Friedrich Nerly

deutscher Maler (1807-1878) From Wikipedia, the free encyclopedia

Friedrich Nerly (ursprünglich Christian Friedrich Ne[h]rlich, auch Federico von Nerly oder Friedrich Nerly der Ältere; * 24. November 1807 in Erfurt; † 21. Oktober 1878 in Venedig) ist ein deutscher Maler der Romantik. In Italien ändert er seinen Namen in „Nerly“. Gefördert von dem holsteinischen Schriftsteller und Kunsthistoriker Carl Friedrich von Rumohr, geht er Anfang 1829 nach Rom, wo er bis Herbst 1835 lebt und arbeitet.[1] Dort entstehen neben großen Gemälden zahlreiche Zeichnungen, Aquarelle und Ölstudien, die durch ihren frischen Naturalismus besonders herausragen. 1837 lässt sich Nerly in Venedig nieder. Mit seinen Ansichten der Kanäle und Paläste, vor allem aber der Markussäule und der Piazzetta bei Mondschein, feiert er dort große Erfolge.

Selbstbildnis, 1828, Silberstift, Städel Museum Frankfurt am Main
Studie zum Porträt Carl Friedrich von Rumohr, 1823, Federzeichnung
Erwin Speckter: Der Künstler und seine Freunde: (v.l.n.r.: Erwin Speckter, Carl Julius Milde, Otto Speckter, Friedrich Nehrlich (Nerly))
Friedrich Nerly als „General und Feldmarschall der Tiber und deren Brück“ (Cervaro-Fest), 1832, Zeichnung, Casa di Goethe
Campagnalandschaft mit Aqua Claudia, 1836, Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen
Die Piazzetta und die Markussäule bei Mondschein, Nerlys am häufigsten gemaltes Motiv

Leben

Frühe Jahre in Hamburg

Nach dem frühen Tod des Vaters kommt Nerly mit acht Jahren zu einem seiner Onkel, dem Buchhändler Carl Elias Häßler, nach Hamburg; anschließend findet er Aufnahme auf dem Bauernhof seines Onkels Johann Friedrich Häßler. Da der Junge eine Neigung zum Zeichnen hat, wird er in der „Hamb. Steindruckerei Speckter & Herterich“, die sein angeheirateter Onkel Heinrich Joachim Herterich mit Johann Michael Speckter betreibt, zum Lithografen ausgebildet. Nerly wird wie ein Familienmitglied bei den Speckters aufgenommen und schließt Freundschaft mit den Söhnen Otto und Erwin.

Carl Friedrich von Rumohr als Mentor und Lehrer Nerlys

Im Alter von 16 Jahren lernt Nerly den holsteinischen Adeligen, Kunsthistoriker und Schriftsteller Carl Friedrich von Rumohr (1785–1843) kennen, der ihn zur künstlerischen und gesellschaftlichen Ausbildung auf sein Gut Rothenhausen mitnimmt. Dieser unterrichtet ihn im Zeichnen nach der Natur und lässt ihn auch Ölstudien im Freien machen. 1825 reisen sie gemeinsam nach Kopenhagen, wo Rumohr seinen Zögling dem dänischen Kronprinzenpaar vorstellt. 1827 fahren sie über den Harz nach Erfurt und Weimar. Dort besuchen sie am 19. März Johann Wolfgang von Goethe. Nerlys Onkel Carl Eberwein ist herzoglicher Musikdirektor in Weimar und Dirigent von Goethes Hauskapelle.

Die Reise nach Italien

1828 ermöglicht Rumohr Nerly die Reise nach Italien. Im Januar fahren sie zunächst nach Berlin, wo Nerly Bettina von Arnim kennenlernt, die ihm einen Band von Goethes Gedichten schenkt. Nach Stationen unter anderem in Dresden, Nürnberg und München überqueren sie Ende März oder Anfang April die Alpen und erreichen Ende April Florenz. Hier lernen sie am 20. Mai den Dichter August von Platen kennen. Vom 22./23. Juli bis zum 18. August ist Nerly auf Einladung Platens in Porto Venere und auf der Insel Palmaria. Ab November 1828 sind Rumohr und Nerly in Siena. Von dort kehrt Rumohr zurück in den Norden, während Nerly die letzte Etappe nach Rom allein reist.

