Franz Ludwig von Thürheim

österreichischer Feldmarschall From Wikipedia, the free encyclopedia

Franz Ludwig Reichsgraf von Thürheim (* 27. Juni 1710; † 10. Juni 1782 in Wien) war ein kaiserlicher Feldmarschall und k. k. Kämmerer aus dem Geschlecht der Thürheimer. Er wirkte als Mitbegründer der Theresianischen Militärakademie und ist für seine Verteidigung der Festung Schweidnitz 1758 bekannt.

Portrait Franz Ludwig von Thürheim als kaiserlicher Feldmarschall; unbekannter Künstler (Original auf Schloss Weinberg)

Biographie

Aufstieg

Der Sohn des Reichsgrafen und kaiserlichen Feldmarschalls Franz Sebastian von Thürheim (* 2. Februar 1665; † 10. April 1726) und dessen Ehefrau Maria Maximiliana Rebecca Gräfin von Salburg trat bereits mit 16 Jahren (im Todesjahr seines Vaters) in den Militärdienst des Hauses Habsburg ein. Im Jahr 1731 wurde er Rittmeister in einem Kürassier-Regiment, wechselte aber wenig später zum Infanterie-Regiment »Franz Paul von Wallis« (später k. k. 36. Linien-Infanterie-Regiment), wo sein Rang einem Hauptmann entsprach.[1]

Während des Polnischen Thronfolgekrieges zeichnete er sich am 29. Juni 1734 in der Schlacht bei Parma an der Spitze der Grenadier-Kompanie seines Regimentes aus.[1] Obwohl die Schlacht verloren ging, wurde Thürheim lobend im Schlachtbericht nach Wien erwähnt.[2] Er wurde daraufhin bald zum Oberstwachtmeister befördert und mit der Führung aller in Italien dienender Teile seines Regiments (ein Bataillon und eine Grenadier-Kompanie) beauftragt. Nachdem er dieses Kommando auch während des Feldzuges 1735 in Oberitalien innegehabt hatte, führte er seine Truppe nach dem Friedensschluss 1736 in die Garnisonen nach Siebenbürgen zurück.[3]

Thürheim stieg zum Oberstleutnant auf und kommandierte im Russisch-Österreichischen Türkenkrieg (1736–1739) die zwei Bataillone und zwei Grenadier-Kompanien des Regiments bei der Feldarmee. Im Jahr 1737 nahm er an der Belagerung von Nissa sowie der Erstürmung von Uštza teil. Aufgrund seiner Verdienste erfolgte mit Dekret vom 2. Juni 1738 seine Beförderung zum Oberst und die Ernennung zum Kommandant des Regiments »Franz Wenzel Wallis« (später 59. Linien-Infanterie-Regiment).[3] Zwei Bataillone des Regiments mit den Grenadieren vereinigten sich 1738 mit der Hauptarmee bei Caransebeș. Mit dieser nahmen sie am 4. Juli des Jahres am Gefecht von Kornia und am 9. Juli bei der Einnahme von Mehadia teil.[4]

In den Jahren des Österreichischen Erbfolgekriegs (1740–1748) stieg Graf Thürheim sukzessive auf. Zunächst führte er das Regiment, dessen Inhaber seit 1740 Leopold Joseph von Daun war, auf dem böhmischen Kriegsschauplatz, wo es sich in der Schlacht bei Chotusitz am 17. Mai 1742 auszeichnete. Allerdings waren dabei schwere Verluste von 24 Offizieren und 422 Mann an Toten und Verwundeten zu beklagen, zu denen auch Thürheim gehörte, der eine schwere Verwundung am Kopf erlitt.[3] Zeitlebens musste er deshalb ein „silbernes Hirnblättchen“ tragen.[1] Der Graf konnte jedoch bald in den Dienst zurückkehren und sich im Gefecht bei Simbach am 9. Mai 1743 erneut auszeichnen, woraufhin er zum Generalfeldwachtmeister befördert wurde. Das Ernennungsdekret vom 22. Januar 1744 beschreibt ihn als „von ihme selbst von Jugend auf in den Italiani, Türkisch- und dermaligen Krieg geleisteten treu eifrigen Felddiensten, darin überkommenen schweren Blessuren, in allen Vorfallenheiten bezeigten Bravour und vernünftigen Conduite, besitzenden guten Kriegsexperienz und Geschicklichkeit nicht minder in dem ihm begleitenden ruhmwürdigen Eigenschaften u. s. w.“.[3] Die weiteren Feldzüge der Jahre 1744 bis 1745 diente der als „soldatisch-bieder“[5] geltende Thürheim als Kommandant verschiedener Verbände.

