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Fritz Hintermayer

deutscher Mediziner und zuletzt Lagerarzt im KZ Dachau im Rang eines SS-Obersturmführers From Wikipedia, the free encyclopedia

Fritz Hintermayer (* 28. Oktober 1911 in Grafing; † 29. Mai 1946 in Landsberg am Lech) war ein deutscher Mediziner und SS-Obersturmbannführer. Zudem war er SS-Arzt und zuletzt Lagerarzt im KZ Dachau.

Fritz Hintermayer in amerikanischer Internierung. Aufnahme von 1945.

Kindheit, Jugend, Studium, Familie

Hintermayer wurde als Sohn des praktischen Arztes Dr. Franz Hintermayer und der Luise, geborene Moser, in Oexing, einem Ortsteil der Stadt Gräfing, geboren und wuchs in einem katholisch geprägten Elternhaus auf.[1] Von 1917 bis 1922 besuchte er die Volksschule in Grafing, danach verschiedene Gymnasien in München (bis 1924 das Wilhelmsgymnasium, bis 1925 das Ludwigsgymnasium, bis 1929 das Maxgymnasium und dann bis zum Abitur das Theresiengymnasium).[1] Nach bestandenem Abitur an Ostern 1931 absolvierte er das Studium der Medizin an der Universität von München.[1] Während des Studiums wurde er im Corps Germania München aktiv.[1] Das medizinische Staatsexamen bestand er im Jahre 1936, die nachfolgende Zeit als Medizinalpraktikant verbrachte er am Krankenhaus in Nymphenburg.[1] Seine Approbation erhielt er am 21. Dezember 1937.[1]

Hintermayer heiratete am 15. Oktober 1938 die Marianne Kammann aus Köln und zeugte mit ihr drei Söhne (* 1939, * 1940, * 1943) und eine Tochter (* 1945).[1]

Militärdienst und Beginn der ärztlichen Karriere

Hintermayer absolvierte vom 4. Januar bis zum 18. September 1938 mehrere freiwillige Wehrdienstübungen, zunächst bei der 15. Ergänzungskompanie des Gebirgs-Infantrie-Regiments 100 in Brannenburg und dann in der Gebirgs-Sanitätsstaffel in Lenggries.[1] Im Zuge dieser wurde er mehrfach befördert und erreichte schließlich den Dienstgrad eines Unterarztes der Reserve. Unterbrochen wurden diese Übungen von Juni bis August 1938. In dieser Zeit übernahm Hintermayer Vertretungen in Landarztpraxen in Grafing, Bruckmühl und Glonn.[1]

NS- und SS-Karriere

Hintermayer trat zum 1. August 1932 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1.200.381)[2]. Von 10. Mai 1933 bis zum August 1934 war er Mitglied der SA, vom August 1934 bis zum November 1938 Mitglied der Hitlerjugend. Weiterhin trat Hintermayer in 1937 dem NS-Ärztebund bei (Nr. 19677). Im November 1938 trat Hintermayer in die SS ein (SS-Nummer 310.340).[1]

Ab dem 1. November 1938 wurde Hintermayer als SS-Untersturmführer in der Sanitätsstaffel der SS-Totenkopfstandarte "Oberbayern" eingestellt. Ab Oktober 1939, und somit seit ihrer Gründung, gehörte er der SS-Division "Totenkopf" an. Im Juli 1941 wurde er während seines Einsatzes beim SS-Totenkopf-Infanterie-Regiment 2 zum SS-Hauptsturmführer befördert. Seine Beförderung zum SS-Sturmbannführer erfolgte im Oktober 1943, während er im SS Panzer-Grenadier-Regiment 5 „Totenkopf“ eingesetzt war. Während seiner Dienstzeit an der Ostfront wurde Hintermayer mit beiden Klassen des Eisernen Kreuzes und mit der Medaille Winterschlacht im Osten 1941/42 ausgezeichnet.[1]

Am 15. Dezember 1943 wurde Hintermayer an das SS-WVHA, Amt D III nach Oranienburg versetzt, wo er als Ersatz von Karl Babor eingeplant war. Ab Februar 1944 folgte die Versetzung in das KZ Dachau. Hier diente Hintermayer zunächst als 2. Lagerarzt und Stellvertreter des damaligen Lagerarztes Wilhelm Witteler, bevor er von September 1944 bis April 1945 selbst diese Leitungsposition bekleidete. Zuletzt hatte er den Rang eines SS-Obersturmbannführers inne.[1]