Die Jahre in Rom 1829 bis 1835

Nerly erreicht die Ewige Stadt Mitte Januar 1829. Hier findet er sehr schnell Anschluss an die zahlreichen deutschen Künstler. Bereits am 1. Mai wird er zum „Generalissimus“ der Ponte-Molle-Gesellschaft gewählt, einer burschenschaftsähnlichen Vereinigung deutscher und nordischer Künstler in Rom. Er hat das Amt bis zu seiner Abreise 1835 inne, entwickelt neue Rituale und organisiert große Feste, vor allem das Cervaro-Fest Anfang Mai. Dadurch spielt er eine zentrale Rolle im römischen Kunstleben seiner Zeit.

Während seiner römischen Jahre unternimmt Nerly zahlreiche Touren in die Berge und an die Küsten. Er besucht unter anderem Tivoli und Olevano, Terracina, Mola di Gaeta und San Felice am Monte Circeo, Capri, Sorrent und Paestum. Hier entstehen zahlreiche Zeichnungen, Aquarelle und Ölstudien, die er sein Leben lang als Motivschatz bei sich behält. Sie dienen ihm als Vorlagen und Inspirationsquelle für die Gemälde, die er im Winter im römischen Atelier anfertigt.

Im Herbst 1835 laden Johann Frizzoni (Giovanni Leonardo, 1806–1849), der Sohn eines Seidenhändlers aus Bergamo, und Clementine Reichmann (Clementina Vittoria, 1815–1907), die Tochter eines bekannten Hoteliers in Mailand, Nerly ein, sie auf ihrer Hochzeitsreise nach Sizilien zu begleiten. Er fährt mit dem jungen Brautpaar am 5. Dezember 1834 per Dampfschiff von Neapel nach Sizilien. Dort besuchen Sie unter anderem Messina, Palermo, Selinunt, Syrakus und Agrigent. Im Februar 1835 kehren sie von der Reise zurück.

Von Rom nach Venedig

Als im Herbst 1835 in Rom die Cholera ausbricht, verlässt Nerly die Stadt und fährt zunächst zu den Frizzonis nach Bergamo und dann nach Mailand. Hier vollendet er sein letztes großes römisches Gemälde, Campagnalandschaft mit Aqua Claudia, das sich heute in der Kunsthalle Bremen befindet.[2]

Ende September oder Anfang Oktober 1837 bricht Nerly nach Venedig auf. Bereits Ende des Jahres bezieht er eine Wohnung im repräsentativen Palazzo Pisani, dem heutigen Conservatorio Benedetto Marcello, wo er auch sein Atelier einrichtet. Hier lebt und arbeitet er bis zu seinem Tod. 1838 entsteht seine erste Fassung der Piazzetta in Venedig bei Mondschein (heute im Angermuseum Erfurt). Dieses ikonische Werk bildet die Grundlage seines großen Erfolgs in der Lagunenstadt, insbesondere während der kommenden zwanzig Jahre. Er soll das Motiv 36-mal wiederholt haben.

Am 12. Januar heiratet Nerly die Venezianerin Agathe Alginovich (10. Dezember 1810 – 17. Juni 1889), die Adoptivtochter von Constantino Maruzzi, Bankier und Kammerherr des Zaren. Sie bringt am 26. Oktober 1842 den gemeinsamen Sohn Friedrich Paul (gest. 1919) zur Welt. Dieser wird ebenfalls Landschaftsmaler und lebt fast fünfzig Jahre in Rom.