Theresianische Militärakademie

Theresianische Militärakademie vor 1768

Von 1751 bis 1752 wurde Thürheim als Festungskommandant von Temeswar eingesetzt und avancierte am 25. Juli 1752 zum Feldmarschallleutnant. Der Kontakt und das Vertrauensverhältnis zu seinem ehemaligen Regimentschef Graf Daun riss jedoch nicht ab. Als dieser Ende 1751 mit dem Aufbau einer neuartigen Militärakademie in Wiener Neustadt betraut wurde, zog er Thürheim zur Unterstützung heran. Bereits am 11. November 1752 konnte die Akademie eröffnet werden, deren erster »Unter-« oder »Localdirector« Graf Thürheim wurde.[6]

Da die Bildungsanstalt regelmäßig von Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Franz I. besucht wurde, pflegte er nunmehr unmittelbaren Umgang mit den höchsten Kreisen. Bei diesen Gelegenheiten ließ er die Kadetten öffentlich exerzieren und Vorführungen darbieten.[7] Zum seinem Wirken als Direktor hieß es später:

„Der einfache und gerade Thürheim, der wegen seiner kurzen und kernigen Sprache bekannt war, besaß bei vielem militärischen Geiste, den er der Jugend einzuflößen wußte, auch die Gabe, auf das Gemüth derselben zu wirken und sich ihre Liebe und ihr Vertrauen zu erwerben; er gab sich viel mit seinen Zöglingen ab, sorgte für ihre Bedürfnisse und wußte seinen Einwirkungen auf deren Bildung ohne Zwangsmittel Erfolg zu verschaffen.“

Theodor Ignatz Leitner[8]

Nach Ausbruch des Siebenjährigen Krieges bewarb sich Thürheim um ein Truppenkommando und legte am 17. August 1756 sein Amt als »Unterdirektor« nieder.[5]

Siebenjähriger Krieg

Darstellung der Belagerung von Schweidnitz 1758 (zeitgenössischer Kupferstich aus England)

Auf dem böhmischen Kriegsschauplatz kommandierte Graf Thürheim in den folgenden Monaten verschiedene Truppenabteilungen und wurde im Februar 1757 Inhaber eines Infanterie-Regiments, das nunmehr die Bezeichnung »k.k. Infanterie-Regiment Thürheim« (später Kaiserliches Infanterieregiment No. 25) führte. Der vorherige Inhaber General Ottavio Piccolomini war kurz zuvor einem Schlaganfall erlegen.

Als die preußische Armee im Frühjahr 1757 zu einer erneuten Invasion Böhmens schritt, zog der österreichische Oberbefehlshaber Prinz Karl Alexander von Lothringen seine Truppen bei Prag zusammen. Bei einem Kriegsrat 2. Mai wurde beschlossen, Thürheim als Kommandant der Festung Prag einzusetzen und die Garnison auf 18 Bataillone und 18 Grenadier-Kompanien aufzustocken.[9] Über Thürheims Tätigkeit hieß es: „Er handhabte mit Energie und Strenge die Ordnung in der böhmischen Hauptstadt und verhängte über einige der angesehensten Bürger, welche sich grobe Nachlässigkeiten und Renitenz hatten zu Schulden kommen lassen, sozusagen im Angesichte des vor den Thoren der Stadt stehenden Feindes, die damals schimpfliche Strafe, umgekehrt auf einem Esel durch die Hauptstraßen der Stadt zu reiten.“[3] Die Österreicher wurden am 6. Mai 1757 in der Schlacht bei Prag besiegt und große Teile der Hauptarmee sowie der Oberbefehlshaber Karl Alexander on Lothringen flüchteten sich in die Stadt, wo sie von den Preußen belagert wurden. Graf Thürheim wurde während der Belagerung die Verteidigung der Kleinseite mit der Prager Burg zugewiesen.[10]

