate der Eidgenössischen Pistolen-Konkurrenz (EPK) 1989 war François-Louis de Muralt auf dem Kranzabzeichen abgebildet – der Auszeichnung für jene Teilnehmer, die die erforderlichen Limite erfüllten.[10]
Literatur
- Franz Ludwig von Muralt. In: Sammlung bernischer Biographien. Band 1. Bern 1884, S. 394–395 (Digitalisat).
- Christian Müller (2): Franz Ludwig von Muralt. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Weblinks
- Muralt, Franz Ludwig von. In: Indexeintrag: Deutsche Biographie.