König Wilhelm I. von Württemberg verleiht Nerly 1852 das Ritterkreuz 1. Klasse des Ordens der Württembergischen Krone, verbunden mit der Aufnahme in den Personaladel.[3] Im selben Jahr wird Nerly zum Socio d’Arte (Professor und Ehrenmitglied) der Accademia di Belle Arti di Venezia ernannt. 1863 verleiht Wilhelm I., König von Preußen, Nerly auch den preußisch königlichen Kronen-Orden dritter Klasse.

Friedrich Nerly stirbt am 21. Oktober in Venedig. Er wird auf dem Friedhof San Michele begraben. Über seinen Sohn Friedrich Paul Nerly gelangt später die eine Hälfte von Nerlys Nachlass in den Besitz der Stadt Erfurt (heute im dortigen Angermuseum).[4][5] Den anderen, etwas kleineren Teil seines Nachlasses erwirbt der Kunstverein in Bremen 1953 von Nerlys Ururgroßnichte.[6][7]

Werke

  • Bildnis des Kunsthistorikers Karl Friedrich von Rumohr, um 1823–27, Öl auf Leinwand, 31 × 25 cm (Alte Nationalgalerie Berlin, Inv. Nr. A III 725).
  • Meeresküste an der Insel Palmaria, 1828, Öl auf Leinwand, 83,5 × 109,5 cm (Carl und Louise Graf und Gräfin von Scheel-Plessen).
  • Ruinen der Kaiserpaläste, 1829, Öl auf Leinwand, 83,5 × 109,5 cm (Privatbesitz).
  • Das Cascatellental bei Tivoli, 1830, Öl auf Leinwand, 98,5 × 134,5 cm (Senator Jenisch Gemäldesammlung Hamburg).
  • Das Forum Romanum, 1830, Öl auf Leinwand, 82,5 × 110 cm (Privatbesitz).
  • Italienische Landschaft mit Hirten, 1831, Öl auf Leinwand, 150 × 122 cm (Von der Heydt-Museum Wuppertal, Inv. Nr. G 0133).
  • Büffel ziehen einen Marmorblock, 1831, Öl auf Leinwand, 74,5 × 99,4 cm (Thorvaldsen-Museum Kopenhagen, Inv. Nr. B 133).
  • Italienische Gebirgslandschaft mit Brigantenszene, 1831, Öl auf Leinwand, 150 × 122 cm (Von der Heydt-Museum, Wuppertal, Inv. G 0134 b).
  • Winzerzug auf dem Monte Circello, 1832, Öl auf Leinwand, 127 x 171 cm (Privatbesitz, vgl. Lempertz Auktion 21.5.2016, Los 1514).
  • Blick auf Terracina und den Monte Circeo, 1833, Öl auf Leinwand, 99 × 137,5 cm (Hamburger Kunsthalle, Inv. Nr. 2787).
  • Die Wasserfälle von Terni, um 1834, Öl auf Leinwand (Österreichische Galerie Wien, Inv. Nr. 3296).
  • Blick auf die Meeresbucht von Mola di Gaeta, von oberhalb der Bäder der Villa Ciceros aus gesehen, 1835, Öl auf Leinwand, 63 × 75 cm (Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, Inv. 1993-1312).
  • Campagnalandschaft mit Aqua Claudia, 1836, Öl auf Leinwand, 124 × 148,5 cm (Kunsthalle BremenDer Kunstverein in Bremen, Inv. 1648-2018/2).
  • Die Markussäule in Venedig bei Mondschein, um 1837, Öl auf Leinwand Inv. 1068-1972/16).
  • Die Piazetta im Mondschein, 1838, Öl auf Leinwand, 81 × 111 cm (Van Ham Kunstauktionen, verkauft im April 2007, Ergebnis: 210.000 €).[8]
  • Blick über den Bacino di San Marco in Venedig, um 1840–45, Öl auf Leinwand, 80 × 119 cm (Van Ham Kunstauktionen Köln, verkauft im April 2007, Ergebnis: 550.000 €).
  • Palazzo Pisani, um 1840–45, Öl auf Leinwand, 74 × 66 cm (Van Ham Kunstauktionen Köln, verkauft im April 2007, Ergebnis: 33.000 €).
  • Vor einem Palazzo am Canal Grande in Venedig, um 1840–45, Öl auf Leinwand, 252 × 150 cm (Van Ham Kunstauktionen Köln, verkauft im Mai 2011, Ergebnis: 2.200 €).
  • Piazzetta in Venedig bei Mondschein, 1842, Öl auf Leinwand (Wallraf-Richartz-Museum Köln, Leihgabe aus Privatbesitz).
  • Blick über den Bacino di San Marco in Venedig,[9]um 1843/46, Öl auf Leinwand (Privatbesitz).
  • Venedig, Canal Grande mit Blick auf Santa Maria della Salute, um 1845, Öl auf Leinwand (Kunsthalle BremenDer Kunstverein in Bremen).
  • Venedig, Canal Grande mit Palazzo Fondaco dei Turchi,[10]um 1845, Wasserfarben, Pinsel und Feder in Braun, Weißhöhungen, Bleistift (Angermuseum Erfurt).
  • Piazza di San Marco bei Mondschein, 1849, Öl auf Leinwand (Lempertz Köln, verkauft im Juni 2016, € 400.000,-).
  • Venedig bei Nacht, 1850, Öl auf Leinwand, 75 × 102 cm (Museo Morpurgo Triest).
  • Das Haus der Desdemona in Venedig, 1855, Öl auf Leinwand, 110 × 86 cm (Villa Grisebach Berlin, verkauft im Mai 2012).

