Friedrich Doeltz

deutscher Architekt und hannoverscher bzw. preußischer Baubeamter From Wikipedia, the free encyclopedia

Friedrich Doeltz (* 10. Oktober 1823 in Osnabrück; † 27. März 1894 in Erfurt[1]; vollständiger Name: Carl Friedrich August Doeltz) war ein deutscher Architekt und Baubeamter im Königreich Hannover und im Königreich Preußen.

Signatur von Friedrich Doeltz, 1863

Leben und Wirken

Leben und Werk des Architekten Friedrich Doeltz sind bisher nur in Umrissen erforscht. Die wenigen gesicherten Informationen zu Friedrich Doeltz stammen aus einem Lexikonartikel[2], einem Beitrag zur Göttinger Baugeschichte des 19. Jahrhunderts[3], einer Monografie von Bärbel Schwager über das Auditorium in Göttingen als sein architektonisches Hauptwerk[4] und verstreuten Einzelfunden. Sein über 20-jähriges Wirken nach der Göttinger Zeit ab 1871 ist weitgehend unbekannt.

Doeltz war Sohn des Landbauverwalters und späteren Osnabrücker Oberlandbaumeisters Johann Friedrich Christian Doeltz (mit dem er in der Literatur häufiger verwechselt wurde) und dessen Ehefrau Charlotte Elisabeth Doeltz geb. Bahre.[5][6] Schon als Jugendlicher erhielt er Privatunterricht in Mathematik sowie künstlerischen Techniken des Zeichnens und Modellierens.[7] Nach dem Abitur besuchte er 1839–1842 die Höhere Gewerbeschule Hannover, wo er Baukunst bei Ernst Ebeling belegte und wohl auch Conrad Wilhelm Hase kennenlernte.[8] Es folgten ab 1844[9] Anstellungen im Baufach als Landbaueleve in Aurich und Nienburg/Weser und 1847[9] die Beförderung zum extraordinären Landbau-Conducteur, bevor er 1848[9] nach Göttingen versetzt wurde. Dort war er zunächst dem Landbaumeister und Distriktsvorstand Otto Praël unterstellt, absolvierte 1851 die Prüfung zum Landbauconducteur[5] und wirkte ab 1858[10] als Landbauinspektor.[11] Das Hof- und Staatshandbuch von 1860 führt Doeltz als Landbauinspektor und Vorstand der Landbau-Inspection Nordheim II.[12]

Dann übernahm Doeltz ab 1862 als Universitätsbaumeister in der Nachfolge von Otto Praël weitere selbständige Arbeiten als Architekt und leitender Baubeamter, vor allem beim Ausbau der Georg-August-Universität Göttingen. 1863 trat Doeltz dem Architekten- und Ingenieur-Verein Hannover bei.[13]

Nach Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen (1866) kam es 1871 zu seiner „möglicherweise auch politisch motivierten Versetzung“[5] weg von Göttingen als Kreisbaumeister nach Stade[14], anschließend 1873 zur Ernennung zum Oberbauinspektor unter Versetzung nach Magdeburg.[15] 1874 erfolgt die Ernennung zum Regierungs- und Baurat, 1890 zum Geheimen Baurat[16], bis zur Pensionierung 1893 mit 70 Jahren und einem Umzug nach Erfurt, wo er ein Jahr später starb.[1]

Friedrich Doeltz war ab 1852 in erster Ehe verheiratet mit Sophie Wilhelmine Adolphine Burmester (1829–1856) und in zweiter Ehe ab 1857 mit seiner Cousine Pauline Nathalie Elise Schröder (1834–nach 1895); beiden Ehen entsprangen jeweils zwei Kinder.[5] Doeltz' Schwester Johanne (1831–1909) heiratete 1853 den Bremer Bankier Daniel Georg Volkmann.

Doeltz wohnte mit seiner Familie ab 1853 in der Göttinger Altstadt, erwarb 1864[5] mit seiner Frau das Göttinger Bürgerrecht, um spätestes seit 1868 im von ihm erbauten Haus Untere Karspüle 12 zu wohnen; in Erfurt 1894 wohnte die Familie im Gebäude Pförtchenstraße 6. Die Witwe Elise Doeltz kehrte 1894 nach Göttingen zurück.[17]

Bauten und Entwürfe

Christuskirche Bodenfelde, 1853–1855 (2025)
Auditorium der Universität Göttingen, 1861–1865 (2018)
Orgelprospekt der St.-Johannis-Kirche in Rosdorf, 1863 (2012)

Würdigungen

In Göttingen stand Doeltz architekturstilistisch für eine „deutliche Abkehr von dem klassizistischen Idiom“[18] seiner Vorgänger Justus Heinrich Müller oder Otto Praël und folgte konsequent dem Hannoverschen Rundbogenstil, bei dem er Elemente der byzantinischen und Renaissancearchitektur zu einer neuen Stilauffassung innerhalb der Epoche des Historismus verband.[17]

Der Kunsthistoriker Christian Freigang bezeichnete Doeltz als „maßgebliche Figur“ des programmatischen Anschlusses der Göttinger Architektur an die Hannoveraner Architekturauffassung. In diesem Zusammenhang hob er hervor, dass Doeltz „als Vertreter einer neuen Architektengeneration“ nicht an einer Kunstakademie, sondern an einer praxisorientiereren Gewerbeschule (der späteren Polytechnischen Schule) studiert hatte.[19]

Bauten und Entwürfe (Auswahl)

Auszeichnungen

Archivalien

Literatur

  • Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten. Vom 14. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5, S. 170, S. 244 f. (Digitalisat auf univerlag.uni-goettingen.de, abgerufen am 11. Februar 2023)
  • Christian Freigang: Architektur und Städtebau von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis 1866. In: Ernst Böhme, Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Göttingen, Geschichte einer Universitätsstadt. Band 2: Vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Anschluss an Preußen. Der Wiederaufstieg als Universitätsstadt (1648–1866). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN 3-525-36197-1, S. 765–812, hier S. 808 ff. und S. 812. (Digitalisat der Universitätsbibliothek Heidelberg, abgerufen am 11. Februar 2023)
  • Dietrich Lösche: Staatliche Bauverwaltung in Niedersachsen. Vom Ortsbaubeamten im Landbaudistrikt zum Staatlichen Baumanagement. (= Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen, Band 45.) Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2004, ISBN 3-89534-545-8, S. 174, S. 649. (Dort als Carl Friedrich Doeltz)
  • Bärbel Schwager: Das Göttinger Auditoriengebäude von 1862/65. Ein Beitrag zur Universitätsarchitektur im 19. Jahrhundert und zur Hannoverschen Variante des Rundbogenstils. (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 37, Architektur, Band 16.) Peter Lang, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-631-48702-9, S. 288–307.

Einzelnachweise

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