Im Prozess vor dem US-Militärtribunal gab Hintermayer an, vor seiner letzten Versetzung in das KZ Dachau als Arzt in einer SS-Kampfeinheit an der russischen Front eingesetzt gewesen zu sein, wo er sich eine schwere Verwundung am Kopf mit erheblichen Folgeerscheinungen zugezogen hatte. Weiterhin erklärte er, sich selbst für die Position des leitenden Lagerarztes von Dachau nicht geeignet gefühlt und dies auch seinem Vorgesetzten, dem Leiter des Amtes D III Sanitätswesen und Lagerhygiene im SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt SS-Standartenführer Enno Lolling, mitgeteilt zu haben. Verschiedene Quellen weisen darauf hin, dass Hintermayer zum Ende seiner Tätigkeit als Lagerarzt sein Promotionsverfahren noch nicht beendet hatte.

Medizinische Verbrechen

Der ehemalige Häftling Eugen Seybold identifiziert im ersten Dachauer Prozess den angeklagten SS-Arzt Fritz Hintermayer als den Mann, der bei der Hinrichtung von 95 kriegsgefangenen hochrangigen russischen Offizieren im KZ Dachau anwesend war.

Als KZ-Arzt – vor allem in seiner leitenden Funktion als Lagerarzt – war Hintermayer für diverse „ärztliche“ Hilfsdienste für die KZ-Verwaltung, medizinische Forschungsstellen und Wirtschaftsunternehmen zuständig, die der planmäßigen Ausbeutung, Misshandlung, Folterung und Vernichtung von Häftlingen im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie dienten. Dazu gehörten die Selektion der Häftlinge für verschiedenste Maßnahmen und Menschenversuche, Atteste zur Vorbereitung und Durchführung körperlicher Bestrafungen, Assistenz bei Hinrichtungen, Vertuschung von Tötungen durch verfälschte Totenscheine, Durchführung von Zwangsabtreibungen, Anweisungen zu Tötungen von bestimmten Häftlingen. Im ersten Dachauer Prozess wurden Hintermayer generell die in seiner Zeit als Lagerarzt völlig unzureichende Organisation und Durchführung der ärztlichen und medizinischen Versorgung der Häftlinge, die Inkaufnahme des massenhaften Leidens und Sterbens von Häftlingen infolge systematischer Mangelversorgung und verschiedener Seuchen, seine planmäßige Mitwirkung an Verbrechen Dritter gegen die KZ-Häftlinge sowie konkrete eigene Taten gegen Leib und Leben von KZ-Gefangenen vorgeworfen. Häftlinge beschrieben Hintermayer als korrupt und als Mörder. Der ehemalige deutsche Häftling Eugen Seybold bezeugte u. a., dass Hintermayer zwei schwangere russische Frauen mit Einspritzungen getötet hat. Nach Aussagen des ehemaligen tschechischen Häftlingsarztes Franz Blaha vom 9. Januar 1946 im Nürnberger Ärzteprozess war Hintermayer an Salzwasserexperimenten und Luftdruckexperimenten an einer größeren Zahl von KZ-Häftlingen beteiligt, die für die Versuchspersonen in der Regel mit schwersten körperlichen und seelischen Verletzungen verbunden waren und meist mit ihrem Tod endeten. Weiterhin gibt es Aussagen, dass von Hintermayer im April 1945 achtzehn geisteskranke junge Häftlinge durch Injektionen getötet wurden. Hintermayer war laut eigener Aussage an Malariaversuchen beteiligt.

Verurteilung und Hinrichtung durch die US-Besatzungsbehörde

Fritz Hintermayer wurde nach der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau im Dachau-Hauptprozess, der im Rahmen der Dachauer Prozesse stattfand, mit 39 weiteren Leitungs- und Mannschaftsangehörigen des KZ Dachau wegen Kriegsverbrechen angeklagt. Wegen seiner in Dachau begangenen Taten wurde er am 13. Dezember 1945 zum Tode verurteilt. Beim Urteil wurden als individuelle Exzesstaten bei Hintermayer die Teilnahme an Exekutionen zur Feststellung des Todes der Hingerichteten, die Gabe von zwei tödlichen Injektionen an zwei schwangeren Häftlingsfrauen sowie die Vorbereitung der Tötung von sieben psychisch kranken Häftlingen berücksichtigt.[3] Das Urteil wurde am 5. April 1946 vom Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte in Europa bestätigt, nach einer entsprechenden Empfehlung durch ein „Review Board“ der Armee. Seine Todesstrafe wurde am 29. Mai 1946 im Kriegsverbrechergefängnis Landsberg durch den Strang vollstreckt.

Literatur

Commons: Fritz Hintermayer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen

Einzelnachweise

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