Franz Pfeffer von Salomon

Offizier, deutscher Freikorps- und SA-Führer, Politiker (NSDAP), MdR From Wikipedia, the free encyclopedia

Franz Ferdinand Felix Pfeffer von Salomon, meist kurz Franz von Pfeffer (* 19. Februar 1888 in Düsseldorf; † 12. April 1968 in München), war ein deutscher Offizier und Politiker. Pfeffer wurde vor allem bekannt als Oberster SA-Führer, d. h. höchster Kommandierender der Privatarmee der NSDAP, während der Jahre 1926 bis 1930.

Franz Pfeffer von Salomon
Franz Pfeffer von Salomon (rechts neben Hitler) auf dem Reichsparteitag der NSDAP 1927 in Nürnberg. Links Himmler, Heß, Gregor Strasser.

Leben und Tätigkeit

Herkunft und frühe Jahre

Pfeffer stammte aus einer niederrheinischen Familie, die 1862 nobilitiert wurde.[1] Der doppelte Nachname der Familie war eine Folge der Ehe seines Urgroßvaters Friedrich Peter Pfeffer mit der Josephine von Salomon: Der gemeinsame Sohn Ferdinand Pfeffer (1822–1901), ein preußischer Oberst der Kavallerie und Pfeffers Großvater erhielt anlässlich seiner Nobilitierung 1862 eine Verbindung aus den Namen beider Eltern.[2]

Pfeffer selbst war ein Sohn des preußischen Geheimen Regierungsrats Max Pfeffer von Salomon (1854–1918) und seiner Ehefrau Anna von Clavé-Bouhaben (1862–1919), eine Tochter des preußischen Appellationsgerichtsrats und Gutsbesitzers in Königswinter Franz von Clavé-Bouhaben und dessen Ehefrau Maria Coninx. Zu seiner unmittelbaren Familie gehörte noch der jüngere Bruder Friedrich „Fritz“ Pfeffer von Salomon (1892–1961, Charlottenburg), der es zum Polizeipräsidenten in Kassel und Leiter der dortigen Gestapo brachte.

Nach dem Schulbesuch studierte Pfeffer Rechtswissenschaften in Heidelberg, Marburg und Münster. In Heidelberg wurde er 1907 Mitglied des Corps Vandalia Heidelberg.[3] Sein Referendarexamen legte er 1910 in Hamm ab. Er trat dann als Fahnenjunker in das Infanterie-Regiment Nr. 13 in Münster ein und avancierte 1911 zum Leutnant.

Am Ersten Weltkrieg nahm er als Hauptmann und Bataillonskommandeur teil.

Weimarer Republik

Nach Kriegsende beteiligte Pfeffer sich mit seinem „Freikorps Westfalen“ am Kapp-Putsch und bekämpfte die Aufstände im Ruhrgebiet gegen die dortige Rote Ruhrarmee sowie in Oberschlesien und im Baltikum.

Zwischen 1923 und 1925 engagierte er sich gegen die französisch-belgische Ruhrbesetzung und wurde von französischer Seite zum Tode verurteilt. 1924 gründete er gemeinsam mit Joseph Goebbels und Karl Kaufmann den Gau Westfalen der NSDAP. Zum 10. März 1925 trat er der Partei bei (Mitgliedsnummer 16.101).[4] Ab 1926 leitete er den Gau Ruhr mit. Im Juni 1926 bewohnte Hitler für eine Woche bei seinem ersten Besuch in Westdeutschland ein Zimmer im Gut von Pfeffer. Der Adelssitz Haus Busch war seit 1920 von Pfeffer gepachtet. Hitler ernannte Franz Pfeffer von Salomon bei der Bildung der Obersten SA-Führung (OSAF) am 1. November 1926 zum „Obersten SA-Führer“. Heinrich Himmler wurde in München Pfeffers Sekretär.

Unter Pfeffer entwickelte sich die SA zu einem weitgehend unabhängigen, zentral gelenkten Kampfverband. Die Mitgliederzahl stieg von etwa 30.000 (1924) auf 80.000 (1930).

Nach Meindungsverschiedenheiten zwischen Pfeffer und Hitler über den Einfluss der NSDAP auf die SA und die Frage der Berücksichtigung von SA-Vertretern auf der Kandidatenliste der NSDAP für die im September 1930 stattfindende Reichstagswahl, reichte Pfeffer am 12. August 1930 sein Abschiedsgesuch als OSAF bei Hitler ein. Am 29. August legte er sein Amt dann nieder, führte die Geschäfte des OSAF aber noch kurzzeitig weiter. Am Abend des 1. September gab Hitler in seiner Versammlung im Berliner Kriegervereinshaus Pfeffers Rücktritt als OSAF sowie seine Entscheidung, das OSAF-Amt zukünftig selbst zu übernehmen, öffentlich bekannt.

