Freihunger Störung
Störungslinie im Oberpfälzischen Hügelland
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Die Freihunger Störung ist eine Störungslinie im Oberpfälzischen Hügelland. Dabei handelt es sich um eine Aufschiebung mit bis zu 1 300 m Sprunghöhe.[1]
Geografie

Mehrere Verwerfungen durchziehen die nördliche Frankenalb in Südost-Nordwest-Richtung und gliedern sie in einzelne Gesteinsschollen. Die Freihunger Störungszone (oft synonym als Weißmain-Freihunger Verwerfung und Kirchenthumbach-Freihunger Störung bezeichnet) stellt eines der bedeutendsten tektonischen Elemente im nordostbayerischen Bruchschollenland dar. Als Teil des übergeordneten fränkischen Störungssystems markiert sie eine markante geologische Trennlinie in der Oberpfalz und bildet dabei die am weitesten nordöstlich gelegene Störungszone. Die Störung folgt einer herzynischen Streichrichtung (Nordwest – Südost) und erstreckt sich über eine Distanz von rund 75 km Kilometern. Ihr Verlauf lässt sich von Luhe im Südosten über Ehenfeld, Freihung, Kirchenthumbach, Sassenreuth, Schnabelwaid bis in den Raum Creußen und Bayreuth im Nordwesten verfolgen. Damit bildet sie eine strukturelle Grenze zwischen dem kristallinen Grundgebirge, der Böhmischen Masse und dem mesozoischen Vorland (Süddeutsches Schichtstufenland), zwischen dem Juragebirge im Westen und dem Keupergebiet im Osten.
In ihrer Genese handelt es sich primär um eine südwestvergente Aufschiebungszone. Im Zuge der Alpidischen Orogenese kam es zu einer starken Einengung des Krustenbereichs. Dabei wurden ältere Gesteinseinheiten auf jüngere Schichten aufgeschoben. Ein charakteristisches Merkmal dieser Zone ist die extreme Deformation, Überkippung und Steilstellung der betroffenen Sedimente. Die Schichten der Oberkreide wurden entlang der Verwerfungsfläche massiv gestaucht und in eine vertikale Position gezwungen. Am Ostrand des Juragebirges (z. B. am Kütschenrainberg) hat die Verwerfung zu einer steilen Aufrichtung der Gesteinsschichten geführt. In Bereichen maximaler tektonischer Belastung gingen die Bewegungen über eine bloße Aufrichtung hinaus, sodass die Schichtfolge überkippt (invers) vorliegt, stratigraphisch jüngere Schichten liegen räumlich unter älteren. Die Verwerfung fungiert als scharfe lithologische Grenze. Besonders prägnant ist der Kontakt, an dem Sedimente der Oberkreide (beispielsweise die Amberger Erzformation oder die Parkstein-Formation) unmittelbar an die wesentlich älteren Schichten des Keupers (Oberer Trias) grenzen. Diese Diskontinuität verdeutlicht das Ausmaß des vertikalen Versatzes, der an dieser Bruchlinie stattgefunden hat.
Die Verwerfungszone ist für den Bergbau von großer Bedeutung. Eisenerz-Vorkommen bei Sassenreuth, Kirchenthumbach und am Schwarzenberg finden sich teils direkt in der Verwerfungskluft oder in Verbindung mit tonigen Schichten und gelben Sanden. Das bekannteste Bleierz-Vorkommen liegt im Erzrevier Freihung, wo bleihaltige Keuperschichten direkt an die Störung grenzen.[2][3]
Die Ehenfelder Schichten (Roding-Formation)
Die Ehenfelder Schichten, oft synonym mit der Roding-Formation verwendet, stellen eine bedeutende Gesteinsabfolge der Oberkreide in der Oberpfalz dar. Sie sind geologisch bedeutsam, da sie entlang der Freihunger Störungszone zwischen Ehenfeld und Freihung stark verkippt und teilweise überkippt wurden. Diese Schichten sind ein Zeugnis für die wechselvolle geologische Geschichte und die tektonischen Prozesse im Raum Ehenfeld–Freihung. Die Abfolge zeichnet sich durch eine charakteristische Mischung aus terrestrischen und marinen Sedimenten aus. Die Hauptkomponenten bestehen vorwiegend aus feinkörnigen Quarz-Kaolin-Sandsteinen sowie farbintensiven, bunten Tonen. Während im Nordwesten eher sandig-tonige Ablagerungen (Michelfelder Schichten) dominieren, treten im Bereich der Vilsecker Kreidemulde grobkörnigere Varianten der Ehenfelder Schichten auf. In der untersten Stufe der Formation kam es entlang der Freihunger Störungszone zu einer kieseligen Verfestigung der Grobsandsteine. Aufgrund ihrer Härte wurden die kieselig gebundenen Sandsteine zwischen Ehenfeld und Freihung über lange Zeit hinweg bergbaulich genutzt. Sie dienten als Rohstoff für die Fertigung von Mühlsteinen, was der Region eine spezifische wirtschaftshistorische Bedeutung verlieh.