Die Preußen mussten sich nach ihrer Niederlage in der Schlacht bei Kolin am 18. Juni 1757 zurückziehen und die Belagerung Prags wurde aufgehoben. Graf Thürheim wurde zum 2. September 1757 zum Feldmarschallleutnant befördert. Die Österreicher begannen nun ihrerseits eine Offensive in deren Verlauf es ihnen gelang die preußischen Truppen zurückzudrängen. Ende September rückte ein Korps unter General Franz Leopold von Nádasdy rückte vor die wichtige preußische Festung Schweidnitz und konnte diese bis zum 14. November 1757 erobern (→ Belagerung von Schweidnitz). Thürheim wurde als neuer Kommandant eingesetzt mit dem Auftrag die Festungsanlagen wieder instand zu setzen und die Verteidigung zu organisieren. Dies gelang nur teilweise bevor die Preußen nach ihrem Sieg in der Schlacht bei Leuthen am 5. Dezember 1757 wieder in die Vorhand kamen. Bereits ab dem Januar 1758 blockierte Generalleutnant Heinrich August de la Motte Fouqué mit seinem Korps die Zugänge nach Schweidnitz während große Teile von Thürheims 7.000 Mann starker Garnison wegen Krankheiten ausgefallen waren.[11] Am 1. April begann der förmliche Belagerungsangriff (→ Belagerung von Schweidnitz), die in der Nacht des 15./16. April mit der Erstürmung des »Galgenforts« ihren Höhepunkt erreichte. Ohne Aussicht auf Entsatz und Angesichts einer schwindenden Besatzung kapitulierte Graf Thürheim noch im Verlauf des folgenden Tages vor Generalleutnant Joachim Christian von Tresckow. Ihm wurden die gleichen Bedingungen gewährt wie der preußischen Besatzung einige Monate zuvor. Am 18. April zogen die Österreicher unter Waffen und mit klingendem Spiel aus der Festung, streckten auf dem Feld davor die Waffen und gingen in Gefangenschaft.[12]

Spätere Karriere

Tor der Festung Magdeburg (Photographie von 1870)

Noch wenige Wochen zuvor waren gefangene Generale ausgetauscht worden, so zum Beispiel auch Generalleutnant von Tresckow. Graf Thürheim blieb jedoch für den Rest des Krieges in Gefangenschaft, was manche Beobachter mutmaßen darauf zurückführten, dass Thürheims hartnäckige Verteidigung von Schweidnitz die Feldzugspläne Friedrichs II. verzögert habe und der König sich dafür nun rächte.[3] Im Sommer 1761 entzündete sich ein Streit zwischen Preußen und Österreich über die Behandlung gegenseitig gefangengehaltenen Generale und im Zuge dessen wurde Thürheim zusammen mit drei weiteren österreichischen Generalen zeitweise in der Zitadelle Magdeburg inhaftiert. Der Streit wurde 1762 beigelegt und die Generale daraufhin aus der Zitadelle befreit.[13] Erst nach dem Friedensschluss vom Februar 1763 konnte Thürheim nach Wien zurückkehren.

Mit Dekret vom 23. April 1763 wurde er zum Feldzeugmeister befördert und gleichzeitig zum Gouverneur der Festung Luxemburg ernannt.[3] Am 1. Mai 1773 ehrten ihn Kaiser und Kaiserin mit dem Titel eines Hauptmanns der k.k. Trabantenleibgarde zu Fuß.[14] Schließlich rückte er am 18. März 1778 (Rang vom 1. Juni 1766) zum kaiserlichen Feldmarschall auf bevor er 1782 verstarb.[3]

Thürheim hatte 1741 Elisabeth von Bogotsnak geheiratet, doch die Ehe blieb kinderlos. Sie starb im Herbst 1787. Die Besitzungen Thürheims, unter anderem das Ritterlehngut Biberachzell fielen an den bayerischen Zweig des Adelsgeschlechts.[3]

Literatur

  • Großer Generalstab / Kriegsgeschichtliche Abteilung (Hrsg.): Der Siebenjährige Krieg 1756–1763, Bd. 5: Olmütz und Crefeld, Verlag Ernst Siegfried Mittler & Sohn, Berlin 1909 (= Die Kriege Friedrichs des Großen, Theil 3).
  • Thürheim, Franz Ludwig Graf, in: Constant von Wurzbach (Hrsg.): Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, Bd. 44, Wien 1882, S. 288–291.
  • Andreas von Thürheim: Feldmarschall Otto Ferdinand Graf von Abensperg und Traun, 1677-1748 - Eine militärhistorische Lebensskizze, Wien 1877.

Einzelnachweise

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