Die täglichen Geschäfte der Leitung der SA als Organisation übertrug Hitler nach Pfeffers Ausscheiden kommissarisch an dessen Stabsführer Otto Wagener. Anfang Januar 1931 übernahm dann Ernst Röhm den neugeschaffenen Posten des Stabschefs der SA. Dieser war fortan de facto der Kommandeur der SA und übte die zuvor von Pfeffer als OSAF ausgeübte Funktion aus, wenngleich nominell Hitler fortan der Oberste Führer der SA war, in dessen Auftrag und in dessen Namen der Stabschef der SA sein Amt versah.

NS-Zeit

Wenige Monate vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Januar 1933 erhielt Pfeffer anlässlich der Reichstagswahl vom November 1932 als Kandidat der NSDAP ein Mandat für den Reichstag. Er gehörte dem Reichstag – der im Jahr 1933 freilich zu einem politisch machtlosen Repräsentations- und Akklamationsorgan herabsank – anschließend knapp neun Jahre lang bis zum November 1941 als Abgeordneter an.

Während der NS-Zeit nannte Pfeffer sich offiziell nur noch „von Pfeffer“ und verzichtete auf den zweiten Teil seines Namens, da „Salomon“ als typisch jüdischer Name verpönt war.

Als Parteifunktionär gehörte Pfeffer in den 1930er-Jahren dem „Verbindungsstab des Führers“ in der Reichskanzlei an. Ab 1933 nahm Pfeffer wieder regelmäßig an den NSDAP-Reichsparteitagen in der alten Uniform mit dem Dienstrang eines SA-Oberführers teil.

Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Pfeffer im September 1939 in Haft genommen und anschließend für sieben Monate im Hausgefängnis des Geheimen Staatspolizeiamtes in der Prinz-Albrecht-Straße in Berlin inhaftiert.

Nach dem Englandflug von Rudolf Heß im Mai 1941, bei dem dieser in alliierte Gefangenschaft genommen wurde, verdächtigte Hitler Pfeffer bei einer Besprechung vor den Gauleitern der Partei von Heß’ abenteuerlichen Vorhaben vorher gewusst zu haben. Pfeffer, dem dies hintertragen wurde, schrieb daraufhin einen Beschwerdebrief an Hitler. Hitler verlangte als Reaktion hierauf von Pfeffer die Preisgabe des Namens des Gauleiters, der ihm seine Äußerung mitgeteilt hatte. Nachdem Pfeffer sich weigerte, den Namen des Betreffenden zu verraten, wurde er für mehrere Monate in Beugehaft im Hausgefängnis des Gestapohauptquartiers genommen und am 24. November 1941 auf Anordnung Hitlers aus der NSDAP ausgeschlossen. Nachdem es ihm gelang, einen zweiten Beschwerdebrief aus der Haft herauszuschmuggeln, erschien Hitlers Stabsleiter Martin Bormann bei ihm und machte ihm das Angebot, dass er freigelassen würde und eine lebenslängliche OSAF-Pension erhalten würde, wenn er im Gegenzug seinen Wohnort Pasing nicht mehr ohne Genehmigung verlassen und „keinen Wirbel“ mehr machen würde.

Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 hielt sich Pfeffer zunächst auf den Gütern von Bekannten verborgen. Um den 15. August 1944 meldete er sich schriftlich bei Heinrich Himmler und wurde, trotz gegenlautender Zusicherungen, verhaftet und in das Gefängnis in der Berliner Lehrterstraße eingeliefert.

Nachkriegszeit

Pfeffer engagierte sich während der späten 1940er und frühen 1950er Jahre im hessischen Landesverband der Deutschen Partei.

Ehe und Familie

Pfeffer war mit Maria Raitz von Frentz (1895–1984), eine Tochter des Freiherren Adolf Raitz von Frentz (1843–1907), verheiratet.

Das Paar hatte zwei Söhne und drei Töchter:

  • Irmgard (1923–2017), Dr. rer. nat., Biologin ⚭ Friedemann von Wintzingerode (1913–1964), Farmer in Südafrika
  • Erfa Mathilde (1925–2007), kaufmännische Angestellte ⚭ Curt Cruciger (1906–1991), kaufmännischer Angestellter
  • Kunigunde (1927–2006), Dr. rer. nat., Biologin ⚭ Jobst Hülsemann (* 26. Juni 1926; † 2002), Dr. phil., Geologe
  • Ferdinand (1929–2023), Dr. iur., Rechtsanwalt ⚭ Christa-Maria (1939–2022), Dipl.-Bibliothekarin
  • Max (* 1932), Staatsanwalt in Kapstadt (Südafrika)

Bewertungen

Pfeffers Biograf Fraschka bewertete diesen als „[ein] Nationalsozialist aus Überzeugungsgründen“ und „kein kaltblütiger Machtmensch und reiner Karrierist“, wie Himmler, Göring oder Goebbels gewesen sei: Er habe sich in der NSDAP engagiert, da er nur in dieser das Potenzial gesehen habe, den Weimarer Staat zu zerstören, woran er aufgrund seines Selbstverständnisses an prominenter Stelle mitwirken habe wollen.