Die Schichtenfolge dokumentiert einen schwankenden Meeresspiegel in der Oberkreide. Über den terrestrischen Basisschichten folgen alternierend marine Ablagerungen (wie der Seugaster Sandstein) und erneut festländische (terrestrische) Schichten. In der Vilsecker Mulde erreichen diese tonig-sandigen Bildungen eine beachtliche Mächtigkeit von bis zu 200 Metern. Die Serie wird nach oben hin von Schottern abgeschlossen, die als Abtragungsschutt des aufsteigenden Grundgebirges interpretiert werden. Die heutige Lage der Ehenfelder Schichten ist das Ergebnis massiver erdgeschichtlicher Spannungen. Die Tatsache, dass die Oberkreide-Sedimente über verschieden alten Schichten lagern, beweist, dass bereits vor der Oberkreide Hebungen und Abtragungsprozesse (Erosion) stattfanden. Im Alttertiär kam es zu bedeutenden tektonischen Verschiebungen. Das Grundgebirge wurde auf das Weidener Becken aufgeschoben, welches wiederum auf die Frankenalb geschoben wurde. An den daraus resultierenden Störungsflächen wurden die Gesteinsschichten massiv verbogen. Dies führt dazu, dass die ursprünglich horizontal gelagerten Schichten heute teilweise senkrecht stehen.[4]
Massenrichter Mühlsteinbrüche

Die Entstehung der Mühlsteinbrüche westlich von Massenricht ist ein mehrstufiger geologischer Prozess, der weit über die einfache Sedimentation hinausgeht. Er ist das Ergebnis eines Zusammenspiels aus Verwitterung, Tektonik und hydrothermaler Aktivität. Die Basis bildeten die feldspatreichen Sandsteine der Oberkreide. Unter dem damaligen Klima verwitterten die enthaltenen Feldspäte zu Kaolin. Es entstand ein poröser Quarzsandstein, da die Feldspatanteile gelöst wurden und Hohlräume hinterließen. Dies erklärt das Vorkommen des wertvollen „Ehenfelder Tons“ direkt neben den harten Gesteinspartien. In dem Prozess der Verkieselung (Silifizierung) erfolgte die Umwandlung des weichen Sandsteins in den extrem harten Quarzit durch aufsteigende, kieselsäurehaltige wässrige Lösungen. Die freien Porenräume des Sandsteins wurden mit Kieselsäure ausgefüllt. Dieser Prozess schuf ein extrem widerstandsfähiges Gestein, das durch die chemische Bindung weit härter ist als gewöhnlicher Sandstein.[5]
Die Lage an der Freihunger Störungszone war entscheidend für die Qualität des Materials. Durch massive tektonische Bewegungen wurde der bereits verfestigte Quarzit mechanisch zertrümmert (Brekziierung). In die neu entstandenen Klüfte und Risse drang erneut Kieselsäure ein. Über Millionen von Jahren „verheilten“ diese Brüche und bildeten ein massives, extrem belastbares Felsgefüge. Die ehemals flach liegenden Schichten wurden bei diesen Prozessen wie eine Buchseite aufgerichtet, was heute im Geotop als steil stehende Felswände sichtbar ist.[3][4]
Der Mühlsteinfelsen zeichnet sich durch seine charakteristische Härte und gleichzeitige Porosität aus. In seinen zahllosen kleinen Hohlräumen bilden sich feine Quarzfäden, die in ihrer Struktur an biologisches Knochengewebe erinnern. Die Bearbeitungsspuren der jahrhundertelangen Nutzung, da der Quarzit aufgrund seiner Schärfe und Härte ideal für das Mahlen von Getreide war. Massenrichts Mühlsteinbrüche erscheinen um 1660 erstmals in offiziellen Gerichtsunterlagen. Mathias von Flurl ergänzte 1792, dass der Abbau dort bereits auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblicke.[6] Im Jahr 1801 wurde der Betrieb des Steinbruchs von acht Arbeitern bewirtschaftet. Diese beförderten die gebrochenen Steine mithilfe einer Winde und Hanfseilen aus einer Tiefe von rund 63 Metern (36 Klafter) an die Oberfläche. Die produzierten Steine wiesen eine Höhe von 0,86 m (34 Zoll) mit einem Durchmesser von 1,00 m (40 Zoll) ein Gewicht: bis zu 1,7 Tonnen (34 Zentner) auf. Die außergewöhnliche Härte des Gesteins verdeutlicht der enorme Verschleiß der Werkzeuge. Jeder Steinhauer verbrauchte pro Tag etwa acht Hacken, die von einem eigens dafür angestellten Schmied geschärft werden mussten. Zwei Faktoren führten im Jahr 1893 zur Einstellung des Abbaus. Ein massiver Wassereinbruch im Steinbruch sowie der technologische Wandel in der Mahltechnik, bei dem die traditionellen Mühlsteine durch moderne Eisenwalzen ersetzt wurden.[7] Die Mühlsteinquader wurden unter anderem beim Bau des Hirschauer Kirchturms im Jahr 1752 genutzt. Mit rund vierzig Beschäftigten sicherte der Abbau in den Mühlsteinbrüchen über lange Zeit einen gewissen Wohlstand, bevor der Bergbau eingestellt wurde. Heute hat das Gelände eine neue Bestimmung gefunden. Die von Klettersportlern gepflegte, rund dreißig Meter hohe Steilwand ist durch fest installierte Sicherungshaken als anspruchsvolles Revier für Alpinisten erkennbar.[8][9]