Fridolín Macháček
From Wikipedia, the free encyclopedia
Fridolín Macháček (* 20. März 1884 in Prag; † 29. März 1954 in Pilsen) war ein tschechischer Historiker, Archivar, Denkmalpfleger, Autor und Holocaust-Überlebender.[1][2]

Er gehörte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den bedeutenden Regionalhistorikern Westböhmens und war über Jahrzehnte mit dem kulturellen und wissenschaftlichen Leben der Stadt Pilsen verbunden. Internationale Bekanntheit erlangte er posthum durch seinen 1946 veröffentlichten Erinnerungsbericht über Haft und Deportation im nationalsozialistischen Konzentrationslagersystem.
Leben
Herkunft und Ausbildung
Macháček wurde als ältester Sohn von František und Vilémína Macháček in Prag geboren. Trotz bescheidener wirtschaftlicher Verhältnisse ermöglichten ihm seine Eltern den Besuch eines Gymnasiums.
1902 nahm er an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität Prag ein Studium der Geschichte und Geographie auf. Während des Studiums spezialisierte er sich auf böhmische Landesgeschichte und historische Quellenforschung.
1908 schloss er sein Studium mit der Promotion zum Doctor philosophiae (PhDr.) ab.
Beruflicher Werdegang
Bereits 1907, noch vor Abschluss seiner Promotion, wurde der 23-jährige Macháček zum Direktor des historischen Stadtmuseums in Pilsen berufen.[3]
In den folgenden Jahrzehnten übernahm er zahlreiche wissenschaftliche, kulturelle und denkmalpflegerische Funktionen. Nach der Gründung der Tschechoslowakei wurde er 1918 zum leitenden Sekretär der Denkmalkommission des Nationalausschusses in Pilsen ernannt.
Weitere Funktionen umfassten unter anderem:
- Mitglied des Beirats tschechoslowakischer Museen (ab 1919),
- Mitglied des Museumsrates des Tschechoslowakischen Museumsbundes,
- Bezirksdenkmalpfleger für Pilsen,
- Mitglied der Königlich Böhmische Gesellschaft der Wissenschaften,
- Lehr- und Vortragstätigkeit als Dozent.
Macháček verband in Personalunion wissenschaftliche Forschung, Archivwesen, Museumsarbeit, Denkmalpflege, Volksbildung und publizistische Tätigkeit. Er veröffentlichte zahlreiche Arbeiten zur Stadt- und Regionalgeschichte Westböhmens und war als Herausgeber, Redakteur und Lektor tätig.
Verfolgung während der deutschen Besatzung
Nach der deutschen Besetzung der Tschechoslowakei im März 1939 verlor Macháček schrittweise einen Großteil seiner öffentlichen Funktionen. 1941 wurde er durch deutsche Behörden seiner Funktionen im Stadtarchiv und Museum in Pilsen enthoben und zwangsweise pensioniert. Trotzdem setzte er seine historische und volksbildnerische Arbeit fort und hielt weiterhin Vorträge zur tschechischen Geschichte und Kultur. Diese Aktivitäten wurden von den Besatzungsbehörden als Ausdruck nationaler Widerstandshaltung interpretiert.
Im Januar 1944 wurde Macháček von der Gestapo in Pilsen verhaftet. Ihm wurde die Verbindung zu tschechischen Widerstandskreisen vorgeworfen. Nach monatelangen Verhören und Misshandlungen wurde er im Mai 1944 zunächst in die Kleine Festung Theresienstadt eingeliefert.
Am 11. Juni 1944 erfolgte seine Registrierung im KZ Flossenbürg unter der Häftlingsnummer 11934.[4]
Mit 60 Jahren gehörte er zu den ältesten Häftlingen des Lagers. Er überlebte die Haftzeit sowie die Evakuierung des Lagers im Frühjahr 1945.
Literatur
Fridolín Macháček: Pilsen - Theresienstadt - Flossenbürg. Die Überlebensgeschichte eines tschechischen Intellektuellen. In: Christa Schikorra, Jörg Skriebeleit, Jan Švimberský (Hrsg.): Flossenbürger Forum. Band 2. Wallstein, Göttingen 2017, ISBN 978-3-8353-1886-1.