Ideologische Ausrichtung

Nach Roger Griffin vertrat Pfeffer eine für den Nazismus typische völkischetotalitäre Ethik“, mit der der liberale Humanismus überwunden werden sollte. In einem Memorandum, das auf Weihnachten 1925 datiert und an die höhere Führerschaft der NSDAP gerichtet war, formulierte er einen laut Griffin „rücksichtslos antiegalitären Standpunkt bei der Frage, wie man bessere Deutsche hervorbringen könne“:

„In dieser Grundauffassung letzten Endes zu wurzeln, bezichtige ich das Strasserische Programm (und fürchte ich nur allzu viele Gedanken bezichtigen zu müssen, die in unserem Lager ‚Sozialistisch‘ benannt werden). Es ist die jüdisch-liberal-demokratisch-marxistisch-humanitäre Grundauffassung. Solange unser Programm auch nur mit einer kleinen Wurzelfaser daraus saugt, ist es der Vergiftung, der Verkümmerung und dem elenden Untergang verfallen.“[5]

In diesem Memorandum verkündete er auch, wer nicht Teil der neuen Volksgemeinschaft zu sein habe:

„Kein Erbarmen mit den letzten Stufen innerhalb dieser minderwertigen Gruppe. – Krüppel, Epileptikern, Blinden, Irren, Taubstummen, Trinkerheilanstalten- [sic], Fürsorgezöglingen, Waisen, Verbrechern, Dirnen, Sexualgestörten u. s. w. Jede Leistung für sie muß nicht nur den Leistungen an richtiger Stelle abgezogen werden, sondern wirkt unmittelbar der geplanten Zuchtwahl entgegen. Aber auch Dummen, Schwachen, Haltlosen, Energielosen, Erblich-Belasteten, Krankhaft-Veranlagten dürfen wir nicht nachweinen, weil sie ‚schuldlos‘ untersinken. […] Die letzte Stufe heißt Untergang und Tod. Gewogen und zu leicht gefunden. Fruchtlose Bäume sollt ihr aushacken und ins Feuer werfen.“

Die letzten beiden Sätze zitiert nach Dan 5,27 LUT und Lk 3,9 LUT.[5]

Archivarische Überlieferung

Das Institut für Zeitgeschichte verwahrt zwei Materialsammlungen zu Pfeffer von Salomon mit Korrespondenzen und Aufzeichnungen aus den 1950er- und 1960er-Jahren. Diese sind digitalisiert worden und stehen der Öffentlichkeit barrierefrei online zur Sichtung und Lektüre frei (Institut für Zeitgeschichte: Zeugenschrifttum Pfeffer 1; und Institut für Zeitgeschichte: Zeugenschrifttum Pfeffer 2).

Literatur

Biografien:

  • Mark A. Fraschka: Franz Pfeffer von Salomon: Hitlers vergessener Oberster SA-Führer. Wallstein Verlag, Göttingen 2016, ISBN 978-3-8353-1909-7.[6]

Einträge in Nachschlagewerken:


Spezialarbeiten mit Bezug auf Pfeffer:

  • Ingo Nathusius: Am rechten Rand der Union. Der Weg der Deutschen Partei bis 1953. Dissertation, Mainz 1992 (Informationen über Pfeffers politischen Werdegang nach dem Zweiten Weltkrieg): ingonathusius.de (PDF; 38 MB).
  • Bernhard Sauer: Vom Mythos eines ewigen Soldatentums. Der Feldzug deutscher Freikorps im Baltikum im Jahre 1919. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 1995, 43, Heft 10; bernhard-sauer-historiker.de (PDF; 7,4 MB).
  • Bernhard Sauer: Verräter waren bei uns in Mengen erschossen worden. Die Fememorde in Oberschlesien 1921. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 2006, 54, Heft 7/8; bernhard-sauer-historiker.de (PDF; 0,1 MB).
  • Ralf Blank: Konstruierte Geschichte und museale Erinnerungskultur. Das „Führer-Zimmer“ auf Haus Busch und das Vincke-Gedenken im „Dritten Reich“. In: Einblicke – Zeitschrift für Regionalgeschichte, Juli 2003, 3. Jahrgang, Ausgabe 3; historisches-centrum.de (Memento vom 9. März 2005 im Internet Archive)

Genealogie:

Commons: Franz Pfeffer von Salomon – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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