Literatur


  • Friedrich Nerly und die Künstler um Carl Friedrich Rumohr. Bearbeitet von Thomas Gädeke. Katalog. Kloster Cismar, Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum; Landesmuseum Mainz 1991.
  • Julia M. Nauhaus: "… einige interessante Notizen über Kunstgegenstände ..." Friedrich Nerly und die Berliner Gemäldegalerie. In: "Römische Tage – Venezianische Nächte" Friedrich Nerly zum 200. Geburtstag. Ausstellungskatalog des Angermuseums Erfurt. Paderborn 2007, S. 195–205.
  • Julia M. Nauhaus: "Vom Kuhhirten zum kleinen Grafen". Friedrich Nerlys Begegnungen mit Künstlern und herausragenden Persönlichkeiten in Hamburg, Rom und Venedig. In: "Römische Tage – Venezianische Nächte" Friedrich Nerly zum 200. Geburtstag. Ausstellungskatalog des Angermuseums Erfurt. Paderborn 2007, S. 11–31.
  • Julia M. Nauhaus: Friedrich Nerly: The island of San Michele, Venice, around 1850. In: Venice in Peril. The British Committee for the Preservation of Venice. Newsletter, Sommer 2008, S. 3.
  • Julia M. Nauhaus: Nerly – Vater und Sohn. In: SammlerJournal. Reichertshausen Juli 2011, S. 86–91.
  • Dietrich Lückoff: Friedrich Nerly in Porto Venere, Sommer 1838 / Friedrich Nerly a Porto Venere, Estate 1828. Verlag Melangolo, Genua 2014. (Text italienisch und deutsch).
  • Claudia Denk, Kai Uwe Schierz, Thomas von Taschitzki (Hrsg.): Reframing Friedrich Nerly. Landschaftsmaler, Reisender, Verkaufstalent. Deutscher Kunstverlag, Berlin / München 2022, ISBN 978-3-422-98950-4.
  • Claudia Denk, Kai Uwe Schierz, Thomas von Taschitzki (Hrsg.): Friedrich Nerly - von Erfurt in die Welt. die Gemälde und Ölstudien des Nerly-Bestandes im Angermuseum Erfurt, Deutscher Kunstverlag, Berlin 2024, ISBN 978-3-422-80257-5

Einzelnachweise

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